Offener Brief an die BILD - von Una Riess-Stadnik // Reza - Nachtrag // Ein Brief an das Auswärtige Amt - und eine Antwort!

Sie wissen ganz genau, was der unaufgeklärte Leser hören möchte und Sie betreiben mit diesen Artikeln eine ganz infame Hetze gegen Menschen, welche besonderen Schutz bedürfen 
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Die angesprochene Zeitung ist mal wieder die BILD. Wir finden hier in unserer kleinen Redaktion wirklich keine Worte mehr für diesen Ton, der hier von der BILD angeschlagen wird. Auf Kosten von hilfsbedürftigen Menschen wird versucht, noch mehr Leser zu animieren, sich für diese Hetze zu interessieren. 

Hier der Link zum Artikel der BILD vom 18.10.2017 >>> 
Merkel soll Abschiebung zur Chefsache machen! / Bild vom 18.10.2017

Menschen in großer Not, hier ist Hetze vollkommen fehl am Platz

OFFENER BRIEF

Email an BILD: von Una Riess-Stadnik

Betreff Chefsache

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Erschrecken habe ich soeben von Ihrer Aktion erfahren.

Schon oft sind Sie mit populistischen Schlagzeilen und Artikeln aufgefallen.

Sie wissen ganz genau, was der unaufgeklärte Leser hören möchte und Sie betreiben mit diesen Artikeln eine ganz infame Hetze gegen Menschen, welche besonderen Schutz bedürfen.

Sie wissen ganz genau, dass von Abschiebungen nicht nur kriminelle Menschen bedroht sind. Es sind auch Menschen von Abschiebung bedroht, welche durch Behördenwillkür in die Mühlen der Bürokratie geraten sind. Nicht zuletzt werden die Rechte dieser Menschen durch immer mehr das Asylrecht einschränkende Gesetzesänderungen beschnitten.

Ehrenamtlich engagiere ich mich wie so viele auch noch nach über zwei Jahren in der Flüchtlingshilfe. Ich betreue etwa 20 Männer und Jungen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Pakistan. Der älteste ist 38, der jüngste ist 9 Jahre alt. Keiner von ihnen ist kriminell, hat je eine Frau unsittlich berührt oder belästigt, hat gestohlen, jemanden umgebracht oder hat sich radikalisiert.

Zwei von ihnen sind unmittelbar gefährdet, obwohl sie alles richtig gemacht haben. Obwohl sie sich nichts zu Schulden kommen ließen, Deutsch lernen, arbeiten, dem deutschen Staat nicht auf der Tasche liegen (wie es immer so schön heißt). Beide erhielten ihre Negativbescheide nicht und konnten demzufolge nicht dagegen vorgehen und ihr Recht einklagen. Wie die Verhandlungen der anderen nach den fatalen Fehlentscheidungen des Bamf ausgehen, ist aufgrund der jetzigen politischen Lage ungewiss. Diese Situation lässt mich vor Verzweiflung nicht schlafen.

Wissen Sie, seit über zwei Jahren habe ich ununterbrochen mit diesen Menschen zu tun. Mit Ihrer Aktion tun Sie nicht nur Flüchtlingen Unrecht, sondern auch mir. Und auch vielen anderen, die sich um die Angekommenen kümmern und sorgen. Ihre Aktion ist ein Stich ins Herz. Ihre Aktion missachtet die Arbeit der Ehrenamtlichen. Ihre Aktion verunglimpft die Intergrationsbemühungen der allermeisten Flüchtlinge. Ihre Aktion macht aus Kriegsopfern zum zweiten Mal Opfer, diesmal Opfer von Hetze und Politik.
Ihre Aktion stilisiert meinen jüngsten Schützling, einen 9 jährigen, fast blinden afghanischen Jungen zu einem Verbrecher.

Denn für den normalen Informationskonsumenten sind alle Flüchtlinge kriminell und gehören abgeschoben.

Ich bin zutiefst erschüttert, wie Sie die Menschen manipulieren und andere zu Sündenböcken machen.


Meiner Meinung nach existiert eine sogenannte Flüchtlingskrise nicht. Zumindest nicht für uns wohlstandsgesättigte Europäer. Sie existiert aber sehr wohl für diese unglücklichen, traumatisierten, vertriebenen und verzweifelten Menschen.

Trotz Ihrer in meinen Augen populistischen Meinungsbildung suche ich das Gespräch mit Ihnen. Ich lade Sie ein, kommen Sie mit zu meinen Schützlingen. Sprechen Sie mit ihnen, hören Sie ihnen zu. Reden Sie mit dem 9 Jährigen und sagen Sie ihm, was Sie von ihm halten. Sagen Sie einem Familienvater, der unvorstellbare Dinge gesehen hat ins Gesicht, wie Sie über ihn denken. Aber hören Sie ihm erst zu.

Meine Einladung ist ernst gemeint und ich würde mich über Ihre Zusage wirklich freuen.

Freundliche Grüße

Una Riess-Stadnik

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Reza - Nachtrag

In der Sondermeldung von Gestern (24.10.2017) haben wir mitteilen können, dass nach den Informationen die wir von Frau Laaser (RA) von Reza erhielten, ihr Mandant nicht abgeschoben wurde. Das Bamf will den ganzen Fall neu überprüfen. Wir werden weiterhin darüber berichten, wir versuchen auch ein Interview mit Frau Laaser zu führen, wenn es ihre Zeit zulässt.

Wir sind alle froh, dass dieser Einzelfall erstmal ein glückliches Ende nahm. Allerdings müssen wir feststellen, dass der Flug mit allen anderen abgelehnten Flüchtlingen durchgeführt wird. Wer ist dort wohl noch an Bord, wo es möglicherweise sinnvoll wäre, eine weitere Überprüfung durch die Behörden vorzunehmen. 
Horst Berndt Okt.´17

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von Lemyie

Ein Brief an das Auswärtige Amt - und eine Antwort!  


Ich hatte an das Auswärtige Amt geschrieben und Minister Gabriel aufgefordert, sich für die Aussetzung der Abschiebungen nach Afghanistan einzusetzen und dafür zu sorgen, dass der Afghane Reza, der von Frau Laaser betreut wird, überhaupt nicht abgeschoben wird.
Die lapidare, teils unaufrichtige Antwort aus dem Amt mit den sympathischen Textbausteinen dürfte interessieren:

"AUSWÄRTIGES AMT
Bürgerservice


Sehr geehrte Frau XXX

vielen Dank für Ihr Schreiben an Bundesminister Gabriel. Leider ist es ihm aufgrund seiner zahlreichen Verpflichtungen nicht möglich, sich jedem Anliegen persönlich zu widmen, auch wenn er dies gern tun würde. Der Bürgerservice
wurde deshalb gebeten, Ihnen zu antworten.

Die Sicherheitshinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes beruhen auf den zum angegebenen Zeitpunkt dem Auswärtigen Amt verfügbaren und als
vertrauenswürdig eingeschätzten Informationen. Sie werden regelmäßig überprüft und aktualisiert.


Sowohl die Sicherheitshinweise als auch die Reisewarnungen richten sich stets nur an in Afghanistan reisende bzw. lebende deutsche Staatsangehörige. Den tagesaktuellen Reisehinweis finden Sie hier:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/AfghanistanSicherheit_node.html

Afghanistan ist derzeit nicht als sicheres Herkunftsland i.S. von Art. 16a GG eingestuft.

Zur Sicherheitslage in Afghanistan können wir Ihnen mitteilen, dass diese deshalb nicht möglich, weil eine solche Beurteilung stets nur unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des einzelnen Falles - wie z.B. Geschlecht, Ethnie, Konfession, Familienstand der Person - als hinreichend erachtet werden kann. 
Ferner gibt es klare Regeln, nach denen Asylantragsteller mit ablehnendem Bescheid des BAMF zurückgeführt werden können. Die Entscheidung erfolgt dabei stets im Einzelfall und wird durch die zuständigen Innenbehörden getroffen. Die zuständigen Behörden beachten dabei stets das Prinzip der Verhältnismäßigkeit, wozu die Prüfung von Abschiebehindernissen zählt (z.B. Krankheit oder Reiseunfähigkeit).

Für asylrechtliche Fragen würden wir Sie bitten, sich an die zuständigen Innenbehörden zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Bürgerservice im Auswärtigen Amt

Afghanistan: Reisewarnung
Letzte Änderungen: Aktuelle Hinweise, Allgemeine Reiseinformationen
auswaertiges-amt.de"
 Lemyie Okt.´17

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

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