AUF EIN WORT - "Ich werde verrückt vor Angst" - von Lemyie // Migration - Bloß nicht Afghanistan // Ahmad Pouya - Wie geht es dem Afghanen?


von Lemyie

"Ich werde verrückt vor Angst" - so etwas hört man immer wieder von Afghanen, deren Verfolgung für BAMF-Mitarbeiter keinen ausreichenden Grund für die Asylanerkennung darstellt.

Seit dem Abzug westlicher Soldaten Ende 2014 ist der Krieg in Afghanistan wieder in vollem Gange. Nirgends im Land gibt es halbwegs sichere Gegenden; die Regierung kontrolliert mittlerweile nur noch weniger als die Hälfte des geschundenen Landes. Zusätzlich üben die Taliban Gewalt und Terror gegenüber der Zivilbevölkerung aus.
 Lebensgefährliche Rückführung (Deportation)

Es soll Afghanen geben, die nicht in erster Linie wegen des Krieges, sondern wegen ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Glaubens, ihrer Kooperation mit westlichen Besatzungsarmeen und/oder ihrer politischen Haltung in akute Lebensgefahr geraten sind und aus diesem Grund ihr Land verlassen mussten. 

Wenn sich auch solche Menschen trotz größter persönlicher Gefährdung zur Rückkehr entschließen, muss ihre Verzweiflung über das, was sie bei uns vorfanden, grenzenlos sein.

"Ich werde verrückt vor Angst" - so etwas hört man immer wieder von Afghanen, deren Verfolgung für BAMF-Mitarbeiter keinen ausreichenden Grund für die Asylanerkennung darstellt. 
Es ist kein Wunder, dass nicht die "freiwillige Rückkehr", sondern der Suizid gerade bei jungen Afghanen um sich greift.

Viele hoffen darauf, letzten Endes doch zu den Glücklichen zu gehören, die in Deutschland bleiben dürfen. Aber die Zahl der erzwungenen Deportationen steigt. Um diesen wenigstens einen Anschein von Legitimät zu verleihen, haben (un)verantwortliche Politiker die Mär von den Sträftätern, Gefährdern und Identitätsverschleierern erfunden, um die es sich bei den Deportierten handeln soll. Solche Begriffe sind beliebig dehnbar wie Gummi, und es ist kein Wunder, dass Abdul Ghafoor von der kleinen Hilfsorganisation Amaso in Kabul, die sich der Deportierten annimmt, diese Bezeichnungen mit den Ankommenden kaum in Verbindung bringen kann. "Tatsache ist, dass nur ganz wenige Straftäter ankommen. So etwas wie Gefährder gibt es kaum. Der Begriff Identitätsverschleierer ist so vage, dass fast jeder betroffen sein kann." Herr Ghafoor, jetzt haben Sie es verstanden: Die Begriffe sind im Hinblick auf ihren Zweck absichtlich so vage!

Es ist für Deutschland keine Entschuldigung, dass es im Ranking um die unbarmherzigsten, grausamsten, menschenverachtendsten Deportationen (noch) nicht den ersten Platz einnimmt. Hier besetzt (vorerst) Norwegen den Spitzenplatz, indem es ganze Familien und Kinder jeden Alters deportiert. Schweden und Österreich ziehen nach...

Soeben haben sich in Deutschland die Parteien mit dem Christen-Label dazu entschlossen, Unrecht zu Recht zu erklären und nur noch eine begrenzte Zahl verfolgter Menschen aufzunehmen. Noch weiß niemand genau, wie dieser gottlose Plan praktiziert werden soll und kann. Eine Variante wären vermehrte "Rückführungen", um eine größere Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen, die dann nach kurzer Zeit wieder "rückgeführt" werden, um vorne wieder eine größere Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen....
Lemyie Okt.´17 
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Migration 

Bloß nicht Afghanistan

Immer weniger geflüchtete Afghanen kehren freiwillig in ihre Heimat zurück. Dort häufen sich die Gewalttaten.
Eine nur scheinbar friedliche Welt: Afghanin bei der Baumwollernte nahe Masar-i-Sharif. Foto: afp
Die Zahl der nach Europa geflohen Afghanen, die sich zu einer freiwilligen Rückkehr in ihre Heimat entschließen, sinkt dramatisch. Schuld ist die prekäre Sicherheitslage in ihrer Heimat. Laut Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Kabul kamen bis Ende September nur 2817 Flüchtlinge aus Europa an. „Ich glaube, wir werden in diesem Jahr höchstens 50 Prozent der Heimkehrer des Jahres 2016 erreichen, sagte Masud Ahmadi, Leiter des für Europa zuständigen Nationalen Programms für Rückkehr, Re-Integration and Wiederansiedlung der IOM der Frankfurter Rundschau, Ein wichtiger Grund: Gegenwärtig passiert eine Menge in Afghanistan.
Die meisten Heimkehrer (958) kamen aus Deutschland zurück nach Afghanistan. Die Türkei, die seit einer Vereinbarung mit Berlin und der Europäischen Union Auffanglager für Flüchtlinge unterhält und deshalb in den Statistiken mit aufgeführt wird, lag bis Ende September mit 774 an zweiter Stelle, gefolgt von Bulgarien mit 434.

Im Jahr 2015 folgten laut Schätzungen etwa 220 000 Afghanen der Hoffnung auf einer besseres und sicheres Leben in Europa. 7000 kehrten im vergangenen Jahr enttäuscht oder ihrer Träume beraubt freiwillig nach Afghanistan zurück – die höchste Zahl, seit Ende 2001 und Anfang 2002 ausländische Truppen im Kampf gegen Terror und die radikalislamischen Talibanmiliz am Hindukusch stationiert wurden und Hoffnung auf Frieden schürten. 




Seit dem weitgehenden Abzug westlicher Soldaten Ende 2014 flammte der Krieg am Hindukusch erneut auf. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden laut den Vereinten Nationen 5200 Zivilisten getötet oder verletzt. Afghanistan befindet sich damit auf dem besten Weg, den deprimierenden Rekord von 2016 zu brechen.

Im vergangenen Jahr betrug die Zahl getöteter oder verletzter Zivilisten etwa 10 000. Etwa 200 000 Afghanen wurden seit Anfang Januar wegen des Konflikts aus ihren Heimatdörfern vertrieben und suchen nun Schutz in ruhigeren Gegenden.

Aber selbst in der Hauptstadt Kabul häufen sich die Attentate der Talibanmilizen und der Terrortruppe „Islamischer Staat“. Eine Autobombe, die Ende Mai die Kanzlei der Deutschen Botschaft in Kabul in eine Ruine verwandelte, forderte zahlreiche Menschenleben. Die meisten Opfer waren Zivilisten. „Unsere Regierung kontrolliert gegenwärtig weniger als die Hälfte Afghanistans“, sagte Rangin Dadfar Spanta vom Afghanischen Institut für Strategische Studien, ein ehemaliger Sicherheitsberater und Außenminister des früheren Präsidenten Hamid Karsai der FR, „Die meisten Bewohner leben in Gegenden, die von der Regierung beherrscht werden. Das sind überwiegend städtische Gebiete.“ 


Amnesty International bezifferte die Zahl der Heimkehrer, die im Gegensatz zu den IOM-Angaben auch Zwangsabschiebungen einschließt, auf 9500 und nannte die Abschiebungen völkerrechtswidrig. IOM-Vertreter Ahmadi sagte dazu: „Die zwangsweise Abgeschobenen sind am verwundbarsten. Manche kommen in ihren Schlafanzügen hier an und wissen nicht weiter.“ Seine Organisation arbeitet bei der Freiwilligenrückkehr mit Regierungen betroffener Länder zusammen. Bei zwangsweise abgeschobenen Afghanen wird IOM erst nach ihrer Ankunft in Afghanistan aktiv und betreute in diesem Jahr weniger als 100 Abgeschobene aus Deutschland.
Hier der Link zum Artikel der Frankfurter Rundschau vom 09.10.2017 >>> 

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Ahmad Pouya - wie geht es dem Afghanen, der durch sehr viel Unterstützung aus der Zivilbevölkerung wieder nach Deutschland einreisen durfte ?
 
Ahmad Pouya in Angst essen Seele auf von Rainer Werner Fassbinder

Wir arbeiten gerade daran, in den nächsten Tagen einen aktuellen Artikel zu präsentieren. Dies erfolgt mit Hilfe von Zuflucht Kultur e.V.. Mit diesem Verein arbeiten wir nun schon viele Monate zusammen. Was wir mitteilen können, Pouya hatte in den letzten Monaten viele Engagements in diversen Theaterstücken, die alle sehr erfolgreich waren und überwiegend ausverkauft waren. 

 Zuflucht Kultur e.V.
Sein Künstlervisum lief ja mit dem 15.10.2017 ab und wir gehen davon aus, dass er auch weitere Engagements erhalten wird. 

Ein Projekt, was unser Blog in Zusammenarbeit mit Pouya für unsere Leserinnen und Leser ins Auge gefaßt hat, wollen wir Euch dann auch präsentieren, natürlich geht es dabei auch um Afghanistan, allerdings auch um das Kennenlernen des Landes und der Geschichte Afghanistans. 
Horst Berndt Okt. ´17 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.
 
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