Einser-Azubi auf der Abschiebeliste // Fluchtursachen bekämpfen, wie rührend. Wir bekämpfen Geflüchtete, aber keine Fluchtursachen. (Zitat Hagen Rether) - mit Video

Auch in Wismar gibt es wohl Schildbürger (Anm.d.Blog-Redaktion)
Einser-Azubi auf der Abschiebeliste

Die Wismarer Bauunion ist stolz auf ihren Lehrling Reza Rezai. Doch der 30-Jährige soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Geschäftsführer Jan Schubert kämpft für Rezas Bleiberecht

Reza Rezai ist inzwischen im dritten Lehrjahr. Die Gesellenprüfung 
hat er hinter sich, nun spezialisiert er sich als Maurer.
Quelle: Nicole Buchmann

Wismar
Anderthalb Jahre - anderthalb Jahre läuft Jan Schubert von Pontius bis Pilatus, um für seinen Lehrling im mittlerweile dritten Ausbildungsjahr eine Duldung zu erwirken. Wenigstens bis zum Ausbildungsende. „Eine Odyssee“, sagt Schubert.

Schubert ist einer der Geschäftsführer bei der Wismarer Bauunion. Unterm Dach bei Migrationsberaterin Manuela Latchinian besprechen sie mit Reza Rezai das weitere Vorgehen. „Als erstes muss jetzt eine eigene Wohnung her“, sagt Latchinian bestimmt. Der 30-Jährige nickt verhalten. Seit 2014 wohnt er in der Haffburg. Dabei kann er sich eine eigene Wohnung vom Lehrlingsgehalt leisten.

 „Wir haben eine gesucht und auch gefunden - aber die Ausländerbehörde hat Reza gesagt: Sucht er sich eine eigene Wohnung, wirkt sich das schlecht auf seinen Antrag auf Ausbildungsduldung aus“, erzählt Schubert.

Einser-Schüler und Wettbewerbsgewinner

Immer wieder gibt es einen anderen Grund, warum weder eine Duldung, eine Aufenthaltsgenehmigung oder eine eigene Wohnung für den Afghanen infrage kommen. Schubert bemüht sich um eine Lösung auf politischer Ebene, sucht das Gespräch mit der Ausländerbehörde und schließlich mit der Migrationsberaterin. Unterdessen liefert Reza sein Facharbeiterzeugnis ab: sieben Einser und fünf Zweier. In einem Leistungswettbewerb holt er in seinem Ausbildungsjahrgang den ersten Platz.

„Alle reden von Integration - und wenn das so gelingt wie bei Reza, dann scheitert das an formalen Hürden?“ Für Schubert ist das nicht zu begreifen. Hätte Reza seinen Antrag auf Ausbildungsduldung vor Beginn der Lehre zum Facharbeiter für Hochbau gestellt, sähe Schuberts und Rezas Welt heute anders aus - vielleicht.


Zurück in die „sichere Heimat“?

Denn noch gilt Afghanistan als sicheres Herkunftsland. Die Abschiebungen - sie sind nur ausgesetzt. Denn Attentat folgt derzeit auf Attentat. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres sind bei Anschlägen nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 1660 Menschen ums Leben gekommen, rund 3600 wurden verletzt.Reza in Afghanistan - für den jungen Mann gibt es dort nichts, das ihn mit den Menschen oder dem Land verbindet. Geboren wurde er dort. Nur einen Monat später gehen seine Eltern mit ihm in den Iran. Dort lebt Reza als Flüchtling, bis er 2014 über die Türkei nach Deutschland kommt. Sein Antrag auf Asyl wird damals abgelehnt. Auch der Gang vors Gericht blieb erfolglos.


Diakonie fordert Umdenken bei Abschiebepraxis

Beim Träger der Migrationsberatung, dem Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg, stößt der Fall auf Unverständnis. „Leider ist zu befürchten, dass durch Schwächen im Asylverfahren falsche Ablehnungen zustande kommen“, sagte Geschäftsführerin Kirsten Balzer. Das Diakoniewerk fordert in diesem Zusammenhang die Überprüfung der Abschiebepraxis in Deutschland. Abschiebungen nach Afghanistan müssten gestoppt werden. „Unsere Vorstellung darüber hinaus ist, dass bereits integrierte Flüchtlinge ein stärkeres Bleiberecht erhalten. Das gilt insbesondere für Menschen wie Reza Rezai“, betonte Balzer.


Ausländerbehörde sieht fehlende Mitwirkungspflicht

Der Landkreis sieht das anders. Wie eine Sprecherin auf OZ-Anfrage mitteilte, sei Reza seiner Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung seiner Papiere nicht nachgekommen. In der von der Botschaft erstellten Bescheinigung sei weder zu erkennen, ob Reza Dokumente beantragt habe noch ob für ihn eine Möglichkeit bestehe, einen Pass zu erhalten. Deshalb dürfe eine Ausbildungsduldung nicht erteilt werden – „die aufenthaltsbeendenden Maßnahmen können aus Gründen, die Reza selbst zu vertreten hat, nicht vollzogen werden.“ Übersetzt heißt das: Reza kann nicht abgeschoben werden, weil er keine Papiere hat.

Ungewisse Zukunft

Wegen seiner Integrationsbemühungen sei indes von der Aussprache eines sonst erforderlichen Beschäftigungsverbotes zunächst abgesehen worden. Eine eigene Wohnung komme für Reza Rezai auch nicht infrage – „weil für ihn eine durch Bescheid festgestellte und durch verwaltungsgerichtliches Urteil rechtskräftig bestätigte Ausreisepflicht besteht.“

Für Reza ist die drohende Abschiebung, die Ungewissheit über die Zukunft schwer zu ertragen. „Ich kann aber nichts machen - ich muss einfach durchhalten.“
Nicole Buchmann
 
Hier der Link zum Artikel der Ostsee-Zeitung.de vom 08.09.2017 >>>

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Fluchtursachen bekämpfen, wie rührend. 
Wir bekämpfen Geflüchtete, aber keine Fluchtursachen. (Zitat Hagen Rether)
"Unsere Lebensweise ist deren Fluchtursache". Der großartige Hagen Rether zieht in den Mitternachtsspitzen ein gewichtiges Resümee. Haben Sie auch das Zitat von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck erkannt?


Hagen Rether in den Mitternachtspitzen
   
Dies sind Kommentare aus der Facebookgruppe >>>
Wir leben auf Kosten anderer Menschen aus anderen Ländern. DAS ist mal ein klarer Fakt. Am Ende des Clips dreht der verehrte Hagen Rether einfach das Geschehen um, das klingt dann schon sehr nachdenkenswert.

Es fehlten dazu eigentlich nur noch die Terrorbanden und die Militärmaschinerie um das Bild des ausgebeuteten Deutschland zu beschreiben. Können wir uns überhaupt auch nur ansatzweise in das Leben dieser Menschen hinein versetzen. Ich befürchte, nicht!

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Stellen wir uns das mal nur für einen Augenblick vor, dass in Europa die Verhältnisse herrschen, die wir gerade in Afrika haben, wir können auch gern Syrien nehmen oder Afghanistan oder den Jemen. 

Würden wir auf die Idee kommen, in friedliche Staaten zu flüchten, wie z.B. Afrika? In Brandenburg und Sachsen wären Anschläge durch Terrorgruppen an der Tagesordnung. Schulen und Krankemhäuser wären betroffen und viele andere Einrichtungen auch Flughäfen wie in Leipzig oder Berlin. Entführungen wären an der Tagesordnung. 

Orte würden überfallen und Menschen erschossen, weil sie scheinbar gegen den Terror ankämpften oder auch nur einer anderen Religion angehöhrten. Was würden wir tun?


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Und dazu noch die Vorstellung, das der Deutsche in ein Land flüchtet, wo er weder die Sprache, noch die Schriftzeichen kennt und nicht mal im Ansatz eine Verständigung möglich ist und er letzten Endes gehaßt wird.

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.... oder mindestens damit rechnen muß, dass es so kommen kann. Du flüchtest und kommst vom Regen in die Traufe, vielleicht darf auch deine Familie nun nicht nachkommen. Wie soll sich ein deutscher Flüchtling dann im reichen Afrika integrieren? 

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Selbstmordattentäter würden sich auf Plätzen in die Luft sprengen bei religiösen Veranstaltungen, also christlichen Gottesdiensten, Kinder würden dabei zerfetzt und viele andere Menschen werden in den Tod gerissen. Kasernen des Militärs würden sogar angegriffen. NGO´s würden das Land verlassen, so wie es gerade auch in Afghanistan passiert.

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Dann mußt du in Afrika zum Bamf und hoffen, dass sie dir deine Geschichte auch glauben. Alles muß sehr korrekt übersetzt werden und du als Deutscher verstehst deren Sprache überhaupt nicht. Deine erste Anhörung bekommst du nach 5 Monaten nach Bangen und Hoffen, du lebtst in einer Sporthalle mit etwa 400 anderen Menschen zusammen und hast keine Privatsphäre. NA, wie fühlt sich das an?

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Dann gibt es noch Afrikaner, denen es gar nicht paßt, dass jetzt so viele Christen mit weißer Hautfarbe kommen, das kommt auch noch dazu.


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Afrikanische Parteien wollen die Grenzen dicht machen und überlegen an einer Obergrenze. Der Familiennachzug wird gestoppt.

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Du verläßt die Wohnung in Bremen und mußt immer auf der Hut sein, weil es überall einen Anschlag geben kann. Die Sicherheitskräfte in Bremen, Hamburg und Kiel sind vollkommen überfordert.

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Er hat auf exzellente Weise, Tatsachen präsentiert und interpretiert, schade, dass diese Programme so spät ausgestrahlt werden...

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Horst Berndt, Okt '17

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.


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Kommentare

  1. Hagen Rether versteht es mal wieder sehr gut, den Spiegel auf Voll-Zoom zu stellen. Am Ende dreht er das Geschehen einfach um, da wird dann sehr deutlich wie sich die Menschen in den Ländern fühlen müssen, deren Existenzgrundlagen durch den Gier-Kapitalismus der westlichen Welt vorsätzlich zerstört wird. Wer nun denkt, dass wir uns hier in Europa festungsmäßig abschotten können, der liegt für die Zukunft vollkommen falsch.
    Ich empfehle hierzu das Buch von Fabian Scheidler > DAS ENDE DER MEGAMASCHINE < Geschichte einer scheiternden Zivilisation. Wer den Worten von Hagen Rether gut zugehört hat, wird auch bemerkt haben, dass er den Bogen um Jahrhunderte zurückgespannt hat, das wiederum paßt sehr genau zu den Inhalten im Buch von Fabian Scheidler, der die Entwicklung noch weiter zurückdatiert. Hier ein Satz aus der Einleitung des Buches > Wir sind augenblicklich Zeugen, wie ein ganzer Planet, der vier Milliarden Jahre für seine Entwicklung brauchte, in einer globalen Wirtschaftsmaschinerie verheizt wird, die Unmengen von Gütern und zugleich Unmengen von Müll produziert, irrsinnigen Reichtum und massenhaftes Elend permanente Überarbeitung und sinnlosen Leerlauf. <

    Die Menschen, die jetzt auf der Flucht sind, weil ihnen die Existenzgrundlagen durch die MEGAMASCHINE entzogen werden, sollten uns zur Umkehr bewegen. Der Weg den wir beschreiten und wir beschreiten ihn mit, ist ein Weg in den Abgrund. Dieses Jahrhundert wird dafür wegweisend sein, wohin sich unsere zivilisation entwickelt.

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  2. Der politische Wahnsinn, der durchwegs Methode hat und unübersehbar auf der Hand liegt, muss ein Ende haben!
    Hätten wir, wonach der unüberhörbare Ruf besteht, ein Einwanderungsgesetz: Abitur mit einem Durchschnitt von 1.0 in sämtlichen Fächern mit Auszeichnung, nebst sehr guten Kenntnissen in 3 und guten in 2 weiteren Fremdsprachen, würden den 26-Jährigen Femi Morina zu einem gesuchten Wunschkandidaten machen.
    Nach jetzigem Asylrecht bewahrten weder die ethnische Gefährdung als Roma noch vielfältigst gezeigte und weit über Dolmetscherdienste und sonstige Hilfestellungen hinausgehende, ausgeprägte Integrationswilligkeit und -fähigkeit den, in Ausbildung zum Flachglasmechaniker befindlichen– ausgerechnet in Sachsen! – nicht vor der Abschiebung.
    Fragwürdig ebenso wie die weitere Behördenwillkür in Bayern gegen ein Asylantenehepaar aus dem Kosovo. Dessen Eheschließung wird trotz diverser Urkunden bis hin zum Ausweis über 15 Jahre hinweg nach wie vor nicht anerkannt. Ein Skandalurteil wegen angeblicher Urkundenfälschung aufgrund eines Buchstabendrehers beim Vornamen der Ehefrau in der Heiratsurkunde besteht weiter. Gravierende Negativfolgen bzgl. einer chronischen Autoimmunerkrankung werden geradezu billigend in Kauf genommen, ohne ihre eigentlichen Potentiale als ausgebildete Lehrerin in bsw. der Migrationsarbeit zu nutzen.
    Die Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe haben den Staat über ihr Engagement vor dem Kollaps aus einer entgegen ihrer Absehbarkeit negierten Situation bewahrt. Dennoch nutzte er die zurückliegende Zeit noch immer nicht für Ziel führende Lösungen, sondern, verliert sich in überbordendem Bürokratismus.
    Bleiben die HelferInnen weiter so vor den Kopf gestoßen und fallen sie aus, ist die Katastrophe nicht aufzuhalten.
    Setzen wir also ein Zeichen insgesamt, sowie in den konkreten Fällen und machen wir das Kanzlerinnenwort gerade für Femi Morina wahr: www.facebook.com/JaFemiwirschaffendas!

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