Heuchler. Wir sind alle Heuchler, sagt sie... Israelischer Nachrichtensprecherin platzt der Kragen. // Jürgen Webermann: Afghanistan Verhandeln mit den Taliban? // bundeswehr-journal - Einfluss und Kontrolle der Taliban in Afghanistan nehmen zu // Pro Asyl Recht auf Schule auch für Flüchtlingskinder


Israelischer Nachrichtensprecherin platzt der Kragen
2:25 min., die die Welt erreichen sollten

Heuchler. Wir sind alle Heuchler, sagt sie.
Es gibt keine Guten, keine Schlechten. Es gibt zu viele, die einfach zu- oder nur wegschauen
"Ein Holocaust, ja ein Holocaust". Eine israelische Nachrichtensprecherin findet den Mut, mitten in der Sendung ins Englische zu wechseln und sie klagt die Welt an. Ihr Kommentar sollte weltweit verbreitet werden. Diese (2.25min.) sollten sich alle Menschen anhören/ansehen.

"Ein Holocaust, ja ein Holocaust".  Eine israelische Nachrichtensprecherin findet den Mut, mitten in der Sendung ins Englische zu wechseln und sie klagt die Welt an. Ihr Kommentar sollte weltweit verbreitet werden. Diese (2.25min.) sollten sich alle Menschen anhören/ansehen


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 Hier der übersetze Nachrichtentext

 Von unserer Katja Thiel übersetzt

 Gerade jetzt findet in Halab, Syrien, nur 8 Autostunden von Tel Aviv entfernt, ein Genozid statt. Lassen Sie es mich treffender sagen, ein Holocaust, ja, ein Holocaust, vielleicht wollen wir nichts davon hören oder uns nicht damit befassen, dass im 21.Jahrhundert, im Zeitalter von Sozialen Medien, in einer Welt, in der die Informationen in deine Handfläche hineinpassen, in einer Welt, in der man die Opfer und ihre Horror-Geschichte in Realzeit sehen und hören I kann. 

In dieser Welt stehen wir dabei (als Zuschauer) und machen nichts, während Kinder jede Stunde abgeschlachtet werden. Fragen Sie mich nicht, wer Recht und wer Unrecht hat und wer die Guten und wer, die Bösen sind, weil das keiner weiß. Und ganz ehrlich, es ist egal. Was von Bedeutung ist, ist, dass es gerade jetzt direkt vor unseren Augen passiert. Und niemand, weder in Frankreich, noch in Großbritannien, noch in Deutschland, noch in den USA unternimmt etwas, um es zu stoppen. Wer demonstriert in den Straßen für die unschuldigen Männer und Frauen in Syrien. Wer "schreit lauthals" für die Kinder. Keiner.
  
 Die UN hält Sitzungen seines Sicherheitsrates ab und wenn sie das Bild von einem Vater, der den Körper seiner kleinen Tochter im Arm hält, sehen, wischen sie eine Träne weg. Es gibt ein Wort dafür :Scheinheiligkeit. Ich bin Araberin, ich bin Muslimin, ich bin eine Bürgerin Israels, aber ich bin auch eine Bürgerin der Welt und ich schäme mich. Ich schäme mich als Mensch, dafür, dass wir Staatsoberhäupter gewählt haben, die unfähig sind, dies deutlich zu verurteilen und wirksame Massnahmen zu ergreifen. Ich schäme mich, dass unsere Welt von Terroristen und Mördern in Geiselhaft genommen wird und dass wir absolut nichts dagegen tun. Ich schäme mich, dass die friedliche Mehrheit der Menschheit wieder einmal irrelevant ist. Müssen wir daran erinnert werden: Armenien, Bosnien, Ruanda, Darfur, der 2.Weltkrieg. Nein, brauchen wir nicht. 

Albert Einstein sagte, die Welt wird nicht von denen zerstört werden, die Böses tun, sondern eher von denen, die ihnen dabei zuschauen, ohne etwas dagegen zu unternehmen

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Das waren die Worte, dieser mutigen Nachrichtensprecherin im israelischen TV.



Dazu >>  

Ein Kommentar von Joachim Spehl (Blog-Redaktion)

Heuchler. Wir sind alle Heuchler, sagt sie. 

Es gibt keine Guten, keine Schlechten. Es gibt zu viele, die einfach zu- oder nur wegschauen. Es gibt viele Verlierer. Traumatisierte, Geschändete, Vergewaltigte, Gefolterte, Getötete. Kinder, Frauen, Männer aus der Zivilgesellschaft.

Es ist so absurd...

Im MoMa geht es um Tafeln, um Menschen, die dort mit dem großen Auto vorfahren und Essen einsammeln, es geht um Jens Spahn. Es geht um Handys, um Elefanten, die ein Jahr alt werden und einen Geburtstagskuchen geschenkt bekommen. Es geht um Sport, Medaillen bei den Paralympics. Es geht darum, dass die Wirtschaft hier im Land gestärkt werden muss, damit der Sozialstaat weiterhin gewährleistet werden kann. Es geht um Wetter, um Katzenvideos...

Ok. Es geht auch ein wenig um die Türkei und Erdogan und Afrin und Syrien...

Es ist so absurd ...
... im Jahr 2018, in einem Jahr in dem jeder alles wissen und mitbekommen kann.
Es gibt zu viele, die einfach zu- oder nur wegschauen.

Mittwoch Abend ist Demo in Dortmund:

"Liebe Freundinnen und Freunde,

für Mittwoch, den 21.März ruft die Initiative „Solidarität mit Afrin“, zu einer Demonstration auf.

Am 21. März wird international das kurdische Newrozfest begangen, deshalb wird es in vielen Städten Demonstrationen wie in Dortmund geben. „In den letzten Wochen wurde bundesweit die Solidarität mit Afrin und der Kampf um Demokratie und Freiheit in Syrien von Polizei und Justiz unterdrückt und kriminalisiert - auch in Dortmund“ erklärt die Initiative.

Deshalb ist die Unterstützung der Demonstration besonders wichtig!

Die Demo beginnt mit einem Auftakt um 18.00 Uhr auf dem Platz vor dem Fußballmuseum (gegenüber vom Hauptbahnhof).

Der Treffpunkt der Demo "Solidartät mit Afrin" heute Abend hat sich geändert. Beginn der Demo 18 Uhr ist an der Reinoldikirche, Nordseite. Willi Brandt Platz

Anschließend führt die Demoroute zum Europabrunnen, wo eine Zwischenkundgebung stattfindet.

20.00 Uhr ist der Abschluss vor dem Kurdischen Zentrum Bornstr. 166 geplant. Dort sind alle zur Newrozfeier im Zentrum eingeladen."
 Das ist sinngemäß der Schlusssatz der israelischen Nachrichtensprecherin.


Hier der Link zur Facebook-Seite auf der das Video präsentiert wurde >>>  

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Von Jürgen Webermann
ARD-Studio Südasien

Afghanistan Verhandeln mit den Taliban?

Präsident Ghani hat Ende Februar den Taliban angeboten, sie als politische Partei anzuerkennen - wenn es denn Frieden gäbe. Noch zögern sie, das Angebot anzunehmen. Sie befinden sich in der Zwickmühle.


Präsident Ghani will mit Taliban verhandeln

Das Angebot kam überraschend, und es war überraschend weitreichend. In einer Runde internationaler Diplomaten Ende Februar in Kabul kam Afghanistans Präsident Ghani gleich zur Sache. Er wünsche sich Verhandlungen mit den Taliban. Er sei bereit, die Extremistengruppe als politische Partei anzuerkennen, er werde gefangene Taliban freilassen und sogar über Verfassungsänderungen nachdenken. 
Das alles ohne Vorbedingung. "Ich appelliere an die Taliban und an die Führung der Gruppe. Die Entscheidung liegt in Ihren Händen. Willigen Sie ein in einen Frieden mit Würde, lassen Sie uns gemeinsam dieses Land retten, für das wir so viel geopfert haben," sagte Ghani.
Einen Monat zuvor hatte Ghani noch erklärt, die Taliban ausschließlich auf dem Schlachtfeld besiegen zu wollen. Da hatten die Extremisten gerade mit einem besonders perfiden Anschlag mehr als 100 Menschen in Kabul getötet. Der Sprengsatz war in einem Krankenwagen versteckt. Doch es war wohl internationaler Druck, der den afghanischen Präsidenten zum Umdenken bewogen hat. Die große Frage also lautete: Wie würden die Taliban reagieren? Zunächst einmal mit einer höflichen Absage. Immerhin hatten sie Ghanis Rede als "exzellent" gelobt.
USA sehen positive Signale

In der vergangenen Woche dann wurden sie etwas konkreter: Die Regierung in Kabul sei nicht legitim. Die Taliban kündigten in dieser Woche schließlich an, sie wollten zwar verhandeln, aber nur mit den USA. 
US-Verteidigungsminister Mattis sieht dennoch positive Signale: "Wir haben schon vor der Konferenz in Kabul Signale der Verhandlungsbereitschaft bei den Taliban ausgemacht. Wir möchten, dass die Afghanen das selber regeln. Gleichzeitig sind wir offen für weitere Schritte. Im vergangenen Monat sind einige Talibangruppen auf uns zugekommen, die Interesse an Gesprächen haben. Es wäre zu viel erwartet, wenn gleich alle Taliban kämen. Aber einige Elemente innerhalb der Taliban sind an Gesprächen interessiert."
Der Afghanistan-Beauftragte der Europäischen Union, Roland Kobia, forderte inzwischen alle Regierungen, die mit den Taliban in Kontakt stehen, auf, die Extremisten zu Gesprächen zu ermutigen: "Diese Regierungen sollten den Taliban klar machen, dass es sich hier um das umfassenste Friedensangebot handelt, das bisher gemacht wurde. Wenn Regierung und Taliban wirklich das Beste für das Land wollen, dann wäre dies eine gute Gelegenheit." 
Taliban in der Zwickmühle

Politische Analysten sehen die Taliban in der Zwickmühle. Lehnen sie Ghanis Angebot ab, liefern sie der Regierung und den USA Argumente, die Luftangriffe gegen die Taliban noch einmal auszuweiten. 
Schon jetzt fliegt die US-Luftwaffe so viele Angriffe wie seit 2011 nicht mehr. 
Aber eine Annahme des Angebots würde bei vielen Taliban-Kämpfern in den Schützengräben nicht gut ankommen, sagte Borhan Osman von der Internationalen Crisis Group, die internationale Organisationen berät, der Nachrichtenagentur afp.

Das renommierte Afghanistan Analysts Network schreibt, das Angebot Ghanis sei qualitativ weitreichender als bisherige Friedensinitiativen. Es sei wahrscheinlich, dass die Taliban zumindest über Verhandlungen nachdenken. 
Ähnlich formuliert es auch Präsident Ghani selbst: "Das Angebot ändert vieles, denn es zwingt alle Kriegsparteien, ihre bisherigen Standpunkte zu überdenken. Das kann sicher kurzfristig dazu führen, dass es heftigere Kämpfe geben wird. Aber das afghanische Volk hat jetzt 40 Jahre lang darauf gewartet, dass die Kriegsparteien ernsthaft ihre bisherigen Positionen prüfen."

Kämpfer der afghanischen Taliban

Kämpfe und Anschläge trotz Gesprächsangebot

Tatsächlich scheint sich an den vielen Fronten in Afghanistan seit dem Gesprächsangebot Ghanis wenig geändert zu haben. Täglich gibt es neue Meldungen über Kämpfe, Zwischenfälle und Anschläge. 30.000 Menschen wurden seit Jahresbeginn in die Flucht geschlagen. Jede Seite will aus einer Position der Stärke verhandeln. 2017 schienen die Taliban in der Offensive. Jetzt wollen die afghanische Regierung und die US-Streitkräfte das Blatt vor allem mit intensiven Luftangriffen wenden.

Und so ist der Chef des afghanischen Hohen Friedensrats, Karim Khalili, skeptisch. Eigentlich soll der Friedensrat die Gespräche koordinieren. So hatte es Präsident Ghani angekündigt. Aber Khalili betonte zuletzt, er glaube nicht, dass die Taliban jemals kapitulieren werden.

Hier der Link zum Artikel von tagesschau.de vom 17.03.2018 >>>
Afghanistan Verhandeln mit den Taliban? / tagesschau.de v. 17.03.2018


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bundeswehr-journal

Einfluss und Kontrolle der Taliban in Afghanistan nehmen zu

Kabul. Die Nachrichten, die uns in diesen Tagen aus Afghanistan erreichen, sind eine Aneinanderreihung von Hoffnungslosigkeiten. Seit Jahresbeginn flohen rund 31.000 Menschen wegen der anhaltenden Kämpfe aus ihren Städten und Dörfern in andere Landesteile. Alleine in die Hauptstadt Kabul retteten sich in der ersten Märzwoche 1680 Flüchtlinge aus den Provinzen Logar, Wardak, Baghlan und Kapisa. Das berichtet OCHA, die Agentur der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs), im aktuellen wöchentlichen Lagebericht. Zwar hatte Afghanistans Staatspräsident Ashraf Ghani den Aufständischen – allen voran den Taliban – Ende Februar Friedensverhandlungen ohne Vorbedingungen angeboten, doch bis jetzt blieben positive Antworten aus. Täglich gibt es hingegen neue Meldungen über Kämpfe und Anschläge …


Erst am Freitag (16. März) zitierte der afghanische Fernsehsender TOLOnews eine „Quelle“, die die neuesten Verlustzahlen der nationalen Sicherheitskräfte offenlegte. So sollen in den vergangenen 15 Tagen in den Provinzen Helmand, Nimroz, Farah, Kunduz, Takhar und Paktiya insgesamt 173 Regierungskräfte von den Aufständischen getötet worden sein, darunter neun Angehörige der Spezialkräfte.

Nach Auskunft eines Sprechers des afghanischen Verteidigungsministeriums gegenüber TOLOnews konzentrieren sich Operationen der Sicherheitskräfte derzeit auf die Provinzen Kunar, Parwan, Nangarhar, Ghazni, Zabul, Kandahar, Helmand, Nimroz, Farah, Badghis und Faryab.


Nächtliches Handy-Verbot in fünf Provinzen des Landes
Wie einflussreich insbesondere die Taliban im Land mittlerweile sind, zeigt bereits das nächtliche Mobilfunk-Verbot ab 18 Uhr, dass die radikal-islamische Bewegung vor Kurzem in Teilen Afghanistans verhängt hat. Ein Sprecher des Ministeriums für Kommunikation bestätigte Medienvertretern am 12. März in Kabul, dass von dem Verbot die nordafghanischen Provinzen Kunduz und Baghlan, die ostafghanischen Provinzen Ghazni und Uruzgan sowie Helmand im Süden betroffen seien.

Das Institute for War and Peace Reporting (IWPR), ein in London ansässiges internationales Netzwerk zur Förderung freier Medien, berichtete ebenfalls. IWPR-Autor Arzo Mohammadai ließ in seinem Beitrag über die Sperre Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid zu Wort kommen. Dieser begründete das Vorgehen so:
 „Alle Telekommunikationsunternehmen wurden gewarnt, ihre Dienste während der Nacht auszusetzen, weil afghanische und internationale Sicherheitskräfte in der Vergangenheit unsere Taliban-Gruppen über ihre Mobilfunksignale aufgespürt und angegriffen haben.“
Lediglich 64 Prozent der Bevölkerung unter dem Schutz der Regierung

Die Aufständischen kontrollieren oder beeinflussen nach Angaben des afghanischen Militärs heute wieder mindestens 14,3 Prozent des Landes. Aus einer Übersicht des Generalinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction, SIGAR) vom 30. Januar geht hervor, dass 64 Prozent der afghanischen Bevölkerung unter dem Schutz der Regierung leben, 12 Prozent unter der Kontrolle oder dem Einfluss der Taliban und anderer Gruppierungen. Die verbleibenden 24 Prozent lebten in den Gegenden, die umkämpft seien, schreibt SIGAR in seinem Quartalsreport „Januar 2018“ unter Berufung auf US-General John W. Nicholson, Befehlshaber der Mission „Resolute Support“ und Kommandeur der U.S. Forces Afghanistan.

In einer Ergänzung zu diesem Report finden sich dann weitere aufschlussreiche Zahlen. So hat sich die Prozentzahl der afghanischen Bezirke, die sich unter der Kontrolle oder dem Einfluss der Aufständischen befinden, seit dem Jahr 2015 verdoppelt. Die Zahl der umkämpften Bezirke ist seit dem Jahr 2015 um fast 50 Prozent gestiegen. Umgekehrt ist SIGAR zufolge die Zahl der Bezirke unter Regierungseinfluss seit 2015 um mehr als 20 Prozent gesunken.


30 Prozent aller afghanischen Bezirke nach wie vor heftig umkämpft

Die Ergänzung zum SIGAR-Quartalsreport „Januar 2018“ hält auch noch folgende Wahrheiten bereit. Wir erfahren: „Zum Stichtag 15. Oktober 2017 waren 55,8 Prozent der insgesamt 407 Bezirke in Afghanistan laut Angaben der Mission ,Resolute Support‘ dem Kontroll- und Einflussbereich der Kabuler Regierung zuzurechnen […]. 73 Bezirke dieser 407 Bezirke in 34 Provinzen wurden zum angegebenen Stichtag von der Regierung kontrolliert, 154 Bezirke standen unter Regierungseinfluss.“

Wie das Zahlenwerk der „Resolute Support Mission“ für SIGAR weiter angibt, waren zum Stichtag 15. Oktober vergangenen Jahres 13 Bezirke in Afghanistan unter direkter Kontrolle der Aufständischen, 45 lagen im Einflussbereich. Die Anzahl der umkämpften Bezirke – insgesamt 122 – ist im Vergleich zum Quartal davor gleich geblieben und macht 30 Prozent aller afghanischen Bezirke insgesamt aus.

Dem Bericht des Senders TOLOnews vom Freitag zufolge spricht das afghanische Verteidigungsministerium derzeit von nur „elf Bezirken unter Taliban-Kontrolle“. Zwölf Provinzen und mehr als 30 Bezirke sähen sich „mit hohen Sicherheitsbedrohungen“ konfrontiert.

Hier der Link zum Artikel von bundeswehr-journal vom 18.03.2018 >>>
Einfluss und Kontrolle der Taliban in Afghanistan nehmen zu / bundeswehr-journal v. 18.03.2018

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Pro Asyl
Recht auf Schule auch für Flüchtlingskinder
Flüchtlingskinder aus dem bayerischen Transitzentrum Manching haben sich mit Unterstützung von PRO ASYL vor Gericht das Recht auf regulären Schulbesuch erstritten. 
Symbolbild: Unterricht für junge Flüchtlinge in der SchlaU-Schule.
Foto: Trägerkreis junge Flüchtlinge e.V.
Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Im deutschen Grundgesetz ist ein Recht auf Bildung zwar nicht explizit festgeschrieben, aber die elementaren Grundsätzen der Menschenwürde und Grundrechte bedeuten, dass keinem Menschen der Zugang zu Bildung verwehrt werden darf. Und schon gleich gar nicht aufgrund von Abstammung, Heimat oder Herkunft. Das sagt das Diskriminierungsverbot in Artikel 3 des Grundgesetzes. 
Und zu guter Letzt gibt es die Schulpflicht, die in Deutschland für jeden ab dem vollendeten 6. Lebensjahr für 9 Schuljahre gilt.

In ganz Deutschland? Für alle?
Die Regierung in Bayern sieht das anders und hat bis vor kurzem Kindern aus den sogenannten »Transitzentren« – das sind die Prototypen der künftig nach GroKo Plänen einzurichtenden Zentren für Asylsuchende (AnKER) – den regulären Schulbesuch verwehrt.
Diese vom bayerischen Flüchtlingsrat schon lange angeprangerte Praxis wurde jetzt vom Münchner Verwaltungsgericht für rechtswidrig erklärt: 
In sechs Fällen muss die Regierung von Oberbayern den Regelschulbesuch von Kindern aus dem »Transitzentrum« Manching zulassen. Erstritten haben sie dieses Recht mit Hilfe des Münchner Rechtsanwalts Hubert Heinhold und Unterstützung von PRO ASYL. 
Da Bewohner dieser Transitzentren auch nicht arbeiten dürfen und überwiegend Sachleistungen statt Geld bekommen, wurden die Klagen vom Rechtshilfefonds von PRO ASYL finanziert.

Bislang nur rudimentärer »Ersatzunterricht«

So absurd es klingt, dass die Erlaubnis zum Schulbesuch erst vor Gericht durchgesetzt werden muss, so wichtig könnte dieses Urteil für viele weitere Kinder und Jugendliche sein: Ca. 300 berufsschulpflichtige junge Erwachsene und mehr als 200 schulpflichtige Kinder leben in den oberbayerischen Transitzentren Manching, Deggendorf und Regensburg und bekommen dort bislang nur rudimentären »Ersatzunterricht«. Mit einer regulären Bildung ist dieser Unterricht nicht vergleichbar und beschränkt sich nur auf das Lernen der deutschen Sprache auf einem Einsteigerniveau.

Oberbayern lenkt offenbar ein

Dank des jetzt erzielten Erfolgs vor Gericht ändert sich das vielleicht sogar ohne neue Gerichtsverfahren: da sich die Regierung von Oberbayern keine weitere rechtliche Niederlage in Sachen Schulbesuch einhandeln will, prüft sie laut Anwalt Heinhold nun auch ohne Richterspruch Einzelfälle. Und auch die Regierung von Oberfranken will für die Einrichtung in Bamberg prüfen, welchen Kindern, die gut genug Deutsch sprechen oder bereits an einer Regelschule unterrichtet wurden, der »normale« Schulbesuch gestattet werden muss.

Ein paar junge Menschen mehr, die das bekommen, was für alle Kinder selbstverständlich sein sollte: der tägliche Besuch einer Schule!
(hm)
Hier der Link zum Artikel von Pro Asyl vom 19.03.2018 >>> 
Recht auf Schule auch für Flüchtlingskinder / Pro Asyl v. 19.03.2018
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Die Würde aller Menschen ist unantastbar.
Universales Menschenrecht und
Gesetz für die Erdkugel.

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