nordbayern: Hilpoltstein: Äthiopische Familie auseinandergerissen // Horst Berndt: Deutschland - nicht mehr mein Land! ... // Kontraste: Wie sich eine Rettungssanitäterin mit Kopftuch durchsetzt // Dazu ein Kommentar von Rüdiger Lange (Pouya-Gruppe) // Anm.d.Blog-Redaktion: Eine afghanische Rettungssanitäterin mit Charakter und viel Mut! // Xavier Rudd, ein Mann des Friedens, mit dem Song FLAG.

nordbayern vom 25.05.2018
Abschiebepraxis in Deutschland

Hilpoltstein: Äthiopische Familie auseinandergerissen
Beliebter und gut integrierter Asylbewerber in Abschiebehaft
SOLAR - Daniel (Anteneh) Zeleke Woldeyohannes lebt seit sieben Jahren in Deutschland, hat eine Frau und eine kleine Tochter, für deren Lebensunterhalt der 35-Jährige als Lagerist sorgt. Die kleine Familie wohnt in einer Wohnung in Solar und freut sich auf eine Zukunft in Deutschland. Zumindest war das bis vor Kurzem so. 
Medhanit lebt mit ihrer kleinen Tochter in einer Wohnung in Solar. Die Zukunft der beiden ist ungewiss, seit der Familienvater Daniel in Erding in Abschiebehaft sitzt. © Elke Bodendörfer
"Das ist so ungerecht", sagt Daniels Schwager Reinhard Böhm, ein ehemaliger Polizist aus Wiesbaden, der mit der Halbschwester von Daniel verheiratet ist und sogar für die kleine Familie bürgen würde. Daniel war 2011 nach Deutschland geflohen, er gehörte wie seine Frau Medhanit den Amharen an, einer von der Regierung unterdrückten Volksgruppe.

Er lehnte sich gegen die repressive Regierung auf, war bei Demonstrationen mit dabei und versuchte auch in Deutschland auf die angespannte Situation in seinem Land aufmerksam machen, wie Dokumente und Fotos zeigen, auf denen Daniel als Demonstrant zu sehen ist. In Äthiopien sei er auch im Gefängnis gewesen, weiß seine Schwester, die derzeit mit ihrem Mann bei Medhanit und Töchterchen Imana ist, um sie zu unterstützen.
"Wir wollten eigentlich, dass die Familie in unsere Nähe zieht", sagt Reinhard Böhm. 
Doch das geht nicht. Daniel und auch seine Frau, die er in Nürnberg bei der evangelisch-äthiopischen Kirche kennenlernte, haben nur einen Duldungsstatus, das heißt, sie müssen alle drei Monate zur Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, um die Duldung verlängern zu lassen. Sie unterliegen also auch der Residenzpflicht.
Arbeit verboten

Am 7. Mai war es wieder so weit. Doch als Daniel aus dem Amt kam, war er recht betrübt. Die Duldung wurde nur um eine Woche verlängert und die Beschäftigungserlaubnis wurde ihm gestrichen. Von heute auf morgen durfte er nicht mehr arbeiten, hatte – obwohl er seit vier Jahren in einem festen Arbeitsverhältnis stand – keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. 
"Das hängt wohl mit der Duldung zusammen", meint Böhm. Kindergeld für die kleine Imana gibt es ebenso wenig. Die Böhms schalteten einen Anwalt ein und halfen seiner Frau mit einer Geldschenkung über die Runden.

Geld für Rückflug abgenommen

Doch bereits wenige Tag später war selbst dieses Geld weg. Es wurde für den Rückflug nach Addis Abeba von der Polizei beschlagnahmt. 
Am Nachmittag des 11. Mai stand diese plötzlich vor der Tür des Anwesens in Solar und holte den Asylbewerber ab. Das Bayerische Verwaltungsgericht hatte endgültig entschieden, dass der Asylantrag von Daniel abgelehnt wird. 
"Der Anwalt hatte nicht einmal mehr eine Chance einzugreifen, weil er aufgrund des Feiertags erst einen Tag später davon erfuhr", erinnert sich Böhm.
Daniel wurde direkt nach Frankfurt zum Flughafen gebracht. Als er in das Flugzeug einsteigen sollte, zerriss er, so sein Schwager, wohl wutentbrannt die Bordkarte, was die Polizeibeamten veranlasste, ihn abzuführen. Am 12. Mai wurde er der Haftrichterin in Nürnberg vorgeführt, kam noch am gleichen Tag in Abschiebehaft nach Pforzheim und wurde am 14. Mai in ein Abschiebegefängnis nach Erding verlegt.


Appell vergeblich

Dort ist er kaum erreichbar. 
"Zehn Minuten am Tag darf er vom Gefängnis aus anrufen. Er selbst kann nicht angerufen werden", sagt Reinhard Böhm. 
Seitdem sitzen seine Frau und die kleine Imana allein im Wohnzimmer. Der Anwalt hat Haftbeschwerde und Verfassungsbeschwerde wegen der Trennung von der Familie  eingelegt.

Auch eine Reihe von Hilpoltsteinern, wie LBV-Geschäftsführer Gerhard Koller, machen sich für das Schicksal der kleinen Familie stark, die in der Burgstadt als "gut integriert" galt. Koller schrieb an die Regierung von Mittelfranken mit der Bitte um Bleiberecht. "Ich appelliere an die Menschlichkeit."

Aus Ansbach kam bislang nur ein allgemeingültiges Schreiben mit Worten wie 
"Es entspricht der Rechtslage, dass vollziehbar ausreisepflichtige Personen nach Abschluss ihres Asylverfahrens das Land wieder zu verlassen haben." Und sollten sich noch weitere Familienmitglieder der betroffenen Person in Deutschland befinden, die ebenfalls ausreisepflichtig sind, so sei eine "getrennte Aufenthaltsbeendigung" möglich, da es den Angehörigen zumutbar sei, zur Wahrung der familiären Lebensgemeinschaft ins gemeinsame Heimatland auszureisen. Mit Kollers Worten: "Familie trennen, Mann abschieben, Frau kann mit Kind nachkommen."
Sorge ums Mädchen

Was jetzt weiter passiert, ist ungewiss. Daniel hat Angst, dass er ausgewiesen wird und in Äthiopien aufgrund seiner regimekritischen Äußerungen inhaftiert wird. Und auch um das kleine Mädchen machen sich die Böhms Sorgen. Sie wurde vor acht Monaten in eine vermeintlich heile Welt geboren. Sollte sie nach Äthiopien ausreisen müssen, drohe ihr dort die qualvolle Beschneidung.

Es sei alles so ungerecht.
"Ich glaube, die bayerische Landesregierung steht unter Druck", so Böhm, und schicke immer mehr Leute in ihre Heimatländer zurück, um Erfolge vorzuweisen und so die Wählerschaft zu besänftigen.
Es sei so willkürlich, was in der Asylpolitik passiere. Der eine darf bleiben, der andere nicht, je nach dem welches Bundesland für ihn zuständig ist, so der Tenor des Polizisten, der eigentlich auch rechtsstaatlich eingestellt ist. Aber human sei das nicht.

Hier der Link zum Artikel von nordbayern vom 25.05.2018 >>> 

Anm.d.Blog-Redaktion: 

Deutschland - nicht mehr mein Land!
Wie die Menschenrechte massiv mit Füßen getreten werden

Das ist wahrlich kein Einzelfall. Wir berichteten in der Vergangenheit schon desöfteren über solche Entwicklungen in Deutschland. Jeder dieser Fälle ist ein weiterer Beweis dafür, wie extrem menschenverachtend unsere Regierung und deren Handlanger in den Behörden gegen Hilfesuchende und auch gegen längst hervorragend integrierte und friedliche Menschen vorgehen. 
Vordergründig wird schwadroniert, wie menschenfreundlich unser Land ist und das wir hier in Deutschland auf die Einhaltung der Menschenrechte achten. Wenn wir hinter die Fassade schauen, blicken wir in eine deutsche Fratze, geprägt von Rassismus und menschenverachtendem Verhalten und dies auf allen Ebenen. Ob Regierung oder Behörden (besonders schlimm, Schreibtischtäter) oder auch in unserer Gesellschaft. 

Unser Land hat einen Anteil an humanen Menschen, zum Glück. Diese Menschen versuchen auch mit aller Kraft dem Grundgesetz und den Menschenrechten zu dienen. Der Hass auf Menschen, die aus den Ländern kommen, ist derzeit wieder extrem ausgeprägt. Überraschen darf uns das allerdings auch nicht. Wir müssen uns mit aller Kraft dagegen stemmen, wenn wieder in Deutschland gehetzt wird, wie in den dunkelsten Zeiten. 

Der junge Familienvater aus Afrika hat gearbeitet, er hat Steuern gezahlt, er ist sehr gut integriert mit seiner Familie und kriminell ist er auch nicht geworden. Wir können nun nur hoffen, dass seine Helfer und Freunde nicht nachlassen und es schaffen, dass dieser "Staat" klein-beigeben-muss. Deutschland - nicht mehr mein Land, jedenfalls nicht dieses Deutschland. 
Horst Berndt, Mai 2018



Kontraste (ARD) vom 24.05.2018 (Video 10min.)

Rassismus in Deutschland
Wie sich eine Rettungssanitäterin mit Kopftuch durchsetzt

Zahra Mrowat behauptet sich in einer echten Männerdomäne. Die junge Muslima arbeitet als Rettungssanitäterin in Berlin.

 Zahra Mrowat, eine Rettungssanitäterin setzt sich durch. / Das Foto ist aus dem Kontraste Video und wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt. 
Zahra Mrowat behauptet sich in einer echten Männerdomäne. Die junge Muslima arbeitet als Rettungssanitäterin in Berlin. 
Wegen ihres Kopftuches muss sie sich immer wieder rechtfertigen und klarstellen, dass sie nichts mit Islamisten zu tun hat. Aber Intoleranz ist nicht das Einzige, mit dem sie konfrontiert wird, wenn sie Menschen in Not helfen möchte. 
Übergriffe und Beleidigungen gehören für sie und die Kollegen des Rettungsdienstes mittlerweile zum Alltag. 
Kontraste begleitet die Helfer bei Tag und Nacht durch Berlin. Lebensgefährlich verletzte gehören ebenso zu ihren Patienten wie vereinsamte Menschen, die immer öfter den Notruf wählen.

Hier der Link zum Artikel/Video von Kontraste (ARD) vom 24.05.2018 >>>


Kommentar eines Mitglieds der Pouya-Gruppe.
Rüdiger Lange zum Video von Kontraste

Ich habe gestern den Bericht auch gesehen. Stellvertretend für sehr viele Deutsche waren ihre Arbeitskollegen. Distanziert, mit Vorurteilen behaftet und keiner wollte mit ihr fahren. Heute ist sie eine angesehene Sanitäterin - auch mit Kopftuch. Daran sieht man, nicht die Kleidung macht den Menschen sondern der Mensch macht den Menschen aus. Aber was will man von einer Gesellschaft erwarten, der man die Dummheit und die Oberflächlichkeit anerzogen hat.

Dummheit bei den Blockierern von Rettungseinsätzen. Es passiert ja auch nichts. Zum Beispiel Österreich: Bildest du da keine Rettungsgasse, dann kannst du mal gut ein Monatsgehalt abdrücken. Warum übernehmen wir nicht so erfolgreiche Maßnahmen. Oder bei Gaffern! Von mir aus kann man auch deren Auto einziehen und versteigern. Sowas tut weh und bleibt haften. Anstatt darüber zu reden, redet man viel lieber über Flüchtlinge.

Wir haben zwar nicht genug Polizisten um unsere Bürger vor den dummen Bürgern zu schützen, wollen aber mit 1.000 Grenzschützern unsere Grenze schützen. Man muss sich mal diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen, um den politischen Schwachsinn zu erkennen.
Rüdiger Lange, Mai 2018


Anm.d.Blog-Redaktion:
Eine afghanische Rettungssanitäterin (in Berlin) mit Charakter und viel Mut!

Dieses Kontraste-Video lässt uns komplett sprachlos zurück. Hier wird sehr deutlich, wie ausgeprägt der Rassismus in Deutschland ist. Zudem wird uns vor Augen geführt, wie verroht und egoistisch unsere deutsche Gesellschaft ist.

Meinen Respekt hat Zahra Mrowat (23), eine Rettungssanitäterin aus Afghanistan, die in Berlin arbeitet. Wie die beiden, die im Film auch zu Wort kommen, behandelt werden, ist so unglaublich, dass man es kaum glauben kann. Das so etwas in Deutschland möglich ist, ist überaus beschämend.
Diese wiederliche rassistische Verhalten wird dann auch noch im Bundestag befeuert, wie in der letzten Hetzrede von Frau Weidel aus der AfD. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn wieder Bürgerinnen und Bürger verhetzt werden und sich dann auch extrem rassistisch und völkisch verhalten.
Horst Berndt, Mai 2018

Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Gesetz für den gesamten Erdkreis

Xavier Rudd, ein Mann des Friedens! 



Kommentare