Von Dr. Thomas Nowotny Drachenläufer - Abschiebung am 20.02.2018 ab München - Buchtipp - Drachenläufer // Auf ein Wort - von Lemyie - Dazu > Ab ins Hotel Vier Ruhezeiten (Video von "quer" (BR))

Von Dr. Thomas Nowotny
Drachenläufer
17. Feb. 2018 — Das Wichtigste zuerst, liebe UnterstützerInnen:
Der Bayerische Flüchtlingsrat hat Hinweise, dass der nächste Abschiebeflug nach Afghanistan voraussichtlich am Dienstag, den 20.02.2018 stattfinden wird. Der Flug wird vom Flughafen München starten (nicht Düsseldorf, wie zunächst vermutet).


Drachenläufer ist ein Roman des afghanisch-amerikanischen Schriftstellers Khaled Hosseini, der 2003 erschien. Die Geschichte über eine Kindheit in Afghanistan wurde über acht Millionen Mal in über 34 Ländern verkauft.[1] 2007 wurde der Roman von Marc Forster verfilmt.

An diesem Dienstag, 20.02.2018 sind zahlreiche Afghanen von den Ausländerbehörden zur „Identitätsklärung“ ins afghanische Konsulat in München bestellt worden. Alle um 14.30 Uhr, zum selben Zeitpunkt – auch solche, die selbst einen Termin dort ausgemacht hatten, der z.T. nur kurze Zeit später stattfinden würde.

ACHTUNG!

Das Erscheinen bei diesem Termin könnte gesundheitsschädlich sein. Wir raten daher allen Betroffenen, die sich nicht vollkommen gesund fühlen, ein ärztliches Attest vorzulegen und sich für diesen Termin zu entschuldigen.

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Um 18 Uhr wird es in München eine Protestkundgebung auf dem Marienplatz geben, anschließend Demo zum Innenministerium.

Dieses Wochenende und dieses Update steht ganz im Zeichen der europaweiten Proteste gegen die Abschiebungen nach Afghanistan
https://dontsendafghansback.eu/de/informationen/
https://www.facebook.com/ecada2017/
Symbol der Proteste ist ein kleiner roter Papierdrache.


Der Schauspieler Ahmad Khan Mahmoodzada („Der Drachenläufer“) unterstützt die Proteste:

"Schickt keine Afghanen in den Tod!"

Der Afghane Ahmad Khan Mahmoodzada war erst 12, als er eine der Hauptrollen im Film „Der Drachenläufer“ spielte, nach dem weltberühmten Roman von Khaled Hosseini . Auf Grund seiner Rolle als Hassan wurde er von den Taliban so stark bedroht, dass er fliehen musste. Im August 2015 erhielt er Asyl in Schweden. Ahmad Khan (jetzt 20) unterstützt den Protest gegendie Abschiebungen nach Afghanistan.

Dies schrieb Ahmad zum Protestwochenende am 17. und 18. Februar:

"Schickt keine Afghanen in den Tod!

Wir haben es uns nicht ausgesucht, Flüchtlinge zu sein – wir waren gezwungen, aus Afghanistan zu fliehen, weil es dort zu gefährlich ist. Es gibt jeden Tag Bomben und der Krieg ist noch im Gange, weshalb viele Kinder, Frauen und Männer sterben müssen. for the reason that it is too dangerous for us to stay there. Nach einer BBC-Untersuchung sind 70% von Afghanistan nicht sicher. Sowohl ISIS als auch die Taliban sind an vielen Orten in Afghanistan aktiv, sogar in der Hauptstadt Kabul.

Wir sind Menschen wie alle anderen und wollen nichts als ein sicheres Leben.“

- Ahmad Khan Mahmoodzada

Die Initiatoren haben auch diese unterstützenswerte Petition gestartet – bitte unterschreibt:

https://secure.avaaz.org/en/petition/European_Governments_Dont_Send_Afghans_Back/

Zwischen dem 1. Januar und dem 30.September 2017 wurden in Afghanistan 8090 Zivilisten verwundet oder getötet. Die UNO hat diese Situation in Afghanistan vor einigen Monaten von „Post‐Konflikt“ zu „Aktiver Krieg“ klassifiziert. Der Weltfriedensindex 2017 stuft Afghanistan als den zweitgefährlichsten Staat auf Erden ein, dies wird allein von Syrien übertroffen. Aus einem einfachen Grund sind wir gemeinsam gegen Abschiebungen nach Afghanistan:Afghanistan ist nicht sicher.

Angesichts steigender Einwanderfeindlichkeit wird die tatsächliche Situation im Land von den europäischen Regierungen ignoriert, diese schicken eine steigende Zahl von Flüchtlingen zurück. Die Europäische Union hat im Jahr 2015 insgesamt 3260 Menschen nach Afghanistan abgeschoben. Im Jahr 2016 hat sich die Zahl fast verdreifacht, es wurden 9460 Menschen abgeschoben. In Anbetracht der gefährlichen Situation in Afghanistan haben EU‐Agenturen die „Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan und die Bedrohungen, denen die Menschen ausgesetzt sind“, sowie die „Rekordzahlen von Terroranschlägen und zivilen Opfern“ anerkannt. Ungeachtet davon haben die Verantwortlichen grausamer Weise darauf bestanden, dass „mehr als 80.000 Menschen in naher Zukunft zurückkehren müssen“. Europa ist nicht nur das Europa der aufsteigenden Rechten. Dies ist auch unser Europa. Europa muss mehr als eine Grenze sein hinter der nur bestimmte Interessen vertreten werden. Wir fordern unsere Politiker auf den europäischen Werten zu folgen und die Menschenrechte zu wahren. Stoppen Sie heute die Abschiebungen von afghanischen Menschen.

Hier der Link zum kompletten Artikel von Dr. Thomas Nowotny vom 17.02.2018 >>> 
Neuigkeit zur Petition - Drachenläufer / Dr. Thomas Nowotny 17.02.2018

Dazu >>

Hier noch ein Link zum Buch >DRACHENLÄUFER<  >>>
Drachenläufer von Khaled Hosseini



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von Lemyie


Dieser Artikel besteht aus dem kritischen Text unserer Bloggerin Lemyie, dem kleinen Video aus der Sendung >quer< vom BR mit Christoph Süß, (Ab ins Hotel Ruhezeiten). Wir empfehlen dieses kleine sehr informative SATIRE-Video, es ist wirklich ein satirisches Video, allerdings ob man darüber dann noch lachen kann, sei mal dahingestellt.
Horst Berndt Febr.´18



Standbild aus der TV-Sendung >quer< (BR, vom 15.02.2018) mit Christoph Süß

Im Koalitionspapier ist nun endgültig vorgesehen, die Lager bundesweit einzuführen – also mit ausdrücklicher Zustimmung der Sozialdemokraten.
von unserer Bloggerin Lemyie Febr. ´18

Wir alle wissen, dass die Entscheidung einer Behörde nur dann rechtswirksam ist, wenn sie eine „Rechtsbehelfsbelehrung“ enthält, das heißt den Hinweis auf die Möglichkeit, gegen den Entscheid Rechtsmittel einzulegen.

Diese Möglichkeit ist eine der tragenden Säulen unseres Rechtsstaates und die Verwaltungsgerichte sind darauf eingestellt, dass wir Bürgerinnen und Bürger uns ggf. dieses Mittels bedienen.

Im vergangenen Jahr schlugen erneut Richter an Verwaltungsgerichten Alarm: Auch immer mehr Flüchtlinge machten von ihrem Klagerecht Gebrauch, und zwar mit Erfolg; So wurde ca. die Hälfte der Ablehnungsbescheide von den Gerichten „kassiert“. Die Zahl der knapp 2000 Richter wurde zwar deutlich erhöht, allerdings finden die Gerichte längst nicht so viele geeignete Bewerber wie benötigt. Zudem fehlt es allerorten an finanziellen Ressourcen, genügend Räumlichkeiten und nicht-richterlichem Personal.

Die Richter sind sich einig: Die Situation ist dramatisch. Zur Zeit sind bei den Verwaltungsgerichten über 300.000 Asylverfahren anhängig. (Die Gründe für den Klageerfolg, z. B. die haarsträubend schlechte Arbeit des BAMF, ist heute nicht mein Thema.) 

Bereits vor Monaten hatte ich in meine Glaskugel geschaut und prophezeit, dass Politiker einen Weg finden werden, die Gerichte zu entlasten. Schneller als manche dachten, hat sich die Prophezeiung bewahrheitet. 

Zunächst sperrte man die Flüchtlinge in Lager, die euphemistisch „Erstaufnahme-“ oder „Transitzentren“ genannt wurden. Kling gut, ist es aber nicht, jedenfalls nicht für die „Bewohner“. Denn dort verbleiben Männer, Frauen und Kinder oft monatelang in extrem belastender Lagerhaltung, die man gut und gerne auch „Käfighaltung“ nennen kann. 

Um sie vor Fress- oder sonstigen Feinden zu schützen, sind die Lagerhallen nämlich für gewöhnlich mit meterhohen „Schutz“zäunen umgeben – so, wie man Hühner vor dem Habicht schützt. Besonders die Bayern taten sich mit dem Schutz derartig erfolgreich hervor, dass auch andere Bundesländer die Lagerhaltung übernahmen. 

Im Koalitionspapier ist nun endgültig vorgesehen, die Lager bundesweit einzuführen – also mit ausdrücklicher Zustimmung der Sozialdemokraten. 

Der Vorteil dieser Lager: Die Flüchtlinge sind konzentriert (!) untergebracht, voll unter Kontrolle, vor dem Zugriff der Flüchtlingshelfer weitgehend abgesichert und können folglich ungestörter als im Freilauf und unter Aussetzung des Völkerrechts in Länder fernab deutscher Grenzen deportiert werden – natürlich auch in Kriegsgebiete. Ergo: weniger Beratung, weniger Behördenstress, weniger Verwaltungsklagen… Offenbar reichte das noch nicht.

 Und wieder geht das „christlich-abendländische“ Bayern voran: 

Der Landkreis Oberbayern erteilte den ehrenamtlichen Rechtsberatern Hausverbot für die Deportationslager. Das könnte tatsächlich die weitere Zunahme der Asylklagen stoppen. 

Denn ohne die ehrenamtlichen Berater ist den Flüchtlingen nicht nur jede Art von Hilfe, sondern de facto auch das Rechtsmittel „Klage“ verwehrt. Die offizielle Begründung dafür, Flüchtlingen ihre elementaren Rechte zu verweigern, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Und solche Maßnahmen in den Medien als „bayrischen Sonderweg“ zu bezeichnen, ist eine zusätzliche Verhöhnung der wehrlosen Opfer.

Genau, das will der Flüchtling, Stille und Brandschutz ...

Bayern sägt endgültig an den Säulen unseres Rechtsstaates. Verfassungsschützer halten das Hausverbot für verfassungswidrig; aber das muss erst vom Verfassungsgericht festgestellt werden. Das kann dauern! 

In der Zwischenzeit werden die Deportationslager zum bundesdeutschen Standard (falls die GroKo das Sagen kriegt). Tausende Männer, Frauen und Kinder werden Opfer rassistischer, menschenverachtenden Politiker und charakterloser Täter in den Behörden, für die universale Menschenrechte, internationales Völkerrecht und selbst unser Grundgesetz, auf das sie einen Eid abgelegt haben, keinerlei Bedeutung haben. 

Diese Täter sind es, die im Verbund mit der AfD und anderen Rechtsradikalen eine Gefahr für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat darstellen. Sie gehören eigentlich umgehend aus ihren Ämtern entfernt – aber wer soll das tun???? Nach den letzten Umfragewerten liegt die SPD nur noch bei 16 % der Wählerstimmen, obwohl (ODER WEIL???) sie Minimalerfolge in der „Sozial“politik zu Lasten der geflüchteten Menschen eingefahren hat (Deren Anliegen sind im Koalitionspapier überhaupt kein Thema mehr, nicht mal die rechtswidrigen Deportationen nach Afghanistan.). Die AfD liegt bereits bei 15 %, während es die unchristlich-undemokratische Union zusammen mit der unchristlich-unsozialen Union noch auf 33 % bringt. 

Damit leuchtet am Polithorizont das Dunkellicht einer ganz neuen Koalition gleichgesinnter Partner. Mir ist nicht bekannt, dass die Verwaltungsrichter nunmehr aufatmen und einen deutlichen Rückgang der Asylklagen erwarten.

Der Münchner Flüchtlingsrat jedenfalls hat Klage gegen das Hausverbot eingelegt. Der kommende Dienstag ist wieder Deportationstag: Keine Kritik, kein Appell, keine Statistik, nicht mal der dramatische Bescheid des Bundesnachrichtendienstes wird die Bundesregierung davon abhalten, erneut afghanische Flüchtlinge im winterlichen Kriegsgebiet auszusetzen und ihrem Schicksal zu überlassen. 

Es werden wohl hauptsächlich nicht betreute Menschen aus den Deportationslagern sein, derer man leicht habhaft werden konnte, und man wird uns wieder die Lüge auftischen, es handele sich um Straftäter, Gefährder und hartnäckige Identitätsverweigerer. Die Deportationspolitiker wissen, dass wir wissen, dass sie lügen – sie tun es trotzdem. Damit sind sie keinen Deut besser als Oberlügenbaron Trump. 

Liebe Freundinnen und Freunde! Wir müssen uns gegen die mutwillige Zerstörung unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates endlich massiv zur Wehr setzen! Andernfalls wird es nicht dabei bleiben, dass Flüchtlinge und Migranten zu Opfern werden. Denkt an die Verachtung, die allen Menschen entgegen gebracht wird, die auf der unteren Stufe der gesellschaftlichen Pyramide verortet werden! Wehret den Anfängen? Die haben wir längst hinter uns gelassen! In diesem Sinne wünsche ich euch ein aktives, widerständliches Wochenende – gern auch mit viel Sonnenschein! 
von Lemyie


quer vom 15.02.2018, Satire, aber nichts worüber man lachen könnte .... 
Hier der Link zum Video von quer (BR) vom 15.02.2018 (2.53min.) >>>



Ab ins Hotel Vier Ruhezeiten / quer (BR) vom 15.02.2018


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