Abschiebeflieger 06.12.2017 nach Afghanistan... Dazu: Baryalai... // Asylbewerber im Pflegeheim - Katastrophenhilfe aus Afghanistan // Merkels neuer Plan für Libyen ist aktionistisch und naiv

Heute, am 6.12., startet der nächste Abschiebeflieger
ab Frankfurt nach Afghanistan

Stellvertretend für alle Meldungen, in denen sich aus Sicht von direkt oder indirekt Betroffenen dazu geäußert wurde, die von Lothar, aus unserer Pouya-FB-Gruppe. Er schrieb gestern:

Weihnachten steht vor der Tür und unsere Regierung will morgen 78 junge zum größten Teil anständige und gut integrierte Menschen in den Tod schicken. Menschen, die schon zum größten Teil in die von der Regierung geplünderte Rentenkasse einzahlen.
"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht"

Seinen Worten fügte er diese Presseerklärung der "Matteo - Kirche und Asyl" bei:

Dazu: Artikel der Radio Mainwelle 104.3 vom 05.12.2017 >>> 

Abschiebung: 26-Jähriger soll nach sechs Jahren
Bayreuth zurück nach Kabul

5. Dezember 2017 
In Bayreuth kämpft der Verein „Bunt statt Braun“ gegen die Abschiebung eines jungen Mannes aus Afghanistan. Offenbar soll der 26-jährige „Baryalai“ noch in dieser Woche in ein Flugzeug nach Kabul gesetzt werden. Der Afghane, der als gut integriert gilt, lebt seit sechs Jahren in Bayreuth und arbeitete in einem Lokal am Markt. Kritisiert wird die geplante Abschiebung auch von Anna Westermann, der Dekanatsbeauftragten für Flüchtlingsarbeit. Westermann bemängelt die Arbeit der Behörden in diesem konkreten Fall und hält Afghanistan für komplett unsicher:  „Es ist nach wie vor ein Kriegsland. Es kommt permanent zu Anschlägen, es werden Menschen getötet, sie kommen zu Schaden. Die Lage ist volatil. Es gibt eine weltweite Reisewarnung für dieses Land und es gibt nach wie vor die Reisewarnung unseres Auswärtigen Amtes.“

Anm.d.Blog-Redaktion:
Es ist ein beschämender, grausamer, bösartiger, verlogener und unmenschlicher Akt. Ein Akt gegen gegen Menschenrechte. Ein Vorgehen, dass wir zutiefst verachten und mit einer riesigen Wut und Trauer im Bauch zur Kenntnis nehmen. Was tut man diesen Menschen nur an? Es ist unerträglich. Zum Zeitpunkt der Artikelerstellung besteht noch ein Funken Hoffnung, dass es nicht soweit kommt und die Abschiebung von Baryalai verhindert wird. Wir haben keine Worte...

Ein Link auf die Aktion auf der Plattform Leetchie >>> https://www.leetchi.com/c/baryalai-muss-bleiben

Asylbewerber im Pflegeheim

 Katastrophenhilfe aus Afghanistan


Ein Afghane macht in Neubrandenburg eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Er hofft auf eine Zukunft, Deutschland auf eine Lösung für den Fachkräftemangel. Aber es ist unklar, ob er bleiben darf.
 
Spiegel-Online

8.35 Uhr, ein sonniger Herbstmorgen in Mecklenburg-Vorpommern. Zia Hayafi, 20, hievt eine zierliche alte Frau von ihrem Bett in den Rollstuhl. Er muss sich beeilen, andere warten noch auf ihr Frühstück. Trotzdem nimmt er sich Zeit, um ganz ruhig an ihr Ohr zu sprechen: "Haben Sie gut geschlafen?" Die Frau im grünen Wollpullover nickt abwesend. Dann schiebt der Afghane sie durch den Flur in den Speisesaal.

Seit Anfang Juni macht Zia Hayafi im Pflegeheim am Oberbachzentrum in Neubrandenburg eine Ausbildung zum Kranken- und Altenpflegehelfer. Die Bewohner sind überwiegend dement.

Laut dem "Pflegereport 2030" der Bertelsmann-Stiftung werden in fünfzehn Jahren etwa eine halbe Million Vollzeit-Pflegefachkräfte fehlen. Zia Hayafi ist einer von denen, die die Katastrophe abwenden sollen. Seinen Ausbildungsplatz hat er von der Gesellschaft für nachhaltige Regionalentwicklung und Strukturforschung - kurz Genres - vermittelt bekommen. Ein Genres-Projekt soll unter anderem Flüchtlinge aus ganz Mecklenburg-Vorpommern an das Berufsfeld "Pflege" heranführen.

Versorgung mit Essen und Trinken, leichte Körperpflege sowie Blutdruck messen gehören zu den täglichen Aufgaben von Zia Hayafi. Seine 18-monatige Ausbildung zum Kranken- und Altenpflegehelfer erfolgt mit individueller sozialpädagogischer Betreuung. Der Aufwand, um eine Genres-Stelle zu besetzen, ist enorm: Vorbereitungskurs, Vermittlung an potenzielle Arbeitgeber, Klärung mit dem Sozialamt, der Ausländerbehörde, dem Asylbewerberheim oder der Wohnungsgesellschaft. 
Im ersten Lehrjahr erhält Zia Hayafi 500 Euro Lehrgeld im Monat. Seine Sozialarbeiterin hat für ihn 100 Euro Wohngeld beantragen können. Für sein Bett im Asylbewerberheim zahlt Zia Hayafi sieben Euro pro Tag. Ein deutsches befreundetes Ehepaar unterstützt ihn mit einem Zuschuss für seinen Anwalt und sein Telefon.

Als er sich am ersten Tag seiner Ausbildung auf den Weg zur Arbeit machte, war Hayafi flau im Magen: Was, wenn er einem Bewohner auf die Toilette helfen muss und der dabei umfällt? "Ich bin so klein", sagt er. Mintgrüne Pflegekleidung bedeckt den drahtigen Körper, der es kaum auf mehr als 1,60 Meter bringt. Hayafi lächelt verlegen.

In seinem früheren Leben arbeitete er als Polizist. Er holt sein Mobiltelefon aus der Hosentasche hervor und zeigt ein Foto von sich in schwarzer Uniform, in der Hand hält er eine schwere Maschinenpistole. Er sei selten im Einsatz gewesen, sagt er. Sein Vorgesetzter sei in zwielichtige Geschäfte verwickelt gewesen, Genaueres mag er nicht erzählen. Als es hieß, "der Kommandant werde seinen Sohn zu ihm schicken", sei er geflohen.

Hayafis Familie gehört der ethischen Minderheit der Hazaren an, einem mongolischen Volk, das den shiitischen Glauben pflegt und immer wieder Opfer von Diskriminierung wird. Der Vater starb vor Jahren, getötet von den Taliban. Seine Brüder sind irgendwo in Pakistan, wo genau, weiß Hayafi nicht. Von seiner Mutter, die in der Heimatstadt Ghazni blieb, hat er seit drei Monaten nichts gehört. Sein Blick schweift für einen kurzen Moment ziellos durch den Raum. 

Nun fehlt noch Brigitte Seeck, die älteste Bewohnerin des Pflegeheims. Über ihrem Bett hängt eine Ehrenurkunde zu ihrem 95. Geburtstag, unterschrieben im Sommer vom ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering. Die Frau mit den weißen Haaren bekommt nur noch Flüssignahrung. Als sie fertig ist, hält Zia Hayafi vorsichtig ihr Gesicht in seinen Händen. Ihre Haut ist blass und in weiche Falten geschlagen, zart wie Seidenpapier.

Menschlichkeit im Pflegealltag

Wie ein Neugeborenes fixiert sie seinen Blick. "Alles gut so?", fragt er und lächelt die ausbleibende Antwort weg. Brigitte Seeck schiebt den Unterkiefer unentwegt vor und zurück, als wolle sie etwas sagen. Sie scheinen wortlos miteinander zu kommunizieren. Zia Hayafi rückt vorsichtig ihr Kopfkissen zurecht. "Ich mag alte Menschen", sagt er. "Wenn ich so alt bin, möchte ich auch jemand Nettes um mich haben, der sich um mich kümmert."
 
Und plötzlich ist sie da - die Vorstellung, später einmal selbst im Kreise fremder Menschen auf den Tod zu warten. Wird man dann so jemand liebevollen wie Zia Hayafi um sich haben? Dessen Menschlichkeit sich durch die Probleme des Pflegealltags zwängt wie ein Passagier in ein übervolles Zugabteil?

Laut Statistik müsste sich jeder dritte Auszubildende in Deutschland derzeit für die Altenpflege entscheiden, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Real tut es schätzungsweise nur jeder Elfte. "Ach was, eher jeder Fünfzehnte", sagt Pflegedienstleiterin Regina Bodenschatz. Die Mittfünfzigerin lehnt sich im Stuhl ihres Büros zurück. Seit 1996 arbeitet sie im Oberbachzentrum. "Keinen anderen Beruf möchte ich machen", sagt sie. Die familiäre Atmosphäre sei super.

Seit zwei Jahren spüren Regina Bodenschatz und ihre Kollegen aber einen Rückgang an geeigneten Bewerbern. "Der Schnellste war nach 20 Minuten wieder draußen." Schichtdienst, Wochenend- und Feiertagsarbeit - der erste Knick komme, wenn ein Kollege ausfällt und die Auszubildenden drei Wochenenden hintereinander arbeiten müssten. Auch mit dem emotionalen Verlust müsse man umgehen lernen. "Ist ein harter Beat hier bei uns."

Ihm droht jederzeit die Abschiebung

In Afghanistan pflegte Hayafi seinen Großvater bis zum Tod. Ein Altersheim wie dieses hier kennt er aus seiner Heimat nicht. Flüchtlinge brächten oft außergewöhnlich viel Empathie mit, sagt Bodenschatz, mehr als Deutsche. "Es ist leider so", sagt sie und es ist ihr merklich unangenehm, das zu sagen. Sie sucht nach einer Erklärung: "Ich glaube, viele haben noch eine andere Achtung vor dem Alter als wir Deutsche. Es ist dort viel ausgeprägter, sich umeinander zu bemühen."

Derzeit ist unklar, ob Zia Hayafi die Ausbildung beenden wird. Er darf sich in Deutschland aufhalten, weil sein Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Doch ihm droht jederzeit die Abschiebung. Gegen seinen ersten Ablehnungsbescheid auf Asyl hat er Revision eingelegt. "Ich möchte gutes Geld verdienen und ein Haus kaufen", sagt Zia Hayafi. Nach Afghanistan wolle er nicht mehr zurück.

Der kleine Raum im Flüchtlingsheim, den Hayafi sich mit einem anderen Afghanen teilt, ist spärlich eingerichtet. Manchmal wünscht er sich etwas mehr Ruhe zum Lernen. Er zeigt auf ein A4-Blatt, das an der Wand klebt. Seine Dienste und seine Schultage sind in unterschiedlichen Farben vermerkt. "So weiß ich immer: Was mache ich heute?" Er lächelt. "Das ist gut."
 

Hier der Artikel von Spiegel-Online vom 01.12.2017 >>> 

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Merkels neuer Plan für Libyen
ist aktionistisch und naiv
Die jüngste Initiative mit Macron dürfte wirkungslos bleiben. Dann müssten EU und Nato über ein begrenztes militärisches Engagement in Libyen nachdenken. Das Land darf nicht noch tiefer ins Chaos sinken.
Angela Merkel

Die Existenz von Sklavenmärkten in Libyen ist den EU-Regierungen seit Langem bekannt und wurde in Wahrheit stillschweigend hingenommen. Jetzt veröffentlichte CNN erstmals Bilder, nun gerät der Westen unter Druck. 
Ergebnis ist ein neuer Evakuierungsplan für Migranten, der die Menschen möglichst schnell wieder aus Libyen hinaus bringen soll.

Es ist gut, dass sich der Westen mehr um die Hölle in Libyen kümmern will. Aber man merkt dem neuen Evakuierungsplan an, dass er maßgeblich in den Wärmestuben der Pariser und Berliner Ministerialbürokratie angedacht und unter Zeitdruck beim EU-Afrika-Gipfel in Abidjan gestrickt wurde.

"Wir haben verstanden, wir tun was", heißt die Botschaft, die die Europäische Union damit senden will. Aber es gibt kaum Hoffnung, dass Merkels und Macrons Pläne für Libyen aufgehen werden. Sie setzen voraus, dass es dort eine staatliche Ordnung und geregelte Verfahren gibt. Beides ist nicht der Fall. Das Land wird vielmehr zerfressen von Anarchie und Bürgerkrieg.

Merkels neuer Evakuierungsplan ist naiv und aktionistisch. Warum?

Erstens: Viele Flüchtlinge sitzen in von Schleusern und Milizen kontrollierten Privatgefängnissen, die nicht zugänglich sind.

Zweitens: Es ist eine abenteuerliche Vorstellung, dass Mitarbeiter der Vereinten Nationen in den "offiziellen" Haftlagern, in denen Chaos, Enge und Korruption herrschen, herausfinden sollen, welche Personen tatsächlich einen Asylanspruch haben. Viele Migranten haben keine Papiere, und es braucht Zeit und ausreichende Logistik, um ihre Asylberechtigung zu überprüfen.

Drittens: Es spricht sehr wenig dafür, dass die Mehrzahl der Migranten freiwillig wieder nach Hause zurückkehrt. EU-Programme für Start- und Rückkehrhilfen gibt es seit langem, ebenso wie die intensiven Bemühungen um Rücknahmeabkommen.

Viertens: Schutzbedürftige Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention beispielsweise nach Niger zu evakuieren, ist richtig. Aber dabei handelt es sich nur um eine sehr kleine Minderheit. Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der an der Lage von hunderttausenden Migranten in Libyen gar nichts ändert.

Fünftens: Dass nun eine Task Force eingesetzt werden soll, die Sanktionsmöglichkeiten gegen Schleuser prüfen soll, ist ein Witz. Hunderte Clans, zigtausende Milizen und teilweise auch staatliche Organisationen machen in Libyen mit Menschen ihr Geschäft.

Lösung nur mit Russland
© dpa Bundeskanzlerin Angela Merkel steht beim Familienfoto am 29.11.2017 beim EU-Afrika-Gipfel in Abidjan (Elfenbeinküste) neben Staats und Regierungschefs aus Afrika. Die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union und…

Sie verdienten im letzten Jahr mindestens 1,6 Milliarden US-Dollar. Diese Menschen operieren in einem weitgehend rechtlosen Umfeld, sie lassen sich nicht beeindrucken von Sanktionen.

Was kann wirklich helfen? Der Ansatz, die im Schleusergeschäft aktiven Stämme und Clans mit Finanzhilfen dazu zu bewegen, sich auf andere Geschäftsfelder zu verlegen, ist richtig. Das ist auch ein wichtiger Grund für den Rückgang der Migrantenzahlen nach Europa. Aber den Europäern muss klar sein, dass sie dafür viel mehr Geld in die Hand nehmen müssen – es sind Milliardensummen im zweistelligen Bereich nötig.

Das Chaos in Libyen lässt sich aber nur durch eine politische Lösung beenden. Merkel und Macron müssen sich stärker und vor allem abgestimmt mit den Vereinten Nationen darum bemühen.
 Am Ende wird auch in Libyen kein Weg an Moskau vorbeiführen. Russland hat massive Wirtschaftsinteressen und nutzt geschickt das Vakuum, das der Westen in Libyen hinterlassen hat.

Sollten die Bemühungen keinen Erfolg bringen, müssten EU und Nato über ein begrenztes militärisches Engagement nachdenken. Das sollte kein Tabu bleiben. Britische, französische und italienische Einheiten operieren im Geheimen ohnehin schon dort – jedoch weitgehend unkoordiniert. Libyen darf nicht noch tiefer ins Chaos sinken. Dafür ist das Land zu wichtig für Europa.
Hier der Link zum Artikel von msn Nachrichten vom 30.11.2017 >>> 
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 Die Würde des Menschen ist unantastbar!

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