Kurznachrichten // Frankfurter Rundschau: Asyl-Politik Worüber reden wir da eigentlich? // Dazu der Pouya-Blog: Die Entmenschlichung der Sprache - Heute und Gestern! // Horst Berndt - Laut geben! Die guten Menschen, nennen wir sie doch so! Die Rassisten und Hetzer, nennen wir sie doch so!


Kurznachrichten

Schweizer Piloten dürfen keine Flüchtlinge mehr retten: «Jetzt steigt die Zahl der Toten» / watson v. 05.07.2018
Fabio Zgraggen darf mit seiner humanitären Piloteninitiative keine Suchoperationen mehr über dem Mittelmeer fliegen. Die maltesischen Behörden haben ihm die Starterlaubnis entzogen.«Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschaffen, verstösst gegen die Genfer Flüchtlingskonvention.»

Bisher größte Sammelabschiebung nach Afghanistan / wsws.org v. 05.07.2018
Nach der reaktionären Einigung im Koalitionsstreit weitet die deutsche Regierung ihren Terror gegen Flüchtlinge aus. Allein in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli wurden 69 geflüchtete Menschen nach Afghanistan abgeschoben. Der Lufthansa-Flug von München nach Kabul war damit die bisher größte Sammelabschiebung.

Bisher größte Gruppe nach Afghanistan abgeschoben / Stern v. 04.07.2018
Kabul - Mit mehr als 50 Menschen an Bord ist in der afghanischen Hauptstadt Kabul ein weiterer Abschiebeflug angekommen. Das sagten Beobachter afghanischer und internationaler Flüchtlingsinstitutionen am Kabuler Flughafen am Morgen.
Bisher hatte eine Vereinbarung gegolten, wonach nicht mehr als 50 Passagiere an Bord von Abschiebeflügen sein dürfen. Oft waren es weniger als 20 Passagiere pro Flug. Die aus München kommende Maschine war um 8.40 Uhr Ortszeit in Kabul gelandet.

AUFRUF: Nein! Zum neuen Polizeigesetz in NRW
Nein zum neuen Polizeigesetz NRW! Kein Angriff auf unsere Freiheit und Grundrechte.
Die NRW-Landesregierung plant eine massive Verschärfung des Polizeigesetzes. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll diese ohne große Diskussion verabschiedet werden. Diese Verschärfung hebelt grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien wie die Unschuldsvermutung und Gewaltenteilung aus.
Sa, 7.Juli 2018 13 Uhr. Großdemonstration gegen das neue Polizeigesetz in Düsseldorf

Kontingentregelung Rund 3.000 Menschen warten in Griechenland auf Familiennachzug / Migazin v. 05.07.2018
Im Zuge einer Vereinbarung mit Griechenland will Deutschland Angehörige von hier lebenden Flüchtlingen schneller übernehmen. Das könnte Auswirkungen auf die Angehörigen haben, die im Libanon und Jordanien auf die Zusammenführung hoffen. Die Fälle könnten auf Kontingent für subsidiär Geschützte angerechnet werden.

Frankfurter Rundschau vom 04.07.2018
Asyl-Politik
Worüber reden wir da eigentlich?
Die Sprache verschleiert die menschlichen Schicksale, die hinter der Flucht stecken. Der Kommentar. 
Von Stephan Hebel 

Das deutsche Recht tut so, als gebe es die Geflüchteten nicht. Foto: afp

Man tue für einen Augenblick das, was deutsche Asylpolitiker offenbar niemals tun:

Man versetze sich in die Lage eines Menschen, der auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg, Hunger oder auch vor der Armut seines Landes ist. Man stelle sich vor, er hat irgendwie Deutschland erreicht. Aber dann kommt ein Polizist oder sonst ein Beamter und sagt dem Geflüchteten:

Nach deutschem Recht sind Sie gar nicht da

Beziehungsweise: Deutsches Recht tut so, als wären Sie nicht da. Dann sind Sie nämlich schneller wieder weg. Und jetzt ab ins Transitzentrum.

Für die furchtbare Idee, so zu tun, als wäre jemand nicht angekommen, obwohl er da ist, haben deutsche Politiker und Bürokraten einen ebenso furchtbaren Begriff erfunden: 

„Fiktion der Nichteinreise“. 

Und eins steht fest: Wer so mit der Sprache umgeht, wenn es um Menschen geht, hat sich ganz sicher nie in deren Lage versetzt.


„Fiktion der Nichteinreise“, „Ankerzentrum“, „Ausschiffungsplattform“: All diese Wort-Erfindungen sind ja nicht deshalb so schrecklich, weil sie den kalten Umgang mit Menschen treffend beschreiben würden. Im Gegenteil: Sie dienen dazu, diese Politik hinter Kürzeln und Floskeln so wirksam zu verstecken, dass wir beim Sprechen vergessen, worüber wir eigentlich reden.

Die Begriffe haben reale Folgen

Zum Beispiel über Symbole der Abwehr wie den jetzt gefundenen „Kompromiss“ der Unionsparteien. Symbolische Handlungen, die in der Gesellschaft vorhandene Ängste und Ressentiments bedienen, statt sie zu bekämpfen. Symbole allerdings auch, die reale Folgen für Menschen haben.

Es geht nicht einfach um die Frage, wie man etwas nennt oder ausdrückt. In der Politik bedeutet Sprechen immer auch Handeln.  

„Wer die Dinge benennt, beherrscht sie“, hat der Politologe Martin Greiffenhagen einmal gesagt. 

Im Fall der Asylpolitik: Wenn es gelingt, in der öffentlichen Debatte den Abwehr-Diskurs durchzusetzen, schafft das den Boden für den nächsten Akt der Inhumanität. 

Wenn es als normal, ja als notwendig und naturgesetzlich gilt, möglichst viele Geflüchtete von unseren Grenzen fernzuhalten, werden sich weitere Verschärfungen auch leichter durchsetzen lassen. Die Politiker werden sich dann auf genau die Abschottungs-Bedürfnisse in der Bevölkerung berufen, die sie mit ihrer Sprache und ihrer Politik selbst gefördert haben.

Hier der Link zum Artikel der Frankfurter Rundschau vom 04.07.2018 >>>
Asyl-Politik Worüber reden wir da eigentlich? / Frankfurter Rundschau v. 04.07.2018


Dazu der Pouya-Blog:
Horst Berndt Juli 2018

Die Entmenschlichung der Sprache. Heute und Gestern!

Johanna Arendt 

Der Artikel von Stephan Hebel, ist die Entlarvung der Sprache der Regierungen und staatlichen Stellen, die damit versuchen, bloß keine menschlichen Züge mehr in den Texten zuzulassen, wenn es um das Thema geht. Aber, kennen wir das nicht, irgendwoher?

Menschen werden in Textbausteinen technologisiert, als gegenständlich dargestellt. Mit Gegenständen verfährt man ja, irgendwie. Damit soll das Thema auch entemotionalisiert werden.

Der aufmerksame Leser/in wird jetzt bestimmt schon hellhörig, und ja, als ich diese Gedanken produzierte, wurde mir auch ganz heiß dabei, weil sich aus den unbewussten Tiefen meiner Gedankenwelt etwas an die Oberfläche arbeitete. Etwas, was aus der dunklen Vergangenheit aus der deutschen Geschichte daherkam.

Sofort viel mir ein Name ein. Jemand der bürokratisch mit Deportationen umging, der eine technische Sprache an den Tag legte, weil er es durfte, weil er es staatlicherseits durfte, wo es um Menschen ging.  An dem Punkt, wo ich diesen Zusammenhang im Kopf hatte, fragte ich mich ob das eigentlich so richtig und fair ist, wenn ich das so beschreibe. 

Der Name ist Adolf Eichmann der bürokratische Menschenvernichter. Dazu fiel mir aber gleich noch ein Name ein. 
Ja, es ist Johanna Arendt

Hier eine kleine Beschreibung von Johanna Arendt zu Adolf Eichmann. 

Und genau diese Beschreibung fiel mir im Zusammenhang mit aktuellen bürokratischen Sprache im Thema ein. Das habe ich nicht herbeigedacht, es kam quasi aus dem unbewussten Bereich meiner kleinen inneren Bibliothek, angerauscht. 

Aus Wikipedia >> 
Arendt bezeichnet Eichmann als normalen Menschen. Abgesehen davon, dass er eine Karriere im SS-Apparat machen wollte, hatte er kein Motiv, vor allem war er nicht übermäßig antisemitisch. Er war psychisch normal, kein Dämon oder Ungeheuer. Er erfüllte nur seine Pflicht, er hat nicht nur Befehlen gehorcht, sondern dem Gesetz gehorcht.[2] Der Gesetzgeber war Adolf Hitler mit seinem Führerwillen, Eichmann war nicht länger Herr über [s]ich selbst, ändern konnte [er] nichts. Eichmanns Unfähigkeit, selbst zu denken, zeigte sich vor allem an der Verwendung klischeehafter Phrasen, einem Verstecken hinter der Amtssprache. Als auf der Wannseekonferenz die Spitzen von Ministerien, Justiz und Wehrmacht der Endlösung unwidersprochen zustimmten, fühlte Eichmann sich jeder Verantwortung enthoben: die gute Gesellschaft stimmte zu, was sollte er als kleiner Mann da machen? Nach der Wannseekonferenz, als er im Kreis der Großen fachsimpeln durfte, waren minimale Zweifel, eventuelle Gewissensbisse verschwunden. Sein Gewissen hatte er an die Oberen abgetreten. In diesem Augenblick fühlte ich mich wie Pontius Pilatus, bar jeder Schuld.[3] Im Gegensatz dazu betont Arendt, dass es auch unter der totalitären Herrschaft Wahlmöglichkeiten, eine Moral gibt.

Sie verwirklichten eine Ideologie der Sachlichkeit und der Planbarkeit, die sich gut in Eichmanns Satz fassen lässt: „Wenn diese Sache einmal gemacht werden musste,… dann war es besser, wenn Ruhe und Ordnung herrschten und alles klappte“,[5] wobei er mit „Sache“ die Judenvernichtung meinte. 

Arendt betont, dass die Sprache der Nazis darauf aus war, Zusammenhänge auch vor den Tätern selbst (vor anderen ohnehin) zu verschleiern, um Gewissensreste, die manche Täter anfangs noch haben mochten, zu beruhigen.

 Das gilt hier für das Wort „Sache“ oder allgemein für die typische Tarnsprache der Zeit, z. B. „Endlösung“ für den Massenmord an Juden.

Nach Arendt hatte Eichmann diese verdinglichte Sprache noch im Prozess, zwanzig Jahre nach seiner Tätigkeit, vollkommen verinnerlicht und wendete sie in den Verhören vor Avner Less und vor Gericht ständig an.

Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen

Ein Buch von Johanna Arendt

Kleine Inhaltsbeschreibung
Von Joachim Hohwieler

Der Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat.
Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.
Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler

Wenn ich wollte, könnte ich tatsächlich die Textstellen aus Wikipedia ganz locker mit sehr wenigen Veränderungen auf den aktuellen Stand bringen, wenn es um den heutigen Sprachgebrauch der staatlichen Stellen geht. Ist das nicht mehr als gruselig.



LAUT geben!
Die guten Menschen, nennen wir sie doch so! Die Rassisten und Hetzer, nennen wir sie doch so!

Das ist die derzeitige, grundsätzliche und harte Auseinandersetzung in der deutschen und auch in der europäischen Gesellschaft. Humanität versus Rechtspopulisten! Ich erlebe das jeden Tag hier in Berlin.

Von Horst Berndt Juli 2018

Claus von Wagner / DIE ANSTALT

Da werden Flüchtlingsheime von Rechtspopulisten (meist verblendete Jugendliche) beobachtet und Kinder von syrischen Familien extrem böse angepöbelt, dass dann mit dem sog. Nazi-Sprech.

Alles selbst miterlebt, als Helfer. Das, was der Staat jahrzehntelang zugelassen hat, wächst jetzt durch die dünne Decke der Demokratie und verseucht unsere Gesellschaft.

Es stehen wieder Menschen hinter der Gardine und zollen heimlich Beifall. Vor diesen feigen Menschen im Land habe ich ehrlich gesagt - Angst. Die kommen nämlich aus ihren Rattenlöchern hervor, um so mehr es wieder gesellschaftsfähig wird,  knallhart nationalistisch zu sein.

Die Hoffnung, die uns bleibt, die Stärke, die wir dauerhaft an den Tag legen müssen. Beides sehen wir derzeit in der deutschen Gesellschaft, das zum Glück und zum Zeichen dessen, dass ein Teil der deutschen Gesellschaft die Inhalte aus dem deutschen Grundgesetz tatsächlich mit Leben erfüllt. 

Ich bin jahrelang ehrenamtlich tätig, für deutsche benachteiligte Kinder, für Jugendsport, für Menschen, die hier vor Krieg und fehlenden Existenzgrundlagen Schutz suchen.

Diese Erfahrungen sind für mich sehr wertvoll, zudem habe ich dadurch feine Menschen kennengelernt, aus Syrien, kurdische Menschen, Jesiden, Armenier, Iraker, usw...

Durch meine Tätigkeit als Admin in der Facebook-Gruppe "Fanclub DIE ANSTALT", habe ich natürlich auch großen Einblick in die dort stattfindenden politischen Diskussionen. Immerhin hat diese Gruppe fast 33000 Mitglieder. Was dort stellenweise für extrem hässliche Kommentare präsentiert werden, lässt mir manchmal das Blut in den Adern gefrieren. Da schleichen sich zielgerichtet Rechtspopulisten in die Gruppe ein, um dann zielgerichtet zu hetzen. In den letzten Tagen mussten wir über 20 Mitglieder aus der Gruppe entfernen, weil sie speziell in der Debatte um Seenotrettung und überhaupt im Thema Asylpolitik extrem menschenfeindlich kommentiert haben.

Wenn ich nun meine Erfahrungen, die ich hier im Blog machen durfte, wir haben hier im Archiv bestimmt weit über 3000 Artikel zum Thema und wir haben über 500 Artikel durch den Blog veröffentlicht, ja, wenn ich diese Erfahrungen dazu nehme, dann bin ich traurig, wenn ich sehe, wie der Rassismus und der deutsch-nationale Hass auf andere Menschen wieder wächst. 

Auf der anderen Seite bin ich sehr stolz auf DIE Deutschen, ich hoffe, es sind sogar mehr als die 6 Millionen, die sich als Helfer in den letzen Jahren engagiert haben, die etwas anderes vor sich hertragen, als das, was Claus von Wagner im obigen Schaubild beschreibt.

Daher, die guten Menschen, nennen wir sie doch so! Die Rassisten und Hetzer, nennen wir sie doch so!

Der Abschluß dieses LAUT geben, soll ein Lied von Reinhard Mey sein. Bleiben WIR WACHSAM!

SEI WACHSAM! 

Hier der Link zum Lied von Reingard Mey (SEI WACHSAM, 08.36min.), auch die kleine sprachliche Einleitung vor dem Lied ist sehr interessant. >>> 

Reinhard Mey / Sei wachsam

Liedermacher Reinhard Mey geht wieder auf Tournee.


Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.

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