Schwerst traumatisierter, behinderter junger Mann namens Reza H. deportiert (23.01.2018) - Dazu >> Behinderter Flüchtling im Abschiebeflug nach Afghanistan // ... und es hat meine schlimmsten Erwartungen übertroffen - bei der Anhörung beim Bamf - Dazu >> Ein Kommentar zum Bericht der Anhörung!

Schwerst traumatisierter, behinderter junger Mann namens Reza H. deportiert (23.01.2018)


Von unserer Bloggerin Lemyie

Was lässt unsere deutsche Regierung zu? Wird unser Grundgesetz durch unsere Regierung wirklich vertreten? Ist die Würde des Menschen durch unsere Regierung geschützt? Ist unsere deutsche Gesellschaft damit einverstanden, was sich hier abspielt? Auf ein Wort - von unserer Bloggerin lässt mal wieder Zweifel aufkommen. 
Horst Berndt 


Liebe Freundinnen und Freunde!

Rund um die Deportationsflüge nach Kabul herrscht regelmäßig große Unsicherheit über die Zahl und die Person der Betroffenen. Offenbar handelt es sich um Top-Secret-Aktionen; sowohl die Bundesregierung als auch die zuständigen Behörden verweigern jede Auskunft. Daher ergeben sich Details erst aus der Retrospektive.

So meldet heute der Evangelische Pressedienst, dass am vergangenen Dienstag erneut auch ein schwerst traumatisierter, behinderter junger Mann namens Reza H. deportiert und hilflos in Kabul ausgesetzt worden ist. Er soll eine schwere Angststörung haben und auf einem Auge blind sein. Seine Anwältin beschreibt ihn als "verwirrt". Die Behörden haben ihn weggeschafft, weil er "hartnäckig" die Mitwirkung an seiner Identitätsfeststellung verweigert habe.

Afghanen können ihre Identität generell nur unter großen Schwierigkeiten und großem Zeitaufwand nachweisen - wenn überhaupt. In dieser Zeit schlagen die Behörden zu.

Was soll aus diesen hilflosen Menschen werden und wer genau verantwortet ihren Untergang? Der kranke, behinderte Reza ist nicht das erste Opfer politischer Bösartigkeit und behördlicher Wurschtigkeit - denken wir zum Beispiel an Shams, dessen Dahinvegetieren in Afghanistan anständige, mitfühlende Menschen zur Verzweiflung treiben möchte.

Nach dem tödlichen Anschlag auf die Kinderhilfsorganisation "Save the children" musste diese ihre Büros schließen und alle Hilfsprojekte stoppen. Auch das Internationale Rote Kreuz und "Ärzte ohne Grenzen" haben ihre Aktivitäten nach Anschlägen auf Kliniken im Landesinneren zurückgefahren.

Dessen ungeachtet will Bayern die Deportationen in das Kriegs- und Terrorland ausweiten und noch konsequenter durchführen. Dabei halten die Deportationsminister ebenso wie ihre Erfüllungsgehilfen in den Amtsstuben weiterhin an den Lügen fest, Afghanistan sei in Teilen sicher (ohne die "Teile" benennen zu können) und bei den Deportierten handele es sich um Straftäter, Gefährder und Identitätsverweigerer.

Über das teils amateurhafte, teils bösartige, teils vorurteilsbehaftete, teils skandalöse Vorgehen der Täter in den Amtsstuben speziell bei den Anhörungen soll eine Dokumentation entstehen. Wie die Dinge liegen, dürfte es eine Dokumentation von Inkompetenz, Willkür, Machtgebaren, Menschenverachtung und Bösartigkeit zum Nachteil hilfloser, wehrloser Menschen werden - eine Horror-Doku. Leider wird es sich nicht um das Drehbuch für einen Trashfilm handeln sondern um den realen Alltag in Deutschland.

Bis dahin!

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Behinderter Flüchtling im Abschiebeflug nach Afghanistan

Zu den am Dienstagabend per Sammelflug abgeschobenen Afghanen zählt auch der behinderte und traumatisierte Flüchtling Reza Hosaini. Er habe keine Papiere vorweisen können. Hosaini ist als Zehnjähriger nach einer Bombenexplosion auf einem Auge erblindet.
Ein Lufthansa-Flugzeug © Angelo DeSantis @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Beim jüngsten Abschiebeflug nach Afghanistan ist offenbar auch ein traumatisierter und behinderter junger Mann an Bord gewesen. Die Regensburger Rechtsanwältin Margal Noruzi sagte am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst, sie habe bis Dienstagabend vergeblich versucht, die Abschiebung von Reza H. zu verhindern.  
Der 20-Jährige ist nach Angaben seiner Unterstützer auf einem Auge blind und hat eine schwere Angststörung. Seine Anwältin beschreibt ihn als „verwirrt“.  
Abgeschoben wurde er demnach, weil die Behörden ihn in die Gruppe derjenigen zählten, die „hartnäckig“ die Mitwirkung an der Feststellung ihrer Identität verweigern.

Nach der Vereinbarung innerhalb der Bundesregierung können derzeit Straftäter, Gefährder und eben solche „Verweigerer“ nach Afghanistan abgeschoben werden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums saßen in dem Abschiebeflug, der Afghanistan am Mittwoch erreichte, 19 volljährige Männer, darunter 13 Straftäter und ein Gefährder. Fünf fielen in die Gruppe derer, die die Feststellung ihrer Identität verweigerten.

Reza H. hatte nach Angaben der Anwältin keine Papiere. Er sei als Zehnjähriger nach einer Bombenexplosion in Afghanistan auf einem Auge erblindet und habe eine schwere Angststörung. Seine Familie war nach dem Attentat mit ihm in den Iran geflüchtet. In Afghanistan habe er keine sozialen Kontakte, kein Familienmitglied lebe mehr dort. Der junge Mann spreche besser das persische Farsi als die afghanische Sprache, sagte Anwältin Noruzi. Seit 2015 ist Reza H. in Deutschland.
 

Tod aus Angst

Der 20-Jährige lebte vor seiner Verhaftung bei seiner älteren Schwester und deren Mann im bayerischen Kelheim. Zusammen mit der Schwester versuche sie jetzt, Kontakt mit Reza H. in Afghanistan aufzunehmen, sagte die Rechtsanwältin.

Zu den Unterstützern von Reza H. zählte auch eine Diakonin im Ruhestand, Inge Ehemann. Sie hat sich nach eigenen Angaben ohne Erfolg darum bemüht, einen Schwerbehindertenstatus für Reza H. zu erreichen. Ehemann berichtete auch, dass der 20-Jährige Anfang Januar miterlebte, wie sich ein Freund in der Gemeinschaftsunterkunft in Abensberg das Leben nahm. Der Flüchtling sprang demnach aus Angst vor seiner Abschiebung aus einem Fenster der Unterkunft im zweiten Stock und starb. 
 

Innenministerium: Kein Kommentar

Das Bundesinnenministerium wollte den konkreten Fall am Mittwoch nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte in Berlin, vor der Abschiebung würden jeder Einzelfall und mögliche Abschiebehindernisse geprüft. Er gebe keinen Anlass davon auszugehen, dass diese Prüfverfahren nicht stattgefunden hätten.

Die Entscheidung über eine Abschiebung treffen jeweils die Behörden der Bundesländer. Neben Bayern waren Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Thüringen an der aktuellen Abschiebung beteiligt. 
(epd/mig) 
Hier der Link zum Artikel vom MIGAZIN vom 25.01.2018 >>> 
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... und es hat meine schlimmsten Erwartungen übertroffen - bei der Anhörung beim Bamf 

Ein Bericht der uns erreichte, der uns sehr betroffen machte. Der Name des Helfers liegt der Blog-Redaktion vor.

Was erwartet den Hilfsbedürftigen im Bamf?

Also ich werde euch jetzt erzählen wie es Heute bei der Anhörung beim Bamf war.

Wir (Sohn und ich) waren pünktlich um 8:00 Uhr dort. Um 8:45 Uhr sind wir dann vom Anhörer abgeholt worden. Gedauert hat das Ganze genau 5 Stunden und es hat meine schlimmsten Erwartungen übertroffen. Ich durfte natürlich bis zum Schluss nichts sagen. Habe mir aber immer wieder Notizen gemacht, da ich die Geschichte unseres Sohnes ja genauestens kenne. Wurde dann gebeten, das zu unterlassen, den nur er darf Protokoll schreiben. Habe gelächelt und erst mal nichts gesagt. Je länger es ging, desto klarer wurde, egal was er sagt, es wird alles als Lüge dargestellt. 

Wie kann man nur so mit jungen Menschen, die nichts weiter als in Frieden leben wollen so umgehen. Es hat überhaupt nicht interessiert was er macht sondern alles in Frage gestellt. Während der 5 Stunden wurde ihm mindestens 6 mal gesagt, dass er zur Botschaft muss um eine Tazkira zu besorgen. 

Also dann waren dann irgendwann 4 Stunden vorbei und alles soweit fertig und jetzt kam ich an die Reihe zu reden. Als erstes habe ich dem Anhörer gesagt, dass er während dem laufenden Asylverfahren sicher in keine Botschaft geht und dass ich es unmöglich finde wie unser Sohn jetzt mehrmals dazu aufgefordert wurde. Das ging soweit, dass er mich entfernen lassen wollte. Am Ende hat der doch echt unter meinem Protest ins Protokoll geschrieben, dass er innerhalb von 30 Tagen eine Tazkira beschaffen muss. Habe ich sofort wieder dagegen geredet und dann sagt der zu mir, er wird sich jetzt mit mir sicher nicht ins Asylrecht vertiefen.

Wir sind heim und dann sofort zum Anwalt. Der war entsetzt und wird sofort dagegen angehen und er hat auch noch einmal gesagt, nicht zur Botschaft gehen.
Fazit: Die probieren echt die Jungs reinzulegen. Einer der dort alleine hin muss, mit dem machen die das. Also immer wieder die Jungs warnen und informieren. So jetzt habe ich einen Roman geschrieben, aber es musste raus.

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Dazu >> 

Ein Kommentar zum Bericht der Anhörung!  

Martina Tischler  

Die Öffentlichkeit weiß nicht, was in dieser Behörde passiert! Schon der Name ‚Interview‘ ist unfair! Es wird ganz unverschämt gegen Menschenrecht vorgegangen, psychologisch ausgefeilt nach Vorgaben der McKinsey Berater! 20.000.000 für diese Berater, die den Top Job im Namen unserer Regierung gemacht haben!
Die Presse weiß das, sie schweigt dazu!
Es ist das perfide Spiel um Menschen in Not!


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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

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Kommentare

  1. Miserabele Ratgeber diese McKinsey Truppe, man meint gerade, die wollen alles Rechstaatliche in DE abschaffen... Wenn man auf die hört endet man als Klein-Amerika und jetzt mal ehrlich, die USA können nur ein Vorbild sein, wie und was man NICHT tun sollte.

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  2. Das Gedächtnisprotokoll ist leider völlig unbrauchbar. Außer Empörung und Wertungen ist nichts enthalten. Wenn ihr Protokolle schreibt: lasst eure Empörung raus und konzentriert euch auf die Tatsachen! Damit kann ein Anwalt dann auch etwas anfangen. Was wurde wie gefragt? Hat der Dolmetscher ordentlich übersetzt? Wenn nicht, welche konkreten Umstände führen zu dieser Annahme? Wurden die Antworten vollständig protokolliert? Durfte der Antragsteller ausreden? Wurden Tränen oder sonstige Gefühlsausbrüche protokolliert? Usw. usw. Kein Mensch kann etwas mit einem elend langen Bericht anfangen, wo nur drinsteht "es war alles schrecklich"
    Interessant wäre auch, warum die Schwerbehinderung nicht durchgesetzt werden konnte und warum keine Betreuung eingerichtet wurde?!
    Das Schicksal des jungen Mannes ist furchtbar! Es scheint aber auch einer von zahlreichen Fällen zu sein, wo viele Unterstützer zwar sehr engagiert aber total inkompetent versagt haben :(

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