Afghanistan versinkt in der Gewalt // Thomas Ruttig in der taz Der Krankenwagen bringt Zerstörung // Aus gegebenem Anlass - Bitte unterstützt Pouya!

Afghanistan versinkt in der Gewalt
Das Land am Hindukusch hat eine besonders blutige Woche hinter sich. Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Sicherheitslage gibt es kaum.

Volker Pabst, Delhi 28.1.2018, 09:43 Uhr
Am Samstag kamen bei einem Selbstmordanschlag in Kabul mindestens
103 Personen ums Leben. (Bild: Rahmat Gul / AP)
Falls es einer Erinnerung bedurfte, wie prekär die Sicherheitslage in Afghanistan ist, so hat die vergangene Woche diese in aller Dramatik geliefert. Am Samstag sind bei einem Selbstmordanschlag der Taliban im Herzen Kabuls mindestens 103 Personen ums Leben gekommen, 235 weitere wurden verletzt. Am Mittwoch griffen Anhänger des lokalen Ablegers des sogenannten Islamischen Staates (IS) die Räumlichkeiten des Kinderhilfswerks «Save the Children» in Jalalabad im Osten des Landes an und töteten 5 Personen. Am Sonntag davor hatten die Taliban einen zwölfstündigen Angriff auf ein Luxushotel in Kabul durchgeführt, der 22 Opfer forderte. Daneben gab es in mehreren Provinzen des Landes weitere Angriffe mit Todesopfern, die in internationalen Medien gar nicht erst genannt werden.

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Anm.d.Blog-Redaktion: 

Und zwischendurch wurden mal eben 19 abgeschobene Afghanen direkt in Kabul (Flughafen) abgesetzt, das Flugzeug landete am 24.01.2018 in Kabul. Dies sollte dabei nicht vergessen werden.

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Zivilisten als Zielscheibe

Die Sicherheitslage hat sich seit dem Abzug des Grossteils der internationalen Truppen Ende 2014 im ganzen Land verschlechtert, besonders augenfällig ist die Entwicklung aber in der Hauptstadt Kabul. Die Zahl ziviler Opfer steigt dort laut der Uno jährlich im hohen zweistelligen Bereich. Im letzten Jahr kamen bei über 20 grossen Anschlägen mehr als 500 Personen ums Leben, mehr als 150 allein bei einem Anschlag im Mai im Diplomatenviertel, der die deutsche Botschaft weitgehend zerstörte. Im noch jungen Jahr 2018 ist die Bluttat vom Samstag bereits der dritte grosse Anschlag in Kabul.
Zivilisten sind dabei nicht nur sogenannte Kollateralschäden, sondern werden immer häufiger zur Zielscheibe. Der jüngste Anschlag des IS galt einer humanitären Organisation, die während Jahrzehnten Hunderttausenden von afghanischen Kindern geholfen hat und nun ihre Arbeit in Afghanistan einstellen musste. 

Im Hotel Intercontinental war gezielt Jagd auf ausländische Zivilisten gemacht worden. Während der IS mit seinen Anschlägen immer zu bezwecken scheint, grösstmöglichen Schrecken zu verbreiten, sind die Taliban in der Regel darum bemüht, ihre Taten als legitime Angriffe auf ihre Gegner, die internationalen Truppen und die mit ihnen verbündete afghanische Regierung zu rechtfertigen.

Doch letztlich stehen sich die beiden Terrororganisationen an Skrupellosigkeit in nichts nach. Zwar galt laut dem Communiqué der Taliban der jüngste Anschlag den Lokalitäten des Innenministeriums. Doch fand er zur Hauptgeschäftszeit auf einer stark frequentierten Strasse statt. Zudem benutzten die Angreifer einen Krankenwagen, um die Sicherheitsposten zu passieren. Selbst die grundlegendsten Regeln des Kriegsrechts scheinen bedeutungslos zu sein.

Trotz hohen zivilen Opferzahlen entrichten den höchsten Blutzoll aber die Sicherheitskräfte. Die «New York Times» zitiert Regierungsangaben, wonach 2017 10 000 Soldaten und Polizisten getötet und 16 000 weitere verletzt wurden.

Auch aufseiten der Aufständischen sind die Opferzahlen demnach fünfstellig. Dies ist schwer zu überprüfen, passt aber ins Bild einer massiv verstärkten Kampftätigkeit, seitdem die amerikanische Regierung ihre neue Strategie für Afghanistan vorgelegt hat. Die amerikanische Luftwaffe fliegt zurzeit so viele Angriffe wie zuletzt während der Hauptphase des Krieges, als fast 100 000 amerikanische Soldaten am Hindukusch stationiert waren. Zurzeit sind es 14 000.

Mehr Anschläge zu erwarten

Beobachter sehen die jüngsten Terroranschläge auch in diesem Zusammenhang. Die Aufständischen zeigen demnach, dass sie trotz dem erhöhten Druck nichts von ihrer Fähigkeit eingebüsst haben, auch in den Städten zuzuschlagen und dort selbst an Orten mit hoher Symbolkraft wie einem besonders gut gesicherten staatlichen Luxushotel. Auch Präsident Trumps kraftmeierischer Streit mit Pakistan vom Jahresbeginn, der letztlich auf die Taliban abzielte, und die Aussage der amerikanischen Uno-Botschafterin Haley, Friedensgespräche seien infolge der neuen amerikanischen Strategie in Reichweite, dürften demnach die Entschlossenheit der Aufständischen bestärkt haben, ihre Schlagkraft unter Beweis zu stellen.

Hinzu kommt eine innenpolitische Krise in Afghanistan, seitdem Präsident Ghani den mächtigen und selber Präsidentschaftsambitionen hegenden Gouverneur von Balkh, Atta Noor, abgesetzt hat, dieser sich aber weigert, seinen Posten zu räumen.

Im Juli sollen laut der Wahlkommission endlich die längst überfälligen Parlamentswahlen stattfinden, kommendes Jahr stehen die Präsidentschaftswahlen an. Was immer die langfristigen Pläne der Taliban zu Friedensverhandlungen sein mögen, die Umstände sind zurzeit günstig, um die Regierung in Kabul zu diskreditieren, indem sie deren Unfähigkeit offenlegen, die Sicherheit im Land zu garantieren. Es gibt wenig Grund zu hoffen, dass der Anschlag vom Samstag die letzte grosse Bluttat dieses Jahres in Afghanistan war.

Hier der Link zum Artikel von NZZ vom 28.01.2018 >>> 

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Thomas Ruttig in der taz
 

Der Krankenwagen bringt Zerstörung
Über hundert Menschen sind tot. Der Anschlag vom Wochenende in Afghanistans Hauptstadt Kabul dürfte innenpolitische Spannungen anheizen und der Opposition nützen

Von Thomas Ruttig 
 Anschlagsort in Kabul
Die Attentäter von Kabul kamen in zwei Rettungswagen. Die Polizisten an der ersten Straßensperre konnten sie noch überlisten, aber am zweiten Schlagbaum wurden sie gestoppt. Dort sprengten sich die Insassen eines der Wagen am Samstag in die Luft: Nach jüngsten Informationen des Kabuler Senders Tolo TV sind inzwischen bereits 103 Menschen gestorben, die Zahl der Verletzten stand am Sonntag bei 235. 
Ob der andere Wagen, der laut Afghanistans Innenminister Wais Barmak keinen Sprengstoff enthielt, entkam oder ebenfalls zerstört wurde, ist nicht bekannt. Das Attentat erinnert an den schweren Anschlag an der deutschen Botschaft vom Mai 2017, bei dem die Täter ähnlich vorgegangen waren.

Viele Krankenhäuser der Stadt sindan ihre Kapazitätsgrenze gelangt 


Die Zahl der Opfer dürfte noch weiter steigen, auch wenn – wie stets nach solchen Anschlägen – zahlreiche Kabuler Blut spenden, um Verletzte zu retten. Aber viele Krankenhäuser der Stadt sind an ihre Kapazitätsgrenze gelangt. Dazu zählen etwa das von der italienischen NGO Emergency betriebene gleichnamige Hospital, die erste Adresse in der Stadt für Notfallversorgung, sowie das nahe der Anschlagsstelle gelegene Dschumhuriat-Krankenhaus, von wo die beiden Ambulanzen auch gekommen sein sollen.

Die Taliban haben sich zu der Tat bekannt. Sie behaupten, sie hätten mehr als 90 Polizisten getötet. Zahlreiche Fotos in den Medien strafen sie jedoch Lügen: Dort sind ein Mann mit dem Kind im Kopfverband auf dem Arm zu sehen und eine junge Frau mit blutüberströmtem Gesicht, auf Twitter gepostete Fotos von Freunden unter den Opfern, darunter Ladenbesitzer und Studenten. 

Auch Personal des Dschumhuriat-Krankenhauses sowie einer Geburtsklinik sind unter den Opfern. Laut Minister Barmak sind etwa 200 der Verletzten Zivilisten. Der Anschlagsort am Südende der – früher bei Touristen und noch früher bei den Afghanistan durchquerenden Hippies beliebten – Chicken Street mit ihren Antiquitäten-, Ramsch- und Teppichläden liegt in Trümmern. Das war der dritte große Anschlag in Afghanistan und der zweite in Kabul binnen einer Woche. Seit dem 28. Dezember hat es landesweit acht gegeben, mit mindestens 219 Toten. Die Taliban und der örtliche Ableger des „Islamischen Staates“ (IS) teilen sich die Verantwortung.

Über das eigentliche Anschlagsziel lässt sich nur spekulieren. In dem Gebiet befinden sich eine Außenstelle des afghanischen Innenministeriums, die Vertretungen der Europäischen Union, Schwedens und Indonesiens sowie Residenzen führender afghanischer Politiker.

Der Anschlag könnte aber auch ein Versuch sein, politische Spannungen weiter anzuheizen. Seit Monaten wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung darüber, dass die Regierung von Präsident Aschraf Ghani und Exekutivchef Abdullah Abdullah nicht in der Lage ist, solche Anschläge zu verhindert.

Die Opposition um Atta Mohammed Nur, den von Ghani kürzlich abgesetzten Provinzgouverneur von Balch, dessen Zentrum Masar-i-Scharif ist, hat diese Stimmung aufgegriffen. Sie will daraus politisches Kapital schlagen und an die Macht zurückkehren. Neben Nur gehören zu diesen Kritikern der frühere Präsident Hamed Karsai sowie zwei ehemalige Geheimdienstchefs, die allerdings bei der Terrorismusbekämpfung auch nicht erfolgreicher waren.
 

Hier der Link zum Artikel der taz vom 29.01.2018 >>> 

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Nochmal aus gegebenem Anlass
Ahmad Pouya bittet um Hilfe 


Unterstützung für die Krebs-Behandlung von Pouyas Mutter

Ahmad Pouya, nach dem unser Blog benannt ist bittet um Hilfe für seine krebskranke Mutter 


Liebe Freunde, Familie und Bekannte,

Ich wende mich mit der Bitte um eure Unterstüzung an euch, um meiner Mutter die Behandlung ihrer Krebserkrankung zu ermöglichen.

Meine Mutter ist mir – wie wahrscheinlich den meisten von euch – eine der wichtigsten und liebsten Menschen der Welt. Leider wurde bei ihr vor Kurzem Gebärmutterkrebs diagnostiziert. Das erfordert eine zeitnahe Operation und eine Folgebehandlung vermutlich in Form einer Chemo- und oder Strahlentherapie.

Meine Mutter befindet sich in Afghanistan. Dort ist eine solch aufwendige Operation nicht möglich. Deshalb ist es erforderlich, dass sie die Operation in einem Nachbarland durchführen lassen kann. Das lässt leider auch die Kosten für diesen Eingriff steigen.

Mein Geschwister und ich kümmern uns nun um die Organisation und benötigen dafür finanzielle Unterstützung.

Die Kosten für die Reise werden vermutlich etwa 1500 - 2000 € betragen.

Für die Operation schätzen wir 5000 €.

Die Kosten für die Folgebehandlung lassen sich im Moment schwer voraussagen.

Mit eurem Beitrag könnt Ihr mir und meiner Familie den größten Herzenswunsch erfüllen – unserer Mutter die erforderliche Operation zu ermöglichen um sie noch möglichst lange in unserer Mitte zu behalten.

Mit nur einem Klick könnt Ihr Euch beteiligen.
Gebt soviel Ihr möchtet.
Alle Bezahlungen sind sicher mit SofortÜberweisung, VISA, Mastercard oder Giropay.
Warum Leetchi? Weil es übersichtlich, transparent und schnell ist.

Vielen Herzlichen Dank!


Euer Pouya
Hier der Link zum Hilfeaufruf von Ahmad Pouya >>> 

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