Wichtig!! Widersprüchliche Aussagen zum Thema Passverlängerung // Aus dem Krieg - in den Frieden: Von Afghanistan nach Deutschland // Von wegen freiwillig: Die unlauteren Tricks der Ausländerbehörden bei der Rückkehrberatung

Wichtig!!
Widersprüchliche Aussagen zwischen einem Beitrag von WDR4You und des BMI
zum Thema Passverlängerung 

In einem Beitrag von WDR4You werden Fragen zum Thema Passverlängerung und dazu, ob dies auch für die Aufenthaltsverlängerung benötigt wird, beantwortet.


Die Darstellung im Beitrag steht aber im Widerspruch zum folgenden Beitrag aus Richtung BMI:

++Klarstellung aus dem BMI: Keine Passpflicht für subsidiär Schutzberechtigte und Menschen mit Abschiebeverbot!

eine gute und klarstellende Antwort aus dem BMI (Bundesinnenministerium) auf die Frage von Der Paritätische Gesamtverband, ob Flüchtlinge, welche im Asylverfahren den subsidiären Schutz (Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 2 S. 1 2. Alt AufenthG) oder ein Abschiebeverbot nach § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG (Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 3 AufenthG) erhalten haben, ihren Nationalpass beschaffen müssen, um die Aufenthaltserlaubnis ausgestellt zu bekommen.

Hinweis: In Abgrenzung zu o.g. Personengruppen unterliegen Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge grundsätzlich nicht der Passpflicht. Im Gegenteil: würden sie sich an die Botschaft ihres Landes hier in Deutschland wenden, könnte ihn der zugesprochene Schutz widerrufen werden (siehe § 72 AsylG: Erlöschen: (1) Die Anerkennung als Asylberechtigter und die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erlöschen, wenn der Ausländer … 1. sich freiwillig durch Annahme oder Erneuerung eines Nationalpasses oder durch sonstige Handlungen erneut dem Schutz des Staates, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, unterstellt ...)

Email von Kerstin Becker/ Referentin Flüchtlingshilfe/-politik/ Der Paritätische Gesamtverband 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

mit der Mail unten hatte ich Sie am 27.04.2017 gefragt, ob es in der Praxis Probleme bei der Erteilung bzw. Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis gemäß §§ 25 Abs. 2 S. 1, 2. Alternative (subsidiärer Schutz) sowie § 25 Abs. 3 AufenthG (Vorliegen eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG) gibt, insbesondere, ob dieVorlage eines Passes verlangt wird. 

Die Rückmeldungen auf meine Anfrage waren zahlreich, dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle ganz besonders danken! Beeindruckend war jedoch vor allem, dass die Problematik ganz offensichtlich im ganzen Bundesgebiet immer wieder auftaucht - und das, obwohl gemäß § 5 Abs. 3 S. 1 AufenthG von dem Erfordernis der Vorlage des Passes abzusehen ist und die Ausländerbehörden gemäß § 48 Abs. 4 AufenthG einen Ausweisersatz ausstellen müssten. 

Das Ergebnis unserer verbandsübergreifenden Abfrage haben wir dem Bundesinnenministerium mitgeteilt, welches das Thema im Rahmen einer Ausländerreferententagung mit den Ausländerbehörden besprochen hat. Das BMI geht aufgrund der erfolgten Erörterung des Problems nunmehr davon aus, dass zukünftig keine Probleme mehr auftauchen sollten. 

*Für Ihre Beratungspraxis können Sie - falls die Ausländerbehörde trotzdem weiterhin die Passvorlage oder Beschaffung eines Passes verlangt - die folgende Email des zuständigen Referats III im Bundesinnenministerium ausdrucken und vorlegen: 

...vielen herzlichen Dank für Ihre E-Mail und der von Ihnen vorgenommenen Abfrage bei den anderen Verbänden. 

Nach § 5 Abs. 3 S. 1 AufenthG ist von der Erfüllung der Passpflicht abzusehen, wenn ein Aufenthaltstitel nach § 25 Abs. 2 S. 1 2. Alt AufenthG (subsidiärer Schutz) oder 25 Abs. 3 AufenthG erteilt oder verlängert wird (vgl. § 8 Abs. 1 AufenthG). Die Erteilung oder Verlängerung eines AT ist in diesen Fällen nicht von der Erfüllung der Passpflicht nach § 3 Abs. 1 AufenthG abhängig zu machen. 

Im Rahmen der Ausländerreferentenbesprechung (ARB) vom 9./10. Mai 2017 wird der Bund (BMI) auf die oben beschriebene Praxis aufmerksam machen und die geltende Rechtslage mit den Ländervertretern erörtern. Bei der ARB handelt es sich um ein in der Regel halbjährlich stattfindendes Treffen von Vertretern des Bundes und der Länder, um sich zu aktuellen Fachfragen des Ausländerrechts auszutauschen und zu verständigen. 

Bei weiteren Rückfragen stehe ich jederzeit sehr gerne zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen 

Referat M 3 – Aufenthaltsrecht; humanitäre Aufnahme 
Bundesministerium des Innern 
Alt-Moabit 140, 10559 Berlin 

Sollte es - trotz der Vorlage der Mail - weiterhin zu Problemen bei der Erteilung der o.g. Aufenthaltserlaubnisse geben, bitte ich Sie, mir dies mitzuteilen, damit wir dann eine entsprechende Weisung des BMI erwirken können. Bisher sieht das BMI aufgrund der Gesetzeslage eine solche Weisung für nicht erforderlich an. 

Mit freundlichen Grüßen 

Kerstin Becker 
Referentin Flüchtlingshilfe/-politik 
Abteilung Migration und Internationale Kooperation 
Der Paritätische Gesamtverband 
Oranienburger Str. 13-14 
10178 Berlin

Und dazu noch folgender Artikel, zu finden beim Flüchtlingsrat NRW >>>
BMI bestätigt: Erteilung oder Verlängerung eines Aufenthaltstitels darf nicht von Vorlage eines Heimatpasses abhängig gemacht werden

Anm.d.Blog-Redaktion: Uns erscheint wichtig, dass nochmal genau geklärt wird, welche Aussagen denn nun richtig sind. Sonst hat ggf. ein subsidiär geschützter Flüchtling unter Umständen das Nachsehen und im einfachsten Fall sinnlos Geld und Zeit investiert.

Aus dem Krieg - in den Frieden 
Von Afghanistan nach Deutschland 

Nachdem mein Freund Jamshid Ahmady und seine kleine Familie letzte Woche endlich nach einer lange Wartezeit anerkannt wurden, möchte ich ihm hier seine Geschichte erzählen lassen.
Bert Schulte (10.11.2017)

Familie Ahmady in Deutschland

Nachdem mein Freund Jamshid Ahmady und seine kleine Familie letzte Woche endlich nach einer lange Wartezeit anerkannt wurden, möchte ich ihm hier seine Geschichte erzählen lassen.

Jamshid ist ein Mitglied unserer FB-Gruppe Ahmad Pouya ist willkommen

Jamshid kommt aus Afghanistan und hat dort als Fernsehjournalist gearbeitet. Er hat unterschiedliche Fernsehshows produziert und präsentiert.

“Meine Frau Suzanam Ashar und ich kommen aus Afghanistan. Ihr fragt euch vielleicht warum wir hierhin gekommen sind, warum wir in eurem Land sind, in dem ihr hart arbeitet und euch bemüht alles so gut und wundervoll für euch selbst zu machen? Wir sind hierhin kommen, um uns auch ein Leben aufzubauen. 

Ich schreibe euch meine Geschichte kurz auf, so dass ihr sie in wenig Zeit lesen könnt. Ich habe zwölf Jahre lang für die Menschenrechte gekämpft und habe versucht die wahre Bedeutung über ein Leben in Frieden zu erzählen. Ich habe versucht die Meinung einer großen Gruppe von Menschen, die noch immer in einer Gedankenwelt und einem Lebens des vorigen Jahrhunderts leben, zu ändern. 

Der einzige Grund für meine harte Arbeit als Journalist bestand darin, dass ich jedem zeigen wollte wie man in Glück und Liebe zusammen lebt. Ich hasste den Krieg und ich hasste es ein Leben in Dunkelheit ohne wirklichen Sinn zu führen. 

So Pflege ich zu sagen, mache Gutes und habe keine Angst, egal was es dich kostet. Aber das Leben ist zu kurz und zu wundervoll und ich wollte nicht, dass ich mich selbst oder meine Familie und Freunde verliere. Ich bekam eine Morddrohung von den Menschen, die immer versucht haben alles Gute, was wir in Afghanistan hatten zu zerstören und die immer versuchten, die jenigen zu töten, die für das Gute, Menschenrechte und Freiheit kämpften.

Nicht weil ich Angst um mich selbst hatte oder vor dem Tod. Aber ich wollte nicht, dass wegen mir ein Familienmitglied oder ein Freund das Leben verliert durch meine Arbeit in den Medien und meinem Kampf für die Freiheit. Das war für mich nicht akzeptabel. 

Der Weg von Afghanistan nach Deutschland war ebenfalls sehr gefährlich, aber für mich erschien es besser auf dem Weg in ein besseres Leben zu sterben, als durch die Hand von Kriminellen, die nichts anderes wollen als grundlos Menschen zu töten. Wir kamen zuerst in die Türkei und sind von dort mit einem Boot für 45 Personen aus unterschiedlichen Ländern über das Meer gefahren. Dies war für uns die schwerste Zeit der Reise. Es war 9:00 Uhr oder 10:00 Uhr morgens, aber für mich war um uns her- um nur Dunkelheit. Ich konnte die Angst in den Gesichtern sehen.Die Männer machten sich Sorgen und hatten Angst ihre gesamte Familie im Meer zu verlieren, die Frauen machten sich Sorgen um ihre Kinder. Jeder trug eine Rettungsweste und war bereit ins Boot zu steigen. Es waren sehr viele Menschen, ein kleines Boot und ein großes Meer zu überqueren. 

Niemand war sich sicher das zu überleben. Sturm, Regen und ertrinkende Menschen im Meer waren keine ausreichenden Gründe für Schmuggler eine Überfahrt nicht zumachen, für sie ging es nur ums Geld. Bei einigen hat die Überfahrt acht Stunden oder länger gedauert. Wir überquerten das Meer in eineinhalb Stunden. Auf der anderen Seite des Meeres war der Strand mit Rettungswesten bedeckt. Manchmal fühle ich immer noch die Nässe meiner Socken und meiner Schuhe, die vom Meer nass sind und ich rieche die Angst um mich herum. Wir dachten, dass wir es damit geschafft hätten und das unsere Probleme mit dem Überqueren des Meeres geschafft wären, aber das war nicht so. 

An jeder Grenze und in jedem Flüchtlingscamp warteten tausende Menschen in einer Schlange, um ein Stück Papier zu erhalten mit dem sie legal weiter reisen könnten. Die Menschen waren in langen Schlangen aufgestellt und mussten sehr weite Strecken laufen um an die Grenze zu gelangen. Ich kann noch immer die kalte Hand eines kleinen Mädchens spüren, das ich auf meinem Rücken getragen habe, um einer Familie mit drei Kindern und Taschen zu helfen, die der Mann nicht in der Lage war allein zu tragen. Ich kann mich noch immer daran erinnern, dass das Kind so kalt war und mich gefragt hat wann wir nach Hause kommen. Ich hatte darauf keine Antwort und ich hatte selbst das Gefühl, dass wir verloren sind. Ich wusste nicht wann wir irgendwo ankommen würden, wo wir uns Zuhause fühlen würden. 

Ich habe immer noch die Kinder, Frauen und alle Menschen im Kopf, die aufgrund der Kälte starben und deren Tod hätten vermieden werden können. Ich erinnere mich noch an ihre Augen, die auf die Hände von Menschen starrten, die Flüchtlingen mit Essen und Trinken halfen.Ich erinnere mich noch immer an die Kinderhände, die sie nach Bananen ausstreckten. Wir litten. 

Nun sind wir in einer Stadt namens Laer in Deutschland. In diese Zeit habe ich soviel nette Menschen kennen gelernt, die Flüchtlingen ohne Bezahlung dafür zu erhalten, helfen. Diese Menschen möchten helfen, sie machen dies aus Menschlichkeit. Für mich sind sie ein Beispiel für Menschlichkeit und gute Menschen auf der Welt, was beweist, dass Menschlichkeit auf der Welt in einigen Gegenden noch lebendig ist. 

An dieser Stelle möchte ich einem Mädchen (Sanne) danken. Sie war die erste Person die ich kennenlernte und sie half hungernden Menschen mit Essen und Trinken. Ich erinnere mich noch immer daran, wie sie die Box mit Essen in der Hand hielt. Sie hat dies auf eigene Faust getan. Ich danke meinen so netten Nachbarn, die zu unserem Haus kamen und uns fragten, ob wir irgendetwas brauchten und uns anboten, ihnen zu sagen, wenn irgendwas fehlt. Ein Nachbar kam und hat meine Frau und mich zum Kaffee eingeladen, wo wir eine wirklich tolle Zeit hatten, die ich niemals vergessen werde.

Ich habe keine Worte um Doktor Bert und seine Frau Sabine Schulte angemessen für ihre harte Arbeit für die Flüchtlinge hier zu danken. Sie brachten uns alles, was wir für das Leben hier zu Hause brauchen, von Kleidung über Zubehör für die Küche. Sie boten uns sogar an uns zu fahren, wenn wir irgendwo hin mussten. Dies ist für mich unvergesslich. Ich möchte dem Orga Team für ihre großtartige Arbeit danken, die den Menschen helfen und die Probleme von jedem lösen. Vielen Dank dass ich die Möglichkeit hatte, Teil dieses Projektes zu sein. 

Ein letzter besonderer Dank gilt der deutschen Regierung, insbesondere der Frau, die wie ein Engel auf Erden ist, Angela Merkel. Wenn es sie nicht gäbe, wäre der größte Teil der Flüchtlinge in Europa mittlerweile tot. 

Sie ist die einzige auf der Welt, die Millionen Leben retten konnte. Worte können nicht genug über diese Frau aussagen. Ich kann stolz sagen, dass ich sehr froh bin, dass so eine Frau auf der Welt lebt und sie hat so ein großes Herz, das voll von Liebe und Freundlichkeit ist. Sie ist der ganzen Welt ein Beispiel von dem man lernen kann.“

„Der Grund warum wir auf der Erde leben ist Liebe . Geld, Macht, Kriege und Grenzen sind nur Illusionen in unseren Köpfen.

Ich liebe euch gute Menschen auf der Welt.
Jamshid Ahmady

----//----

Anm.d.Blog-Redaktion: Was nützen Gesetze im Rechtstaat, wenn diese Gesetze auf perfide Art und Weise unterlaufen werden. >>Rechtsstaat > Bezeichnung für einen Staat, in dem Regierung und Verwaltung nur im Rahmen der bestehenden Gesetze handeln dürfen. Die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger müssen garantiert sein, staatliche Entscheidungen müssen von unabhängigen Gerichten überprüft werden können.

***

Von wegen freiwillig

Die unlauteren Tricks der Ausländerbehörden bei der Rückkehrberatung

Immer mehr Bundesländer setzen auf die freiwillige Ausreise von abgelehnten Asylbewerbern statt auf Zwangsabschiebungen. Eigentlich eine gute Sache, wenn die Rückkehrberatung von unabhängigen Stellen durchgeführt wird. Doch inzwischen übernehmen immer mehr Ausländerbehörden diese Rückkehrberatung und setzen Flüchtlinge unter Druck. So werden in Hessen Flüchtlinge schon gleich nach der Ankunft und während ihres Asylverfahrens zur Rückkehrberatung genötigt. Afghanische Flüchtlinge werden dabei mit falschen Informationen zur freiwilligen Ausreise "motiviert".
Immer mehr Bundesländer setzen auf die freiwillige Ausreise von
abgelehnten Asylbewerbern statt auf Zwangsabschiebungen.
 
Immer mehr Bundesländer setzen auf die freiwillige Ausreise von abgelehnten Asylbewerbern statt auf Zwangsabschiebungen. Eigentlich eine gute Sache, wenn die Rückkehrberatung von unabhängigen Stellen durchgeführt wird. Doch inzwischen übernehmen immer mehr Ausländerbehörden diese Rückkehrberatung und setzen Flüchtlinge unter Druck. 
So werden in Hessen Flüchtlinge schon gleich nach der Ankunft und während ihres Asylverfahrens zur Rückkehrberatung genötigt. Afghanische Flüchtlinge werden dabei mit falschen Informationen zur freiwilligen Ausreise "motiviert". Bundesweit protestieren jetzt Wohlfahrtsverbände gegen die zweifelhaften Methoden der Ausländerbehörden.

Anmoderation: Es ist und bleibt ein Knackpunkt bei den Jamaica-Verhandlungen: Das Thema Flüchtlinge. Die CSU hat vorgeschlagen, in ganz Deutschland sogenannte Rückführungszentren für Flüchtlinge einzurichten. Dort sollen sie über Rückkehrprogramme bewegt werden, möglichst rasch in ihre Heimat zurückzureisen. Doch schaut man sich an, wie die bisherigen Versuche laufen, Flüchtlinge zur Rückkehr zu ermuntern, muss man skeptisch sein. Nicht wegen der Flüchtlinge, sondern wegen der zweifelhaften Methoden, die einige Behörden anwenden. Caroline Walter und Christoph Rosenthal. 

Rassul Sayyaf muss um zwei Uhr morgens aufstehen für seine Konditor-Ausbildung. Aber für ihn ist das kein Problem.

Rassul Sayyaf

"Ja, das macht mir auch Spaß und ich will auf keinen Fall nicht mehr aufhören."

Sayyaf ist Asylbewerber aus Afghanistan. Er lebt in Hessen.

Heute hat er einen Termin bei der Ausländerbehörde. Er ist nervös – seine Aufenthaltsgestattung wurde nur für einen Monat verlängert, obwohl seine Ausbildung noch zwei Jahre dauert.

Die Behörde hat ihn zu einer so genannten Rückkehrberatung einbestellt.

Die Beamten haben Rassul Sayyaf mitgeteilt: wenn er jetzt freiwillig nach Afghanistan ausreise, dann hätte das angeblich viele Vorteile. Und:
 

Rassul Sayyaf

"Sie haben gesagt: In Afghanistan gibt es sichere Gebiete. Da habe ich gefragt, wo. Habe ich keine Antwort gekriegt."

Auch der afghanische Journalist Ramin Mohabat und sein Bruder wurden zur Rückkehrberatung geladen. Die Teilnahme daran soll eigentlich freiwillig sein – aber in Hessen ist das offenbar nicht der Fall.

Ramin Mohabat

"Das ist nicht eine freiwillige Rückkehrberatung. Da muss man an dieser Rückkehrberatung teilnehmen. Und sonst die verlängern unsere Ausweise nicht."

Mohabat hat als Journalist undercover Fotos von Taliban gemacht, über sie berichtet und auch über Korruption in seinem Land. Weil sein Leben in Gefahr war, floh er hierher. Sein Asylverfahren läuft noch.

Trotz der vielen aktuellen Anschläge in Afghanistan setzen staatliche Rückkehrberater ihn und andere Flüchtlinge massiv unter Druck.

Ramin Mohabat

"Das war eine Schock von Leute. Die haben gesagt: Oh, mein Gott! Jetzt ist alles vorbei. Jetzt müssen wir Rückkehrberatung teilnehmen und jetzt müssen wir nach Hause gehen. Und dieses Gefühl, diese Angst macht uns richtig fertig."

Kontraste liegt ein brisantes Schreiben aus dem hessischen Innenministerium vor. Die schwarz-grüne Regierung legt darin fest, dass alle Flüchtlingsgruppen eine staatliche Rückkehrberatung durchlaufen müssen – und zwar sofort nach der Ankunft, mitten im Asylverfahren und sogar diejenigen mit guter Bleibeperspektive. Diese Einschüchterungsstrategie kritisiert die Liga der Wohlfahrtsverbände in Hessen.

Lea Rosenberg, Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen

"Es kann nicht angehen, dass Menschen, die noch im laufenden Verfahren sind, zur staatlichen Rückkehrberatung gedrängt werden. Im Endeffekt ist das ein Unterlaufen des Grundrechts auf Asyl und auf ein rechtsstaatliches Asylverfahren für die Geflüchteten und dazu gehört auch, dass sie in Ruhe darauf warten können, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihren Schutzvortrag einschätzt."

Die Rückkehrberater locken berufstätige Asylbewerber wie Rassul Sayyaf offenbar noch mit einem besonderen Tipp nach Afghanistan.

Rassul Sayyaf

"Also sie haben gerade gesagt, wenn man hier einen Job findet mit einem Arbeitgeber oder mit einem Freund, einem Bekannten, kann man wieder zurück mit Arbeitsvisum zurück nach Deutschland kommen, nach neun Monaten."

Lea Rosenberg, Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen

"Das erachte ich für höchst zweifelhaft und eine so eine Aussage erachte ich auch für völlig unseriös. Aus Afghanistan mit einem Arbeitsvisum nach Deutschland zu kommen und die Geflüchteten damit dazu zu bringen, erst einmal auszureisen, das würde ich doch für eine äußerst fragwürdige Information halten."

Trotz der katastrophalen Sicherheitslage in Afghanistan wirbt Hessen mit allen Mitteln für die Rückkehr wie dieser Aushang zeigt: Wer bis zum 31.12. ausreist, erhält 1.000 Euro zusätzlich, eine Art "Frühbucherrabatt". Absurd.

In Hessen regiert die CDU mit den Grünen. Vom Innenministerium bekommen wir kein Interview und auch die Grünen wollen sich nicht äußern. Wir versuchen es trotzdem und konfrontieren den stellvertretenden grünen Ministerpräsidenten mit der fragwürdigen Rückkehrberatung in Hessen.

Tarek Al-Wazir (B'90/Die Grünen), Stellvertretender Ministerpräsident Hessen

"Niemand wird in irgendeiner Art und Weise drangsaliert in dem Sinne, dass irgendwelche Sanktionen drohen. Und wissen Sie, was ein Problem der politischen Magazine in Deutschland ist? Sie sollten sich mal überlegen, ob nicht ein Teil der Langweiligkeit politischer Magazine damit zu tun hat, in der Art und Weise Fragen stellen."

Kontraste

"Warum beschimpfen Sie uns jetzt, ich mein, die Wohlfahrtsverbände protestieren seit Monaten gegen die staatliche Rückkehrberatung, weil Asylbewerber in Hessen unter Druck gesetzt werden. Das können Sie doch nicht einfach ignorieren."

Tarek Al-Wazir (B'90/Die Grünen), Stellvertretender Ministerpräsident Hessen

"Entschuldigung, ich würde mir wünschen, dass sie den Mut hätten, das mal genauso ungeschnitten zu senden."

Kontraste

"Antworten Sie doch einfach auf die inhaltlichen Fragen und machen Sie doch keine Medienschelte. Verstehe ich jetzt nicht."

Tarek Al-Wazir (B'90/Die Grünen), Stellvertretender Ministerpräsident Hessen

"Entschuldigung, Entschuldigung. Ich mache keine Medienschelte. Und wenn sie das machen gebe ich der ganzen Redaktion 'ne Runde aus. Tschüss."

Kontraste

"Sagen Sie doch einfach was zur staatlichen Rückkehrberatung."

Lea Rosenberg, Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen

"Wir fordern die Landesregierung eigentlich dazu auf, dass sie mit der derzeitigen Rückkehrberatung in dieser staatlichen Form aufhört."

Bundesweit nutzen immer mehr Ausländerbehörden die Rückkehrberatung für andere Zwecke. Das zeigt ein Fall in Mecklenburg-Vorpommern, auf der Insel Rügen.

Helga Axtholm kann immer noch nicht glauben, was passiert ist. Sie begleitete den Asylbewerber Festus Takyi zu einer freiwilligen Rückkehrberatung der Ausländerbehörde.

Helga Axtholm

"So wie es gelaufen ist, war es ganz eindeutig, dass sie ihn in eine Falle gelockt haben, um vollendete Tatsachen zu schaffen."

Nichtsahnend saßen sie im Beratungsraum. Festus Takyi wird von der Mitarbeiterin des Amtes gefragt, ob er freiwillig ausreisen wolle. Er sagt nein, weil noch eine Klage vor Gericht laufe. Daraufhin öffnet sich die Tür, zwei Polizisten kommen herein, legen ihm Handschellen an und führen ihn ab. Völlig überraschend wird er noch am selben Tag in seine Heimat abgeschoben.

Helga Axtholm

"Das sendet im Umkreis von denen, die das jetzt mitgekriegt haben und hier sind ja einige in der Unterkunft, das Signal, halte dich von deutschen Behörden fern."

Festus Takyi kommt aus Ghana. Er sei von seiner Familie verstoßen und bedroht worden, so seine Fluchtgeschichte. Als Grund für Asyl in Deutschland reichte das nicht aus.

Dennoch: Der 22-Jährige hatte sich hier längst integriert. Mehrere Hotels auf Rügen boten ihm Ausbildungsverträge an.

Helga Axtholm

"Er hatte die Wahl, weil der Bedarf ist hier sehr groß und die Art und Weise, wie er sich im Interview präsentiert hat, sofort haben die alle ja gesagt."

Aber die Ausländerbehörde verweigerte die Genehmigung für eine Ausbildung. Takyi klagte dagegen, der Prozesstermin ist Ende November. Doch er wurde vorher abgeschoben. Alles rechtens teilt uns die Behörde mit.

Sein Fußballverein sieht das anders. Sein Trikot hängt am Spielfeldrand. Festus konnte sich nicht einmal verabschieden. Trainer Frank Meyer und die Mannschaft sind empört über die Methoden der Ausländerbehörde.

Frank Meyer

"Mein erster Gedanke war, absolut hinterhältig. Das war eine Falle, die ihm gestellt wurde, weil er immer der Ausländerbehörde Folge geleistet hat, wenn er mal irgendwo bestellt wurde, war Festus immer da. Da wurde einer aus unserer Mitte gerissen, der hier uns ans Herz gewachsen war, der hier wirklich sich eingebracht war, hilfsbereit war."

Ihren Sieg heute widmen sie Festus.

Helga Axtholm versucht ihn das erste Mal seit der Abschiebung zu erreichen.

Festus Takyi

"Ja, im Auto habe ich geweint."

Helga Axtholm

"Haben Sie schon einen Job gefunden?"

Festus Takyi

"Nein, keine Arbeit gefunden."

Helga Axtholm

"Sind Sie noch sehr traurig?"

Festus Takyi

"Ja."

Kontraste

"Wie geht’s Ihnen denn jetzt?"

Helga Axtholm

"Scheiße. Wenn ich ihn so sehe und ich kann ihm nicht helfen."

Beide haben der Ausländerbehörde vertraut – dass es nur eine Rückkehrberatung sei.

Beitrag von Caroline Walter und Christoph Rosenthal

 
Hier der Link zum Beitrag von Kontraste (ARD) vom 09.11.2017 >>> 

----//----

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.


----//----

Kommentare

  1. Zum Passthema:

    "WDR liegt hier falsch. $ 5 i.V.m. § 8 AufenthG sind an dieser Stelle eindeutig. Alles insgesamt zur Passbeschaffung hier:"

    http://berlin-hilft.com/2017/04/25/passbeschaffung-wer-muss-wer-sollte-wer-darf-wer-nicht/

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen