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In eigener Sache - 500 Artikel - Unfassbar! // Thomas Ruttig: CDU/CSU für uneingeschränkte Abschiebungen nach Afghanistan/14. Abschiebeflug nun wohl Anfang Juli // taz: Abschiebungen nach Afghanistan - „Klassische Ziele der Taliban“ // Dazu der Pouya-Blog: Alternative Fakten!? - Wenn der eigene Bericht des AA umgedeutet wird! // Migazin: Irrfahrt des Rettungsschiffs „Lifeline“ im Mittelmeer geht weiter // Dazu > Augsburger Allgemeine: Mittelmeer - Landsberger Skipper darf keinen Hafen ansteuern // Der kleine Satiriker - Alternative Fakten Defacto

In eigener Sache
500 Artikel - Unfassbar!

In dieser Zeit sind derartig viele Dinge passiert.

Pouyas Ausreise, Pouyas Rückkehr, der große Anschlag mit Zerstörung der deutschen Botschaft, Tode, Anschläge, Eskalation von Kriegen, Verschärfung der Asylpolitik, Rechtsruck weltweit, tausendfacher Tod im Mittelmeer, keine asylpolitische gemeinsame Linie in der europäischen Asylpolitik, möglicherweise Bruch der Koalition wegen der Asylpolitik, wieder Ausweitung der Abschiebungen nach Afghanistan, Abschiebungsverschärfung überhaupt, Ankerzentren sollen kommen, offener Rassismus nimmt zu, ...

Wo sind die positiven Entwicklungen in diesem Bereich? Sie sind fast nicht erkennbar und nur im Kleinen sichtbar. Zusammenhalt unter denen, die die humanistische Flagge hochhalten beispielsweise. Hier und da die Verhinderung von Abschiebungen, die geknüpften Kontakte, ...

Ein kleiner Rückblick auf unseren kleinen Blog.

Der erste Artikel in diesem Blog erblickte am 27.02.2017 das Licht der Welt.
https://ahmadpouyaistwillkommen.blogspot.com/2017/02/update-zur-situation-von-ahmad-pouya.html
Unser "Hello World" (Nerd-Sprech ;) ) hatte natürlich mit Ahmad Pouya und seiner ungewollten Ausreise aus Deutschland nach Afghanistan zu tun.

Betitelt mit "UPDATE 39 / 27.02.2017 (Tag 39 nach der Ausreise)"
Die ersten Zeilen dieses Artikels:
"UPDATE (27.02.2017 / 39 Tag nach der "freiwilligen" Ausreise von Ahmad Pouya nach Afghanistan)Leider nichts neues an Informationen, die wir vermelden könnten. Hier hätte längst eine Entscheidung fallen können. Anscheinend soll hier ein Exempel statuiert werden. Dies sollten WIR uns nicht gefallen lassen.DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR!Für wen genau gilt das eigentlich?Und für wen gilt es nicht?..."
Auch das Titelbild, das Bild der Pouya-Kugel in Menschenhand, wurde dort das erste Mal gezeigt.
Bild: Gran Fortunato
Damals war der Blog noch in einem relativ düsteren Design, bis wir uns entschlossen, dem Ganzen etwas mehr Helligkeit und Feundlichkeit zu verleihen. Damals noch mit sehr viel Unterstützung von Ann, SvenJa und Ingo, haben wir das heutige Aussehen des Blogs gebaut.
Wir waren alle frisch in dieser neu-modischen Blog-Welt unterwegs.

Was ist ein Blog? 
Wofür soll das gut sein? 
Wie macht man einen Blog? 
Was sollen wir überhaupt schreiben? 
Fragen über Fragen. Pläne über Pläne.

Im Laufe der nun 500 Artikel haben wir, denke ich, so Einiges dazu gelernt, was, wieviel und wie wir unsere Themen an die Frau und den Mann bringen wollen. Unsere Leserschaft klickt täglich im Schnitt etwa 1500 mal auf die jeweils aktuelle Blog-Seite.

Den größtem Anteil an Klicks hatte mit 6611 Aufrufen bisher der Artikel
"Johann Pätzold - Faschisten terrorisieren Seenotretter auf dem Mittelmeer. Europa schaut zu.// Philip Simon - ein deutscher Kabarettist - Na, jetzt ist es doch endlich klar! Die zivile Seenotrettung ist Schuld an der Flüchtlingskrise!"

Hier erkennbar, dass wir uns im Blog nun darauf spezialisiert hatten, mehrere Artikel bei uns zu zitieren.

Das ist die "Bestenliste" der 10 meist aufgerufenen Artikel.

1 Johann Pätzold - Faschisten terrorisieren Seenotretter auf dem Mittelmeer. Europa schaut zu.// Philip Simon - ein deutscher Kabarettist - Na, jetzt ist es doch endlich klar! Die zivile Seenotrettung ist Schuld an der Flüchtlingskrise!

2 Mama, Wenn die mich zurückschicken, nehme ich mir hier in Deutschland das Leben. -- Pflegeelteltern verzweifeln am Deutschen Staat!

3 Ehemaliger Polizeibeamter, zu den Vorfällen an einer Nürnberger Berufsschule --Fakt ist: der Einsatz hätte so nicht stattfinden müssen und dürfen!" // Mit Video und Artikel der SZ // NRW Petition

4 Ein Mitglied der FB-Fan-Gruppe DIE ANSTALT hat Herrn Jens Spahn geantwortet!

5 Nürnberger Abschiebe-Eklat: Ermittlungen gegen Polizisten - Es geht um Körperverletzung im Amt - Zeugen berichten von Gewalt

6 Ein deutscher Künstler, Johann Pätzold - An die Bundeskanzlerin und den Innenminister ... Sehr geehrter Herr de Maizière, sehr geehrte Frau Dr. Merkel, Ich schreibe ihnen diesen Brief – in der Hoffnung, dass Sie diesen lesen und einige Teile womöglich auch beherzigen werden. ...

7 Farhad Rasuli - Im Februar 2017 nach Afghanistan abgeschoben (Deportiert) -- Im Mai 2017 von den Taliban ermordet!

8 Getötetes Mädchen in Kandel - "Nationalität ist eine politische Kategorie. Die macht niemanden zum Kriminellen" // Telepolis: Verschleierter Frauenmord: Das unwerte Leben der Mia aus Kandel (Vorwort Horst Berndt)

9 Schwerst traumatisierter, behinderter junger Mann namens Reza H. deportiert (23.01.2018) - Dazu >> Behinderter Flüchtling im Abschiebeflug nach Afghanistan // ... und es hat meine schlimmsten Erwartungen übertroffen - bei der Anhörung beim Bamf - Dazu >> Ein Kommentar zum Bericht der Anhörung!

10 "4 von 5 Migranten bestehen Deutschtest nicht": Wie aus einem Fehler eine neue Wahrheit wird // Dazu > „Bild“-Medien lassen Flüchtlinge durch Deutsch-Tests fallen // Die Würde des Menschen wäre geschützt, ...


Führend und einsam an der Spitze ist immer noch der offene Brief unserer Kabarettisten aus der Anstalt, Dr. Dietrich Krauss, Max Uthoff und Claus von Wagner. Nicht zuletzt ihnen ist die Initiative für diesen Blog zu verdanken.

Titel des Artikels: "Offener Brief der Kabarettisten aus der ZDF Sendung DIE ANSTALT"
Die Seite, bezeichnend mit "page_1" endend: https://ahmadpouyaistwillkommen.blogspot.com/p/blog-page_1.html

8643 Seitenaufrufe hatte dieser Brief bis heute.

Aus der Anstalt-Fangruppe heraus entstand die Ahmad-Pouya-Facebook-Gruppe, um diese schreckliche Leidensgeschichte von Ahmad Pouya zu beenden und jeden zu unterstützen, der sich damit befasste. 
Bis dann die Idee aufkam, dass ein Blog, also ein Medium unabhängig von Facebook, her sollte, der für sich stehend diese Themen beleuchtet, vergingen noch ein paar Tage. 

Mittlerweile hatte der Blog insgesamt fast 790.000 Seitenaufrufe.

Über die Zeit hat die Themenvielfalt zugenommen, was auch den Verschärfungen in der Asylpolitik und dem immer weiter sich abzeichnenden Rechtsruck in der europäischen und eigentlich der Weltgemeinschaft geschuldet ist. Ich denke, allen wäre lieber, so ein Blog, wie wir ihn ins Leben riefen, würde erst gar nicht gebraucht. Dieses Gefühl stellt sich aber nicht ein. Im Gegenteil scheint so ein Blog dringender benötigt, denn je.

Der Blog ist sicherlich nicht perfekt, erfüllt aber seinen Zweck, breit über Themen zu Geflüchteten, und nicht ausschließlich aus Afghanistan, zu berichten und unsere Haltung dazu zu vermitteln. Wir werden auch nicht aufhören, Artikel zu veröffentlichen und unsere Meinung dazu kund zu tun. Zu dem Zeitpunkt des Entstehens dieses Jubiläums-Artikels, hat Horst bereits seine Arbeit an Artikel 501 aufgenommen.

Einzig, es sind in der Hauptsache immer noch Horst und ich (Joachim), die die Inhalte des Blogs einpflegen und täglich auf die Reise durch die unendlichen Weiten des Internet schicken.

Nein, so stimmt das natürlich nicht. Wir haben mittlerweile eine ganze Reihe von Menschen, die den Blog mit Inhalt und Meinung füllen und auch eine Reihe von Menschen, die die Verteilung der Artikel in viele Gruppen und Foren und an einzelne befreundete Menschen durchführen. In ca. 70 Facebook-Gruppen wird der tägliche Blog-Artikel verteilt. Außerdem wird der Artikel getwittert und an unsere Subscriber per eMail verschickt.

Auch diesmal möchten wir all unseren Mit-Bloggern und -Bloggerinen danken, die diesen Blog mit ermöglichen.

Vielen, vielen lieben Dank an unsere Helfer und unsere Leser.

Eure Blog-Redaktion
Thomas Ruttig Blog vom 24.06.2018
CDU/CSU für uneingeschränkte Abschiebungen nach Afghanistan
14. Abschiebeflug nun wohl Anfang Juli
Der bayerische Flüchtlingsrat teilte inzwischen mit, dass der 14. Abschiebeflug nach Afghanistan nun wohl doch nicht am 26.6.18 stattfinden wird: „Dieser Termin hat sich nun doch nicht bestätigt, stattdessen wird von der nächsten Abschiebung am Dienstag, 03. Juli 2018, ausgegangen.“ Mit den 15 Abgeschobenen von Flug Nr. 13 am 22. Mai hatte sich die Gesamtzahl der seit Dezember 2016 nach Afghanistan Abgeschobenen auf 234 erhöht.

Der bayerische Flüchtlingsrat teilte inzwischen mit, dass der 14. Abschiebeflug nach Afghanistan nun wohl doch nicht am 26.6.18 stattfinden wird: 

„Dieser Termin hat sich nun doch nicht bestätigt, stattdessen wird von der nächsten Abschiebung am Dienstag, 03. Juli 2018, ausgegangen.“ 

Mit den 15 Abgeschobenen von Flug Nr. 13 am 22. Mai hatte sich die Gesamtzahl der seit Dezember 2016 nach Afghanistan Abgeschobenen auf 234 erhöht.

Nach dem neuen AA-Lagebericht zu Afghanistan (hier eine Zusammenfassung der taz) will die Union nun wieder uneingeschränkt nach Afghanistan abschieben – also nicht nur als Straftäter oder Gefährder eingestufte Asylbewerber oder solche, die nach Einschätzung der Behörden ihre Identität hartnäckig verschleiern. Die Zeit berichtete am 6.6.18:

Diesen Standpunkt vertrat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer ersten Regierungsbefragung durch Bundestagsabgeordnete im Plenum und berief sich dabei auf Erkenntnisse des Auswärtigen Amts, die in einem neuen Lagebericht über das Bürgerkriegsland aufgeführt sind. 

„Aus unserer Sicht sind die Einschränkungen entfallen“, sagte Merkel. (…)Der Kanzlerin zufolge zeichnet der Bericht ein „qualitativ ähnliches Bild wie vorher“. Deshalb und auch weil die deutsche Botschaft in Kabul nach dem schweren Anschlag im Mai 2017 nun „wieder besser arbeitsfähig“ sei, sei das Kabinett bei seiner wöchentlichen Sitzung zu dem Schluss gelangt, dass die Beschränkungen für Rückführungen nach Afghanistan „nicht mehr gelten müssen“. Diese Einschätzung werde Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Ländern mitteilen. (…)
 
An den Äußerungen der Kanzlerin im Bundestag kam (…) nicht nur Kritik von Grünen und Linkspartei, sondern auch von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Deren Geschäftsführer Günter Burkhardt kritisierte, Merkels Aussage sei weder von den Fakten in Afghanistan abgedeckt noch vom aktuellen Lagebericht. 

Sie sei vielmehr „geprägt von innenpolitischem Druck, mehr abzuschieben“. Grünen-Chefin Annalena Baerbock nannte Merkels Einschätzung verantwortungslos, die innenpolitische Sprecherin der Linkspartei, Ulla Jelpke, sprach von einer „neuen Eskalationsstufe menschen- und flüchtlingsfeindlicher Politik“.

Dass auch Merkels Koalitionspartner einen generellen Abschiebestopp für Afghanen skeptisch sieht, bestätigte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner. Der Berliner Zeitung sagte er, angesichts der instabilen Lage sei zunächst eine „sorgfältige Prüfung“ erforderlich. „Ich sehe keinen Anlass für eine hektische Veränderung unserer restriktiven Abschiebepraxis.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte daraufhin am 6.6. an,
… den von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärten Kurswechsel bei Abschiebungen in das Land am Hindukusch auf der Stelle umsetzen zu wollen. 

Bayern wird die erweiterten Abschiebungsmöglichkeiten sofort nutzen und erwartet vom Bund, die Zahl der Abschiebungsflüge bedarfsgerecht zu erhöhen“, sagte Herrmann. „Darauf haben wir schon seit Monaten gewartet, jetzt herrscht endlich Klarheit.“

Das könnte bedeuten, dass Bayern am 3.7.18 im Alleingang Afghanen abschieben könnte, die nicht in die drei Kategorien Gewalttäter, Identitätsfälscher und Gefährder fallen. Die CSU will auch, dass Bayern künftig auch eigene Abschiebeflüge durchführt.

Im Gegensatz dazu unterstützte Linken-Chefin Katja Kipping Forderungen, alle in den vergangenen Jahren abgelehnten Anträge von Asylsuchenden aus Afghanistan neu zu bewerten und die Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen.
  
Bei der Innenministerkonferenz bestätigte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU), die unionsgeführten Bundesländer seien sich einig, dass Menschen in sichere Gebiete in Afghanistan zurückgeführt werden sollten. 

„Wenn das Auswärtige Amt bestimmte Gebiete für sicher erklärt, dann können wir Leute dorthin zurückschicken“, sagte er.

Die SPD-geführten Bundesländer wollen nach den Worten von Berlins Innensenator Andreas Geisel hingegen weiterhin vorerst nur Gewalttäter, Identitätsfälscher und Gefährder abschieben, sagte Geisel nach einer Sitzung der Innenminister der SPD-geführten Bundesländer am Donnerstag im sachsen-anhaltischen Quedlinburg.

Der WDR erklärt das ganze auf Deutsch und Dari.

Hier das Statement von Pro Asyl vom 4.6.2018 und hier das der Grünen zum Thema.

Michael Daxner kommentiert unter dem Titel „Wieder Afghanistan, wieder Abschiebungsdrohungen aus dem bayrisch-christlichen Lager“:

Ich kann den Sicherheitsberichten des AA sowie den Fortschrittsberichten des Amtes seit 2010 bestätigen, dass sie immer nur die halbe Wirklichkeit und Wahrheit wiedergeben
Hier weiterlesen.

Hier der Link zum Artikel von Thomas Ruttig vom 24.06.2018 >>> 

 Dieser taz-Artikel ist auch im im Artikel von Thomas Ruttig verlinkt
taz vom 11.06.2018
Abschiebungen nach Afghanistan
„Klassische Ziele der Taliban“
Kanzlerin Merkel will den Abschiebestopp nach Afghanistan aufheben. Ein interner Bericht zeigt, wie gefährlich die Lage für Rückkehrer ist.

 Sicherheitskräfte untersuchen im Mai einen Anschlagsort in Kandahar Foto: dpa

BERLIN taz | Der Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Afghanistan trägt den Vermerk „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“. Der Inhalt ist brisant. Denn das 31 Seiten umfassende Papier, das der taz vorliegt, liefert die Grundlage für eine umstrittene Entscheidung der Bundesregierung. In der vergangenen Woche gab Kanzlerin Angela Merkel  (Anfang Juni, Anm.d.Blog-Red.) (CDU) im Bundestag überraschend bekannt, dass die Regierung in Zukunft wieder uneingeschränkt in das kriegsgeschüttelte Land abschieben möchte.

Doch wie problematisch sind Abschiebungen nach Afghanistan wirklich? 

Bislang gilt wegen der fragilen Sicherheitslage ein weitgehender Abschiebestopp. Die Bundesländer dürfen nur Straftäter, Gefährder oder Menschen, die bei der Identitätsfeststellung nicht mitwirken, in das Land zurückschicken. 

In Zukunft könnten sie wieder alle abgelehnten AsylbewerberInnen abschieben, also auch Familien mit Kindern oder traumatisierte junge Männer. 

Merkel begründete die Kehrtwende ausdrücklich mit dem neuen Lagebericht.


Diese Verknüpfung überrascht. Wer den Bericht liest, bekommt einen Eindruck davon, wie gefährlich die Situation für Rückkehrer in Afghanistan sein kann. Zwar werde keine vom Staat organisierte Gewalt gegen die eigene Bevölkerung ausgeübt, heißt es darin zum Beispiel. Doch das Land befinde sich nach Jahrzehnten gewaltsamer Konflikte in einer schwierigen Aufbauphase „und einer weiterhin volatilen Sicherheitslage“. Der Bericht zählt diverse Mängel auf.




Die afghanische Regierung sei häufig nicht in der Lage, ihre Schutzverantwortung effektiv wahrzunehmen. Der Grund: Die Zentralregierung hat nur beschränkten Einfluss auf lokale Machthaber und Kommandeure, die ihre Macht missbrauchen. 



In vielen Regionen gibt es ein komplexes Machtgefüge aus Ethnien, Stämmen, Warlords, privaten Milizen und Polizei- oder Taliban-Kommandeuren. Provinzen und Distrikten mit aktiven Kampfhandlungen stünden andere gegenüber, in denen die Lage trotz punktueller Sicherheitsvorfälle vergleichsweise stabil sei, heißt es in dem Bericht zwar. Aber: „Die humanitäre Lage bleibt schwierig.“



Kaum Ausweichmöglichkeiten vor Ort


Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kommt deshalb zu einem ganz anderen Urteil als Merkel und das Kabinett: 

„Der Lage­be­richt ent­zieht allen Hard­li­nern, die eine här­te­re Abschie­be­pra­xis in das Kriegs- und Kri­sen­land for­dern, die Legi­ti­ma­ti­on.“ Das Auswärtige Amt muss an mehreren Stellen im Bericht einräumen, dass Rückkehrer in Afghanistan gefährlich leben. Immer wieder gibt es dort auch Opfer unter Zivilisten. 

In ländlichen Gebieten sei dies auf Kampfhandlungen, Landminen, improvisierte Sprengsätze und Übergriffe von nicht-staatlichen Gruppen zurückzuführen, fasst das Auswärtige Amt zusammen.


Doch auch die städtische Bevölkerung sei durch Selbstmordanschläge, komplexe Attacken, gezielte Tötungen und Entführungen bedroht. In dem Lagebericht heißt es: 

„Dies gilt besonders für die Stadt Kabul, wo sich der Hauptsitz der Zentralregierung, ihrer Repräsentanten und zahlreicher staatlicher Einrichtungen und damit klassische und medienwirksame Ziele der Taliban befinden.“



Ein junger Mann mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, der von deutschen Polizeibeamten am Flughafen in Kabul abgesetzt würde, hätte laut dem Bericht kaum Perspektiven. Wo soll er wohnen? Wie arbeiten? Wer behandelt ihn? 



Ausweichmöglichkeiten seien, so das Auswärtige Amt, vor allem in und um große Städte stark durch Binnenvertriebene und Rückkehrer aus dem Iran und Pakistan in Anspruch genommen. Schwierig ist es auch, wenn er nicht aus Kabul kommt, denn Reisen im Land sind gefährlich: Auf Landstraßen gibt es illegale Kontrollpunkte von Milizen und Überfälle.


Rückkehrer aus Europa oder dem westlichen Ausland werden in Afghanistan misstrauisch wahrgenommen. Dem Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen liegen laut dem Auswärtigen Amt Berichte über versuchte Entführungen vor, bei denen die Entführer vermuteten, der Betroffene sei im Ausland zu Vermögen gekommen. Das Fazit des Berichts: 

„Die Ausweichmöglichkeiten für diskriminierte, bedrohte oder verfolgte Personen hängen maßgeblich vom Grad ihrer sozialen Verwurzelung, ihrer Ethnie und ihrer finanziellen Lage ab.“ Heißt übersetzt: Abgeschobene, die keine Familie oder kein Geld haben, sind arm dran.

Psychische Erkrankungen stigmatisiert

Auch die medizinische Versorgung ist dürftig. Ein traumatisierter Abgeschobener hätte nur minimale Chancen auf eine Behandlung. Psychische Erkrankungen seien in Afghanistan „hoch stigmatisiert“, heißt es in Bericht. Die Behandlung von solchen Erkrankungen fände nicht ausreichend statt – abgesehen von einzelnen Projekten von Nichtregierungsorganisationen. In Kabul gebe es gerade mal eine staatliche Klinik mit 14 Betten zur stationären Behandlung.

Der Lagebericht basiert auf Informationen, die die deutschen Auslandsvertretungen liefern. In sie fließen Einschätzungen von Nichtregierungsorganisationen, Regierungs- und Oppositionskreisen, Rechtsanwälten und Internationalen Organisationen wie dem UNHCR ein. 

Indem die Bundesregierung wieder uneingeschränkt nach Afghanistan abschieben lassen will, demonstriert sie, wie unterschiedlich sich Fakten interpretieren lassen. Denn ihr eigener Bericht lässt sich über weite Strecken wie ein detailliertes Plädoyer gegen Abschiebungen lesen. 

Hier der Link zum Artikel der taz vom 11.06.2018 >>>
Dazu der Pouya-Blog:
H. Berndt, Juni/2018

Alternative Fakten!? - Wenn der eigene Bericht des AA umgedeutet wird!

Frau Merkel hat mit der Äußerung im Bundestag, dass man nun wieder dazu überginge alle abgelehnten Afghanen abzuschieben, den "Ball" eindeutig ohne Not in die Hälfte des CSU geführten Innenministeriums gespielt. Der Bericht des AA (Auswärtigen Amtes), siehe dazu den Artikel der taz, sagt wohl eher aus, dass Merkel hier die präsentierte Faktenlage eindeutig umgedeutet hat.

Wie geht die Kanzlerin eigentlich damit um, wenn sie doch weiß, dass das eigene AA davon ausgeht, dass die Lage so ist, dass es wohl eher gefährlich ist, wenn abgelehnte Afghanen in die Heimat angeschoben werden? Jetzt sollen wir natürlich daran denken, dass mit dieser Entscheidung von Merkel, auch wieder ganze Familien in diese Gefahr geraten.

Wie geht die Frau eigentlich damit um, dass ihre Entscheidung dazu führen kann, dass abgeschobene Afghanen, Männer, Frauen sowie Kinder in der Hauptstadt Kabul sowie im ganzen Land getötet werde können?

Migazin vom 25.06.2018
Keinen sicherer Hafen
Irrfahrt des Rettungsschiffs „Lifeline“ im Mittelmeer geht weiter*
Sie glaubten sich in Sicherheit, doch dann kam die Ungewissheit. Seit Tagen warten Flüchtlinge auf einem deutschen Rettungsschiff im Mittelmeer, dass sie an Land gehen dürfen. Weltpolitik auf dem Rücken von Flüchtlingen?
Das Rettungsschiff "Lifeline"

Das deutsche Rettungsschiff „Lifeline“ mit 234 Flüchtlingen an Bord hat am Sonntag vor Malta im Mittelmeer weiter auf die Erlaubnis zur Einfahrt in einen Hafen gewartet. 

Die Ungewissheit dauert seit der Rettung der Flüchtlinge am Donnerstag an, weil Italien definitiv seine Häfen sperrt und Malta sich ebenfalls weigert. 

„Es scheint, als ob die Weltpolitik auf dem Rücken dieser Menschen ausgetragen werden soll“, sagte der Kapitän der „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, mit Blick auf den Asyl-Streit vor dem EU-Sondergipfel zu Migration am Sonntag in Brüssel.






Der Landsberger Claus-Peter Reisch (Mitte) ist Kapitän des Flüchtlingsschiffs.
Bild: Danilo Campailla / Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt.

Menschen aus Seenot zu retten, sei kein Verbrechen, sondern eine Pflicht, sagte Reisch. 

Eine Rückführung nach Libyen würde der Genfer Flüchtlingskonvention widersprechen. Reisch bezeichnete die Lage an Bord als stabil. Unter den Flüchtlingen seien vier Säuglinge mit ihren Müttern, auch ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut. Maltesisches Militär brachte Lebensmittel

Das Schiff, das in Warteposition in internationalen Gewässern liegt, wird von der Dresdener Initiative Mission Lifeline betrieben.

Auch das Handelsschiff „Alexander Maersk“ treibe mit 113 Flüchtlingen in internationalen Gewässern im Mittelmeer, ohne dass sich ein Hafen öffne, hieß es in einem dramatischen Appell der drei deutschen Seerettungsorganisationen Mission Lifeline, Sea-Watch und Sea Eye am Samstag. 

Unterdessen teilte die spanische Seenotrettung mit, sie habe allein am Samstag vor der Küste Andalusiens und der kanarischen Inseln 769 Menschen aus Seenot in Sicherheit gebracht.

Viele Menschen krank

Lifeline-Sprecher Axel Steier sagte dem „Evangelischen Pressedienst“, die Verhältnisse auf dem Rettungsschiff „Lifeline“ seien sehr beengt. Viele Menschen seien krank. „Sie brauchen dringend einen sicheren Hafen“, betonte er. „Sie dürfen nicht länger auf dem Wasser hin- und hergeschickt werden.“ Es seien diplomatische Verhandlungen zwischen mehreren Ländern im Gang, unter anderem zwischen Malta und Spanien. Spanien hatte kürzlich das Rettungsschiff „Aquarius“ mit 629 Menschen an Bord nach tagelanger Irrfahrt in den Hafen von Valencia einlaufen lassen. Italien hatte dies verweigert.

Auch der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, machte sich für eine humanitäre Lösung stark. Die Zahl der Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, sei auf das Niveau von vor 2014 zurückgegangen. „Europa ist heute nicht mehr im Kern einer Migrations- oder Flüchtlingskrise“, sagte er. 

Mehr als neun von zehn Flüchtlingen oder Vertriebenen weltweit befänden sich außerhalb Europas.

Am Donnerstag hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk beklagt, dass innerhalb von nur drei Tagen 220 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken seien.
(epd/mig)

* Anm.d.Blog-Redaktion: Rettungsschiff im Mittelmeer - "Lifeline" darf in Malta anlegen
Stand: 26.06.2018 15:06 Uhr
http://www.tagesschau.de/ausland/lifeline-malta-101.html

Hier der Link zum Artikel von Migazin vom 25.06.2018 >>>
Keinen sicherer Hafen Irrfahrt des Rettungsschiffs „Lifeline“ im Mittelmeer geht weiter / Migazin vom 25.06.2018

Dazu >>

Augsburger Allgemeine vom 24.06.2018 

Mittelmeer

Landsberger Skipper darf keinen Hafen ansteuern*

Das Flüchtlingsschiff „Lifeline“ hängt vor Malta fest. Claus-Peter Reisch aus Landsberg ist sein Kapitän.
Von Stepanie Millonig
Der Landsberger Claus-Peter Reisch (Mitte) ist Kapitän des Flüchtlingsschiffs. 
Bild: Danilo Campailla
Vor rund einem Jahr hatte unsere Zeitung zwei Mal über den Landsberger Claus-Peter Reisch berichtet, der als Seenotretter im Mittelmeer unterwegs ist. Jetzt ist der 57-Jährige wieder als Skipper dort, doch die Mission entwickelt sich zu einem Politikum: Wie die „Aquarius“ der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Médecins sans frontières darf jetzt auch die „Lifeline“ keinen Hafen in Italien und Malta ansteuern.

Eine Mutter bricht zusammen

„Die erste Rettung war am 15. Juni, wir haben 126 Menschen gerettet und an ein Handelsschiff übergeben“, erzählt Claus-Peter Reisch am Telefon von seiner derzeitigen Mission im Mittelmeer

Am 21. Juni, mitten in der Nacht, haben Reisch und seine Crew weitere 234 Menschen aus zwei Schlauchbooten gerettet, die in Libyen gestartet waren. 

„Es sind Menschen aus dem Sudan, von der Elfenbeinküste, aus Bangladesch und Mali, sehr international.“ 70 unbegleitete Minderjährige seien darunter. Es gebe keine medizinischen Problemfälle darunter, die Flüchtlinge seien nur sehr unterernährt. 

Die Mutter eines Säuglings sei komatös zusammengebrochen, doch Reisch kann in so einem Fall auf medizinisches Fachpersonal in seiner Crew zurückgreifen: 

„Wir haben einen Arzt, eine Intensivkrankenschwester und fünf Leute mit einer Rettungssanitäterausbildung.“

Die italienische Regierung wirft der Mannschaft der „Lifeline“ vor, gegen internationales Recht verstoßen zu haben, als sie vor der libyschen Küste die Menschen an Bord nahm, obwohl bereits die libysche Küstenwache im Einsatz gewesen sei. Die Flüchtlinge zurück nach Libyen zu bringen war für Kapitän Reisch aber keine Option. 

Er spricht von Folterlagern dort und schrecklichen Geschichten, die die Flüchtlinge erzählten. 

„Man kann die Leute da nicht hinbringen, ich bin verpflichtet, sie in einen sicheren Hafen zu bringen.“

Striemen vom Auspeitschen

„Ich hab Striemen vom Auspeitschen gesehen“, erzählt auch Hans Rieß von Verletzungen, die Flüchtlinge seiner Information nach in libyschen Lagern zugefügt wurden. Der Dießener war mehrfach für die Organisation Sea-Eye als Kapitän auf einem Rettungsschiff im Mittelmeer. Wenn jetzt die Hilfsorganisationen nicht mehr tätig werden dürfen, „dann ersaufen d’Leut’“, drückt es Rieß in drastischem Bairisch aus. „Es ist eine Riesensauerei“, kritisiert Rieß, dass die Politik seit 20 Jahren um die Flüchtlingsproblematik wisse und keine Lösungen gesucht habe.
„Auf dem Rücken dieser Menschen wird Europapolitik ausgetragen“, so auch die Einschätzung von Claus-Peter Reisch. „Wir hatten am Donnerstag ein drittes Objekt auf dem Radar“, erzählt der Skipper von der Realität auf dem Mittelmeer. Und die aufgenommenen Flüchtlinge aus den zwei Schlauchbooten hätten auch bestätigt, dass es ein drittes Schlauchboot gegeben habe. „In einem Schlauchboot sitzen 120 Personen, es sind also 120 Menschen abgängig.“

Anm.d.Blog-Redaktion: Rettungsschiff im Mittelmeer - "Lifeline" darf in Malta anlegen
Stand: 26.06.2018 15:06 Uhr
http://www.tagesschau.de/ausland/lifeline-malta-101.html

Hier der Link zum Artikel der Augsburger Allgemeine vom 24.06.2018 >>>
Mittelmeer 24.06.2018 Landsberger Skipper darf keinen Hafen ansteuern / Augsburger Allgemeine v. 24.06.2018

Der kleine Satiriker - Alternative Fakten Defacto

Cartoon vom Migazin

Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.

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