Familiennachzug »Ich habe mein Leben riskiert, um meine Familie vor dem Krieg zu retten« // IOM kritisiert Statistik - Zahl toter Flüchtlinge deutlich höher als offiziell registriert // Migration "Wenn Sie an muslimische Unterwanderung glauben, sehen Sie sie auch" (kommentiert) // Familiennachzug - besser und klarer - Familienzusammenführung!

Familiennachzug
»Ich habe mein Leben riskiert, um meine Familie vor dem Krieg zu retten«  
Hussein M. wollte seiner Familie die gefährliche Flucht nicht zumuten. Im September 2015 hat er den Weg nach Deutschland geschafft – die Aussetzung des Familiennachzugs sorgt aber dafür, dass seine Frau und die Kinder immer noch in Syrien ausharren müssen. 
Hussein M. mit den Fotos seiner Söhne bei der Übergabe unserer Petition
zum Familiennachzug im Bundestag. Foto: Christian Ditsch 
Seit 2015 ist Hussein M. in Deutschland. Als Heilpraktiker hilft er mittlerweile bei verschiedenen Institutionen ehrenamtlich in der Betreuung von anderen Flüchtlingen. Bis heute wartet er allerdings darauf, seine Familie in Sicherheit bringen zu können.
Allein sein Asylverfahren dauerte anderthalb Jahre und endete mit der Zuerkennung von subsidiärem Schutz. Hussein M. darf also bleiben – aber nur allein. Denn für diese Flüchtlingsgruppe wurde der Familiennachzug zunächst bis März 2018 ausgesetzt, nun soll er weitgehend abgeschafft werden. Nur noch 1.000 Menschen pro Monat könnten dann noch zu subsidiär Geschützten nachziehen, so haben es Union und SPD beschlossen. 

Was das für die Menschen bedeutet

Für Hussein M. ist das eine Katastrophe: Aus Angst vor dem Regime und aufgrund der Kriegshandlungen in ihrer Heimatstadt Aleppo war die Familie 2012 zunächst zu den Eltern der Ehefrau nahe der türkischen Grenze geflohen. Aufgrund der schwierigen Lage der Familie beschloss Hussein, sich auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen. Um das Leben seiner Familie nicht zu riskieren, wollte er Frau und Kinder über sichere und legale Wege nachholen. Nach wie vor sitzen sie allerdings in Syrien fest. Die Kinder gehen dort nicht regelmäßig zur Schule, die Trinkwasserversorgung ist schlecht, häufig fällt der Strom aus.
 »Ich habe vor zwei Jahren den gefährlichen Weg nach Deutschland geschafft und warte immer noch darauf, dass meine Familie gerettet wird.«
Hussein M.
Anlässlich der Übergabe der Petition »Familien gehören zusammen« hat Hussein M. deutlich gemacht, was diese Familientrennung bedeutet:
 »Wissen Sie, wie es ist, von seinen Kindern zu hören, dass hinter unserem Haus eine Bombe explodiert ist, oder dass ein Freund und seine Eltern gestorben sind? Mir tut das Herz weh, wenn ich mit meiner Familie rede und keine Mittel habe, um ihnen zu helfen. Ich sehe meine Kinder nicht, wie sie aufwachsen oder wie sie Fahrrad fahren lernen.« 
 Foto: Christian Ditsch 

Hoffnung lag auf Achtung der Menschenrechte

Hussein M. spricht auch von dem Bild, das er von Deutschland hatte. Das klare Bekenntnis zu Menschenrechten ließ ihn hoffen, dass er seinen Kindern hier eine Zukunft in Frieden und Sicherheit, ohne Verfolgung und Unterdrückung ermöglichen könne. In Syrien gibt es diese Perspektive nicht, im Gegenteil – spätestens bei Volljährigkeit könnte seinen Söhnen die Rekrutierung in die Armee drohen. Er appelliert an die verantwortlichen Politiker*innen:
 »Als Vater tut es sehr weh. Ich bitte Sie, mir und Menschen, die in der gleichen Lage sind, zu helfen.«
Klage gegen den Bescheid

PRO ASYL unterstützt Hussein M. in seinem Anliegen, so wie viele andere Flüchtlinge. Um seine Familie endlich retten zu können, klagt er momentan gegen den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und versucht, dadurch den vollen Flüchtlingsstatus und damit auch das Recht auf Familiennachzug zugesprochen zu bekommen. Viele dieser Klagen vor den Verwaltungsgerichten sind erfolgreich.

(mk)
Hier der Link zum Artikel von Pro Asyl vom 06.02.2018 >>> 

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IOM kritisiert Statistik
Zahl toter Flüchtlinge deutlich höher als offiziell registriert
Offiziellen Zahlen zufolge sind im Jahr 2017 rund 6.100 Menschen bei der Flucht ums Leben gekommen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) kritisiert, dass diese Zahl nur ein Bruchtal der tatsächlichen Todesfälle zeigt.
 Sahara © Alex Smith @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Zahl von Migranten, die auf der Flucht ums Leben kommen, liegt deutlich höher als statistisch erfasst. So seien die 2017 registrierten 6.142 Todesfälle nur ein Bruchteil der tatsächlichen Anzahl, sagte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Freitag in Genf.


Die IOM führt seit 2014 eine entsprechende Statistik, in der seitdem fast 26.000 Todesfälle verzeichnet wurden. Grundlage für die Statistik sind Leichenfunde und im Fall von Ertrunkenen im Mittelmeer auch Aussagen von Zeugen.

Große Diskrepanz in der Sahara

Besonders groß ist die Diskrepanz der IOM zufolge in der Sahara. Im Jahr 2017 seien dort 690 Tote gezählt worden. „Vermutlich ist die Zahl der Migranten, die in der Sahara ums Leben kommen, aber mindestens ähnlich hoch wie die derjenigen, die im Mittelmeer sterben“, so der IOM-Sprecher.

Im vergangenen Jahr sind dort der IOM zufolge mindestens 3.139 Migranten ertrunken. Hinweise auf die deutlich höhere Zahl von Toten geben etwa Umfragen unter afrikanischen Migranten, von denen laut IOM mehr als jeder Vierte angibt, selbst Zeuge eines Todesfalls gewesen zu sein.
Hier der Link zum Artikel vom MIGAZIN vom 26.02.2018 >>> 

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Migration
"Wenn Sie an muslimische Unterwanderung glauben, sehen Sie sie auch"

Der Konfliktforscher Andreas Zick fordert, dass Migration in Deutschland besser erklärt werden muss. Studien zeigten, dass es derzeit Vorurteilsmuster seien, die "die Art und Weise bestimmen, wie wir integrieren", sagte Zick im Dlf. "Das müssen wir umdrehen."
Andreas Zick im Gespräch mit Christiane Kaess

 Andreas Zick leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt-
und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld (Uni Bielefeld )

Christiane Kaess: Die Bundesregierung verkündet es als Erfolg ihrer Politik, oder als das Einlösen eines Versprechens. 2017 kamen rund 186.000 Asylsuchende nach Deutschland. Das sind weniger als im Jahr davor; da waren es noch etwa 280.000. Und es sind viel weniger als 2015, als die Statistik rund 890.000 Menschen zählte, die nach Deutschland kamen. In der Regierung atmet man auf. Schließlich hat man im turbulenten Jahr 2015, als das Thema in aller Munde war und die rechtspopulistische AfD nach oben spülte, gesagt, die Zahlen der Asylsuchenden müssen runter.

Manche Beobachter weisen auf etwas anderes hin. Vor vier Jahren hätten auch diese Zahlen noch als extrem hoch gegolten, stand zum Beispiel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Und die Zeitung "Die Welt" interpretierte es so: "Zum einen leben wir in der Zeit einer globalen Völkerwanderung mit dem Ziel Europa und zum anderen in einer überalterten Gesellschaft, die Fachkräfte von außen braucht, weil sie versäumte, selbst genug Nachwuchs zu zeugen. Deutschland wird muslimischer, afrikanischer und auch asiatischer werden."

Darüber sprechen möchte ich mit Professor Andreas Zick. Er leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. Guten Morgen, Herr Zick. 
 

"Es wird immer Wanderungsbewegungen geben"

Andreas Zick: Guten Morgen, Frau Kaess.

Kaess: Ist das, um bei diesem Begriff zu bleiben, eine "globale Völkerwanderung", die Europa und Deutschland nachhaltig verändern wird und vielleicht sogar schon verändert hat?

Zick: Ich bin ein bisschen vorsichtig, weil diese Bilder der globalen Völkerwanderung, da müssen wir mal genau nachgucken, wo sie herkommen. Die erzeugen wieder eine massive Verunsicherung, weil viele Menschen denken, nun kommen Millionen. Auch da wurde beim Brexit argumentiert, wir brauchen den Brexit wegen einer globalen Völkerwanderung.

Nein. Die größte Wanderung haben wir innerhalb von Afrika seit vielen, vielen Jahren. Wir haben große Wanderungsbewegungen, die wir überhaupt nicht kennen in den arabischen Staaten, wenn man sich das mal anguckt. Nein. Natürlich ist Deutschland, natürlich ist Europa ein Ziel, ein wichtiges Ziel. Man wandert in ökonomisch starke Gegenden. Aber der Rücklauf – wir müssen jetzt mal gucken, wo kommt eigentlich der Rücklauf her. Warum kommen weniger Menschen – weil zum Teil ist es in den Herkunftsländern sicherer. Wir haben zum Teil eine andere Sicherung von Außengrenzen. *Und auch Europa hat verstanden, dass man etwas tun kann gegen Wanderung, wenn man Fluchtursachen bekämpft. Wir haben ja vor Jahren noch den Kosovo diskutiert, die Zuwanderung von Kosovo-Albanern. Das war **Elendszuwanderung. Die gibt es überhaupt nicht mehr. Und ich glaube, dass Politik sehr beraten ist, jetzt mal zu erklären, wie es zu dem Rückgang kommt, und nicht einfach davor zu warnen, dass die nächste Wanderung vor der Tür steht. Es wird immer Wanderungsbewegungen geben.
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Anm.d.Blog-Redaktion:
* Europa hat bisher noch gar nichts verstanden, denn schon sehr lange vor der sog. Fluchtbewegung ab 2015 haben Experten darauf hingewiesen, dass die reichen Industrieländer mit ihrer Tröpfchen-Entwicklungshilfe so gut wie gar nichts bewirken. Selbst jetzt, wo wir das Ausmaß der Katastrophe erahnen können, gibt es nur Lippenbekenntnisse seitens der EU. 
** Wie bitte, es gibt keine Elendszuwanderung mehr? Da irrt der gute Mann ab sehr. Da stellt sich mir schon die Frage > Was wird denn unter Elendszuwanderung überhaupt verstanden? <
Horst Berndt Feb. ´18 
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"Können nirgendwo empirisch nachweisen, dass wir muslimischer werden"

Kaess: Herr Zick, lassen Sie mich noch mal auf meine Frage zurückkommen. Hat die Migration unsere Gesellschaft verändert?

Zick: Die Migration verändert immer unsere Gesellschaft. Sie rufen mich gerade in Ostwestfalen an. Durch Ostwestfalen sind immer Menschen gewandert. Wir sind eine Migrationsgesellschaft. Ich glaube, wir müssen es mal erklären. Wenn wir nur immer Einwanderungsgesellschaft sagen, dann bedeutet das, irgendwelche Fremden wandern zu uns ein. Sagen wir Migrationsgesellschaft, dann müssen wir verstehen, dass wir unterschiedlicher werden, dass Migration ein Teil unserer Gesellschaft ist. In Deutschland hat jedes zweite Kind irgendwie in der Familie eine Migrationsgeschichte. 

Der Berliner Gendarmenmarkt war das größte Flüchtlings-Camp, was wir in der deutschen Geschichte mal hatten, weil die Hugenotten dort aufgenommen worden sind.
Migrationsgesellschaft bedeutet eigentlich eine moderne Gesellschaft, in der Migration stattfindet, in der sich dann aber auch Kultur bildet. Das heißt: Wenn uns die Kultur so wichtig ist, dann müssen wir über kulturelle Bildung reden. Dann können wir auch über Deutschsein reden. Aber zum Deutschsein gehört auch Wandern, zumal wir ein föderaler Staat sind.

Kaess: Lassen Sie mich noch mal das Zitat aus der "Welt" aufgreifen, diesen Satz, Deutschland wird muslimischer, afrikanischer, auch asiatischer werden. Dem folgte dann noch: "Gerade darum muss die Politik Zuwanderung viel stärker kanalisieren und sehr entschieden jene zurückweisen, die keinen Schutzanspruch haben und weder Fähigkeit, noch Willen mitbringen, unserer Gesellschaft zu nutzen. Der soziale Friede kann nur gerettet werden, wenn vor allem die beiden großen Parteien sich dieser Herausforderung tatsächlich bewusst sind."

Da klingt etwas von Bedrohung an, was viele Menschen ja tatsächlich auch so empfinden. Ist das die dominierende Wahrnehmung?

Zick: Es ist tatsächlich ... Beim Muslimischsein, das ist so etwas, da kommen wir fast kaum raus. Wir haben in unserer letzten Studie – das war im Sommer 2016 – mal Zustimmungsraten in einer repräsentativen Stichprobe gehabt. Da sagten 40 Prozent – und das ist die Mitte -, wir werden von dem Islam unterwandert.

Kaess: Ist das normal geworden, über Zuwanderung als Bedrohung zu sprechen? Konnten Sie das auch herausfinden?

Zick: Ja, das ist tatsächlich so. Immer wieder, wenn wir Medienanalysen angucken, was diskutiert wird, wenn wir angucken, wie Menschen über Migration reden, dann reden sie darüber, als wenn Migration immer eine Einbahnstraße ist. Das heißt, Migration ist damit verbunden, dass Fremde, die erst mal eine Verunsicherung oder Bedrohung darstellen – Verunsicherung wäre okay -, immer wahrgenommen werden als Fremde, und die müssen irgendwie Eigene werden so wie wir. Das ist relativ normal für die, die Zuwanderung erleben.
Aber Migration ist eigentlich ein Prozess des kulturellen Austausches und, indem wir zusammen neue Kultur bilden. 
Wir können ja nirgendwo empirisch nachweisen, dass wir tatsächlich muslimischer werden. Wir werden eher islamophober. Das heißt, wenn wir Zuwanderung haben, dann führt die Verunsicherung zu der Frage, welches Konzept ist eigentlich da. Vielleicht fragen sich Menschen auch, werden wir tatsächlich jetzt unterwandert. Dann muss man eine Antwort geben und nicht darauf verweisen, welche Bedrohung es ist.
Wir haben aber immer auch gesehen in unseren Daten: Die Menschen haben viele Stereotype. Sie haben viele Schubladen. Mit diesen Schubladen verbinden wir zunehmend, weil immer wieder das betont wird, Negatives. Wenn Sie an muslimische Unterwanderung glauben, dann werden Sie sie auch sehen. Dann wird jedes Minarett Ihnen den Hinweis geben. Das heißt, da müssen wir tatsächlich dran arbeiten. Die Studien zeigen in Deutschland, die Vorurteilsmuster bestimmen die Art und Weise, wie wir integrieren. Und das müssen wir umdrehen, aber auch natürlich, vollkommen klar, über Regeln und Bedingungen. Wir müssen hier keine *** kriminellen oder terroristischen Zuwanderer aufnehmen. Das ist doch vollkommen klar.

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Anm.d.Blog-Redaktion: 
***Woran erkennen wir denn, dass wir Kriminelle und Terroristen aufnehmen, wenn diese Menschen gerade über die Grenze kommen? Eine sehr merkwürdige Aussage. Wenn jemand dann im aufnehmenden Land straffällig geworden ist, kann darüber entschieden werden, aber eben erst dann. 
Horst Berndt Feb. ´18   

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"Wir sehen in unseren Studien, die Zivilgesellschaft schafft das kaum noch"

Kaess: Herr Zick, wenn ich da mal kurz einhaken darf? Sie sprechen es ja selber schon ein bisschen an. Diese Bedrohung für den sozialen Frieden ist ja zumindest zum Teil real, würden zumindest viele so argumentieren. Wir haben die Diskussion über Parallelgesellschaften, wir haben soziale Probleme in Vierteln mit hohem Migrantenanteil. In Frankreich ist das noch viel stärker ausgeprägt. Also es ist ja auch da!

Zick: Ja, und ich will das überhaupt nicht schön reden. Die Lasten der Integration, die trägt die Zivilgesellschaft. Wir sehen in unseren Studien, die Zivilgesellschaft schafft das kaum noch, man ist überfordert. Wir haben das gesehen in den Flüchtlingsunterkünften konzentriert. Das sind Menschen, die sind überlastet. Da muss der Staat regulieren. Wir müssen tatsächlich ein Modell haben. In Kanada sagt man, welche Migration man haben will.

Kaess: Das heißt, so etwas wie eine Obergrenze meinen Sie tatsächlich damit?

Zick: Es wird ja implizit eine Obergrenze diskutiert, indem wir jetzt darüber diskutieren, was empirisch kann ein Land als Belastung ertragen. Wir können nicht jedes Jahr eine Million Zuwanderung ertragen. Das wird niemand schaffen und auch niemand behaupten. Wir können auch nicht alle Grenzen komplett öffnen. Nein. Migration bedeutet - und wenn wir das ernst nehmen, Zuwanderung -, dass wir ein Konzept entwickeln, was kann ein Land an Integrationskräften schaffen, wo müssen wir nachsteuern bei der Integration, die Potenziale schöpfen. Die Wirtschaft wollte die letzten 20 Jahre jedes Jahr 200.000 bis 250.000. Die wollten das.

Kaess: Da kommt jetzt immer das Argument, die jetzt kommen, die sind nicht diejenigen, die die Voraussetzungen und die Qualifikation erfüllen.

Zick: Aber wenn wir jetzt mal gucken, was denn mit der einen Million passiert ist – da sind Bilder von Kriminalität und Furchtzuwanderung. Wir haben tatsächlich Kriminalität erlebt. Aber was wissen wir eigentlich über die gut funktionierende Integration?
Wir hatten eine Zuwanderung von Gastarbeitern, die uns zum Beispiel enorm geholfen hat in vielen Regionen, nicht nur die Wirtschaft voranzubringen, sondern auch den kommunalen Raum zu erhalten. Wir haben bei den Ehrenämtlern in der Flüchtlingshilfe massiv Menschen mit Migrationshintergrund. Wir müssen auch mal ein bisschen hingucken, wo sind Potenziale, wo klappt das besonders gut. Wir haben Zuwanderung in den Universitäten. Wir haben Spitzenkräfte. All das gehört ja mit dazu.
Aber natürlich ist Integration und Migration eine Problemlage, wie das aber auch in jeder Familie so ist, wenn wir altern. Dann braucht eine Familie Integrationskräfte. Da müssen wir drüber nachdenken, Integration ernsthaft annehmen. Tatsächlich dann kann man später darüber reden, welche Grenze. Aber nur allein die Grenze schafft ja keine Lasten weg, sondern die Überschreitung der Grenzen schafft immer wieder neue Bedrohungen.
"Wenn man Migration erklärt, beruhigt sich die Lage auch - das fehlt uns"

Kaess: Wenn wir davon ausgehen, dass ein gewisses Maß an Zuwanderung ja bleiben wird – wahrscheinlich schon allein wegen des Fachkräftemangels oder wegen der demographischen Entwicklung -, gewöhnt sich eine Gesellschaft daran?

Zick: Wir haben uns daran gewöhnt. Die meisten Menschen gewöhnen sich auch daran. In unseren Studien sind die allermeisten – das ist eine Mehrheit von fast 70 Prozent -, die sagen, ich bin stolz darauf, dass wir diese Flüchtlingszuwanderung geschafft haben, und die auch wissen, dass man von dieser Vielfalt sehr viel Nutzen hat. Außerdem, wir müssen bedenken: Wir sind doch schon multikulturell geworden. Jede fünfte Person hat eine Migrationsgeschichte und wenn man historisch mal vor den Krieg guckt, sind wir eine Migrationsgesellschaft. Man muss sich immer allen Gefahren stellen und tatsächlich über Belastungsgrenzen ernsthaft reden. Man muss sie nur bestimmen und nicht nur über nebulöse Bedrohung nachdenken und bei einem einzelnen Terrorfall die Migration in Frage stellen. Sondern das muss man annehmen, Konzepte entwickeln, und man muss vor allen Dingen den Menschen vermitteln, was für eine Migration stattfindet. Wir sehen: Wenn man Migration erklärt, dann beruhigt sich die Lage auch, und das fehlt uns.

Kaess: … sagt Professor Andreas Zick. Er leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. Danke für das Gespräch heute Morgen.

Zick: Ich danke Ihnen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
 
Hier der Link zum Artikel vom Deutschlandfunk vom 18.01.2018 >>> 

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Familiennachzug - besser und klarer - Familienzusammenführung!
 
Oder müssen wir in Wirklichkeit nicht von Familienzerstörung sprechen. Christliche Werte, die Würde des Menschen, alles uns bekannte Worthülsen. Wenn es um die hilfsbedürftigen Menschen geht, die wir so gerne Flüchtlinge nennen, dann bleiben diese Worte in Deutschland sehr oft nur leere Worthülsen.

Vom Pouya-Blog hinzugefügt
Gerade die Menschen, die uns aus dem Kriegsland Syrien erreichen, wenn sie nicht unterwegs auf der sehr gefährlichen Route nach Europa auf dem Weg zu Tode gekommen sind, müssen sich doch vollkommen verarscht vorkommen, sorry, für die Wortwahl. Erst hieß es, der sogenannte Familiennachzug ist bis März 2018 ausgesetzt. Damit wollte man die AfD ruhigstellen. Wie wir wissen ist dies nicht gelungen. Die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl lassen grüßen. Dann wurde der sogenannte Familiennachzug bis Ende Juli 2018 ausgesetzt. Ein weiterer schwerer Schlag ins Gesicht der Familien, die auf Deutschland gehofft hatten. Und die SPD hat da mitgemacht.
Ab August ist die Familienzusammenführung nun allerdings immer noch nicht möglich. Die CDU/CSU hat sich hier knallhart mit ihrer sehr unchristlichen Linie durchgesetzt.  Demnach soll es eine Obergrenze für Betroffene aus "humanitären Gründen" geben.
Das geplante Kontingent von 1000 Menschen pro Monat begrenze den Familiennachzug, Härtefälle würden aber weiter berücksichtigt. "Ein bisschen Barmherzigkeit" sei schließlich auch nötig, so de Maizière.
Wir müssen nun nicht glauben, dass die Zahl von 1000 pro Monat erreicht werden muss, dies war mit der schon vorher vorhandenen Regelung nämlich nie erreicht worden. Pro Jahr waren es im Schnitt maximal 100.
Wenn wir nun wissen dass es hier um etwa 40000 bis maximal 50000 Menschen gehen wird, die jetzt schon 2 Jahre darauf warten, ihre Angehörigen wieder in die Arme zu schließen, dann wissen wir auch, da wir des Rechnens mächtig sind, wann dieser ganze Prozess der Familienzusammenführung in etwa abgeschlossen sein könnte. Pro Jahr sollen es bei 100 prozentiger Ausschöpfung der Regelung dann 12000 sein, was bedeutet, dass viele Familien 4 bis 5 Jahre warten müssen.
Wenn Deutschland eine sogenannte Leitkultur hat, dann stimmt hier ja wohl etwas nicht. Würden wir im Staat, der eine funktionierende sogenannte Leitkultur hat, mit deutschen Familien so umgehen? Ein Beispiel, das wir garantiert noch im Kopf haben, sind die Russland-Deutschen.  Welche großen Probleme hatten diese Menschen damals gehabt, nach Deutschland zu kommen. Auch hier gab es Familienzusammenführung. Haben wir bestimmt nicht vergessen.
Nur - es gab einfach überhaupt keine großen Hürden zu überwinden. Ganz im Gegenteil, da gab es ganz schnell die deutsche Staatsbürgerschaft. Was ja auch vollkommen in Ordnung ist.

Die Russland-Deutschen wählen fast zu 100% CDU/CSU und jetzt auch vermehrt die AfD. Immerhin 4 Millionen Menschen. Wo also ist hier der große Unterschied zu sehen? Diese Frage kann sich jeder von uns beantworten.
Horst Berndt Feb. ´18
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