Türkei marschiert in Syrien ein - Massenflucht aus Afrin // Dazu > Operation Olivenzweig - Türkei marschiert in Syrien ein - Britin (26) stirbt in Afrin an der Seite der Kurden // medico international - Spenden für Nothilfe in Afrin

Türkei marschiert in Syrien ein
Massenflucht aus Afrin

Zehntausende Menschen brauchen Hilfe. YPG führen Guerillakampf

Kurdische Familien fliehen vor dem Terror der Dschihadisten und der türkischen Armee

Nach dem Einmarsch türkischer Truppen und verbündeter islamistischer Milizen in das mehrheitlich von Kurden bewohnte Afrin im Nordwesten Syriens berichten Helfer von einer dramatischen humanitären Lage.
Tausende seien in den vergangenen Tagen »verzweifelt und in Panik« aus Afrin geflohen, teilte der Regionaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Robert Mardini, am Dienstag über Twitter mit. Sie hätten keine Unterkunft sowie kaum Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung.
Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF brauchen 100.000 Menschen aus Afrin dringend Hilfe, die Hälfte von ihnen Kinder. 

Das IKRK meldete am Dienstag, ein Hilfskonvoi habe den von Kurden kontrollierten Ort Tel Rifat erreicht. Dort haben nach UN-Angaben mindestens 75.000 Vertriebene aus Afrin Zuflucht gefunden.

Bei den meisten handele es sich um Frauen, Kinder und Ältere, teilte das UN-Nothilfsbüro OCHA mit. Es gebe besorgniserregende Berichte über Gewaltandrohung, willkürliche Festnahmen von Zivilisten sowie Plünderungen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erklärte, Betroffene hätten berichtet, sie seien auf der Flucht über viele Stunden durch die Berge gelaufen. Schulen und Moscheen seien völlig mit Vertriebenen überfüllt.

Wie die kurdische Nachrichtenagentur ANF am Dienstag meldete, sind die kurdischen Volksverteidigungskräfte YPG nach dem Fall Afrins zum Guerillakampf übergegangen. Mindestens 74 Besatzungssoldaten seien innerhalb von 24 Stunden getötet worden, hieß es. In der Stadt Afrin wurden demnach 25 Dschihadisten von Widerstandskämpfern umgebracht, als sie Häuser von geflohenen Einwohnern plünderten.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu schloss eine Beteiligung von Soldaten seines Landes an Plünderungen in Afrin aus. Auch den Islamisten der »Freien Syrischen Armee« (FSA) traue er ein solches Verhalten nicht zu. »Wenn von dort eine Beschwerde oder Forderung kommen sollte, werden wir das penibel untersuchen, da sind wir empfindlich«, sagte er.  
(dpa/ANF/jW) 

Hier der Link zum Artikel von junge Welt vom 21.03.2018 >>> 

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Operation Olivenzweig
Türkei marschiert in Syrien ein


Britin (26) stirbt in Afrin an der Seite der Kurden


Im Kampf um die mittlerweile eingenommenen Kurden-Stadt ist die 26-jährige Britin Anna Campbell ums Leben gekommen. Ihr Konvoi wurde von einer türkischen Rakete getroffen.

Afrin nach der Einnahme. «Wir sind keine Besatzer», sagte der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag am Montag. / Bild: AFP/Stringer  
Anna Campbell aus dem britischen Lewes hatte sich letztes Jahr den kurdischen Milizen in Syrien angeschlossen, um gegen den IS zu kämpfen. Jetzt ist die 26-Jährige ums Leben gekommen. Der Konvoi, in dem sie unterwegs war, soll von einer türkischen Rakete getroffen worden sein, wie britische und kurdische Medien berichten.

Die Britin kämpfte seit letztem Jahr für die YPJ, die Fraueneinheit der Kurdenmiliz YPG. Bevor sie nach Afrin transferiert wurde, war sie in Deir ez-Zor im Einsatz, der letzten Hochburg des «Islamischen Staats» (IS) in Syrien.

 Anna Campbell aus dem britischen Lewes hatte sich letztes Jahr den kurdischen Milizen in Syrien angeschlossen, um gegen den IS zu kämpfen. Jetzt ist die 26-Jährige ums Leben gekommen. / Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt. / Anna Campbell was reported to have been killed in a Turkish airstrike on 16 March. Photograph: Handout

Sie färbte sich für Afrin die Haare

Mit dem Beginn der türkischen Militäroffensive Operation Olivenzweig auf die syrische Kurden-Enklave habe Campbell ihre Kommandanten regelrecht angefleht, sie nach Afrin zu schicken. «Erst wurde ihr dies abgeschlagen, doch sie war unerbittlich. Sie färbte sich sogar ihre blonden Haare dunkel, um weniger aufzufallen», berichtet ein Kommandant der YPG. «Schliesslich gab man nach und liess sie gehen», zitiert der «Guardian» den Kommandanten.

Campbell ist die erste Britin, die in Syrien an der Seite der Kurden ums Leben gekommen ist. «Ihr Märtyrertum ist ein grosser Verlust für uns», liess die Sprecherin der YPJ mitteilen. «Mit ihrer weltoffenen Seele und ihrem revolutionären Geist, der die Macht der Frau unterstrich, hat sie in all ihrem Tun ihren Willen ausgedrückt. Im Namen der YPJ wollen wir der Familie unser tiefstes Beileid aussprechen. Wir versprechen, den Pfad, den sie einschlug, weiterzugehen.»
Ihr Nom de guerre lautete Helîn Qerecox

Auch der Vater der jungen Britin, einer gelernten Sanitärfachfrau, äusserte sich. Seine Tochter habe nicht gekämpft, als sie gestorben sei, sondern «sie wehrte sich gegen den türkischen Einfall». Seine Tochter sei sehr zielstrebig gewesen, wenn sie an etwas geglaubt habe. «Und sie glaubte, dass das, was die Türkei tut, falsch ist.» Er habe seine Tochter von der Reise nach Syrien nicht abgehalten, sie wäre ohnehin gegangen.

Campbell war letzten Frühling in das faktisch autonome Gebiete Rojava gereist. Sie absolvierte den obligatorischen einmonatigen militärischen Ausbildungskurs der YPJ, bevor sie einer Infanterieeinheit aus kurdischen und ausländischen Kämpferinnen zugewiesen wurde. Ihr Nom de guerre lautete Helîn Qerecox.

Plünderungen in Afrin

Im mittlerweile eingenommenen Afrin plündern derweil protürkische Rebellen Wohnhäuser und Geschäfte. Die mit Ankara verbündeten Kämpfer hätten am Sonntag damit begonnen, «das Eigentum der Einwohner zu plündern, ebenso wie politische und militärische Gebäude, aber auch Geschäfte», berichtete die oppositionsnahe *Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten zahlreiche Plünderungsszenen.
Ein protürkischer Kämpfer vor einem Geschäft, das gerade geplündert wird.

AFP-Korrespondenten berichteten nun, die protürkischen Kämpfer hätten wahllos Güter auf ihre Pick-ups geladen – Kisten mit Lebensmitteln, Ziegen, Decken und Motorräder –, bevor sie die Stadt verlassen hätten. Mit Traktoren hätten die Rebellen auch Autos aus der Stadt hinausgeschleppt.

Die in der gleichnamigen Enklave gelegene Stadt Afrin war das Hauptziel der am 20. Januar von der Türkei gestarteten Offensive Olivenzweig. Die Einnahme der Stadt ist ein wichtiger Sieg der Türkei über die Kurdenmiliz YPG.

Ankara betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation. Für die USA sind die YPG hingegen ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den IS. 
 (gux) 

Anm.d.Blog-Redaktion: 

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gilt als unseriös.

Hier der Link zum Artikel von 20minuten.ch vom 19.03.2018 >>>
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medico international
Spenden für Nothilfe in Afrin
Die Türkei greift den kurdischen Kanton Afrin an. medico unterstützt die medizinische Nothilfe vor Ort. Hilfe wird dringend benötigt. Die Ärzte des Krankenhauses in Afrin befürchten eine humanitäre Tragödie. „Wir haben nicht genug Medikamente. Wir tun was wir können, aber bald sind unsere Vorräte aufgebraucht“, sagt Khalil Sabri Ahmed. Der örtliche Gesundheitsrat bittet medico international dringend um Unterstützung für die medizinische Nothilfe.

 Nach einer Bombardierung des türkischen Militärs suchen HelferInnen nach Opfern.
(Foto: Heyva Sor A Kurd)

Durch den türkischen Angriff auf den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien kamen schon mehr als 100 ZivilistInnen ums Leben. Über 300 Verletzte müssen stationär versorgt werden. Meist wurden sie durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss verletzt. 
Die Menschen in den ländlichen Regionen sind den Angriffen schutzlos ausgeliefert. Verletzte werden aus den umliegenden Dörfern mit Krankenwagen in das Krankenhaus nach Afrin gebracht - es ist das einzige in der Region. Die RettungssanitäterInnen beklagen, dass auch sie gezielt beschossen wurden. Gesundheitsstationen müssen neuerdings versteckt eingerichtet werden.

Durch die Bombardierung der Stadt Afrin und die gezielte Zerstörung der umliegenden Infrastruktur verschlechtert sich die Situation zusehends. Nicht nur Medikamente werden knapp - auch die Versorgung mit Strom, Wasser und die Kommunikation zur Außenwelt sind problematisch.

Der Kanton Afrin in Nordsyrien ist Teil der kurdischen Gebiete in Selbstverwaltung - genannt Rojava - und ist bisher weitestgehend vom Krieg verschont geblieben. 
In den letzten Jahren war Afrin Schutzort für hunderttausende SyrerInnen, die vor Krieg und Verfolgung hierhin flohen. Der türkische Einmarsch läutet nach sieben Kriegsjahren eine weitere Eskalation im Syrienkonflikt ein.
Seit Beginn der Aufstände in Syrien steht medico an der Seite derjenigen, die für eine demokratische, pluriethnische und gleichberechtigte Gesellschaft in Syrien streiten. An der Seite derjenigen, die sich gegen die gewalttätige und autoritäre Herrschaft unter Assad stellen und eine demokratische Alternative in Syrien aufbauen. medico unterstützt seit der Befreiung von Kobane vom IS den Aufbau des Gesundheitssystems in Rojava.

Spendenkonto

Spendenkonto:
medico international
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00
BIC: HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

Stichwort "Nothilfe Rojava"

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Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Gesetz für den gesamten Erdkreis.
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