Von Polizei abgeholt Helfer kämpfen für Aref Sarwari - Dazu > Die Aktivistin Fanny Dellinger mit einer Briefvorlage zur Unterstützung für Aref Sarwari // Hetzjagd zwischen Deutschen und Geflüchteten // Die nächste syrische Katastrophe

Einzelfall

Österreich "Unser Bruck"
Von Polizei abgeholt
 Helfer kämpfen für Aref Sarwari

Fassungslos mussten die Mitglieder von „Unser Bruck hilft“ gestern, Freitag, Abend zusehen, wie Aref Sarwari von der Polizei abgeholt wurde.
Aref Sarwari | Müller 
 Der junge Afghane wurde im Auftrag des Bundesamts für Fremden- und Asylwesen ins Anhaltezentrum Hernalser Gürtel gebracht. Wann er abgeschoben werden soll, ist derzeit unbekannt.

Dabei kämpfen die Brucker bereits seit Oktober mit aller Kraft dafür, dass Aref in Bruck bleiben kann, nachdem er ein negatives Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erhalten hatte (die NÖN berichtete). Man hat seither alle Hebel in Bewegung gesetzt und auch einen Antrag auf humanitäres Bleiberecht gestellt.
"In unseren Augen ist dies äußerst befremdlich" 
 
Das Verfahren läuft noch. Umso bestürzter war man gestern Abend in Bruck über die plötzliche Polizeiaktion. Anwältin Romana Schön von der Kanzlei Sailer-Schön: „In unseren Augen ist dies äußerst befremdlich und schwer rechtswidrig, einen Menschen während eines laufenden Verfahrens in Schubhaft zu nehmen. Der Verfassungsgerichtshof hat die Causa an den Verwaltungsgerichtshof abgetreten, das Verfahren dort läuft.“ 


„Wenn es ein Musterbeispiel für gelungene Integration gibt, dann wohl Aref“, so Peter Windholz, Obmann von „Unser Bruck hilft“.  
Eine Petition, mit der sich der Verein für Sarwaris Verbleib in Österreich einsetzt, hat bereits mehr als 3.500 Unterstützer. Und die Brucker werden weiterhin nichts unversucht lassen. Immerhin wird Sarwari nicht nur von den freiwilligen Helfern als besonders gut integriert bezeichnet. Sarwari hat sich in den zwei Jahren, die er mittlerweile in Bruck lebt, seine Deutschkurse selbst organisiert und inzwischen einen B2-Kurs absolviert, ein Niveau, das immerhin für ein Studium ausreichend ist.
Er ist auch beim Brucker Fußballverein ASK-BSC als ehrenamtlicher Betreuer der Kampfmannschaft II und als Jugendtrainer im Einsatz, hat sich zum Sozialdiensthelfer beim Roten Kreuz ausbilden lassen und arbeitet seit nunmehr eineinhalb Jahren ehrenamtlich beim Sammelzentrum der Firma Jüly. Hätte er einen positiven Asylbescheid, könnte er derzeit aus zwei Angeboten für 40-Stunden-Jobs wählen. Derzeit besucht der Christ sogar einen Taufvorbereitungskurs der Erzdiözese Wien.
Hier der Link zum Artikel von NÖN.at vom 13.01.2018 >>> 
Dazu >>>
Die österreichische Aktivistin Fanny Dellinger
mit einer Briefvorlage zur 
Unterstützung für Aref Sarwari

Aref soll bleiben! Schreibt bitte ans Innenministerium, er soll aus der Schubhaft entlassen werden!
Mail: ministerbuero@bmi.gv.at

Ein Textvorschlag:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich appelliere an Sie Herrn Aref Sarwari aus der Schubhaft zu entlassen. In seiner neuen Heimat, Bruck an der Leitha, ist er bestens integriert. Er unterstützt die Gemeinschaft, arbeitet freiwillig beim roten Kreuz, für den Fußballverein, beim Team Österreich. Folglich unterstützen ihn die Menschen in seiner Heimatgemeinde und wünschen, dass er bei ihnen bleiben darf. Bereits über 4000 Menschen haben eine Petition unterschrieben, in der Bleiberecht für Aref gefordert wird. Außerdem hat Herr Sarwari bereits zwei konkrete Jobangebote für Vollzeit-Stellen.
In Afghanistan wäre Herr Sarwari extrem gefährdet. In Österreich könnte er einfach leben.
Das Asylverfahren von Herrn Sarwari ist noch nicht abgeschlossen. Eine gerichtliche Entscheidung steht noch aus. Warten Sie zumindest diese ab!

Hochachtungsvoll,

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Anm.d.Blog-Redaktion: Fanny Dellinger schreibt in einem anderen Post vom 14.01.2018:
Aref muss bleiben! Schreibt sogar die Krone  Es wäre ein Leichtes Aref hier bleiben zu lassen. Eine Katastrophe ihn abzuschieben.
Aus der Zeitung Krone vom 14.01.2018 ( Niederösterreich Ausgabe ).
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Deutschland
Rassismus in Wurzen

Hetzjagd zwischen Deutschen und Geflüchteten
 

Bewohner des Hauses schildern den Überfall durch Vermummte in der sächsischen Kleinstadt
Abdel* berichtet vom Überfall am Freitagabend
Foto: Henrik Merker

Um 22:30 Uhr habe sie schon eine Stunde geschlafen, erzählt Frau Wolf*. Von Gebrüll auf der Straße wird sie aus ihrem Bett geholt. Die Frau, die sich eine Zeit lang im Wurzener Demokratiebündnis engagierte, geht ans Fenster. Unten sieht sie dreißig dunkel gekleidete Personen vor dem Haus stehen.

Mehrere andere Personen seien vor ihnen ins Haus gerannt. Wolf sieht, wie einer der Männer einen schweren Steinbrocken gegen die Eingangstür wirft. Glas splittert. Der Stein hat die Scheibe der Tür zerstört, landet im Innenhof. Die graue Holztür gibt kurz darauf nach.

Vier Gestalten rennen anschließend durchs Treppenhaus nach oben. Wieder klirrt es, die Scheibe der Wohnungstür im dritten Stock. Die vier Männer sind mit Sturmhauben vermummt, einer greift durch das Loch nach der Türklinke auf der Wohnungsseite. Sie stürmen in den Flur, zwei von ihnen bleiben stehen, halten die Bewohner im Schach. Die zwei anderen gehen an das Ende des Flurs, biegen in den Raum auf der rechten Seite ab, ins Schlafzimmer, wo Abdel* mitten im Raum steht. 
Abdel wird gezielt in den Bauch getreten. Er geht zu Boden. Ein Tritt auf das Handgelenk folgt – das Profil vom Schuh hinterlässt blutige Schrammen. Dann habe ein Angreifer mit einer langen Holzstange auf seinen Oberarm geschlagen, Abdel kann sich irgendwie auf sein Bett retten. Dadurch sei er dem Stromschlag eines Tasers entkommen, sagt er. Den habe einer der Angreifer auf ihn abgefeuert, der Schuss geht ins Leere. Draußen habe man, fünf bis zehn Minuten nachdem die Männer in die Wohnung kamen, Sirenen gehört, berichten Bewohner des Hauses. Die Angreifer seien abgehauen und sollen sich wieder unter den Mob auf der Straße gemischt haben. Abdel sagt, dass nicht nur er und seine WG, sondern auch Geflüchtete in den oberen Stockwerken verprügelt wurden. 


Die Gründe sind unklar

Was vor der Stürmung des Hauses am Freitagabend passierte, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die sächsische Polizei sagt, sie ermittle in alle Richtungen: »Wer Täter oder Opfer oder beides ist, ist noch unklar«, schreiben die Beamten auf Twitter. Aus einer ersten Polizeimitteilung geht hervor, dass es am Wurzener Bahnhof vor dem Angriff auf das Haus eine verbale Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Geflüchteten gab. Die Geflüchteten hätten sich zu ihrer Wohnung zurückgezogen, die Deutschen wären ihnen gefolgt und hätten die Scheibe der Eingangstür zertrümmert. Daraufhin seien zwölf der Geflüchteten aus dem Haus gekommen, mit Messern und Knüppeln. Zwei Deutsche wurden schwer am Oberschenkel verwundet. Dann habe sich der Mob von dreißig Deutschen zusammengerottet und die Geflüchteten bis in das Haus verfolgt.
Ein Flüchtlingsheim ist der alte Gründerzeitbau nicht. Die Stadt Wurzen bringt Geflüchtete dezentral in Wohngemeinschaften unter. In dem Haus wohnen Deutsche, anerkannte Flüchtlinge und Asylsuchende. Wolf erzählt, dass sie wenig Kontakt zu ihren Nachbarn habe, man grüße sich freundlich im Hausflur – mehr auch nicht.

Was bleibt, sind Scherben

Am nächsten Tag sieht man die Spuren. Scherben im Hinterhof, in der Wohnung im dritten Stock liegen Scherben auf dem Schuhtablett und im gesamten Flur. Niemand hatte die Nerven, sie zusammenzufegen. Frau Wolf* sagt, dass der Glaser schon da war – am Montag werden die Scheiben ersetzt. Zwei junge Bewohnerinnen des Hauses stehen sichtlich unter Schock, zittern, als sie in gebrochenem Deutsch von dem Abend erzählen. Sie hätten panische Angst gehabt bei dem, was da unten passierte. Seit einem Monat erst wohnen sie in dem Haus, haben in Wurzen noch keine negativen Erfahrungen machen müssen. Das sei jetzt vorbei.

Die Besen liegen noch unten im Hausflur und in der WG von Abdel, nur die Bürsten sind übrig. Die Stiele wurden in der Nacht zu Waffen. Der schwere Stein wurde auf dem Hinterhof an die Seite gelegt. Die Wunden Abdels zeugen vom Angriff. Beim Arzt war er nach der Attacke noch nicht. Die Hausärztin hat Sonnabend keine Bereitschaft, auf den längeren Weg zum Krankenhaus in Wurzen traut er sich nicht. Die Angreifer kamen aus der Stadt, sagt er, sie könnten ihn erkennen und erneut verfolgen.
War der Angriff absehbar?

»Wir haben hier gar keine Unterstützung.«, sagt Abdel – nach dem Angriff hat er resigniert. »Wir wollen nach Leipzig«, sagt er. »Wir können hier nicht bleiben«. Die WG-Bewohner haben Angst, das Haus zu verlassen. Seit gestern hätten sie nichts gegessen, der Kühlschrank sei leer. Auf den hundert Metern zum Supermarkt rechneten sie mit Angriffen, sagt Abdel – die Rechten würden sich dort häufig treffen. Wenn er abends aus Leipzig von der Schule zurückkommt, werde ihm »Wir wissen wo du wohnst!« hinterher gebrüllt.

So sei es auch am Freitag um 21 Uhr gewesen, eineinhalb Stunden vor dem Angriff auf die Wohnung. In Leipzig sucht er schon länger nach einer festen Bleibe für sich und seine drei Freunde. Der ausgedünnte Wohnungsmarkt ist dabei ein Problem. Das andere sind die nicht erteilten Aufenthaltsgenehmigungen für zwei der Freunde. »Wir wollen gern zusammen wohnen bleiben«, sagen sie. Die vier Jungen haben Rucksäcke gepackt. Ihr Betreuer holt sie mit dem Auto ab, bringt sie zumindest für die nächsten Tage an einen Ort, an dem sie sich sicherer fühlen.
 
Hier der Link zum Artikel vom nd vom 14.01.2018 >>>
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Syrien

 Die nächste syrische Katastrophe

 Assads Offensive in Idlib bedroht Hunderttausende Zivilisten.

Das UN-Nothilfebüro Ocha erklärte, die Lage in der
Provinz Idlib sei „extrem schlimm“. Foto: afp

Aus Genf waren Assads Unterhändler Mitte Dezember nach nur wenigen Tagen wortlos abgereist. Sie zeigten keinerlei Interesse, ernsthaft mit der Opposition zu verhandeln. Stattdessen setzt das Regime in Damaskus weiter unbeirrt auf einen militärischen Sieg. 
Vor drei Wochen begannen Bodentruppen nun – unterstützt von iranischen Milizen und russischen Kampfjets – mit einer Blitzoffensive gegen die nordwestliche Provinz Idlib, bisher die wichtigste Bastion der Rebellen auf syrischem Territorium. Hier leben nach UN-Angaben 2,6 Millionen Menschen, gut eine Million von ihnen Binnenflüchtlinge aus anderen Teilen des Landes, vor allem aus dem vor einem Jahr evakuierten Ost-Aleppo.

Gleich reihenweise erobert Syriens Armee derzeit Dörfer in dem Rebellen-Gebiet. Aus drei Richtungen stoßen Assads Truppen auf die zentral gelegene Luftwaffenbasis Abu al-Suhur vor, die das Regime vor zwei Jahren an die Aufständischen verlor. Sollten sich diese Korridore schließen lassen, wäre das Rebellengebiet in zwei Hälften zerteilt sowie ein weiterer großer Landstrich der Opposition komplett umzingelt.
 Um dieser Umklammerung zu entgehen, fliehen die Menschen derzeit zu Zehntausenden nach Norden in Richtung türkische Grenze – das nächste humanitäre Desaster in diesem bald siebenjährigen Bürgerkrieg. 


Idlib gehört zu den Deeskalationszonen

Idlib gehört zu den vier Deeskalationszonen, auf die sich Russland, Iran und die Türkei in der kasachischen Hauptstadt Astana einigten. In diesen Gebieten soll eigentlich nicht mehr gekämpft, und die Feuerpause von den drei Astana-Mächten überwacht werden. Sie gilt jedoch nicht für die Dschihadisten von Hayat Tahrir as-Sham (HTS), die große Teile von Idlib kontrollieren. Die Kontingente der Freien Syrischen Armee sind hier relativ klein. Und so will das Assad-Regime genauso wie Irans Schiitenmilizen von einem Waffenstillstand nichts wissen. Beide wollen Syrien zu hundert Prozent zurückerobern und lehnen jegliche Kompromisse mit ihren Gegnern ab.

Aufgebracht wandte sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu jetzt an die Führungen in Moskau und Teheran. „Wenn ihr Garantiemächte seid, und das seid ihr, müsst ihr das Regime stoppen“, erklärte er. Parallel dazu bestellte Ankara den iranischen und russischen Botschafter ein, um ihnen „das Unbehagen der Türkei“ über die „Verletzung der Grenzen der Deeskalationszone in Idlib“ zu übermitteln. Zudem ließ die türkische Führung durchblicken, man könne die von Kreml-Chef Wladimir Putin für den 29. und 30. Januar im russischen Badeort Sotchi anberaumte Konferenz des Nationalen Dialogs auch boykottieren, wenn die an Weihnachten begonnene Bodenoffensive gegen Idlib nicht gestoppt werde.

„Angriffe am Boden und Bombardierungen aus der Luft gefährden die Sicherheit von Hunderttausenden Zivilisten“, beklagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein.
 Die türkische „Humanitarian Relief Foundation“ spricht auf ihrer Facebook-Seite inzwischen von 150.000 Flüchtlingen, die sich auf das syrisch-türkische Grenzgebiet zubewegten. Die meisten besitzen nur noch ihre Kleider am Leib und müssen bei grimmiger Kälte im Freien übernachten, während sich der türkische Halbmond in aller Eile müht, neue Zeltstädte zu errichten.

Das UN-Nothilfebüro Ocha erklärte, die Lage in der Provinz Idlib sei „extrem schlimm“. Die meisten Vertriebenenlager hätten ihre Kapazität erreicht. Zudem wurden neue Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen gemeldet. Vor einigen Tagen bombardierten Kampfflugzeuge in der Provinz Idlib eine Geburtsklinik, Fassbomben beschädigten ein Lager für Medikamente.
In Idlib wird die Situation für Zivilisten immer gefährlicher. – APA/AFP/OMAR HAJ KADOUR
 Foto vom 08.01.2018
Anm.d.Blog-Redaktion:

Das Foto von der Zerstörung in Idlib haben wir zusätzlich eingestellt zum Artikel der Frankfurter Rundschau.
Horst Berndt Jan.´18
Hier der Link zum Artikel der Frankfurter Rundschau vom 13.01.2018 >>> 
Syrien Die nächste syrische Katastrophe / Frankfurter Rundschau vom 13.01.2018

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

Pro Asyl setzt sich für Menschenrechte ein!

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