Aufruf aus aktuellem Anlass: Unser Freund Baryalai muss bleiben! // Griechenland - Flüchtlingslager Moria: Elend zur Abschreckung? - eine europäische Katastrophe // Loben reicht nicht mehr - Asylhelfer üben im Landtag scharfe Kritik an der CSU-Politik

Unser Freund Baryalai muss bleiben!

Vorgestern erreichte unsere kleine Blog-Redaktion per PN folgende Meldung:

Bei uns in Bayreuth wurde gestern ein Afghane und guter Freund in Abschiebehaft genommen. Zum Glück kam er frei, ist aber fest für den Flug am 06.12. vorgesehen.
Der Anwalt kämpft.
Er ist seit 2011 in Deutschland, hat nie eine Straftat begangen, seine Tazkira gebracht und ist kein Gefährder.
Mit 5 Jahren flüchtete er mit seiner Familie in den Iran, kennt Afghanistan nicht und hat auch keine Familie in dem Land.
Wir sind entsetzt und fassungslos.
Wir kämpfen um unseren Freund.
Gleichzeitig wird offenbar, wie sehr die Regierung in punkto Abschiebung nach Afghanistan lügt.
...
Was wie dringend brauchen sind Spenden.
Unserem Freund wurde in den letzten Monaten als Druckmittel für die Vorlage eines Passes die Sozialhilfe auf 170 Euro gekürzt.
Die Arbeitserlaubnis schon vorher entzogen.

Wir haben uns sofort bereit erklärt, die Aktion zu unterstützen!

Baryalai, kein Straftäter, kein Gefährder, kein Identitätsverweigerer
- vorgesehen für den Abschiebeflieger am 6.12.2017

Baryalai ist 26 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren in Deutschland. In all den Jahren hat er sich nie etwas zu Schulden kommen lassen, hat immer gearbeitet, wenn er durfte und ist froh, dass er in Deutschland leben kann.
Baryalais Vater war in Afghanistan politisch aktiv. Als der Junge fünf Jahre alt war, wurde die Verfolgung durch die Taliban so gravierend, dass er mit einem Onkel in den Iran floh. Seitdem hat er nichts mehr von seinen Eltern gehört. Er befürchtet dass sie, wie andere Freunde und Familienmitglieder auch, von der Taliban getötet wurden.
Im Iran starb sein Onkel bei einem Autounfall, sodass Baryalai auf sich allein gestellt war.
Als er aus dem Iran nach Afghanistan abgeschoben werden sollte, floh er weiter. Er ist sich sicher, dass die Taliban ihn in Afghanistan töten würden.
2011 kam Baryalai nach Deutschland und stellte hier einen Asylantrag. Gleichzeitig versuchte er, sich eine Zukunft aufzubauen. Nachdem er 2014 für neun Monate beim BfZ einen Deutschkurs besucht und mit Erfolg abgeschlossen hat, besuchte er zwei Jahre lang die Mittelschule, die er 2016 abschloss. Neben der Schule arbeitete er in einem Restaurant. Er erzählt oft, wie viel Spaß ihm die Arbeit dort gemacht habe, da er gerne kocht und im Service arbeitet. Zudem hat er drei Monate als Schweißer gearbeitet. Baryalai ist vielseitig interessiert und kann flexibel in vielen unterschiedlichen Berufen arbeiten. Daher hat er die Zeit als Schweißer ebenso genossen. Er hätte eine Ausbildung zum Automechaniker antreten können, leider erteilte ihm die Ausländerbehörde keine Beschäftigungserlaubnis. Das macht  ihn sehr traurig. Ohne eine sinnvolle Aufgabe zu sein, das kann er sich nicht vorstellen. Für seine Zukunft in Deutschland wünscht er sich nichts sehnlicher, als eine Ausbildung machen und arbeiten zu dürfen.
Baryalai arbeitet immer weiter an seinem Deutsch, damit er sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen kann. Er wünscht sich eine Familie, dafür braucht er allerdings, so sagt er, ein sicheres Einkommen, damit er auch für seine Familie sorgen kann. Er ist ein sehr sozialer Mensch, der gerne Kontakt zu anderen pflegt. Jeden Tag trifft er seine Freunde aus Deutschland, Afghanistan und Russland. Sie sind, so sagt er, seine Familie in Deutschland.

Baraylais Geschichte aus der Zeit in seiner Heimat und über sein Leben in Deutschland macht deutlich: Er ist ein Mitglied unserer Gesellschaft. Er ist in Deutschland angekommen, wo er sich zu Hause fühlt und ein Leben in Sicherheit verbringen möchte. Er hat hart gearbeitet, um sich dieses Leben zu schaffen und hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass ihm eine Zukunft in Deutschland möglich ist. Diese Chance darf ihm nicht genommen werden! Baryalai darf nicht abgeschoben werden!

Erst ein Abkommen der EU mit Afghanistan machte Ende 2016 Abschiebungen nach Afghanistan wieder möglich. Das Land ist aber keineswegs sicherer geworden; Die Zahl der bei getöteteten Zivilisten in Afghanistan steigt seit Jahren stetig an. Im ersten Halbjahr 2017 gab es bereits fast so viele Tote wie im gesamten Vorjahr. Erst als Ende Mai auch die Deutsche Botschaft in Kabul Ziel eines Anschlags wurde, schränkte der Bundestag die Abschiebungen nach Afghanistan ein. Zwar sind Abschiebungen, trotz der sich immer weiter verschlechternden Sicherheitslage, weiterhin möglich. Die Abschiebungen wurden aber eingegrenzt auf Straftäter, Gefährder und Identitätstäuscher. Die neue Lagebeurteilung, der der Bundestag zugestimmt hat, können Sie hier nachlesen. Baryalai ist nicht vorbestraft, kein Gefährder und er hat seine Geburtsurkunde der Ausländerbehörde vorgelegt. Es ist uns unverständlich, warum das Innenministerium trotzdem versucht, ihn abzuschieben.

Machen Sie mit Ihrer Spende möglich, dass unser Freund bei uns bleiben darf und ihm seine Zukunft nicht genommen wird!

Hier der Link auf die Spendenaktion, eingerichtet von seinen Freunden. Bitte unterstützen! >>>
https://www.leetchi.com/c/baryalai-muss-bleiben

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Griechenland - Insel Lesbos 
Flüchtlingslager Moria:
Elend zur Abschreckung?
Für 2000 Menschen wurde das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos gebaut, über 6500 leben dort momentan. Journalisten ist der Zutritt verboten, MONITOR ist es trotzdem gelungen, im Lager verdeckt zu drehen.
 
Flüchtlingslager Moria auf Lesbos 
Die Recherchen dokumentieren ungenügende Ernährung, improvisierte Unterbringungen, besonders die hygienischen Verhältnisse und die medizinische Versorgung sind katastrophal. Hilfsorganisationen und Politiker werfen der EU und der griechischen Regierung vor, das Elend von Moria bewusst in Kauf zu nehmen, um mögliche weitere Flüchtlinge abzuschrecken.

Journalisten haben keinen Zutritt: Die griechische Regierung will nicht, dass Bilder aus dem Camp an die Öffentlichkeit geraten. MONITOR ist trotzdem reingegangen und hat verdeckte Aufnahmen gemacht.
Hier der Link zum Video von MONITOR vom 30.11.2017 >>>  
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Flüchtlinge
 Loben reicht nicht mehr  
Asylhelfer üben im Landtag scharfe Kritik an der CSU-Politik 
Von Dietrich Mittler (SZ) 

Regierungspräsident Karl Michael Scheufele

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU)
Auf der Westseite des Steinernen Saals im Landtag hängt ein wuchtiges Werk des Malers Wilhelm von Kaulbach. Es stellt die Seeschlacht von Salamis dar. Bevor am Dienstagabend in der Reihe "Der Landtag im Gespräch" Politiker und mehr als 300 Asylhelfer aus ganz Bayern zur Diskussion schritten, gab Moderator Achim Bogdahn Regieanweisungen zum Gesprächsverlauf: "Kontrovers, aber bitte friedlich und nicht so wie auf dem Gemälde von Kaulbach." Es blieb friedlich - abgesehen von einigen scharfen Worten durch Zwischenrufer. Kernaussage: 
Die Politik missbraucht uns ehrenamtliche Asylhelfer. Oder: Wir müssen die Probleme lösen, die der Staat zu lösen versäumt.

Erneut wurde deutlich, dass Bayerns Flüchtlingshelfer der CSU-Asylpolitik zunehmend überdrüssig sind und dass sie dies jetzt auch klar so ansprechen. 
Durch die vom bayerischen Innenministerium gegebenen Anweisungen an die Ausländerbehörden im Freistaat werde vielen jungen Flüchtlingen systematisch der Zugang zu einer Berufsausbildung verbaut. Gar nicht zu reden von jenen geduldeten Flüchtlingen, denen die Arbeitserlaubnis wieder entzogen worden sei. Mühsame und erfolgreiche Integrationsarbeit werde so zunichte gemacht - und das, obwohl auch an diesem Abend ein Vertreter des bayerischen Handwerks auf dem Podium kundtat: "Wir hätten für jeden Ausbildungswilligen eine Perspektive."

Hinzu kommt bei den Helfern der Ärger über die überbordende Bürokratie. Durch sie werde den Asylbewerbern, aber auch ihren ehrenamtlichen Unterstützern, das Leben schwer gemacht. "Die Flüchtlinge werden mit Schreiben konfrontiert, die auch uns gut gebildeten Mittelstandsdeutschen die Haare zu Berge stehen lassen", hieß es.

Bemüht versuchte die Gastgeber-Seite, repräsentiert durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU), die Wogen zu glätten. Bislang stets bewährtes Rezept bei Asylhelfern: loben, loben, loben. Erfolge herausheben. Das Positive sehen. "Bewundernswert, mit welchem Elan Sie da rangehen", sagte etwa der schwäbische Regierungspräsident Karl Michael Scheufele. Doch garstig war die Reaktion, als Scheufele darzulegen versuchte, die bayerische Asylpolitik sei gar nicht restriktiv, und die Rechtslage sei "in ganz Deutschland gleich". "Nein!", schallte es da lautstark zurück. Scheufeles "Doch! Doch!" ging unter.

Nur etwas mehr als eine halbe Stunde blieb den Asylhelfern dann Zeit, an nahezu 40 runden Tischen ihre Forderungen zu diskutieren und auf einem Zettel schriftlich festzuhalten. Die schwierige Wohnungssuche für anerkannte Asylbewerber kam da zur Sprache. Und immer wieder die Flüchtlinge, die vom Freistaat zum Nichtstun gezwungen werden. "Wir müssen den Köpfen was zu tun geben, bevor sie auf dumme Gedanken kommen", hieß es etwa.

Am Ende der Veranstaltung fragten sich etliche Flüchtlingshelfer: "War das nun eine Feigenblatt-Veranstaltung, oder bewegt sich jetzt endlich die Politik?" Aber sie erlebten eben auch eine nachdenkliche Landtagspräsidentin. Stamm hielt nicht damit hinter dem Berg, dass sie die von den Asylhelfern geschilderten Probleme beunruhigen. 

Hier der Link zum Artikel der SZ vom 29.11.2017 >>> 

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Keine weiteren Deportationen!!

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Kommentare

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Schmuseveranstaltungen für Asylhelfer gehören zum System! Vorn werden sie gelobt (fehlt noch die Wilhelm-Leuschner-Medaille für besondere Verdienste), hinten fällt man ihnen in den Rücken und sabotiert ihre Arbeit! In Einzelfällen scheut man nicht mal davor zurück, sie finanziell zu ruinieren!
    Was soll das Ganze? "Die Rechtslage ist in Deutschland gleich." Richtig! Herr Scheufele vergaß leider das Geständnis, dass sich Bayern um die geltende Rechtslage einen Dreck schert, ebenso wie um die immer wieder geäußerten Interessen und Bedürfnisse der Wirtschaft! Er vergaß ebenso zu erwähnen, dass das durch unser Grundgesetz jedem Menschen (nicht nur Deutschen mit Ariernachweis) garantierte Recht auf Leben und Unversehrtheit vor allem in Bayern praktisch keine Anwendung mehr findet. Vor diesem Hintergrund von einem Mann wie Herrn Scheufele zu erwarten, hinter einem Abschiebefall einen lebendigen, atmenden Menschen namens Baryalai wahrzunehmen, ist eindeutig zu viel verlangt!

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