TOLOnews: 8 Tote bei Tanklasterexplosion in Parwan - übersetzt von Katja Thiel // Dazu > Fotos - verpixelt und klar // Berlin hilft: Falsche Narrative und falsches Framing Wenn aus falschen Worten falsche Tatsachen werden

Afghanistan
8 Killed In Fuel Tanker. Explosion In Parwan
8 Tote bei einer Tanklasterexplosion in Parwan
Der TOLOnews-Artikel wurde übersetzt von Katja Thiel 

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Charikar in der Provinz Parwan/ unten rechts Afghanistan mit der eingezeichneten Provinz Parwan

Hier die Übersetzung des TOLOnews-Artikles vom 01.11.2017 von Katja Thiel

8 Tote bei einer Tanklasterexplosion in Parwan
Polizeibeamte sagten, dass es zu dem Vorfall kam, nachdem eine magnetische unkonventionelle Sprengvorrichtung, die an einem Tanklaster befestigt war, in Charikar Stadt detoniert war.

Mindestens 8 Leute wurden getötet und 25 verletzt, nachdem eine magnetische Sprengvorrichtung bei einem Tanklaster in Charikar Stadt, in der Provinz Parwan, explodierte Khalil Mosadeq, der örtliche Gesundheitschef bestätigte die Zahl der Todesopfer.

Frühe Berichte weisen darauf hin, dass das Sprengstoffobjekt detonierte, als sich ein Personenbus neben dem Laster befand.
Laut Polizeiangestellten, wurden mindestens 12 der bei dem Vorfall verletzten Personen in das Istiqlal Krankenhaus in Kabul gebracht.
 Die Krankenhausleitung sagt, dass sich 6 Personen in einem kritischen Zustand befänden. Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch gegen 19 Uhr.
Keine Gruppe hat bisher die Verantwortung für den Vorfall übernommen.
Katja Thiel Nov.´17

Hier der Link zum TOLOnews-Artikel vom 01.11.2017 >>> 

Hier einige Fotos vom Anschlag. Leserinnen und Leser sollen selber entscheiden ob man sich die verpixelte/verschleierte Version oder die Originalfotos ansehen möchte. 





Dazu >
Ein Artikel zum Anschlag vom STERN zum Vergleich 

Tote bei Tanklastwagen-Anschlag in Afghanistan
Die Explosion erfasste auch einen Bus, in dem mehrere Fahrgäste verbrannten.

 Foto aus dem Video vom STERN
Der Verkehr rollt zwar wieder in Tscharikar, nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul. Doch die Spuren der Tanklaster-Explosion sind deutlich zu erkennen. Bei dem Anschlag kamen am Mittwoch nach offiziellen Angaben mindestens 15 Menschen ums Leben, als eine am Lkw angebrachte Bombe detonierte. 
Die Flammen griffen auf einen dahinter fahrenden Bus über, viele Fahrgäste verbrannten. Mehrere Dutzend Menschen erlitten Verletzungen und mussten im Krankenhaus versorgt werden. "Der Tankwagen explodierte vor unserem Bus, der nach Norden fuhr", so dieser Augenzeuge. "Es ging schnell, so dass er nicht anhalten konnte. Der Bus knallte in den Laster, drei meiner Freunde erwischte es, ich konnte raus springen." Ein betroffener Ladenbesitzer formulierte eine grundsätzliche Forderung. "Wir verlangen von den verantwortlichen Regierenden, Tanklastwagen um die Stadt herumzuleiten, um künftige Anschläge zu verhindern, denn dabei werden die Menschen verletzt." Zunächst reklamierte niemand die Tat für sich. Sie ereignete sich nur einen Tag, nachdem ein Selbstmordattentäter in Kabul mehrere Menschen mit in den Tod gerissen hatte.
Hier der Link zum Artikel vom Stern vom 02.11.2017 >>> 

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Falsche Narrative und falsches Framing
Wenn aus falschen Worten falsche Tatsachen werden 
„Wir werden bedroht, verfolgt, erleiden Kriminalität und Gewalt. Wir müssen handeln, um nicht unterzugehen.“ Dies sagen nicht etwa Geflüchtete aus Syrien, Irak oder Afghanistan über ihre Fluchtgründe, sondern deutsche Politiker, Medien und Menschen aus Deutschland über Geflüchtete.
Und wenn sie es nicht mit diesen Worten sagen, vermitteln ihre Frames uns genau das. 

Die Sprache derer, die sich in Politik, Behörden oder auch Medien mit geflüchteten Menschen beschäftigen, driftet inzwischen in eine grundsätzlich negative und rechte Richtung.
Der Haupt-Tenor bewegt sich irgendwo zwischen Abschiebung, Ausreisepflicht und unberechtigten Wirtschaftsflüchtlingen, die Asylrecht mißbrauchen, Belastungen, die untragbar werden, gefährdetem Sozialstaat und dem Wegnehmen von Geld, Wohnungen und Ressourcen jeglicher Art, die eigentlich „uns“ gehören. Wer das „uns“ eigentlich ist oder sich dafür hält, ist noch eine weitere Frage.

Ein paar Beispiele für falsche Erzählungen und Schlüsse



„Nur 1 % sind ja asylberechtigt“

Im Kontext der berüchtigten Obergrenze argumentiert der bayerische Innenminister Herrmann inzwischen nicht mehr nur im Geiste der AfD, dass ja ohnehin nur weniger als 1 % wirklich asylberechtigt sei und nimmt damit die in jeder Hinsicht falsche Sprache der Rechten auf. Er bewegt sich damit juristisch und inhaltlich auch nicht auf sicherem Terrain.

Der Status des Flüchtlings nach Genfer Konvention wird von ihm entwertet und zu etwas angeblich Schlechterem umdefiniert. Dies ist jedoch blanker Unsinn. Die Genfer Konvention ist wie die EU-Asylverfahrensrichtlinie Bestandteil auch deutscher Gesetzgebung und seit Jahren oder gar Jahrzehnten bindend.

Flüchtlinge nach Genfer Konvention sind denen mit Asyl nach Grundgesetz komplett gleichgestellt. Das sollte ein Innenminister und jeder Politiker wissen. Besagte Asylverfahrensrichtlinie stellt auch subsidiär Geschützte in weiten Teilen den Geflüchteten nach GFK gleich, was auch im deutschen Asylgesetz vollzogen wurde.

Erzählt wird hingegen etwas völlig anderes. Man greift blind das Narrativ der Rechten mit den „ohnehin nur 1 % Asylberechtigten“ auf und suggeriert damit, dass alle anderen Geflüchteten eigentlich unberechtigt hier seien, zumindest aber nach Tagen oder wenigen Monaten wieder ausreisen müssten.

Die Mär der vollziehbaren Ausreisepflicht

Eine ähnliche Geschichte erzählt die vollziehbare Ausreisepflicht: „Vollziehbar ausreisepflichtig“ ist ein Begriff aus dem Ausländerrecht, der beschreibt, dass jemand entweder kein Visum für Deutschland hat bzw. dieses abgelaufen ist oder dessen Asylantrag rechtskräftig, also auch und erst nach einer erfolglosen Klage gegen den Bescheid, abgelehnt wurde.

Vergessen wird jedoch dabei, dass der Staat einem Menschen dennoch aus völlig unterschiedlichen Gründen ein Bleiben erlauben kann. Ob nun Krankheit, Kinder, Ehepartner oder Ausbildung: Diese Menschen sind dann geduldet.

Operiert wurde von Politik und Medien jedoch mit Zahlen, die zunächst besagten, dass in Kürze 500.000 Menschen abgelehnt in Deutschland wären und ausreisen müssten. Dann reduzierte sich diese Zahl auf irgendwas um 220.000, die diesen Status „vollziehbar ausreisepflichtig“ hätten. Real sind es jedoch bundesweit unter 60.000 Menschen, um die es dann letztlich geht, nämlich diejenigen, die nicht nur vollziehbar ausreisepflichtig sind, sondern auch keine Duldung haben.
Für Berlin dreht man es zu bewußtem Versagen von R2G

Es erschienen gerade zwei Zeitungsartikel in Tagesspiegel und BZ zu Ausreisepflichtigen, die eben dies nicht täten: Ausreisen. Im zweiten Artikel wurde dies noch ungeprüft verstärkt (BZ), indem dieser Zustand mit Politikversagen und politischer Unwilligkeit erklärt wurde. Dabei ging es in beiden Artikeln um gut 11.400 Menschen, die angeblich grundlos hier wären, weil sie eben „vollziehbar ausreisepflichtig“ seien, und auch noch 100 Mio € jährlich kosten würden. Geld, das besser anders ausgeben werden solle. Diese Menschen nehmen uns also etwas weg, sagen beide Artikel damit aus. Wie falsch die Aussagen waren, haben wir sehr ausführlich dargestellt.

Real sind von diesen 11.400 Geflüchteten gut 10.000 völlig zu Recht und auf gesetzlicher Grundlage in Deutschland, weil sie eine Duldung besitzen. Der Staat gibt ihnen also eine gesetzliches Bleiberecht, selbst wenn dieses nicht auf Dauer ist. Dies ist jedoch keine politische Entscheidung. Es gibt bei allem aufgesetzten Vermuten und Spekulieren auch gar keine politische Basis dafür, sondern schlicht eine gesetzliche aufgrund geltenden Aufenthaltsrechts.

Im Gedächtnis bleibt am Ende nur Eines:

11.400 Menschen bleiben verboten hier und kosten uns 100 Mio., mit denen man besser Schulen bauen solle,

Ob nun beabsichtigt oder auch schlicht aus eigener Unwissenheit erzählt: Am Ende verfestigen sich bei Lesern und Hörern Bilder aus Worten, die eben schlicht nur eines sind:

Falsch.
 

Das Grauen vor der Tür? Familiennachzug

Wie wir inzwischen aus sehr fundierten Berechnungen aus den realen Zahlen beantragter Visa wissen, könnten ab März 2018, wenn der ausgesetzte Nachzug bei subsidiär Geschützter wieder auflebt, einen rd. 50.000 bis 60.000 Menschen nach Deutschland kommen. Nicht 600.000 oder gar 6 Mio., nein, 60.000. Für Berlin also rd. 3.000.

Im Moment hängt die Bildung einer Bundesregierung offenbar ganz wesentlich an genau diesen 60.000 Menschen. Sie sind noch nicht mal hier, aber gefährden Deutschland angeblich schon jetzt. Nebenbei fühlen wir uns damit offenbar von Frauen und Kindern bedroht. Die Diskussion über diese Menschen führt scheinbar zu einer Staatskrise und ist fast das einzige politische Thema der letzten sechs Monate.

Sie bedrohen uns nicht dann, wenn sie kommen, sondern schon durch die Diskussion über sie. Wir reden kaum über Renten, Steuern und Umwelt, wenig über Europa im eigentlich Kontext, sondern über 60.000 Frauen und Kinder.

60.000 Menschen bewegen 100 % der Politik. Wow!

Leider ist dies jedoch keine basisdemokratische Errungenschaft, sondern quasi eine von der AfD gekaufte Sau, die die anderen Parteien willfährig und brav durchs Dorf treiben. Sie merken nicht einmal, dass sie damit dem einzigen und ausschließlichen Thema einer rechten Partei die Gewalt über eine Mehrheit der anderen Parteien verschaffen.

Der innere Widerspruch aus Anmahnen und Tun

Deutschland wankt bei Diskussion und bisheriger Gesetzgebung zwischen Extremen.

Einerseits will man, dass Geflüchtete sich möglichst bald und schnell in die deutsche Gesellschaft einfügen und selbst arbeiten, statt der Gesellschaft „auf der Tasche“ zu liegen. Man verpackt das dann politisch in ein Bild des Forderns und Förderns. 



Andererseits sehen die gleichen Politiker die schnelle Arbeitsaufnahme losgelöst von einem Asylstatus als Pull-Faktor an, der nur noch mehr Menschen nach Deutschland anlocke und ziehen wieder Voraussetzungen und Erlaubnisse ein, die Arbeit und Ausbildung wieder ver- oder mindestens behindern.

Wir suchen nach Wegen, um Teilnahme an Deutschkursen an irgendwelche Perspektiven zu binden. Bei Afghanen mit rd. 50% Schutzstatus führt zu völlig grotesken Ergebnissen: Beide sind von sofortigen Kursen ausgeschlossen. Der eine bekommt nach positivem Asylbescheid dann die Kurse. Der andere bekommt sie dank Ablehnung immer noch nicht. Dass die zu Recht sehr geringen Abschiebezahlen (128 Menschen seit Dezember 2016) im Ergebnis dazu führen, dass der „Verlierer“ dieser kranken Integrationswette im realen Leben auch hier bleibt, spitzt den Unsinn noch weiter zu. Wir müssten beiden sofortige Sprachkurse ermöglichen, geben sie aber nur einem und das u.U. nach ein bis zwei Jahren.

Wen bestrafen und wem helfen wir eigentlich am Ende damit?

Wir beschulen Kinder in manchem Bundesland nicht, weil wir scheinbar eine Vorahnung zum Ausgang des Asylverfahrens haben. Wir kürzen Geld und geben Sachleistungen, um damit angeblich keine Anreize zu setzen, den Weg nach Deutschland zu gehen. Als ob irgendwer vorher in Asien oder Afrika erst mal googlet, ob er 20 € mehr oder weniger bekommt.

Wir fordern also tatsächlich und politisch von Menschen etwas, das wir selbst auf der anderen Seite politisch und gesellschaftlich behindern oder gar nicht wollen.Wir hängen dem armen Esel die berühmte nie erreichbare Möhre vors Maul.

Gegenüber der Bevölkerung oder zumindest einigen Teilen gilt das Gleiche: Niemand kann scheinbar arbeiten, ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, dass man ihn beschuldigt, er nehme etwas weg oder locke damit andere her. Jedenfalls dann nicht, wenn man Flüchtling, Migrant oder auch „nur“ Ausländer ist.

Statt sich zu fragen, warum ein Arbeitgeber jemanden mit relativ schlechter Vorbildung und Sprache einstellt und nicht „den Deutschen“, werden Vorurteile gepflegt und politisch wie medial untermauert. Man hat ein Feindbild und tritt nach unten auf den tatsächlich oder vermeintlich Schwächeren.

Wir zementieren negatives Denken und drehen damit die Beurteilung

Ergebnis ist, dass wir selbst uns ins Unwohlsein reden. Oder auch nur lassen. Suggeriert wird, dass wir aus großer wirtschaftlicher Prosperität, starkem Arbeitsmarkt und Steueraufkommen und auch aus einer Kultur des Willkommens langsam das Gefühl bekommen, dass es eigentlich morgen zu Ende ist mit alldem und wir froh sein können, wenn wir das Ganze irgendwie überleben.

Sicher: Deutschland hat genug andere Themen wie eben z.B. Altersarmut, Bildung und soziale Verwerfungen trotz hoher Beschäftigung. Aber statt uns mit diesen Themen zu beschäftigen, reden wir gezielt real viel zu kleine Themen hoch und machen sie zum Nabel der Welt.

Politiker schwadronieren aus Kalkül mit falschen Zahlen und Bildern durch die Öffentlichkeit, und Medien machen es unkontrolliert mit.

Niemand hat erwartet, dass Integration einfach würde. Dabei geht es nicht nur um Integration von Geflüchteten in unsere Gesellschaft, sondern auch deren Integration und Einbindung in unsere Ressourcen wie Schulen oder Kitas. Wir können uns diese Integration nur entweder einfacher machen oder sie uns eben auch selbst erschweren. Im Moment jedoch reden wir ausschließlich mit negativem Grundtenor.

Wir müssen uns entscheiden: Reden wir uns selbst ins Negative oder haben wir Mut?

Ich bin für Mut. Denn an dieser Stelle ist es gar nicht schwer, den Mut auch zu haben. Wir müssen nur zu dem zurückkehren, was wir bis vor vielleicht 1,5 Jahren ja hatten: Selbstvertrauen. 
„Ungeregelte Einwanderung muss keine Katastrophe sein“

Es gibt ein gutes Beispiel für gelungene Integration auch mehr oder minder ungeregelter Einwanderung: Spätaussiedler, konkret die Anfang der 90er Jahre. Als sie damals nach Deutschland kamen, wurden sie von der Bevölkerung auch so abgelehnt wie Geflüchtete jetzt oder Ausländer an sich. So wie eben alle Menschen, die von aussen kamen und uns vermeintlich bedrohten. Niemand wollte sie, und sie waren auch oft in geschlossenen Wohn-Siedlungen.

Sie sind keine Geflüchteten, im Gegenteil. Aber sie sind in weiten Teilen mit dieser Gruppe gut vergleichbar: Oft keine Sprachkenntnisse, keine oder nicht anerkannte Ausbildungen und Schulabschlüsse. Es gab schlicht einen anderen staatlichen Integrationswillen von Deutschland ihnen gegenüber, jedoch keinen gesellschaftlichen.

Dennoch sind sie ein Beispiel, dass uns zeigt,. worum es jetzt geht.

Um es deutlich zu machen, um welche Zahlen es Anfang der 90er Jahre ging, macht es Sinn, die Zahlen der Spätaussiedler und die Asylzahlen gleichzeitig zu betrachten und damit auch gleich mit einem Vorurteil aufräumen:
 
„Das Boot ist voll“ So viele Menschen können wir nicht aufnehmen! ...

Hier der Link zum kompletten Artikel von  Netzwerk "Berlin hilft" vom 31.10.2017 >>>

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.
 
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