Afghanistan - Ein Land verliert seine Journalisten // Flüchtlingspolitik - Libyen: Amnesty International attackiert EU scharf // Libysche Regierung lehnt Soldaten aus Europa ab

Afghanistan 
Ein Land verliert seine Journalisten
In den vergangenen zwei Jahren sollen mehr als 300 afghanische Medienschaffende nach Europa geflüchtet sein - darunter auch Shakila Ebrahimkhil. Ihre Geschichte zeigt die Gefahren, denen Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan ausgesetzt sind.
 Afghanische Journalisten fotografieren die Leichen von Mitgliedern der Taliban-Bewegung, die 2015 einen Anschlag auf das afghanische Parlament in Kabul verübt hatten. 
(dpa / EPA / Jawad Jalali)
Es gibt kaum jemanden in Afghanistan, der sie nicht kennt. Wenn es um Menschenrechte, Korruption oder Gewalt gegen Frauen geht: Shakila Ebrahimkhil mischt sich ein und berichtet darüber.

"Der Grund dafür, dass ich unbedingt Journalistin werden wollte, ist die Tatsache, dass ich zu der Kriegsgeneration in Afghanistan gehöre. Während des schrecklichen und diktatorischen Regimes der Taliban konnte man nur einen BBC-Sender empfangen und das heimlich. Diejenigen, die die Möglichkeit hatten, versammelten sich um das Radio und lauschten jeder Nachricht. Das gab ihnen Hoffnung. Damals habe ich den Wert von Nachrichten und Informationen erkannt und mich entschieden, die Stimme meines Volkes zu sein und Journalistin zu werden." 
 Shakila Ebrahimkhil, eine afghanische Journalistin
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Anm.d.Blog-Redaktion:
Das Foto von Frau Ebrahimkhil haben wir zusätzlich in den Artikel eingefügt. 
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Vielen passt die kritische Berichterstattung nicht
Die Star-Reporterin Ebrahimkhil war eine der ersten Frauen, die nach der Ära der Taliban an der Kabuler Universität Journalismus studierten. Nach ihrem Studium arbeitete die dreifache Mutter für den größten afghanischen Privatsender TOLO News. Wegen der Brisanz ihrer Berichte war Shakila Ebrahimkhil ständig in Lebensgefahr. Radikal-Islamisten, Menschenrechts- und Demokratisierungsgegnern passt die kritische Berichterstattung des Senders nicht, und sie werfen ihm vor, Unwahrheiten und Verleumdungen gegen den Islam zu verbreiten.

Den zahlreichen Drohungen, denen TOLO und andere unabhängige Medien in Afghanistan täglich ausgesetzt sind, sind sich deren Macher oft gar nicht bewusst. Erst im Ernstfall zeigt sich dann, wie gefährlich das Leben der Journalisten ist. Shakila Ebrahimkhil erinnert sich.

"Am 20. Januar 2016 haben die Taliban auf das Fahrzeug unseres Senders einen Anschlag verübt, in dem unsere Kollegen auf dem Nachhauseweg waren. Sieben von ihnen wurden getötet und andere schwer verletzt. Unter den Ermordeten waren junge, aktive und engagierte Frauen. Das war für mich sehr schwer. Auch mein Fahrer, der mich oft nach Hause gebracht oder abgeholt hat, war unter ihnen. Nach diesem Ereignis haben die Taliban über diverse Netzwerke angekündigt, dass ich ihr nächstes Ziel sei. Das alles hat mich sehr entmutigt. Ich habe in meinem Beruf schon so manche Schwierigkeiten gehabt. Jetzt bekam aber alles eine neue Dimension. Ich hatte große Angst. Vor allem wegen meiner drei Kinder. Ich wollte nicht, dass ihnen etwas passiert und dass sie Opfer meiner Arbeit würden. Wenn sie auf dem Weg zur Schule waren und etwas vorfiel…Wir waren sehr eingeschränkt. Denn aus den Drohungen hätte zu jeder Zeit Ernst werden können." 

Menschen wenden sich an Medien statt an Behörden

In Afghanistan sind Medien und Journalisten vielen ein Dorn im Auge. Denn nicht selten kommen Verbrechen erst ans Licht, weil Journalisten über sie berichtet haben. In Afghanistan ist es größtenteils den Medien zu verdanken, dass es zu Fortschritten bei der Aufklärung von Verbrechen kommt. Wird jemand in einem Bericht namentlich mit einer Straftat verbunden, kommt das einem Ehr- und Gesichtsverlust gleich. Die Folgen sind für die Täter oft gravierender als eine Haft- oder Geldstrafe.

Auch Shakila Ebrahimkhil bekam zu spüren, dass sie durch ihre mutige Berichterstattung viele Gegner hat. Andere wiederum setzten große Hoffnung in sie.

"Eines Tages rief mich ein Mann aus der Provinz Takhar an. Er erzählte mir, dass ein Kommandant seine zwei Nichten entführt und eins der Mädchen auf der Flucht erschossen hätte. Ich ließ den Mann nach Kabul kommen und forderte die zuständigen Behörden auf, ihm zu helfen und machte eine Reportage zu dem Fall und die Willkür der Sicherheitsorgane. Daraufhin ließ der Kommandant das Mädchen frei. Ja, viele Menschen haben kein Vertrauen in die Behörden, sie wenden sich eher an die Medien und an uns Journalisten." 

Regierung schützt Journalisten nicht ausreichend 
Im Vergleich zu anderen Institutionen verzeichnet der Mediensektor in Afghanistan die größte Entwicklung der letzten Jahre und ist dadurch ein wichtiges Aushängeschild des Landes. Davon profitiert auch die afghanische Regierung. Dennoch werden die Journalisten nicht ausreichend geschützt.

"Viel Hoffnung auf die Unterstützung der Regierung gibt es nicht. Sie sagt, dass sie alles, was in ihrer Macht steht, tut und zu mehr nicht in der Lage ist. Ich habe mich auch an andere Institutionen gewandt und darum gebeten, mir zu helfen und wenigstens meine Kinder an einen sicheren Ort zu bringen, damit ich meine Arbeit fortführen kann. Aber auch das konnte mir nicht gewährt werden. Für mich ist es sehr schwierig und traurig, da ich meine Arbeit wirklich liebe und aus Überzeugung Journalistin bin. Ich stand unter enormen Druck und musste Afghanistan deshalb verlassen." 

Hier der Link zum Artikel vom Deutschlandfunk vom 11.12.2017 >>> 
  
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Flüchtlingspolitik Libyen
Amnesty International attackiert EU scharf
Amnesty International (AI) hat an die EU-Staaten appelliert, ihre Zusammenarbeit mit Libyen zu überdenken und den dort gestrandeten Migranten legale und sichere Wege nach Europa zu eröffnen. Besonders kritisch sieht die Menschenrechtsorganisation die europäische Unterstützung für libysche Behörden, die etwa Afrikaner bei der Fahrt über das Mittelmeer stoppen, um sie letztlich dann in Libyen zu internieren.

© Getty Images/AFP/T. Jawashi Flüchtlingspolitik:
Amnesty International attackiert EU scharf

Amnesty International (AI) hat an die EU-Staaten appelliert, ihre Zusammenarbeit mit Libyen zu überdenken und den dort gestrandeten Migranten legale und sichere Wege nach Europa zu eröffnen.

Besonders kritisch sieht die Menschenrechtsorganisation die europäische Unterstützung für libysche Behörden, die etwa Afrikaner bei der Fahrt über das Mittelmeer stoppen, um sie letztlich dann in Libyen zu internieren. 

Die EU unterstütze dabei auch Stellen, die häufig mit Schleusern zusammenarbeiteten und Flüchtlinge und Migranten folterten, erklärte Amnesty. 

Bis zu 20.000 Menschen würden in Haftzentren in Libyen festgehalten. Sie seien Folter, Zwangsarbeit, Erpressung und Tötung ausgesetzt. Die europäischen Regierungen hätten nicht nur Kenntnis davon, sagte der AI-Europa-Vorsitzende, John Dalhuisen. Sie machten sich dieser Verbrechen mitschuldig. 

Europäische Staaten haben diesen Weg eingeschlagen, um die illegale Einwanderung aus Afrika über das Mittelmeer zu stoppen, lautet die offizielle Lesart. So wird die Küstenwache ausgebildet und Millionen Euro fließen an UN-Hilfsorganisationen, um die Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern in dem nordafrikanischen Land zu verbessern.

John Dalhuisen /  © Provided by Deutsche Welle

Als Sklaven verkauft
Doch Hilfsorganisationen berichten schon länger über Misshandlungen und Zwangsarbeit dort. Ein Medienbericht, nach dem in Libyen Flüchtlinge als Sklaven verkauft werden, hatte vor kurzem für Aufsehen gesorgt und war auch Thema beim EU-Afrika-Gipfel in der Elfenbeinküste.

Einreise kriminalisiert

Libyen ist nach dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi ein weitgehend rechtloser Staat, in dem mehrere Milizen um die Vorherrschaft ringen. Das Land ist zugleich die wichtigste Durchgangsstation für afrikanische Migranten, die in die EU gelangen wollen. Und dabei ihr Leben riskieren. Amnesty International hält es für eine Fehlentwicklung, dass diese - zwar unrechtmäßige - Einreise kriminalisiert wird.

Hier der Link auf den Artikel  der DW vom 12.12.2017 >>>
Flüchtlingspolitik: Amnesty International attackiert EU scharf

ml/qu (rtr, epd)

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Libyen

Libysche Regierung lehnt
Soldaten aus Europa ab

Berlin (dpa) - Die international anerkannte libysche Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch ist gegen eine europäische Militäroperation, um in Libyen festgehaltene Migranten zu retten. "Wir sehen nicht, dass es eine militärische Lösung geben kann", sagte Al-Sarradsch am Donnerstag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Das habe er auch dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron gesagt.

Libyen gehört zu den wichtigsten Transitländern für Migranten
auf dem Weg nach Europa. Foto: Stringer. (Quelle: dpa) 
Macron hatte angesichts von Berichten über "Sklavenauktionen" in Libyen Ende November erklärt, die EU und die Afrikanische Union planten konkrete Militär- und Polizeieinsätze, um diese Menschen zu befreien. Der US-Fernsehsender CNN hatte zuvor Aufnahmen mit versteckter Kamera veröffentlicht, die zeigen sollen, wie Flüchtlinge aus Nigeria in Libyen als Sklaven verkauft wurden.

Nach Angaben von Al-Sarradsch leben aktuell 20.000 Menschen in 42 libyschen Flüchtlingslagern, "die dem Innenministerium zugeordnet sind. Dort sei man offen für die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen. Außerhalb dieser Lager lebten aber noch mehr als 500.000 weitere Flüchtlinge "unter schlechten humanitären Bedingungen".

Die von Deutschland anerkannte Regierung hat kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus. Libyen ist Haupttransitland für Migranten, die versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Merkel sagte, sie habe Al-Sarradsch darum gebeten, "dass die Schiffe, die in der Seenotrettung beschäftigt sind, nicht bedroht werden". Ein Flüchtlingsrettungsschiff der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms war im August nach Angaben der Helfer im Mittelmeer von der libyschen Küstenwache mit Warnschüssen bedrängt worden.

Merkel sagte, die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sollten zu Flüchtlingslagern auch in Gebieten, auf die Al-Sarradschs Regierung "Zugriff hat", "noch mehr Zugang" erhalten. Merkel und der libysche Regierungschef sprachen sich beide für eine verstärkte Rückführung von Migranten aus Libyen in ihre Herkunftsländer aus. IOM hat seit Jahresbeginn mehr als 8800 Migranten geholfen, von Libyen in ihre Heimat zurückzukehren. Die meisten von ihnen stammten aus Nigeria und Gambia.
Hier der Link von T-Online vom 07.12.2017 >>> 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

Mittelmeer-Rettung

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