FR: Migration aus Afrika - Sinnlose Befestigung Europas // Dazu der Pouya-Blog: Wo der Ursprung liegt! (Kolonialzeit2.0) // Lars Castellucci (SPD): Meine Rede zum Rettungsschiff "Lifeline" // Kommentar von Rüdiger Lange aus der FB-Gruppe 'Ahmad Pouya ist willkommen' // piqd: Flucht und Einwanderung Archipel Flüchtlingslager // Türsteher Europas - Wie Afrika Flüchtlinge stoppen soll - arte-Doku (Video)

Frankfurter Rundschau vom 28.06.2018
Migration aus Afrika
Sinnlose Befestigung Europas

Südlich des Mittelmeers in Afrika nimmt man Flüchtlinge einfach auf. Ein wenig beneidet man die Nachbarn im Norden, weil sie keine schlimmeren Probleme haben. Der Leitartikel.
Von Johannes Dieterich
Europa will sich abschotten und gibt dafür eine Menge Geld aus. Foto: dpa
(*)Europa demontiert sich, und Afrika schaut zu. Während vor dem Brüsseler Gipfel zur Migrationskrise nördlich des Mittelmeers gepokert und geschrien wird, bleibt es südlich des Gewässers auffallend ruhig – obwohl die „Krise“ dort ihren Ursprung hat. Afrikaner schauen dem europäischen Theater zunehmend befremdet zu: Ein wenig beneidet man die Nachbarn im Norden, weil sie keine schlimmeren Probleme haben.

Voraussichtlich werden in diesem Jahr 80 000 afrikanische Flüchtlinge, falls sie nicht ertrinken, übers Mittelmeer nach Europa kommen:

Dagegen muss der kleine ostafrikanische Staat Uganda mit einer Million Flüchtlingen aus dem Südsudan fertig werden.

Von den weltweit 66 Millionen Heimatvertriebenen haben 86 Prozent im Süden des Globus statt im wohlhabenden Norden Zuflucht gefunden: Dennoch jammert südlich des Äquators kaum einer über die „Last“.

Für Afrikaner ist es selbstverständlich, Flüchtlinge aufzunehmen.

In Südafrika, wo bereits weit über zehn Prozent der Bevölkerung Flüchtlinge oder Migranten sind, denkt keiner über Abschottung nach. Zählt man auch weiße Südafrikaner als Migranten (nichts anderes sind sie ja), stellt sich das Verhältnis noch krasser dar:

In Europa scheinen viele vergessen zu haben, dass bis vor wenigen Jahrzehnten noch die eigenen Landsleute den Hauptteil des weltweiten Migrantenstroms ausgemacht haben.

Menschen würden ihre Heimat vorziehen

Dass Afrikas Regierungschefs derzeit so ruhig sind, hat noch andere Gründe: Sie sind gar nicht so unglücklich darüber, dass Teile ihrer Bevölkerung das Weite suchen. Das reduziert den Druck auf den Arbeitsmarkt, dämpft die Unzufriedenheit und bringt willkommene Devisen ein – Staaten wie Eritrea oder Somalia würden ohne die Remissionen gar nicht überleben können.

In dieser Wertschätzung der Migration sind Afrikas Staatschefs aber ziemlich allein: Wenn die Bevölkerung wählen könnte, ob sie sich lieber zu Hause oder – unter Einsatz ihres Lebens – auswärts verdingen sollte, würde sie zweifellos die Heimat vorziehen. 

Entscheidend ist deshalb, an welche Afrikaner sich die europäischen Regierungen wenden, wenn sie die beste Strategie zur Eindämmung des Migrationsdrucks in Erfahrung bringen wollen – falls sie auf dem Nachbarkontinent überhaupt jemanden fragen würden. 

Die jüngste Initiative von Kanzlerin Angela Merkel, den afrikanischen „Pufferstaaten“ wie einst der Türkei Geld zukommen zu lassen, falls sie den Migrationsstrom drosseln helfen, geht in die falsche Richtung.

Den Regierungen undemokratischer oder gescheiterter Staaten wie Libyen, Ägypten, dem Sudan oder Algerien Geld zukommen zu lassen, damit sie Menschen aus anderen Staaten stoppen, internieren und wieder zurückschicken, ist ein an Kurzsichtigkeit und Zynismus kaum noch zu überbietender Vorschlag: Er belohnt die menschenrechtswidrigen Praktiken von Unrechtssystemen und wird Nordafrika zu einer explosiven Maginot-Linie destabilisieren.

Afrika hat beste Chancen, aus seinem Alptraum zu erwachen

Würden Europas Regierungschefs dagegen Vertreter der afrikanischen Bevölkerung – Gewerkschafter, Krankenschwestern, Lehrer oder Bauern – fragen, erhielten sie ganz andere Antworten. Diese sind nämlich interessiert daran, ihre Brüder und Schwestern im Land zu halten. Schließlich machen sich vor allem die Gewieften und Unternehmungslustigen auf den Weg – genau jene also, die man zu Hause dringend braucht.

Seit dem verheerenden Kolonialismus hat Afrika derzeit die besten Chancen, aus seinem von europäischen Migranten verursachten Alptraum zu erwachen:

Technologien wie der Mobilfunk, das Internet und das chinesische Engagement bei der Verbesserung der afrikanischen Infrastruktur haben neue Möglichkeiten eröffnet.

Der Investment-Guru George Soros ist überzeugt davon, dass viele afrikanische Volkswirtschaften mit einem jährlich 30 Milliarden Euro umfassenden „Marshallplan“ richtig in Schwung gebracht werden könnten.

Wie viel den Europäern die langfristige Lösung der Migrationskrise Wert ist, bleibt ihnen natürlich selbst überlassen. Solange sie wissen, dass jeder in die Befestigung Europas investierte Euro unproduktiv, die eigene Freiheit behindernd und auf lange Sicht nutzlos ist – während dieselbe Münze, sinnvoll in Afrika investiert, jedem zugute käme.

Hier der Link zum Artikel der Frankfurter Rundschau vom 28.06.2018 >>>

Dazu der Pouya-Blog:
Von Horst Berndt, Juni/2018

Wo der Ursprung liegt! (Kolonialzeit 2.0)
Mit Hinweisen zu Büchern von Fabian Scheidler und Erich Fromm. Die Bücher liegen kurioserweise über 50 Jahre im Erscheinungsdatum auseinander, aber sie ergänzen sich im Thema in frapierender Weise.
 Fabian Scheidler / Das Standfoto ist aus den Videos von Vorträgen / Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt.

Zitat aus dem Artikel der Frankfurter Rundschau

(*)Europa demontiert sich, und Afrika schaut zu. Während vor dem Brüsseler Gipfel zur Migrationskrise nördlich des Mittelmeers gepokert und geschrien wird, bleibt es südlich des Gewässers auffallend ruhig – obwohl die „Krise“ dort ihren Ursprung hat.

Der Artikel der Frankfurter Rundschau ist ohne Zweifel in fast allen Punkten zu befürworten. Allerdings ist es nicht richtig, wenn der Ursprung der Krise in den sog. südlichen Bereich des Gewässers verschoben wird. Diese sog. Krise hat sich über einen extrem langen Zeitraum entwickelt. Dieser Zeitraum umfaßt dann auch mehr als 100 Jahre.


Unser kapitalistisch-neoliberales System hat dann dazu beigetragen, dass diese von uns ewig unterdrückten Staaten Afrikas sich sehr gut informieren konnten. Das Internet, dass ja in den reichen westlichen Staaten entwickelt wurde, hat diesen afrikanischen und natürlich auch anderen Staaten erstmal die Augen geöffnet, um zu verstehen, was sich wirklich abspielt im Verhältnis zwischen den Staaten Afrikas und Europas.


Ein weiterer Punkt sind natürlich auch die klimatischen Veränderungen auf dem Kontinent Afrika.


Davor und vor der möglichen Völkerwanderung wurde schon vor über 30 Jahren von sehr vielen Wissenschaftlern gewarnt. Es hat nur niemanden interessiert.



Ein unsäglicher Zusammenhang entstand, als die EU genau zu der Zeit, als die klimatischen Veränderungen durchschlugen, auch noch Freihandelsabkommen mit afrikanischen Staaten abschlossen, die eher Knebelverträgen ähnelten, denn fairen Verträgen entsprachen.

Jetzt konnte die EU ihre Hühnerabfälle nach Afrika verkaufen, das hatte dann einen doppelten schlimmen Effekt. Die afrikanischen Bauern und Viehzüchter verkauften ihre Waren nicht mehr, weil die europäischen Waren viel billiger waren und -- der Agrarboden verschlechterte sich durch den Klimawandel extrem. Die Existenzgrundlagen in diesen Staaten konnten somit nicht gehalten werden. Es gäbe noch viel mehr Zusammenhänge zu präsentieren, immer sind auch europäische Interessen vertreten.

Historisch gesehen, kann man die Entwicklung mindestens bis zu den Anfängen der unsäglichen und menschenverachtenden Kolonialzeit zurückverfolgen. Die Entwicklungen, die zu den heutigen Zuständen, (Kolonialzeit.2.0) geführt haben, kann man sogar noch viel früher datieren. Dies würde allerdings den Rahmen des Themas hier sprengen.

Wer sich mit dem Thema einmal eingehend und vorurteilsfrei beschäftigt, wird wohl eher sehr nachdenklich zurückbleiben. mir ging es vor über 30 Jahren jedenfalls so.


Erich Fromm schreib schon 1964 in dem Buch >
Die Seele des Menschen - Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen (1964)

"Aus der Sorge, sagt Erich Fromm, dass das Phänomen der Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber in einer immer stärker mechanisierten Industriewelt überhand nehme und dass dies dazu führen könne, dass wir dem Leben mit Angst, wenn nicht gar mit Hass gegenüberstehen, habe er dieses Buch geschrieben. Ein Buch, dass die Frage stellt, ob wir uns tatsächlich auf eine neue Barbarei zubewegen - oder ob eine Erneuerung unserer humanistischen Traditon möglich ist.

Der Glaube, dass der Mensch im Grunde gut sei, entsprang dem Selbstvertrauen, dass durch die ungeheuren wirtschaftlichen und politischen Fortschritte seit der Renaissance genährt worden war.

Erst der moralische Bankrott des Westens, der mit dem Ersten Weltkrieg begann und über Hitler und Stalin, über Coventry und Hiroshima zur gegenwärtigen Vorbereitung einer universalen Vernichtung führte, hat bewirkt, dass wir den Fähigkeiten des Menschen zum Bösen wieder verstärkt Aufmerksamkeit widmen und die Art, die Macht und Intensität seiner destruktiven Kräfte ebenso zu erkennen suchen, wie seine Anlage zum Guten. "

Erich Fromm/1964

Wir können zum Thema allerdings ein Buch von Fabian Scheidler als hochinteressante Lektüre empfehlen.

Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation (2015)
Hier der Link zur Seite vom Buch und Autor >>>
Das Ende der Megamaschine / Fabian Scheidler


Wir würden uns freuen, wenn ihr als Leserinnen und Leser zum Artikel eure Meinung schreibt. Wir werden eure Zuschriften/Mails gern veröffentlichen.

Meine Rede zum Rettungsschiff "Lifeline"

Das Rettungsschiff "Lifeline" macht die Arbeit, die die europäischen Regierungen nicht machen wollen: Es rettet Leben im Mittelmeer. Wir sollten diesen Menschen danken und sie nicht behindern. Dass es für dieses Schiff jetzt eine "Lösung" gab, freut mich. Aber eine echte Lösung ist das nicht. Es braucht ein europäisches Seenotrettungsprogramm.

Gestern habe ich zur aktuellen Situation auf dem Mittelmeer gesprochen.

Prof. Dr. Lars Castellucci (SPD) / Standfoto aus dem Video
Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt.


Dazu ein Kommentar von Rüdiger Lange

aus der FB-Gruppe Ahmad Pouya ist willkommen

Viel interessanter als die Rede sind die Kommentare. Ich finde es erschreckend, wie viele Menschen ohne Wissen über etwas urteilen bzw. schreiben und die falschen Satzbausteine der AfD übernehmen.


Ich darf mit meinem Boot nicht ohne Genehmigung des Staates in dessen Hoheitsgewässer einfahren. Das ist ein Grenzübertritt. Genauso wenig darf ein Flugzeug ohne Genehmigung irgendwo landen.
Den dummen Menschen ist einfach nicht bewusst oder sie wollen es nicht wissen, dass in den Meeresräumen verschiedene Stufen von Staatshoheit und im Seerechtsübereinkommen gibt. Innerhalb dieser Zonen nehmen die Rechte eines Staates zur See hin immer weiter ab.

Die erste Zone erstreckt sich 12 Seemeilen ins Meer hinein und wird als Basislinie bezeichnet. Hier gilt für den jeweiligen Staat die volle Hoheitsbefugnis, eine friedliche Durchfahrt von Schiffen darf der Staat normalerweise aber nicht verhindern.

In der zweiten Zone, die sich noch einmal zwölf weitere Meilen erstreckt, dürfen Staaten Kontrollen durch Polizei oder Zoll durchführen, sowie Straftaten verfolgen. Außerhalb der Zone 1, Zone 2 und der Wirtschaftszone (200 km) beginnt erst das internationale Recht.

Genauso ist jeder Skipper verpflichtet Menschenleben in Seenot zu retten.

Dazu der Pouya-Blog:
H.Berndt, Juni/2018

Rüdiger Lange bezieht sich auf die Kommentare unter dem Video mit der Rede von Prof. Dr. Castellucci. Hier ein kleine Auswahl davon. Zum Glück gibt es auch Kommentare unter dem Video, die von Menschlichkeit zeugen.

Es sind Menschen, die sich selbst in diese Situation gebracht haben. Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen.
Wenn aber ein solches Schiff „Schiffbrüchige“ an der Libyschen Küste findet,  warum werden diese dann aber nicht schnell und praktisch an der Libyschen Küste abgesetzt, dann sind sie genauso „gerettet“ und Europa hätte nicht das Problem... Aber finde den Vorschlag unseres Innenminister gut das Schiff festzusetzen um den illegalen Zustrom einzudämmen. Mit solchen Booten werden die Menschen weiter ermuntert die Überfahrt zu wagen.
Hier der Link zum Video (Rede im Bundestag) von Prof. Dr. Lars Castellucci >>>
Meine Rede zum Rettungsschiff "Lifeline" / Prof. Dr. Lars Castellucci v. 27.06.2018




piqd vom 28.06.2018
Archipel Flüchtlingslager - Oder: Das falsche Spiel der EU

Die Verteilungskämpfe des 21. Jahrhunderts, die gewaltige Flüchtlingsströme kreieren, werden wohl einmal als große Tragödie gesehen werden. Die größten davon gehen nicht nach Europa, aber der Fluss der Migranten auf unseren Kontinent spaltet diesen.

Von Achim Engelberg
AP/dpa. Die IOM schätzt, dass dreimal so viele Menschen in der Wüste sterben,
wie im Mittelmeer vermisst werden. Stimmt die Annahme, fanden im vergangenen
Jahr 15.000 Menschen in der Sahara den Tod, weil ihre Konvois stecken blieben
oder die Schmuggler sie zurückließen.
Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt. 
Die Verteilungskämpfe des 21. Jahrhunderts, die gewaltige Flüchtlingsströme kreieren, werden wohl einmal als große Tragödie gesehen werden. Die größten davon gehen nicht nach Europa, aber der Fluss der Migranten auf unseren Kontinent spaltet diesen.

Erschreckend, wie die EU hier agiert.

Die Sahara mutiert zum großen Friedhof und einige wenige hierzulande oder aus anderen EU-Ländern profitieren davon: 

vor allem Rüstungs- und Sicherheitsfirmen. Konkret: Airbus, Rheinmetall und andere große Player verdienen Milliarden mit Grenztechnologien.

Erschreckend, wie diese Tragödie keine Bühne bekommt. 

Dieser notwendige Film, der bis zum 11. Juli 2018 zu sehen ist, ist eine Ausnahme. Er sei, so heißt es vorab, für "Kinder, Jugendliche oder empfindsame Zuschauer" ungeeignet. Und er ist aus hartem Stoff: Statistiken bluten nicht, so wichtig sie sind, um Lügen zu entlarven. Diese Doku beleuchtet das Elend hinter den Zahlen.
Wie der Archipel Gulag, das sowjetische Lagersystem, lange in seinem Ausmaß unbekannt war, so ist es heute mit dem Archipel Flüchtlingslager. Es hat seinen Solschenizyn noch nicht gefunden.

Im Film wird der schöne Schein der EU (Menschenrechte und so weiter) der blutigen Realität gegenübergestellt.


Ein Tabubruch von Spanien wird das schlechte Vorbild für die EU:

Als 2004 Flüchtlinge in Booten von Westafrika zu den Kanarischen Inseln fuhren, griff das Land durch. Es zahlte Ländern wie Senegal viele Millionen Euro, um die Flüchtlinge zu stoppen. Seitdem riegelt die spanische Küstenwache die senegalesischen Strände ab, Tausende Kilometer von Europa entfernt.
Die EU-Entwicklungshilfe wird an den Flüchtlingsstopp gekoppelt. 

Damit innerhalb der EU offene Grenzen bleiben können, werden Grenzen in Afrika geschlossen. Es ist eine Demütigung afrikanischer Völker, alte koloniale Muster werden neu belebt.

Kritik äußert die Afrikanische Union: Sie sieht ihre Pläne von einem Kontinent der Freizügigkeit ähnlich dem Schengen-Modell als unvereinbar mit den EU-Vorstellungen.
Hier der Link zum Artikel von piqd vom 28.06.2018 >>>
Flüchtlingslager - Oder: Das falsche Spiel der EU / piqd

Hier der Link zur Arte-Doku > Türsteher Europas - Wie Afrika Flüchtlinge stoppen soll >>> 

Türsteher Europas - Wie Afrika Flüchtlinge stoppen soll / arte TV vom 06/2018

Standfoto aus dem arte-Video / Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt.



Hier der Begleittext zur Arte-Doku!

Mit Milliardensummen werden afrikanische Staaten als neue Grenzschützer etabliert. Entwicklungshilfe wird an Bedingungen geknüpft: Nur wer Europa bei der Migrationskontrolle beisteht, bekommt Geld. Profiteure dieser Politik sind Rüstungs- und Sicherheitsfirmen. In zwölf Ländern haben die Autoren der Dokumentation erkundet, wie Europa heute seine Grenzen durch Afrika zieht.


Spanien hat es vorgemacht: Als 2004 Flüchtlinge in Booten von Westafrika zu den Kanarischen Inseln fuhren, griff das Land durch. Es zahlte Ländern wie Senegal viele Millionen Euro, um die Flüchtlinge zu stoppen. Seitdem riegelt die spanische Küstenwache die senegalesischen Strände ab, Tausende Kilometer von Europa entfernt. Dieses Prinzip kopiert die EU heute im großen Stil mit fast zwei Dutzend Ländern in Afrika. Der Deal lautet: Entwicklungshilfe gegen Flüchtlingsstopp. Mehrere Milliarden Euro bietet die EU für die Koalition in Sachen Grenzschutz. Entwicklungshilfe wird an Bedingungen geknüpft: 
Wer beim Kampf gegen irreguläre Migration als Türsteher der EU agiert, bekommt Geld. Europäische Polizisten und Soldaten werden in immer mehr Länder Afrikas geschickt, um den Grenzschutz zu verbessern. 
Auch Diktaturen wie Sudan und Eritrea werden so zu "Partnern" Europas, um Fluchtrouten zu unterbrechen. Für europäische Sicherheits- und Rüstungskonzerne ist das Geschäft mit der Grenztechnologie ein neuer Absatzmarkt.

Mit Hilfe von Entwicklungsgeldern investieren afrikanische Regierungen in Hochtechnologie "Made in Europe", die sie sich ohne EU-Hilfe nicht leisten können. Kritik äußert die Afrikanische Union: Sie sieht ihre Pläne von einem Kontinent der Freizügigkeit ähnlich dem Schengen-Modell als unvereinbar mit den EU-Vorstellungen.

Die Reporter Jan Schäfer und Simone Schlindwein haben unter anderem in Uganda, Niger und dem Sudan untersucht, wie die EU ihre Migrationspolitik in Afrika durchsetzt, wer davon profitiert und welchen Preis die Migranten dafür zahlen müssen.

Die Würde aller Menschen ist unantastbar.

Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.

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