ZDF heute: Afghanistan - Keine Schule für fast 4 Millionen Kinder // UNICEF: Fast die Hälfte der Kinder in Afghanistan geht nicht zur Schule // Neue Studie: Mädchen in Afghanistan bei Bildung benachteiligt // UNICEF: weltweit - "Stoppt Angriffe auf Kinder"

ZDF heute vom 03.06.2018
Afghanistan
Keine Schule für fast 4 Millionen Kinder
Ein neuer Bericht der UN zeigt: Fast die Hälfte aller Kinder in Afghanistan darf nicht lernen. Schuld ist vor allem der Krieg mit den Taliban.
Schule in Kabul. Archivbild Quelle: Rainer Jensen/dpa
Fast vier Millionen Kinder in Afghanistan gehen nicht zur Schule. Rund 2,2 Millionen von ihnen seien Mädchen, heißt es in einem Bericht der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF. 

Damit hat knapp die Hälfte aller afghanischen Kinder keinen Zugang zu Bildung.

Ein wichtiger Grund sei der sich verschärfende Krieg mit den radikalislamischen Taliban und zunehmend mit der Terrormiliz IS. Außerdem führe die wachsende Armut dazu, dass noch mehr Kinder arbeiten müssten und Mädchen früh verheiratet würden.
Quelle: dpa

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Anm.d.Blog-Redaktion:
Hier Auszüge aus dem Bericht der UN-Kinderhilfsorganistion UNICEF vom ZDF


ZDF heute vom 03.06.2018

Neuer Bericht - UN
Hälfte afghanischer Kinder geht nicht zur Schule

Bildung war lange erklärtes Ziel der Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan. Doch fast die Hälfte aller Kinder darf nicht lernen. Schuld ist vor allem der Krieg mit den Taliban.

Schulunterricht in Afghanistan: Schüler lernen im Freien (Archiv) Quelle: dpa

Einem neuen Bericht der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF zufolge gehen in Afghanistan fast vier Millionen Kinder nicht zur Schule. 2,2 Millionen dieser Kinder seien Mädchen, heißt es in der 120 Seiten langen Studie, die am Sonntag in der afghanischen Hauptstadt Kabul vorgestellt wurde.

Mehr als 16 Jahre nach Beginn massiver internationaler Hilfsbemühungen hat demnach knapp die Hälfte aller Kinder zwischen 7 und 17 Jahren keinen Zugang zu Bildung. Weitere 300.000 Schulkinder drohten, aus dem System zu fallen.

Gründe seien vor allem der sich verschärfende Krieg mit den radikalislamischen Taliban und zunehmend der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die wachsende Armut der Menschen, die dazu führe, dass noch mehr Kinder arbeiten müssten und Mädchen früh verheiratet würden. Dazu käme die massive Binnenvertreibung. Humanitäre Helfer hatten 2018 bereits mehr als 100.000 Kriegsflüchtlinge registriert.

Rund 1.000 Schulen geschlossen

Der Krieg in Afghanistan verschärft sich vor allem seit Ende der NATO-Kampfmission im Dezember 2014 rasant.

UNICEF warnt, dass in der Nähe von Kampfgebieten Schulen oft geschlossen würden oder Eltern entschieden, ihre Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken, weil der Schulweg zu gefährlich sei.

Erkenntnissen der Deutschen Presse-Agentur zufolge nutzen vor allem die Taliban das Thema Bildung und ihre Kontrolle über Schulen in Aufständischengebieten regelmäßig als Mittel, um Druck auf die Regierung auszuüben, um Forderungen durchzusetzen oder um Rache zu nehmen. In den vergangenen Monaten haben sie in unsicheren Provinzen wie Kundus, Logar oder Baghlan Dutzende Bildungseinrichtungen dichtgemacht.

Die afghanische Regierung gibt an, dass konfliktbedingt derzeit landesweit rund 1.000 Schulen geschlossen seien. Inoffiziell dürften es weit mehr sein. Die Taliban kontrollieren nach Militärangaben heute wieder mindestens 14,5 Prozent des Landes. 30 Prozent sollen umkämpft sein.

Vor allem Mädchen betroffen

"In Gegenden, die von bewaffneten Oppositionsgruppen kontrolliert werden, variieren die Lehrpläne stark, je nachdem, welcher politischen Richtung der Kommandeur anhängt", warnt UNICEF. Sie entsprächen nur selten den Standards des Ministeriums für Bildung.

Der Druck auf die Bildung betrifft vor allem Mädchen. Das liege auch daran, dass es weiterhin viel zu wenige weibliche Lehrer gebe, stellen die Autoren der UN-Studie fest. In konservativen Gegenden wollen Eltern ihre Töchter generell nicht von Männern unterrichten lassen.
Quelle: dpa, afp
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UNICEF Kabul/Köln, 03. Juni 2018

Afghanistan
FAST DIE HÄLFTE DER KINDER IN AFGHANISTAN GEHT NICHT ZUR SCHULE - NEUE STUDIE: MÄDCHEN IN AFGHANISTAN BEI BILDUNG BENACHTEILIGT

Fast die Hälfte aller Kinder in Afghanistan zwischen sieben und 17 Jahren – rund 3,7 Millionen – geht laut einer aktuellen Studie nicht zur Schule.
© UNICEF/UN0211466/Fricker
Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, sind sie in höherer Gefahr, missbraucht, ausgebeutet oder rekrutiert zu werden“, sagte Adele Khodr, Leiterin von UNICEF Afghanistan. „Wir begrüßen die Entscheidung der Regierung von Afghanistan, Prioritäten zu setzen und das Jahr 2018 zum Jahr der Bildung zu erklären. Es ist an der Zeit für mehr Einsatz, um Mädchen und Jungen die nötigen Lernmöglichkeiten zu geben, damit sie sich entwickeln und eine positive Rolle in der Gesellschaft spielen können.“
Schule im Zelt für afghanische Kinder © UNICEF/UN0211460/Fricker
Während die Zahlen Grund zur Besorgnis geben, stellt UNICEF in der Studie auch Fortschritte heraus. Nur relativ wenige Kinder brechen demnach die Schule ab: 85 Prozent der Mädchen und Jungen, die eingeschult wurden, schließen auch das letzte Grundschuljahr ab. 90 Prozent der Mädchen und 94 Prozent der Jungen, die den Besuch einer weiterführenden Schule beginnen, schaffen den Abschluss der Sekundarstufe I. Die größte Herausforderung besteht in der Einschulung.

Um diese Hürde zu überwinden kann ein Lösungsansatz sein, auf Gemeinde-Ebene Bildung einschließlich frühkindlicher Bildung und Aufholkursen in Gemeinschaftsräumen oder Wohnhäusern zu organisieren. Das ist besonders für Mädchen wichtig, die wegen der Sicherheitslage oder aus Angst vor Belästigung keinen Schulweg auf sich nehmen können.
„Mädchen und Jungen in die Schule zu bringen ist sehr viel mehr, als sie in einen Klassenraum zu setzen“, sagte Khodr. „Es geht darum, ihnen Routine und Stabilität im Leben zu geben. Das ist eine gute Investition vor dem Hintergrund der Instabilität in vielen Teilen des Landes.“
UNICEF hat das Bildungsministerium dabei unterstützt, eine nationale Bildungsstrategie zu entwickeln. Darüber hinaus hat UNICEF 2017 beispielsweise 6.000 einfache Schulen und Lernzentren auf Gemeindeebene eingerichtet und 3,5 Millionen Mädchen und Jungen mit Schulmaterial ausgestattet.

Zur Studie

Die Studie „Out of School Children: Afghanistan Country Study“ wurde von UNICEF, dem Bildungsministerium von Afghanistan, Samuel Hall und USAID veröffentlicht. Ausgewertet wurden verschiedene Datenquellen: National Risk and Vulnerability Assessment (2007-2008, 2011-2012) und Afghanistan Living Conditions Survey (2013-2014); Demographic and Health Survey (2010, 2015); sowie Afghanistan Multiple Indicator Cluster Survey (2011-2012). Der „Afghanistan Living Conditions Survey (2016-2017)“ wurde im Mai 2018 nach Fertigstellung der Studie veröffentlicht.

Service für Redaktionen

Aktuelle Fotos stehen Redaktionen im Rahmen der Berichterstattung zum kostenfreien Download zur Verfügung.
Schule im Zelt für Kinder in Afghanistan © UNICEF/UN0211463/Fricker

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UNICEF Genf/ New York/ Köln, 15. Mai 2018
weltweit
"Stoppt Angriffe auf Kinder"
Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta H. Fore

„In den ersten vier Monaten des Jahres gingen Angriffe auf Kinder unvermindert fort – von der Zentralafrikanischen Republik über Südsudan und Afghanistan bis Syrien. Ohne jede Einsicht und noch weniger Verantwortung missachten Konfliktparteien eine der grundlegenden Regeln in Kriegszeiten: den Schutz von Kindern.
Keine Form der Kriegführung wurde ausgelassen, gleichgültig wie tödlich für Kinder: Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser und andere zivile Infrastruktur, Entführungen, Rekrutierungen von Kindern, Belagerungen, Misshandlungen während der Haft und die Verweigerung von humanitärer Hilfe waren allzu häufige Praxis.“
Syrien: Am 15. März trägt bei der Evakuierung aus Ost-Goutha
ein Mann ein Kind in einer Tasche. © UNICEF/UN0185401/Sanadiki
Jemen: „In Jemen wurden in Folge des Krieges seit Januar mindestens 220 Kinder getötet und 330 verletzt. Fast 4,3 Millionen Kinder sind vom Hunger bedroht – ein Anstieg um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Lebensgefährliche Durchfallerkrankungen und Cholera töteten im vergangenen Jahr über 400 Kleinkinder unter fünf Jahren. Noch viel mehr sind in Gefahr, wenn sich während der Regenzeit die hygienischen Bedingungen weiter verschlechtern.“
Syrien: „In Syrien sind die Aussichten auf Frieden düster. Über 70 Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres offiziell registriert. Seit Beginn des Konflikts wurden über 300 Schulen angegriffen. Rund 5,3 Millionen Kinder wurden innerhalb Syriens vertrieben oder flohen ins Ausland; und fast 850.000 Kinder halten sich in belagerten oder schwer erreichbaren Gebieten auf.“
Bangladesch: „In Bangladesch brauchen mehr als 400.000 Rohingya-Kinder, die die jüngsten Gewaltausbrüche in Myanmar überlebten, humanitäre Hilfe. Wegen der heraufziehende Monsun-Regenzeit ist das Risiko für Cholera und Durchfallerkrankungen höher denn je.“
 Südsudan: Am 17. April wird der 15-jährige Kindersoldat Nawai
von einer Miliz freigelassen. © UNICEF/UN0202136/Rich
Südsudan: „Im Südsudan mussten rund 2,6 Millionen Kinder ihre Dörfer verlassen. Über eine Million Kinder leiden an akuter Mangelernährung, 250.000 von ihnen sind so schwer betroffen, dass ihr Leben in Gefahr ist. Obwohl es gelungen ist, 600 Kinder aus bewaffneten Gruppen zu befreien, dienen weiter 19.000 als Kämpfer, Boten, Wächter, Köche und sogar Sex-Sklaven in den bewaffneten Gruppen."
Afghanistan: „In Afghanistan wurden in den ersten drei Monaten des Jahres über 150 Kinder getötet und 400 verletzt.“
Zentralafrikanische Republik: Schulkinder im Dorf Ndenga
– viele von ihnen wurden von Milizen zum Kämpfen gezwungen.
© UNICEF/UN0149460/Sokhin
Zentralafrikanische Republik: „In der Zentralafrikanischen Republik mussten in den vergangenen Monaten wegen erneuter Kämpfe 29.000 Kinder ihr Zuhause verlassen. Die Zahl der vertriebenen Kinder stieg damit auf 360.000. Mehr als zwei von fünf Kindern unter fünf Jahren leiden an chronischer Mangelernährung und jedes Dritte Kind im Schulalter geht nicht zur Schule.“
„In all diesen und noch vielen weiteren Ländern tun Teams von UNICEF und seinen Partnern, was in ihrer Macht steht, um die Not der verletztlichsten Menschen zu lindern: Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, verängstigt und allein; Kranke in überfüllten Flüchtlingslagern, auf der Flucht vor Monsun oder Trockenheit, Hungernde. Trotz fehlender Mittel - wir haben bislang lediglich 16 Prozent der benötigten Mittel erhalten - sind wir fest entschlossen den Hilfebedürftigen beizustehen. Wir impfen Kinder, behandeln mangelernährte Kinder, bringen sie in die Schule, organisieren Schutzmaßnahmen und versuchen ihre Grundbedürfnisse zu sichern. Humanitäre Hilfe allein ist nicht genug. Kinder brauchen zu jeder Zeit Frieden und Schutz. Das Kriegsrecht verbietet gezielte Angriffe auf Zivilisten, Angriffe auf Schulen oder Krankenhäuser, den Einsatz, die Rekrutierung und Inhaftierung von Kindern und die Verweigerung von humanitärer Hilfe. Wenn Konflikte ausbrechen müssen diese Regeln respektiert werden – und diejenigen, die sie brechen zur Verantwortung gezogen werden. Genug ist genug. Stoppt Angriffe auf Kinder.“
Service für Redaktionen
UNICEF-Bild- und Videomaterial zum Thema "Children under Attack"


Hier der Link zum Artikel von UNICEF vom 15.05.2018 >>> 
Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.

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