Afghanistan - Fast 100 Tote bei Anschlag in Kabul // Friedrich-Ebert-Stiftung "Afghanistan ist kein verlorenes Land" // "Auf ein Wort von Lemyie" zu Uganda - Ein guter Platz im Nirgendwo


Afghanistan

Fast 100 Tote bei Anschlag in Kabul 
   

Bei einem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach offiziellen Angaben mindestens 95 Menschen getötet worden.
Die Explosion sei in der ganzen Stadt zu spüren gewesen, heißt es in einem Medienbericht. Auf Bildern war eine hohe Rauchwolke zu sehen, die über dem Zentrum der Stadt aufstieg.


Die Detonation ereignete sich im Stadtzentrum nahe eines alten Gebäudes des Innenministeriums. (Foto: dpa)
Bei einer schweren Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach offiziellen Angaben mindestens 95 Menschen getötet und 158 weitere verletzt worden. Das teilte ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums mit. Zu der Tat bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Der Anschlag sei von einem Selbstmordattentäter verübt worden, der einen Sprengsatz in einem Rettungswagen versteckt hatte, erklärte das Innenministerium.

Demnach sei der Attentäter an einem ersten Kontrollpunkt durchgewunken worden, weil er angegeben habe, Patienten zum nahegelegenen Dschamuriate-Krankenhaus zu bringen. An einem zweiten Kontrollpunkt sei er aber "erkannt" wurden. Dort habe er dann seinen Sprengsatz gezündet.

Die Explosion sei in der ganzen Stadt zu spüren gewesen, hieß es im afghanischen Fernsehsender Tolo News. Auf Bildern war eine hohe Rauchwolke zu sehen, die über dem Zentrum der Stadt aufstieg. Ein Augenzeuge berichtete auf Twitter von "dem lautesten Knall, den ich je gehört habe".

Der Leiter der italienischen Hilfsorganisation Emergency, die eine Klinik für Kriegsverletzungen betreibt, schrieb auf Twitter: "Es ist ein Massaker." Emergency hat demnach mehr als 50 Verletzte bei sich aufgenommen.

Die Detonation habe sich im Stadtzentrum nahe eines alten Gebäudes des Innenministeriums ereignet, sagte ein Sprecher des Ministeriums. In der Gegend befinden sich auch die Gesandschaft der Europäischen Union, mehrere Botschaften - darunter die von Schweden, Indien und Indonesien - ein Gebäude des afghanischen Geheimdienstes und weitere Regierungsgebäude. 
 

Behörden warnten Ausländer vor möglichen neuen Anschlägen

Vor einer Woche hatten Kämpfer der radikalislamischen Taliban das Intercontinental-Hotel angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer, darunter auch eine Deutsche. Am Morgen hatten die afghanischen Behörden insbesondere Ausländer vor möglichen neuen Anschlägen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewarnt. Die IS-Kämpfer planen demnach Anschläge auf Supermärkte, Geschäfte und Hotels, die von Ausländern besucht werden.

Zuletzt hatte sich der IS zu einem Angriff auf die regionale Niederlassung der Kinderhilfsorganisation Save the Children am vergangengen Mittwoch bekannt. Dabei wurden vier Menschen getötet und 26 weitere verletzt.

Hier der Link zum Artikel der SZ vom 27.01.2018 >>>  
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Friedrich-Ebert-Stiftung
"Afghanistan ist kein verlorenes Land"

Mirco Günther im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Flüchtlinge aus Afghanistan werden in ihre Heimat abgeschoben. Mirco Günther, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul, findet das unverantwortlich. Er hält nichts davon, das Land einfach aufzugeben - auch wenn unvermindert schwere Anschläge die Städte erschüttern. 


Die Unbeirrbarkeit und der Mut, mit dem die Afghanen ihren Alltag meistern, beeindrucken Mirco Günther von der Friedrich-Ebert-Stiftung. (Emran Feroz)
  
Flüchtlinge aus Afghanistan werden in ihre Heimat abgeschoben. Mirco Günther, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul, findet das unverantwortlich. Er hält nichts davon, das Land einfach aufzugeben - auch wenn unvermindert schwere Anschläge die Städte erschüttern.

In Afghanistans Hauptstadt Kabul und in anderen Städten reißen die Anschläge nicht ab. Ein Hotel und die humanitäre Organisation Save the children waren diesmal das Ziel. Die Situation der Bürger ist dramatisch, auch für Ausländer ist das Leben in Afghanistan nicht ungefährlich. Ist es ein verlorenes Land – hat alle Unterstützung in den letzten Jahren nichts genützt?
 Afghanische Soldaten positionieren sich nahe dem Büro von Save the Children in Dschalalabad. (AFP/SHIRZADA)

Mirco Günther, der seit 2017 das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul leitet, hat einen realistischen Blick auf das Land und macht sich keine Illusionen – möchte aber von solchen Pauschalurteilen nichts hören. Gerade in den großen Städten habe sich in Sachen medizinische Versorgung und in der Armutsbekämpfung viel getan. Im Norden allerdings sei die Situation weitaus schwieriger. Dennoch sieht Günther seine Stiftung nicht auf verlorenem Posten.

"Vor allem, wenn man das Privileg hat, mit Afghaninnen und Afghanen zu arbeiten, dann ist man immer wieder beeindruckt über die Standfestigkeit und den Mut, mit dem sie jeden Tag ihren Alltag gestalten."
Nicht von Müdigkeit und Desinteresse leiten lassen

Bezogen auf Stiftungen und humanitäre Organisationen vor Ort sagte Günther weiter: "Was uns jetzt nicht leiten darf, sind Zynismus und Sarkasmus. Oder auch Müdigkeit und Desinteresse."

Flüchtlinge aus Afghanistan in der jetzigen Situation in ihr Heimatland zurückzuschicken, hält Günther für unverantwortlich. Vielmehr sollten die Natomitglieder, die in Afghanistan im Einsatz gewesen seien, all ihre Maßnahmen einer gründlichen Evaluierung unterziehen. Dies habe bislang nur Norwegen gemacht.
(mkn)
 
Hier der Link zum Artikel/Audio von Deutschlandfunk Kultur vom 25.01.2018 >>>  

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Von Lemyie

Angesichts der zahlreichen Schreckensnachrichten hungern anständige Menschen regelrecht nach einer Frohen Botschaft.
Hier wäre mal eine...

Sie räumt auch mit der Behauptung auf, die meisten afrikanischen Flüchtlinge wollten nach Europa bzw. nach Deutschland. Die weitaus meisten von ihnen schaffen es lediglich bis ins Nachbarland. Während 2015 weniger als 1,2 Millionen Flüchtlinge in Europa vorübergehend Aufnahme fanden, blieben 15,6 von weltweit über 60 Millionen geflüchteter Menschen in Staaten südlich der Sahara.

Und so ist die Freude über funktionierende Mitmenschlichkeit nicht ungetrübt. Hält uns das bitterarme Uganda doch erbarmungslos den Spiegel vor: Eines der reichsten Länder der Erde, das einen gewaltigen Handelsbilanzüberschuss verzeichnet und in dem sich 5,78 Billionen Euro in Privatbesitz befinden, ist nicht in der Lage, geflüchteten Menschen ein sicheres Zuhause zu bieten. Es bietet stattdessen Steuergelder in schwindelnder Höhe auf, um sich ihrer zu entledigen und/oder sie an einem Ort jenseits der deutschen Grenzen untergehen zu lassen.

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Uganda

 Ein guter Platz im Nirgendwo

Im Nordwesten Ugandas liegt Bidibidi - ein Ort, von dem auch Europa lernen kann, wie man mit Geflüchteten umgeht. Ein Besuch in dem Dorf, das zum größten Flüchtlingslager der Welt ausgebaut wird. 

Eine schmale Brücke führt in eine ungewisse Zukunft: Stella Akita, 19, (links)
und ihre Schwestern aus dem Südsudan waren zwei Wochen unterwegs. Foto: Anne Ackermann/Agentur Focus

 Der Weg in die Freiheit führt über eine schmale Holzbrücke. Stella Akita, 19, und ihre drei Schwestern sind an diesem Morgen unter den Ersten, die sie erreichen, hier am Grenzposten von Busia im Norden Ugandas. Bepackt mit dem, was sie tragen können, überqueren die jungen Frauen den Kaya. Der mäandert so friedlich durch die idyllische Hügellandschaft, als gäbe es den Krieg auf der anderen Seite des Grenzflusses nicht.

Die Gesichter der Geschwister wirken zuversichtlich, trotz der Müdigkeit. Keine der Frauen blickt zurück. Zwei Wochen zuvor haben sie ihrem Dorf Payawa südlich der südsudanesischen Hauptstadt Juba den Rücken gekehrt. Ein bisschen Kochgeschirr, Lebensmittel, fünf Hühner und ihre Matratzen nahmen sie mit. Weil der Krieg nun auch in Payawa wütet, sind sie gerannt. In Richtung Süden, nach Uganda, wie so viele Flüchtlinge vor ihnen.

An der Holzbrücke über den Kaya steht Emmanuel Emulit. Der groß gewachsene Mann mit der Statur eines Bodybuilders leitet den Grenzposten auf ugandischer Seite. Für jeden Ankömmling aus dem Südsudan findet er ein paar aufmunternde Worte. Die jungen Frauen begrüßt er lachend mit Handschlag und gibt kurz praktische Anweisungen: „Packt eure Sachen in den Schatten, ruht euch aus! Gleich kommt der Bus, dann geht’s ab ins Aufnahmelager!“

Dann dreht er sich um und raunt: „Ein paar Hundert werden es wohl heute.“ Aber das sei nichts im Vergleich zum Chaos im August 2016. „Wegen der Kämpfe um Juba sind damals jeden Tag Tausende über die Grenze geströmt. Die Holzbrücke war zu eng, also sind sie in Massen einfach durch den Fluss gewatet“, erzählt Emulit. Inzwischen sei es überschaubar geworden. Einfacher zu kontrollieren, was auch an der guten Logistik liege. Emmanuel Emulit hat das Flüchtlingsdrama, das sich seit Ende 2013 entlang der Grenze zum Südsudan abspielt, von Beginn an miterlebt.

Milizionäre der Warlods morden und plündern

1,8 Millionen Südsudanesen sind seitdem geflohen. Verantwortlich für die Kämpfe sind verfeindete Warlords in höchsten Staatsämtern, deren Milizionäre vergewaltigen, morden, Dörfer plündern und anschließend niederbrennen. Stadtbewohner werden verfolgt, weil sie den vermeintlich falschen Bevölkerungsgruppen – Dinka oder Nuer – angehören. Auf dem Lande hungern die Menschen, weil niemand mehr imstande ist, die Felder zu bewirtschaften. Wer nicht flieht, riskiert sein Leben.

Das Staatssystem des christlich dominierten Südsudans, der sich 2011 vom mehrheitlich muslimischen Sudan löste, ist längst zusammengebrochen. Religiöse Differenzen, mangelnde politische Teilhabe und wirtschaftliche Interessen hatten vor sieben Jahren zur Abspaltung vom Norden geführt – verbunden mit viel Hoffnung. Doch davon ist nichts mehr übrig: Inzwischen kämpfen Cliquen hochkorrupter Kriegstreiber von Präsident Salva Kiir mit denen seines 2016 abgesetzten Stellvertreters Riek Machar um die Ressourcen des Landes, um Macht und viel Geld, Korruptionsgeld. Während die Warlords am Krieg verdienen, treibt es ihr Volk in die Flucht – in die Nachbarländer, den Sudan und vornehmlich Uganda.
 Ugandische Frauen verkaufen in Bidibidi Mangos an Flüchtlinge aus dem Südsudan. Foto: Anne Ackermann/Agentur Focus
Im Nordwesten des armen Landes liegt heute ein Ort, von dem nicht zuletzt Europa lernen kann, wie man mit Flüchtenden umgeht: Bidibidi. Einst nicht mehr als ein Dorf, etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt, entsteht rund um die Gemeinde derzeit das größte Flüchtlingslager der Welt. 
Anders als viele Europäer denken, schaffen es die meisten afrikanischen Flüchtlinge gar nicht über das Mittelmeer, sondern bestenfalls ins Nachbarland. 15,6 Millionen Menschen, also etwa jeder vierte von mehr als 60 Millionen weltweit auf der Flucht, fanden 2015 Aufnahme in einem der Staaten südlich der Sahara. In Europa waren es im selben Jahr knapp 1,2 Millionen.

So viele wie in Uganda allein. Doch während in den reichen EU-Staaten weiter über Aufnahmequoten gestritten wird, hat sich das Land mit einem Pro-Kopf-Monatseinkommen von nur 42 Euro bereit erklärt, Flüchtlingen vor allem aus dem Südsudan großzügig Aufnahme zu gewähren – obwohl es dabei selbst an seine Belastungsgrenzen geht.

Bidibidi liegt inmitten sanft geschwungener Hügel und gleicht – trotz 270.000 Einwohnern – einem riesigen Dorf. Manche sitzen vor strohgedeckten Lehmhütten, auf der Straße toben Kinder. Ein paar Familien, die schon länger da sind, bestellen bereits ihre Äcker. Neuankömmlinge wiederum zimmern sich mit Planen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Notunterkünfte. Es gibt Schulen, Straßen, Kirchen, Krankenstationen und einen Kinderspielplatz im Lager.

Ganz hinter sich lassen freilich können auch die Lagerbewohner den Krieg nicht: Angehörige von Dinka und Nuer sind in weit voneinander entfernten Zonen des Lagers untergebracht. Freiwillige helfen, Streitigkeiten zu schlichten – und bei Registrierung sowie Essensverteilung.

Essensbeschaffung und -verteilung obliegen dem World Food Programme der Vereinten Nationen (WFP), die Wasserversorgung an öffentlichen Brunnen koordiniert größtenteils das UNHCR. Bäume fällen für Feuerholz ist unter Androhung von Strafe verboten. Noch verläuft alles geordnet.

„Das könnte sich schnell ändern“, sagt Robert Baryamwesiga, der Bidibidi und die umliegenden Camps im Auftrag der Regierung in Kampala leitet. So sei das Geld für die Versorgung schon jetzt knapp – Nahrungsmittelkürzungen sind die Folge. „Und es könnte bald noch viel knapper werden“, so Baryamwesiga. Sollte etwa US-Präsident Donald Trump wie vor einiger Zeit angekündigt die Ausgaben für Entwicklungshilfe drastisch kürzen, wäre schnell Schluss mit Ugandas großzügiger Flüchtlingspolitik: Laut UNHCR stammen rund 54 Millionen US-Dollar Soforthilfe aus den USA. Die EU gibt 4,4 Millionen, Deutschland 1,1 Million US-Dollar.

Regierung von Uganda setzt auf Integration

Möglichst schnell raus aus der Abhängigkeit, lautet deshalb der Ansatz in Bidibidi. Anders als im kenianischen Dadaab, wo seit drei Jahrzehnten 300.000 somalische Flüchtlinge am Tropf der Entwicklungshilfe hängen, setzt die ugandische Regierung auf Integration: Stella Akita und ihre Schwestern etwa haben das Recht, unmittelbar nach ihrer Registrierung eine Arbeit anzunehmen. An der Hauptstraße von Bidibidi sind Werkstätten entstanden, Kioske, Restaurants und Friseurläden. Familien erhalten Land zur eigenen Bewirtschaftung. Man sorgt vor – auch deshalb, weil die meisten Südsudanesen in Uganda bleiben werden, zumindest vorerst. 250 Quadratkilometer Fläche hat die Regierung für die Neuankömmlinge bereitgestellt.

Das allerdings sorgt auch für Konflikte mit den Alteingesessenen, schließlich lebt jeder dritte der rund 34 Millionen Einwohner Ugandas in extremer Armut. Vor allem in den ländlichen Gebieten ist die Not groß. Immer wieder gebe es Fälle von bettelarmen Menschen, die sich aus lauter Verzweiflung in den Aufnahmelagern als Südsudanesen ausgeben, erzählen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Die meisten seien Frauen mit Kindern. Für sie sei es nicht verständlich, warum den Flüchtlingen geholfen werde und ihnen nicht.

„Was ich von den Flüchtlingen halte?“, fragt Addi Mahazin und rückt den Plastikstuhl vor seiner Hütte zurecht. Seit Generationen lebt die Familie des 57-Jährigen in Kowanga, einem Dorf in der Nähe von Bidibidi. „Das sind Nachbarn, keine Fremden“, sagt er. Er könne sich noch gut an die späten 1970er und 1980er Jahre erinnern. „Da rannten wir um unser Leben wegen der politischen Unruhen in Uganda. Die Sudanesen haben uns damals aufgenommen.“

Über den Hof laufen ein paar Hühner, Mahazin deutet auf eine kleine Baumplantage hinter dem Haus. „Alles Bauholz, das ich demnächst nach Bidibidi verkaufe“, sagt er. Bevor die Flüchtlinge gekommen seien, habe er seine Teakhölzer bis nach Yumbe oder noch weiter karren müssen – ohne dass ihm dort viel abgenommen worden wäre. Aber jetzt, wo in Bidibidi überall gebaut werde, erhoffe er sich gute Geschäfte – auch deshalb, weil durch die Flüchtlinge Hilfsorganisationen ins Land kommen und mit ihnen Geld und Güter. Die ugandische Regierung stellt das Land zur Verfügung – und profitiert gleichzeitig vom wirtschaftlichen Aufbau in der traditionell dünn besiedelten Gegend. 
Auf dem Weg nach Bidibidi: Robert Mandela (Mitte) und seine Brüder Kenedy und Noel.
Foto: Anne Ackermann/Agentur Focus

Das Aufnahmelager von Goboro am späten Nachmittag, zehn Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Der Regen hat das im Wald gelegene Areal in eine Pfützenlandschaft verwandelt. Vier Zelte sind hier als Notunterkünfte hergerichtet, daneben eins für die Krankenversorgung sowie ein Küchenzelt und Zeltlatrinen. 

Busse stehen bereit, die die Neuankömmlinge nach einer warmen Mahlzeit und einer Nacht im Aufnahmelager weiter nach Bidibidi bringen. Ein Junge in Shorts und Badelatschen springt über die Pfützen, in seiner Hand hält er ein glimmendes Stück Holz. „Zum Feuermachen“, ruft er und deutet auf eines der Zelte. Dann muss er schnell weiter.

Keine zehn Minuten später ist er wieder zurück. „Robert Mandela aus Yei“, sagt er freundlich und streckt die Hand zur Begrüßung aus. Auf seinem viel zu großen T-Shirt steht in weißen Lettern „Humans are so interesting“. Sechs Tage haben er und seine Brüder Noel und Kenedy von der Stadt im Südwesten Jubas gebraucht, um über die Grenze zu gelangen, erzählt der 14-Jährige. „Tagsüber sind wir durch die Hitze gelaufen. Am Wegesrand haben wir Mangos gepflückt und gegessen. Nachts haben wir uns zum Schlafen in die Büsche geschlagen“.

In Goboro sind die drei Jungen ohne Gepäck angekommen; ihre Eltern haben sie bereits bei Beginn des Kriegs im Südsudan 2013 verloren. Zurück wolle keiner von ihnen, sagt Robert. Ihm beipflichtend schütteln die beiden anderen die Köpfe. Was er sich von Uganda erhoffe? Etwas zu essen, Gesundheit und zur Schule gehen damit später etwas aus ihm werde. 
In Freiheit leben wolle er auch, um die Angst loszuwerden. Und die Erinnerungen an den Krieg auf der anderen Seite der Grenze.

Hier der Link auf den Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 14.01.2018 >>>
Uganda - Ein guter Platz im Nirgendwo

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