Angst und Leere: Abgeschoben nach Afghanistan - von Jürgen Webermann (ARD) // Claudia Stamm „Keinen bayerischen Sonderweg mehr! 3 plus 2 muss endlich auch in Bayern gelten.“ // Spendenaufruf Flüchtlingspaten Dortmund für Hasam

Angst und Leere: Abgeschoben nach Afghanistan
Die Afghanen Matiullah und Arash wurden im vergangenen Winter abgeschoben. Beide hatten mehr als fünf Jahre in Deutschland gelebt. Jetzt leben sie in Kabul in Angst und Unsicherheit - und unter Druck: Matiullah hadert immer noch mit der Frage nach dem "Warum?", er muss seine Geschwister versorgen. Arash arbeitet daran, seine Freundin in Bayern zu heiraten. Daran knüpft er seine Hoffnung auf eine Rückkehr nach Europa. Sowohl er als auch Matiullah sehen in Kabul keine Zukunft, wie das "Echo der Welt" auf NDR Info berichtet.
von Jürgen Webermann, Korrespondent im ARD-Studio Neu Delhi 
Matiullah hat als Pizzabäcker in Deutschland gearbeitet.
Jetzt muss er ein neues Leben in Kabul
beginnen.


  Jürgen Webermann, Korrespondent im ARD-Studio Neu Delhi

Anmerkung der Blog-Redaktion: Wir dürfen die Artikel von Jürgen Webermann hier im Blog präsentieren. Webermann präsentiert seine Artikel immer sehr klar und sachlich. Man bekommt quasi ein Bild durch die Artikel beschrieben und dies in seriöser Art und Weise. Die geneigten Leserinnen und Leser können sich ein eigenes Bild anhand der Schilderungen machen. 
Horst Berndt Okt. ´17

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Zumindest nach außen wahrt Matiullah die Fassade. Schickes Sakko, darunter ein schwarzes Hemd, sauber gestutzter Bart und nach hinten gegelte Haare. Er lächelt viel. 

Aber in ihm sieht es anders aus. Matiullah hadert mit seinem Schicksal: "Ich weine manchmal. Warum ist mit mir so was passiert? Ich habe immer versucht, mein Bestes zu machen. Ich habe den Hauptschulabschluss gemacht. Ein Jahr Ausbildung. Ich war Pizzabäcker. Ich weiß nicht, wieso."

Aus der heilen Welt nach Kabul

Drei Polizisten neben und hinter ihm im Flugzeug, Matiullah in Handschellen, dann abgeladen in Kabul, mitten im Winter. In einer Stadt, die ihm längst fremd geworden war. Der 22-Jährige hatte in Deutschland Miete, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Sieben Jahre lang hat Matiullah in Hessen gelebt. Er war kein Straftäter, sondern integriert, und er kann das belegen. 
Aber in Kabul will ihm das niemand glauben: "Jeder fragt dich: Erzähl mir, was du da für eine Scheiße gebaut hast. Bestimmt hast du doch Scheiße gebaut. Du musst jeden Tag erklären: Hier, ich habe nichts gemacht. Das nervt, wirklich."

Wir haben Matiullah schon einmal getroffen, kurz nach seiner Ankunft in Kabul im vergangenen Winter. Damals war er völlig orientierungslos. Matiullah hatte keine Ahnung, wie er ein neues Leben in Afghanistan beginnen sollte. Inzwischen kennt er Leute in Kabul, er hat einige Freundschaften geschlossen. Aber trotzdem lässt ihn die Frage nach dem "Warum" einfach nicht los.

Ratlos in der alten Heimat
Das Leben in Kabul ist alles andere als sicher und einfach.

Masood Ahmadi hat diese Ratlosigkeit bei vielen Abgeschobenen beobachtet. Er arbeitet bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einem Ableger der Vereinten Nationen. Ahmadi und seine Kollegen leisten Nothilfe für Abgeschobene, sie organisieren den Weitertransport in ihre Heimatprovinzen oder ein Zimmer für die ersten Nächte in Kabul. "Wir sehen ganz klar, dass Abgeschobene dieses Stigma haben, diese Scham, weil sie es nicht geschafft haben. Sie sind mental nicht auf das Leben hier vorbereitet. Diese Enttäuschung ist ihnen anzusehen. Ihre Gesichter sprechen für sich."

Zu dem Gefühl der Scham kommt die Angst vor dem Krieg, vor den Anschlägen. In vielen Provinzen gibt es Kämpfe, und in Kabul beinahe jeden Tag Zwischenfälle. Wie selbstverständlich zeigt auch Masood Ahmadi vor dem Interview kurz den Weg zum Bunker. Man weiß ja nie, selbst auf dem schwer bewachten Gelände einer internationalen Organisation. "Die Lage kann sich in jeder Minute ändern. Heute scheint alles gut und sicher. Und morgen passiert dann etwas. Es ist einfach schwer vorherzusagen", sagt Ahmadi. "Volatil" nennen die Vereinten Nationen eine solche Lage. Das Wort "sicher" verwenden sie nicht.
Der Afghane Arash möchte heiraten und nach Deutschland zurück.
Die Anschläge und vor allem die ausufernde Kriminalität sind auch ein Problem für Arash Alekuzei. Er wurde im Februar aus Deutschland ausgeflogen. In Kabul fühlt sich Arash nicht sicher: "Immer habe ich Angst. Du kannst zum Beispiel bis 16 Uhr draußen bleiben, danach kannst Du nichts mehr machen. Immer zu Hause, immer zu Hause. Man wird krank."

Arash lebt wieder mit seinen Eltern in Kabul. Er war fünf Jahre lang in Deutschland, er hat die Schule besucht und ein Berufsintegrationsjahr abgeschlossen. Seine Eltern wollten nachkommen. Sie hatten es bis in die Türkei geschafft. Dann wurde Arash aus Deutschland abgeschoben. Im Frühjahr kehrten auch die Eltern zurück nach Afghanistan. Das Haus hatten sie vor ihrer Ausreise verkauft, um die Schlepper zu bezahlen. Jetzt wohnt die Familie zur Miete.
 

Heirat als letzte Chance

Arash hat eine Verlobte in Nürnberg. Beim Standesamt liegen bereits die Anträge zur Eheschließung. Das sei seine einzige Chance auf Rückkehr nach Deutschland, sagt Arash. Aber die Überprüfung der afghanischen Dokumente könnte sich hinziehen. Die Stadt Nürnberg hatte die Unterlagen Mitte Mai nach Kabul geschickt, zur deutschen Botschaft. Ende Mai wurde das Botschaftsgebäude bei einem Anschlag zerstört. Seitdem ist die deutsche Vertretung nur beschränkt arbeitsfähig. Arash hat von der Konsularabteilung jedenfalls noch keine Rückmeldung.

Hilfe zur Selbsthilfe

Matiullah will auch zurück nach Deutschland, er weiß aber nicht, wie. Geld für eine erneute Flucht hat er nicht. Er will auch nicht noch einmal eine solch beschwerliche Reise antreten. 2010 hatte er auf dem Weg nach Europa derart traumatische Erfahrungen gemacht, dass das Uniklinikum Frankfurt ihm eine schwere Depression attestierte.

Derzeit teilt sich Matiullah am Stadtrand von Kabul ein Zimmer mit seinen vier Geschwistern. Ein Onkel hat sie aufgenommen. Die Eltern sind tot. Matiullah hat sich inzwischen eine Aufgabe gesucht. Er hilft anderen Abgeschobenen und Rückkehrern. Matiullah redet mit ihnen, über das Gefühl, versagt zu haben und nicht zu wissen, wie es weiter geht. So hilft er ein wenig auch sich selbst.


Hier der Link zum Artikel von Jürgen Webermann (Korrespondent im ARD-Studio Neu Delhi) vom 12.10.2017 >>> 
Angst und Leere: Abgeschoben nach Afghanistan von Jürgen Webermann, Korrespondent im ARD-Studio Neu Delhi vom 12.10.2017

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Abgeordnete Claudia Stamm fordert: „Keinen bayerischen Sonderweg mehr! 3 plus 2 muss endlich auch in Bayern gelten.“
Keine Ausbildung für abgelehnte Asylbewerber in Bayern. Am 1. September begann das neue Lehrjahr. Nicht dabei waren gut 20 Asylbewerber, obwohl sie einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatten.


Claudia Stamm (Partei mut)


Pressemitteilung 12.10.2017


Innenstaatssekretär Gerhard Eck bricht sein mehrfach gegebenes Versprechen gegenüber dem Landtag. 
Abgeordnete Claudia Stamm fordert: „Keinen bayerischen Sonderweg mehr! 3 plus 2 muss endlich auch in Bayern gelten.“ 

Keine Ausbildung für abgelehnte Asylbewerber in Bayern. Am 1. September begann das neue Lehrjahr. Nicht dabei waren gut 20 Asylbewerber, obwohl sie einen Ausbildungsvertrage in der Tasche hatten. 
Alles Fälle, die die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm persönlich Innenstaatssekretär Gerhard Eck vorlegte. „Die bayerische Wirtschaft braucht junge Auszubildende, doch die Staatsregierung hat offensichtlich kein Interesse.“ 
„Über 20 Anträge und fast keine Reaktion“, das ist das kurze Fazit von Claudia Stamm über ihre Bemühungen, Innenstaatssekretär Gerhard Eck beim Wort zu nehmen. „Gerhard Eck hat vor dem Plenum des Landtages mehrfach, zuletzt kurz vor der Sommerpause, erklärt, es gebe in Bayern keine Fälle, die nicht genehmigt würden. Wenn es solche gäbe, dann würde er sich persönlich aller Fälle annehmen, und sie genehmigen lassen. Es ist ein Hohn, nach mehrfachen Nachfragen und Nachhaken nur eine Mail zu bekommen, in der man lediglich mitteilt, man müsse noch prüfen – gut zwei Monate nachdem die ersten Fälle bei ihm eingingen und ein Monat nach Beginn des Ausbildungsjahres."  
Die bundesweit geltende 3+2-Regel soll auch abgelehnten AsylbewerberInnen einen Zugang zu einer Ausbildung in Deutschland verschaffen. Danach erhalten sie für die 3 Jahre ihrer Ausbildung und für 2 weitere Jahre, in denen sie arbeiten dürfen, eine Duldung. „Wir konnten innerhalb von wenigen Wochen viele Fälle zusammentragen und dokumentieren. Ein Fall weicht etwas ab, dabei handelt es sich um einen Studenten mit Referenz der Hochschule. Nun ist die Staatsregierung gefordert, nicht nur zu reden, sondern auch Taten folgen lassen.“ Nur im ersten Fall, reagierte der Staatssekretär bisher

12. Oktober 2017
Landtagsbüro Maximilianeum 81627 München


Claudia Stamm Mitglied des Bayerischen Landtags
 Wirklich. Bei den von uns dokumentierten Fällen handelt es sich um abgelehnte Asylbewerber mit einer guten Integrationsprognose. Alle haben Ausbildungsverträge oder Zusagen eines Arbeitgebers, schwarz auf weiß! „Bayern darf bei 3+2 keinen Sonderweg einschlagen. Es geht nicht nur um die Geflüchteten, sondern auch um die Menschen, die sie beim Weg ihrer Integration begleitet haben. Und ja, auch die bayerischen Unternehmen brauchen dringend Nachwuchs.“
Wir wissen von einem Betrieb, der fünf Auszubildende einstellen wollte, zwei haben in der Zwischenzeit auch ohne Ecks Zutun eine Genehmigung, drei haben mittlerweile Klage eingereicht. Doch der Betrieb geht nicht mehr davon aus, dass sie in diesem Jahr noch ihre Ausbildung beginnen können.“
Die Fälle wurden Claudia Stamm und der von ihr mitbegründeten neuen Partei mut vorgelegt. In der Hoffnung, nach dem Bundestagswahlkampf würde man abseits von Parolen wieder arbeiten, wartete man mit den Fällen zu. „Doch nun läuft den Betroffenen einfach die Zeit davon.“
Auf Nachfrage können wir die meisten der Verträge vertraulich weitergeben. Claudia Stamm liegen Verträge und andere Schreiben für jeden Fall vor.



Weitere Informationen über das Abgeordnetenbüro von Claudia Stamm

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Spendenaufruf der 
Flüchtlingspaten Dortmund für den 
jungen afghanischen Studenten Hasam
Hasam bei einer Veranstaltung mit Beteiligung der Flüchtlingspaten.
Seine Frau auf dem Hintergrundbild.
Unser Verein unterstützt Hasam.

Der junge Student ist vor ca. zwei Jahren aus Afghanistan geflüchtet, wo er durch den Krieg an den Beinen schwer verletzt wurde, sodass er die Flucht auf Krücken bewältigen musste und mittlerweile im Rollstuhl sitzt. Seiner 21 jährigen Ehefrau wurde von den deutschen Behörden der Ehegattennachzug bewilligt.

Allerdings wurde nach dem Bombenanschlag in Kabul am 30. Mai 2017 der Termin für den Visumsantrag in der deutschen Botschaft gestrichen. Der Termin wäre Anfang Juni gewesen.

Schon zuvor verlor Hasams Frau aufgrund ihrer Ängste durch den Krieg und der Trennung von ihrem Mann ihr ungeborenes Kind. Dem Nachzug, der ihr immer noch zusteht, werden nun kaum zu bewältigende Hürden in den Weg gelegt.

Afghanische Geflüchtete sollen mittlerweile ihre Visa bei den deutschen Botschaften in Pakistan oder Indien beantragen. Hasam, der von Bafög lebt, hat keine Möglichkeit, das Geld für die kostspieligen Reisen, die seine Frau nun antreten muss, aufzubringen.

Wir möchten Hasam und seine Frau gerne unterstützen, sodass Hasams Frau bald nach Deutschland nachkommen kann. Wer den Beiden helfen möchte, spende bitte auf unser Vereinskonto mit dem Stichwort Hasam.

IBAN: DE28 4306 0967 4106 2371 00
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Hasam

Jeder noch so kleine Betrag hilft weiter. Die Spenden kommen in vollem Umfang Hasam und seiner Frau zugute. Wir stellen selbstverständlich auch Spendenbescheinigungen aus, dafür müsstet ihr euch dann nochmal bei uns melden und uns eure Kontaktdaten geben (bitte per Mail an info@fluechtlingspaten-dortmund.de)

Wir danken schon mal Im Vorraus für alle Spenden!!! Ein ganz ganz großes Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender.

Teilt und verbreitet den Aufruf!
Vielen Dank

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

 
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