Pressemitteilung Zuflucht Kultur e.V. : Pouya - Albert Ginthör erhält für sein Engagement eine Auszeichnung! // Bundesverfassungsgericht - Familiennachzug bleibt auch für Minderjährige ausgesetzt - SPON // Stern: Afghanistan - Wie ein Still-Foto das Leben dieser jungen Mutter verändert...

Pouya - wie die deutsche Zivilgesellschaft ein Leben rettete - Albert Ginthör erhält für sein Engagement eine Auszeichnung!
Albert Ginthör, der Pouya im Januar 2017 bei der „freiwilligen“ Ausreise nach Kabul begleitete, wird von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) für sein „humanitäres Engagement“ (Pressemeldung) ausgezeichnet.

Ahmad Pouya mit Albert Ginthör

Anm.d.Blog-Redaktion:

Dieser Bericht erreichte uns am 10.04.2018, von Zuflucht Kultur e.V.. Mit diesem Verein und anderen Organisationen und Menschen haben wir darum gekämpft, dass Ahmad Pouya wieder nach Deutschland einreisen durfte.

Albert Ginthör spielte dabei eine besondere und herausragende Rolle. Durch sein persönliches Engagement wurde erst die Basis für eine Wiedereinreise von Ahmed Pouya nach Deutschland eingeleitet. Sein Aufenthalt an der Seite von Pouya war lebensgefährlich, umso mehr ist diese Auszeichnung für Albert Ginthör verdient. Er ist ein herausragendes Vorbild für Zivilcourage in unruhigen Zeiten, er steht für Humanismus, in gelebter Form, selbst wenn es gefährlich wird. Wollen wir alle ein wenig Ginthör sein, dann haben wir eine wahrlich starke und humanistische Gesellschaft. 
Horst Berndt April ´18 

Liebe Journalistinnen und Journalisten,

gut möglich, dass Sie sich wundern. Im Mailbetreff steht der Name Pouya – und es ist keine Alarmmeldung...
Denn zum Glück braucht man sich um den afghanischen Musiker mittlerweile keine Sorgen mehr zu machen. Die heutigen, sehr erfreulichen Neuigkeiten haben trotzdem mit ihm zu tun. 
Zuflucht Kultur e.V.
Sein Freund und Musiker-Kollege Albert Ginthör, der Pouya im Januar 2017 bei der „freiwilligen“ Ausreise nach Kabul begleitete, wird von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) für sein „humanitäres Engagement“ (Pressemeldung) ausgezeichnet.


Die DOV vertritt Berufsmusikerinnen und -musiker. Alle drei Jahre verleiht sie den Hermann-Voss-Kulturpreis, in unregelmäßigen Abständen auch einen Sonderpreis. 2018 geht er an Albert Ginthör. Die Preisverleihung findet am 24. April 2018 in Halle an der Saale statt, im Rahmen der Deutschen Orchesterkonferenz.


Albert Ginthörs Mut war in der Tat bewundernswert. 
Als Münchner Veranstalter der Zuflucht Kultur-Produktion ZAIDE.EINE FLUCHT. hatte er das Drama um Pouyas Abschiebungsbescheid hautnah miterlebt. Pouya, der Darsteller des Gomatz, hatte sich zu der gefährlichen Reise nach Kabul entschlossen, um einer Wiedereinreisesperre nach Deutschland zu entgehen. 
Aus Solidarität begleitete ihn Ginthör in die vom Bürgerkrieg gezeichnete afghanische Hauptstadt – und riskierte damit, zumal als westlicher Ausländer, ebenfalls sein Leben. Es gelang ihm, Pouya schon nach wenigen Tagen einen Termin in der deutschen Botschaft zu verschaffen und so den Boden für Pouyas Rückkehr nach Deutschland zu bereiten. Dank eines Rollenangebots der Münchner Schauburg für das Fassbinder-Stück Angst essen Seele auf erhielt Pouya 50 lange Tage später ein Arbeitsvisum – und damit das Recht, wieder nach Deutschland einzureisen.


Die Auszeichnung hat eine weitere Vorgeschichte. Kein anderer als Albert Ginthör selbst, hauptberuflich Geiger und Vorstandsmitglied des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz München, hatte die DOV auf Pouyas Fall aufmerksam gemacht. Die Folge: Als erster Kulturverband setzte sie sich im Januar 2017 für Pouya ein. In Briefen an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm forderte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens ein Bleiberecht für den von den Taliban verfolgten afghanischen Musiker.

Die Auszeichnung für den unerschrockenen Musiker freut uns, die Mitglieder von Zuflucht Kultur e.V., sehr. Denn das Happy-End für Pouya ist zum Gutteil unserem Freund Albert Ginthör zu verdanken. 
Wenn der Geehrte auch in diesem Punkt anderer Meinung ist... Seiner Ansicht nach verdient in Wahrheit die Presse diesen Preis! 
Denn, so Ginthör: „Wenn ich Ende April den Preis in Halle entgegennehme, tue ich das eigentlich nur stellvertretend. Ich bin davon überzeugt, dass Pouya ohne die so engagierte und kontinuierliche mediale Begleitung heute immer noch in Kabul untergetaucht – oder Schlimmeres – wäre. Mein Dank gilt daher den vielen Journalistinnen und Journalisten, die über diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, „Härtefall“ berichtet haben. Es ist wunderbar, was die vereinte Macht der Musik und der Worte erreicht haben.“ 
Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

 Ahmad Pouya nach seiner Wiedereinreise nach Deutschland im März 2017
(der Pouya-Blog berichtete)


Hier der Link zu Zuflucht und Kultur e.V.  >>> 
https://www.zufluchtkultur.de/Zuflucht und Kultur e.V.

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Bundesverfassungsgericht

 Familiennachzug bleibt auch für Minderjährige ausgesetzt

Familiennachzug gibt es derzeit auch nicht für minderjährige Flüchtlinge. Das entschied das Bundesverfassungsgericht und lehnte damit das Gesuch eines 13-jährigen Syrers und seiner Mutter ab.


Bundesverfassungsgericht
Der Eilantrag eines 13-jährigen Syrers mit subsidiärem Schutz auf Nachzug seiner Mutter aus der Türkei ist vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert.


Würde der Mutter die Einreise erlaubt, könne sie nicht mehr rückgängig gemacht werden, wenn sich später erweisen sollte, dass die Frau eigentlich keinen Anspruch darauf habe, hieß es in dem Beschluss des Gerichts. (Az. 2 BvR 1266/17)

Der Junge war 2015 gemeinsam mit seinem Onkel, dem Bruder der Mutter, nach Deutschland eingereist. Im Sommer 2016 wurde ihm subsidiärer Schutz zuerkannt, dieser sieht aktuell eine Familienzusammenführung nur in Härtefällen vor. Die Mutter lebt in der Türkei, ist dort erwerbstätig und hat zwischenzeitlich die türkische Staatsangehörigkeit erhalten.
Auch das Gericht verwies aber darauf, dass die Mutter womöglich ein Visum für den Familiennachzug "aus dringenden humanitären Gründen" bekommen könnte. Dazu müsse der Junge ein mittlerweile erstelltes psychotherapeutisches Gutachten über eine Depression wegen Trennung von der Mutter zunächst beim Verwaltungsgericht geltend machen. Dabei könne das Verwaltungsgericht auch berücksichtigen, dass die Trennungszeit von fast drei Jahren "an der Grenze eines noch vertretbaren Zeitraums" liege.
Das Gericht betonte zudem die weitreichenden Folgen, die eine anders lautende Entscheidung gehabt hätte. Wäre eine einstweilige Anordnung erlassen und "mit verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Regelung des § 104 Abs. 13 AufenthG begründet" worden, so hätte diese "für alle anderen Fälle des Elternnachzugs zu minderjährigen subsidiär Schutzberechtigten ebenso gelten" müssen. Das käme aber "im Ergebnis einer entsprechend weitgehenden Aussetzung des Vollzugs der gesetzlichen Regelung" gleich, entschieden die Richter.
cht/AFP 

Hier der Link zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum vorliegenden Fall >>> 

Hier der Link zum Artikel von Spiegel-Online vom 09.04.2018 >>>

Anm.d.Blog-Redaktion:
Wenn wir diesen Fall betrachten, werden wir uns darüber klar, dass es jetzt Zeit wird, die aktuelle Regelung zu beenden. Selbst unser BVG kommt nicht umhin, auf das bestehende Gesetz zu verweisen. Das BVG handelt sonst immer im Sinne der Menschlichkeit. Dass die SPD kein besseres Ergebnis in den Koalitionsverhandlungen für die Zukunft erreicht hat, ist wirklich eine weitreichende Tragödie. 
Horst Berndt April ´18
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Afghanistan
Wie ein Still-Foto das Leben dieser jungen Mutter verändert
 Jahan Taab wagte das, was sich in Afghanistan nur wenige Frauen trauen. Sie verließ ihr Heimatdorf für eine Uni-Aufnahmeprüfung. Ihr Baby nahm sie mit. Eine Entscheidung, die ihr Leben nachhaltig verändern sollte.
 Was für eine starke afghanische Frau!

Jahan Taab ist 25 Jahre alt und kommt aus dem Dorf Hoschto. Afghanistan -
Wie ein Still-Foto das Leben dieser jungen Mutter verändert

Jahan Taab ist 25 Jahre alt und kommt aus dem Dorf Hoschto in der afghanischen Provinz.

Sie ist Ehefrau eines armen Bauern und Mutter von drei Kindern. Im März dieses Jahres wagte die junge Frau einen mutigen Schritt. Sie packte ihren jüngsten Sprössling ein, setzte sich in einen Bus und fuhr mehr als sechs Stunden lang nach Nilli, einer Stadt im Zentrum Afghanistans. Dort angekommen, machte sich Jahan direkt auf den Weg zum Nasirkhosraw Higher Education Institute, einer privaten Universität. An diesem schicksalhaften Tag fand dort eine Aufnahmeprüfung an der sozialwissenschaftliche Fakultät statt - und genau diese war das Ziel von Jahan.

Mit ein paar Dutzend anderen Bewerbern nahm die junge Mutter Platz an einem der Schreibpulte und begann die Testbögen auszufüllen. Doch ausgerechnet in diesem Moment fing ihr Baby an zu weinen. Um die anderen nicht zu stören, verließ Jahan ihren Tisch, setzt sich hinter der letzten Reihe in den Sand und stillte den Säugling.
"Ich fuhr fort, den Fragebogen auszufüllen und fütterte mein Baby. Es schrie wirklich laut. Und ich hatte Angst, dass der Dozent die Geduld verlieren und mich rausschmeißen würde", erzählte sie später dem britischen Sender BBC.
Ein erstaunliches Bild - nicht nur in Afghanistan
Doch es kam ganz anders. Statt sie rauszuschmeißen, nahm der Dozent Yahya Erfan sein Smartphone zur Hand und schoss ein paar Fotos. "Es war ein erstaunliches Bild und alle Klassenkameraden bewunderten sie", berichtete er der CNN. Die Aufnahmen veröffentlichte er bei Facebook. In den sozialen Netzwerken fanden sie sofort Beachtung und verbreiteten sich rasant.

Jahan Taab, beim Ausfüllen der Aufnahmeprüfung zur Universität, während sie ihr Baby beruhigte.  
Es dauerte nicht lange und auch die örtlichen Behörden wurden auf Jahan aufmerksam.

Eine angesehene afghanische Universität bot ihr einen Studienplatz an der Wirtschaftsfakultät an, berichtet nun die BBC. Eine afghanische Politikerin erklärte, sie werde die Studiengebühren entrichten. Und der Zweite Vize-Präsident von Afghanistan, Sarwar Danisch, stellt ihr eine Wohnung für das erste Studienjahr zur Verfügung.
"Mein Ziel ist es, den Frauen in meinem Dorf zu helfen, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe", sagte Jahan. "In Kabul können Frauen rausgehen und sie arbeiten sehr fleißig. Doch die Frauen in meiner Heimatregion tun mir leid, weil sie nur begrenzten Zugang du Bildung haben."
Jahans Erfolg ist ein Schritt, um diese Ungerechtigkeit zu ändern.

Hier der Link zum Artikel vom Stern vom 09.04.2018 >>>  

Anm.d.Blog-Redaktion:
Was für eine starke Frau, ich war schon beim Lesen extrem beeindruckt.

Ich werde die Redaktion des Stern anschreiben und um Daten bitten, wie man mit Jahan oder mit jemanden der ihr hilft in Kontakt gehen kann. Ich habe sicherlich nicht viel Finanzielles übrig, aber ich würde diese Frau gern etwas unterstützen, damit diese sehr mutige Frau es etwas einfacher auf dem Weg hat.
Horst Berndt April ´18

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Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.
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