Pro Asyl - Das Massengrab der EU - Das Mittelmeer - Die hingenommenen Toten ... // Eine Erinnerung vom 15.03.2017 - Ahmad Pouya darf zurückreisen... // Afghanistan - Zehntausende Kriegsvertriebene seit Jahresbeginn // Die Menschen, die schon im Mittelmeer ertrunken sind, hatten auch Würde.

Pro Asyl
Das Massengrab der EU - Das Mittelmeer

Die hingenommenen Toten: Jedes Jahr sterben Tausende auf der Flucht 
Kommt es irgendwo auf der Welt zu einem Erdbeben mit tausenden Toten, ist die Anteilnahme auch bei uns (zurecht!) sehr hoch. *Sondersendungen laufen, Spendenaktionen werden gestartet. Damit, dass sich vor der Haustür Europas eine dauerhafte Katastrophe abspielt, die Jahr für Jahr Tausenden das Leben kostet, haben wir uns jedoch offenbar arrangiert. 
 Der Weg über das Mittelmeer ist lebensgefährlich. Foto: Sea-Watch
Über 25.000 Menschen starben in den vergangenen vier Jahren weltweit auf der Flucht – mehr als die Hälfte von ihnen beim Versuch, nach Europa zu gelangen. 
Sie ertrinken im Mittelmeer oder verdursten auf dem Weg dorthin in der Wüste. Und selbst die Internationale Organisation für Migration (IOM), die diese Statistiken bereitstellt, sagt: Die Zahlen zeigen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Todesfälle.

Vor allem auf den Fluchtrouten durch Afrika in Richtung Mittelmeer sterben wohl weit mehr Menschen, als bekannt wird. Für 2017 tauchen in den Statistiken nur 690 Todesfälle dort auf, die Experten vermuten aber ähnlich viele Opfer wie im Mittelmeer (3.193).
»Vermutlich ist die Zahl der Migranten, die in der Sahara ums Leben kommen, mindestens ähnlich hoch wie die derjenigen, die im Mittelmeer sterben.« 
IOM

Tod an Europas Außengrenzen
Seit dem Jahr 2000 sind an den Außengrenzen der EU über 35.000 Menschen ums Leben gekommen, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Elend waren. Die Politik der EU nimmt ihren Tod billigend in Kauf. Sie schottet ihre Grenzen ab, versperrt Schutzsuchenden sichere Fluchtwege, zwingt sie auf lebensgefährliche Routen. Statt alles daran zu setzen, schiffbrüchige Flüchtlinge zu retten, setzt die EU auf die militärische Bekämpfung von Schleppern. Dies hindert Menschen in Not nicht daran, sich auf den Weg zu machen. Nur ein europäisches Seenotrettungsprogramm und legale Fluchtwege können das Sterben an Europas Grenzen beenden.

Weiterhin tägliche Tote
Auch 2018 geht das Sterben unvermindert weiter. Bereits 651 tote Flüchtlinge weltweit protokolliert IOM, davon 414 im Mittelmeer. 
Die Zahlen des UNHCR lauten ähnlich: 398 Tote bei bislang nur rund 10.000 Ankünften in Italien, Griechenland – und vermehrt auch wieder in Spanien. Jahrelang waren die Flüchtlingszahlen dort gering, seitdem sowohl die Grenzzäune in den Exklaven Ceuta und Melilla hochgerüstet wurden, als auch spanische Polizisten in Abfahrtsländern wie Mauretanien patrouillieren. Die Entwicklungen in Libyen sorgen aber offenbar für eine erneute Verlagerung der Routen. 

Das Risiko wird immer größer

Denn besonders die Hauptroute im zentralen Mittelmeer wird immer gefährlicher, seit Europa auf eine Kooperation mit der sogenannten »libyschen Küstenwache« setzt und zivile Seenotrettungsorganisationen zunehmend in ihrer Arbeit behindert werden. 
Starben im letzten Jahr noch 2,3 von 100 Flüchtlingen, die sich auf den Weg machten, schnellt diese Zahl aktuell auf dieser Route in die Höhe und liegt die Todesrate nun nach Berechnungen des Mediendienst Integration schon bei über 6 von 100. Das lässt nichts Gutes für 2018 erahnen: Ab April steigt die Zahl der Überfahrten erfahrungsgemäß noch einmal stark an.
Insgesamt sind seit dem Jahr 2000 über 35.000 Menschen an den europäischen Außengrenzen ums Leben gekommen.

Tote im Mittelmeer, Europa und die Abschottung / Das Foto wurde vom Pouya-Blog hinzugefügt. Wir hätten noch schlimmere Fotos hinzufügen können. 

Die tödlichste Grenze der Welt

Insgesamt sind seit dem Jahr 2000 über 35.000 Menschen an den europäischen Außengrenzen ums Leben gekommen. 
Zwar gibt es die »offiziellen« Statistiken von IOM und UNHCR erst seit einigen Jahren, für den Zeitraum vor 2014 hatte aber ein unabhängiges Projekt die Zahl von rund 23.000 Toten an Europas Grenzen zwischen 2000 und 2014 ermittelt.


Europas traurige Antwort

Sollte 2013, nach dem großen Bootsunglück vor Lampedusa, eigentlich noch ein »Wendepunkt in der europäischen Flüchtlingspolitik« erreicht sein, hat Europa das Versprechen des damaligen EU-Parlamentspräsidenten Schulz (»Wir können nicht zulassen, dass noch mehr Menschen sterben.«) nicht gehalten. Im Gegenteil! Jahr für Jahr sterben über 3.000 Menschen an den Außengrenzen unseres Kontinents – mit traurigen Ausreißern nach oben. 
(mk)

Hier der Link zum Artikel von Pro Asyl vom 27.02.2018 >>>  
Die hingenommenen Toten: Jedes Jahr sterben Tausende auf der Flucht / Pro Asyl v. 27.02.2018


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Anm.d.Blog-Redaktion:
*Sondersendungen 
Was ins Bild paßt! 

Über alle möglichen Ereignisse gibt es im TV Sondersendungen. Über das tägliche Sterben im Mittelmeer wird mittlerweile nicht einmal mehr in den täglichen Nachrichtensendungen berichtet. Kollektiv wird einfach weggeschaut. Wenn wir nicht Formate wie Monitor (WDR), Panorama (ARD) und Frontal21 hätten, die zwar nur einmal im Monat für knapp 30 Minuten senden, (Ausnahme, Frontal21, 1x wöchentlich, für 45min.), dann wäre das Thema nur noch in der regionalen Presse ab und an präsent. Ein weiteres Beispiel wäre derzeit der Jemen und auch Afghanistan. Der Jemen existiert quasi gar nicht in unseren Leitmedien. Man könnte jeden Tag berichten, Afghanistan steht wohl auch nur noch auf der Liste, wenn es gewaltige Anschläge zu präsentieren gilt. Siehe hierzu die Berichterstattung über den Anschlag auf die deutsche Botschaft im Mai 2017. 

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Eine Erinnerung vom 15.03.2017
Ahmad Pouya darf zurückreisen... Das Ende einer Odyssee?


Liebe Freunde, es ist soweit: Ahmad Pouya kann die Rückreise nach Deutschland antreten! Gerade erreicht uns auch in unserer Facebook-Gruppe Ahmad Pouya ist willkommen die Nachricht von Claus von Wagner. Erst einige Ungläubigkeit. Dann überschlagen sich dort die Kommentare vor aufrichtiger Freude! Eine Entscheidung, die die Hoffnung weckt, dass künftig wieder mehr Humanität in die deutsche Politik einkehrt!
 Ahmad Pouya, ein Afghane und Menschenfreund

Hier die offizielle Pressemitteilung vom Verein Zuflucht Kultur:


Liebe Journalistinnen und Journalisten,

dies ist die Pressemeldung, die wir Ihnen schon so lange schicken wollten: Heute hat der Musiker und Zuflucht-Kultur-Künstler Ahmad Shakib Pouya sein Visum in der deutschen Botschaft in Kabul abgeholt und wird morgen abend wieder in Deutschland eintreffen! Die schlimme Zeit der Ungewissheit und des Wartens hat damit vorerst ein Ende. In den mehr als 50 Tagen seit seiner Rückkehr nach Afghanistan am 20. Januar lebte Pouya unter sehr bedrückenden und gefährlichen Umständen: Untergetaucht in Kabul und ständig sein Quartier wechselnd, verließ ihn nie die Furcht, verraten zu werden.

Den Weg zur Rückkehr eröffnet hat ihm ein Projektvertrag der Münchner Schauburg. Das mit den Münchner Kammerspielen und der Otto-Falckenberg-Schule assoziierte Kinder- und Jugendtheater der Stadt München, hatte Pouya die Hauptrolle des Ali in einer Neuproduktion von Rainer Werner Fassbinders Angst essen Seele auf angeboten. 
Der Probenbeginn, der eigentlich auf morgen angesetzt war, verschiebt sich nun zwar etwas nach hinten. Aber es bleibt beim Premierentermin 22. April. Wir hoffen sehr, dass wir die Zeit nutzen können, damit Pouya auch über die Dauer des Visums hinaus ein Bleiberecht in Deutschland erhält. Eine Chance besteht durchaus. Denn Josef E. Köpplinger, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, hat Pouya ein Engagement in Aussicht gestellt. 
Zustande kam diese Verbindung über Albert Ginthör, Organisator der Münchner ZAIDE-Aufführungen und Geiger im Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz, der Pouya bei der Rückreise nach Kabul begleitete.

Albert Ginthör ist nur einer der vielen Unterstützer, die sich für Pouya und seine Rückkehr nach Deutschland eingesetzt haben. Das solidiarische Kernteam bestand aus Bianka Huber, der Leiterin der Flüchtlingsberatung der IG Metall in Frankfurt, bei der Pouya seit Januar 2016 ehrenamtlich gearbeitet hatte, und dem Verein Zuflucht Kultur e.V. Großen Einsatz zeigten auch Dana Pflüger und die Studierenden des Departments Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München als Mitorganisatoren der Münchner ZAIDE und die Initiatoren des Blogs AHMAD POUYA - keine Abschiebungen nach Afghanistan!

Heute ist es Pouya und uns Unterstützern aber auch ein Anliegen, den Vertretern der staatlichen Behörden zu danken, die sich in politisch äußerst schwierigen Zeiten für Pouyas Rückkehr eingesetzt haben, allen voran Walter Haßmann, dem deutschen Botschafter in Kabul, Ibrahim Hotak, dem Leiter des Goethe-Instituts Kabul, sowie der zuständigen Ausländerbehörde der Stadt München. Dass sie Pouyas Wiedereinreiseantrag – gemessen am üblichen Procedere – so ungewöhnlich rasch bearbeitet haben, hängt sicherlich auch mit der großen Aufmerksamkeit zusammen, die Pouyas Geschichte in den Medien erregt hat. 
Ihre Berichterstattung, liebe Journalistinnen und Journalisten, hat dazu in kaum zu überschätzender Weise beigetragen und auch dazu geführt, dass sich Politiker und Politikerinnen für Pouya stark gemacht haben. Zunächst waren dies vor allem der bayerische Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, später auch das deutsche Auswärtige Amt sowie das Bundespräsidialamt.

Herzliche und sehr, sehr glückliche Grüße

Nicola Steller
Pressearbeit Zuflucht Kultur e.V.
Mehr Informationen: www.zufluchtkultur.de
Dem können wir nichts weiter hinzufügen. Willkommen zuhause, Ahmad Shakib Pouya!

Wir hoffen weiterhin auf ein dauerhaftes Bleiberecht und bleiben am Ball!
 Schauburg München

Musiker Albert Ginthör und Ahmad Pouya bei der Ausreise nach Kabul

Die Rückkehr/ Flughafen Frankfurt

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Afghanistan

 Zehntausende Kriegsvertriebene seit Jahresbeginn

Mehr als 30.000 Menschen sind in den vergangenen zweieinhalb Monaten in Afghanistan aus ihren Dörfern und Städten geflohen. Erst vor einem Monat startete wieder ein Abschiebeflug aus Deutschland dorthin. 

Afghanischer Flüchtling mit zwei Kindern / Reuters
Nach dem Ende des Winters nehmen die Gefechte mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan wieder zu. 
In den ersten Wochen des laufenden Jahres flüchteten bereits mehr als 30.000 Menschen vor den anhaltenden Kämpfen aus ihren Dörfern und Städten. Das geht aus einem Bericht der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) hervor.

Demnach seien allein in Kabul in der vergangenen Woche 1680 Menschen angekommen, die aus den Provinzen Logar, Kapisa, Wardak and Baghlan geflohen seien. 
Laut Schätzungen der Uno leben etwa 900.000 Afghanen unter "unmenschlichen Bedingungen" in Flüchtlingscamps.

Im vergangenen Jahr hatten die Vereinten Nationen etwa 450.000 Binnenflüchtlinge registriert. 2016 waren mehr als 660.000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen.

Die Taliban werden noch das ganze Jahr die Sicherheit in dem Land gefährden, hieß es in einem Bericht von US-Geheimdiensten letzte Woche. 
Am Dienstag traf US-Verteidigungsminister James Mattis überraschend in Kabul ein. Er halte einen anhaltenden Frieden in Afghanistan immer noch für möglich, sagte Mattis Reportern vor Ort. Er wolle mit den Taliban verhandeln und hoffe, dass sie sich auf Gespräche mit der afghanischen Regierung einließen.

Seit Ende Dezember 2016 hat es schon mindestens zehn Abschiebeflüge aus Deutschland nach Afghanistan gegeben. Insgesamt hatten Bund und Länder 174 abgelehnte Asylbewerber zurückgeschickt. Erst Mitte Februar wurden 14 Asylbewerber von München aus dorthin ausgeflogen.

Die Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten. In der Hauptstadt Kabul gab es 2017 mehr als 20 schwere Anschläge mit mehr als 500 Toten. Im Januar 2018 verübten Taliban und die Terrormiliz "Islamischer Staat" vier weitere Attentate und Überfälle, unter anderem auf ein großes Hotel. Dabei starben insgesamt etwa 150 Menschen. *Die Abschiebungen aus Deutschland sind auf Straftäter, Gefährder und Asylbewerber beschränkt, die sich weigern, bei der Klärung ihrer Identität mitzuwirken.
vks/dpa/AP
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Anm.d.Blog-Redaktion: 
* Die Abschiebungen .... 
Aus den letzten Abschiebeflügen konnte eindeutig nachgewiesen werden, durch Rechtsbeistände von Mandaten, die entweder abgeschoben wurden oder in letzter Minute davor bewahrt wurden abgeschoben zu werden, dass es eben nicht auf Straftäter, Gefährder und Identitätsverweigerer beschränkt war. Wir berichteten im Blog darüber und wir hatten dazu mit Anwältinnen und Anwälten direkten Kontakt.

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Hier der Link zum Artikel von Spiegel Online vom 13.03.2018 >>>  

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Die Menschen, die schon im Mittelmeer ertrunken sind, hatten auch Würde.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

Die Menschen, die schon im Mittelmeer ertrunken sind, hatten auch Würde. Die Menschen, die in Lagern in Griechenland, in der Türkei usw.... eingepfercht sind, haben auch Würde. Die Würde dieser Menschen ist antastbar. So sieht das derzeit eindeutig aus. 

Die EU/Deutschland hat sich immer mehr abgeschottet. Wir erinnern an den sogenannten Türkei-Deal, wir erinnern an die EU-Staaten die sich innerhalb der Gemeinschaft der europäischen Staaten weigern ein Kontingent an Menschen aufzunehmen. Deutschland schiebt nach Afghanistan ab, ein Land im Krieg, laut Auskunft der UN.

Die Industriestaaten sind eindeutig für bestimmte Entwicklungen in den Staaten verantwortlich, aus denen nun Menschen flüchten müssen, weil eine Minimal-Existenz nicht mehr möglich ist. Wirtschaftliche Ausbeutung und Krieg, geführt mit westlichen Waffen-Arsenalen führen ja erst zu den Fluchtbewegungen. 

Aber die Würde - sie ist unantastbar. So steht es zumindest auf dem Papier.

Horst Berndt März´18

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