Abschiebung von Reza - Realität und Wirklichkeit - Offener Brief von Dr. Dietrich Krauss, Max Uthoff u. Claus von Wagner // Zum Artikel von Thomas Ruttig // Nächster Abschiebeflug nach Afghanistan am 24.10.

Kabarettisten mit Haltung

von links: Dr. Dietrich Krauss, Claus von Wagner, Max Uthoff


Offener Brief: von Dr. Dietrich Krauss, Max Uthoff und Claus von Wagner
 
Abschiebung von Reza – Realität und Wirklichkeit

Die Bundesregierung sagt, es gibt in Afghanistan sichere Gebiete. Deshalb soll am kommenden Dienstag Reza, ein Asylbewerber schiitischen Glaubens, nach Kabul geflogen werden. 
  • In Wirklichkeit wurden in den „sicheren Gebieten“ in Kabul bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee am letzten Freitag 56 Schiiten getötet und 55 verletzt. 

Die Bundesregierung hat festgelegt, dass bis auf weiteres nur Gefährder, Kriminelle und Menschen, die sich der Identifizierung verweigern, nach Afghanistan abgeschoben werden. 
  • In Wirklichkeit soll am Dienstag mit Reza ein Asylbewerber abgeschoben werden, der aktiv an seiner Identitätsfeststellung mitgewirkt hat, der keinerlei Straftaten begangen hat und von dem keinerlei Gefahr ausgeht. 

Die Bundesregierung will diesen Asylbewerber  nach Afghanistan „zurück“bringen. 
  • In Wirklichkeit ist er im Iran aufgewachsen und war noch nie in seinem Leben in Afghanistan. Ihm droht dort Gefahr für Leib und Leben, weil er der verfolgten Minderheit der Hazara angehört. 

Die Bundesregierung ist dem Schutz der Familie verpflichtet. 
  • In Wirklichkeit gilt das nicht für Schutzsuchende. Die Mutter von Reza lebt ebenso wie seine beiden Schwestern in Deutschland; während der Sohn in ein Kriegsgebiet geschickt werden soll. 

So sitzt ein unbescholtener Flüchtling im bayerischen Abschiebegefängnis, um in ein fremdes Land ausgeflogen zu werden, wo ihm dem Tod und Verfolgung drohen. Diese Praxis verkehrt das deutsche Asylrecht und das, was noch von ihm übrig geblieben ist, in sein Gegenteil: 

Wir fragen uns, wo sitzen hier die Gefährder – wo die Gefährdeten? Diejenigen, die mit ihrem Verhalten das Grundrecht gefährden, sitzen jedenfalls nicht in dem Flieger nach Afghanistan. Stoppen Sie die Abschiebung! 

gez. 

Dr. Dietrich Krauss
Max Uthoff 
Claus von Wagner 
Horst Berndt 
Ann Purann
Joachim Spehl 

Dazu >

Hier der Link zum Blog-Artikel vom 20.10.2017,  der sich mit Fall (Reza) beschäftigt, der im >Offenen Brief< unserer Kabarettisten angesprochen wird.  >>> 

Der Fall Reza - Gefährder, Krimineller, Identitätsverweigerer - nichts trifft hier zu! Eine berliner Anwältin setzt alle Rechtsmittel ein um für diesen Mann Gerechtigkeit zu erlangen.


Dazu > 

 TAGESSCHAU.DE

Flug nach Kabul geplant. Zweifelhafte Abschiebung nach Afghanistan

Für Dienstag ist erneut eine Abschiebung nach Afghanistan geplant. Zwar sollen derzeit nur Straftäter, Gefährder und Identitätsverweigerer dorthin gebracht werden - doch in mindestens einem Fall scheint sich die Regierung nicht daran zu halten.



Trotz massiven Protests von Menschenrechtsgruppen wurden in diesem Jahr mehrfach Afghanen zurück in ihre Heimat geflogen.


Der nächste Abschiebeflug mit abgelehnten afghanischen Asylsuchenden aus Deutschland nach Kabul soll morgen vom Flughafen Leipzig-Halle starten. Dies berichten mehrere Flüchtlingshelfer und Anwälte. Es wäre die zweite Sammelabschiebung seit dem Anschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul im Mai dieses Jahres.

Wegen der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan sollen derzeit eigentlich nur bestimmte Gruppen abgeschoben werden - nämlich Straftäter, Gefährder und Menschen, die "hartnäckig ihre Mitarbeit an der Identitätsfeststellung" verweigern. Ob sich Bund und Länder an diese selbst gesetzte Vorgabe halten, ist allerdings schwer zu überprüfen. Denn die Innenministerien äußern sich grundsätzlich nicht zu geplanten Abschiebungen. So ist unklar, wie viele abgelehnte Asylbewerber nun abgeschoben werden sollen und wer dies genau ist.

Kein Straftäter, Gefährder oder Identitätsverweigerer

Mindestens ein Fall erscheint jedoch zweifelhaft. Die Berliner Anwältin Myrsini Laaser berichtet von einem betroffenen Mann, der am vergangenen Mittwoch in Abschiebehaft genommen worden sei. Ihr Mandant sei offensichtlich weder Straftäter noch Gefährder. Außerdem sei seine Identität zweifelsfrei geklärt. Das geht auch aus dem Haftbefehl gegen ihn hervor. Darin heißt es, gegen den Mann - der seit zwei Jahren in Deutschland lebt - seien nach Kenntnis der zuständigen Behörde keine strafrechtlichen Ermittlungsverfahren anhängig.

Laaser kritisiert, dass durch die Ankündigung der Regierung, nur Straftäter und Gefährder abzuschieben, jetzt auch ihr Mandant einem solchen Verdacht unterliege. Sie befürchtet, dass er dadurch in Afghanistan in Gefahr geraten könne - wegen einer "unverhältnismäßigen Strafverfolgung", da auch die Behörden in Kabul nicht darüber informiert würden, wer konkret abgeschoben werde.

Mann gehört zu besonders gefährdeter Minderheit

Erschwerend kommt hinzu, dass der Mann zur Volksgruppe der Hasara gehört. Sie gilt als oft diskriminierte und besonders gefährdete Minderheit in Afghanistan. Extremisten verüben immer wieder gezielte Angriffe auf Hasara, vergangenen Freitag starben Dutzende Menschen bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee in Kabul. 

War noch nie in Afghanistan, soll aber dorthin abgeschoben werden
Außerdem habe ihr Mandant zwar die afghanische Staatsangehörigkeit, sagt Anwältin Laaser. Er wurde aber im Iran geboren und hat nie in Afghanistan gelebt. "Ich gehe davon aus, dass jemand, der noch nie in Afghanistan gewesen ist und dort auch keine Familie hat, auf dessen Unterstützung er zurückgreifen kann, nicht in der Lage sein wird, dort zu überleben", sagt Laaser.

Warum dieser Mann nun abgeschoben werden soll, ist unklar. Das zuständige bayerische Innenministerium teilte auf Anfrage mit, grundsätzlich schiebe Bayern nur Ausländer ab, "die vollziehbar ausreisepflichtig sind, deren Asylantrag also bestandskräftig vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt worden ist". Ansonsten äußere man sich nicht zu "Einzelheiten einer in Vorbereitung befindlichen Sammelabschiebung". 

Menschenrechts-Organisationen fordern Abschiebe-Stopp

Menschenrechts-Organisationen wie Pro Asyl und Amnesty International haben dazu aufgerufen, die geplante Sammelabschiebung komplett zu stoppen. Die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Tausende Zivilisten seien dieses Jahr bereits getötet worden, Millionen seien auf der Flucht. Laut einem Bericht von Spiegel Online hat zudem erst kürzlich das Bundesverkehrsministerium davor gewarnt, wegen drohender Raketenangriffe den Flughafen Kabul anzufliegen. Es werde geraten, das Land nur in großer Höhe zu überfliegen.

Das Bundesinnenministerium hält Abschiebungen dennoch für möglich und vertretbar. Es verweise auf einen Zwischenbericht des Auswärtigen Amtes zur Sicherheitslage in Afghanistan von Ende Juli 2017. Danach sei es "unter Berücksichtigung der Umstände jedes Einzelfalls verantwortbar und geboten", Rückführungen durchzuführen.
Hier der Link von tagesschau.de vom 23.10.2017 >>> 
Flug nach Kabul geplant Zweifelhafte Abschiebung nach Afghanistan / ARD vom 23.10.2017

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Zum Artikel von Thomas Ruttig > 

Der folgende Artikel beinhaltet umfassende Informationen und Links zu Artikeln, die uns eindeutig vor Augen führen, dass die Wahrnehmung unserer Regierung, was die Situation in Afghanistan betrifft, eher nicht mit der Realität übereinstimmt. 

Der Fall Reza (Abschiebung soll am 24.10.2017 sein, ab Flughafen Leipzig), ist ein klarer Beleg dafür, dass unsere Regierung ihre eigens aufgestellten Regeln ad absurdum führt. Der Artikel von Thomas Ruttig ist etwas länger, aber bitte, lest ihn mal bis zum Ende in RUHE durch. 

Die Anwältin Frau Laaser versucht mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln diese vollkommen unberechtigte Abschiebung zu verhindern. Der Fall wird auch hier im Artikel von Thomas Ruttig erwähnt. Wir stehen täglich in Kontakt mit der Rechtsanwältin. Es werden Menschen abgeschoben, so entsteht der Eindruck über die Monate, die man schnell greifen kann und die sich nicht wehren können. Die wirklichen Gefährder werden de facto nicht abgeschoben, wie man lesen kann.

Reza, der Afghanistan nie betreten hat, soll nun dorthin abgeschoben werden! Ein Amri (Attentat in Berlin) darf ungehindert durchs Land fahren, obwohl längst klar war, dass mehrere Straftaten vorlagen. Er mordet dann in Berlin kurz vor Weihnachten und er schafft es sogar, das Land zu verlassen. Erst in  Italien wird er gestellt. Macht es sich unser Staat hier nicht etwas zu einfach?

Die Würde des Menschen ... ich kann es gar nicht mehr hören - ist in Deutschland antastbar.
Horst Berndt Okt.´17

Nächster Abschiebeflug nach
Afghanistan am 24. Oktober
Die nächste Sammelabschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber aus Deutschland nach Kabul soll am 24. Oktober stattfinden, trotz – wie die vergangene Woche zeigte (darüber hier in Kürze mehr) – der sich weiter verschärfenden Sicherheitslage in Afghanistan. Das berichtete schon in der vergangenen Woche dpa unter Berufung auf den Bayerischen Flüchtlingsrat, afghanische Aktivisten sowie die Anwältin eines Abschiebekandidaten.

Flughafen Leipzig
Die nächste Sammelabschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber aus Deutschland nach Kabul soll am 24. Oktober stattfinden, trotz – wie die vergangene Woche zeigte (darüber hier in Kürze mehr) – der sich weiter verschärfenden Sicherheitslage in Afghanistan. 
Das berichtete schon in der vergangenen Woche dpa unter Berufung auf den Bayerischen Flüchtlingsrat, afghanische Aktivisten sowie die Anwältin eines Abschiebekandidaten. Und es gibt eine Premiere: Diesmal wird der Flughafen Leipzig-Halle der Abflugsort des Abschiebe-Charterfluges sein, also in dem Bundesland, in dem die flüchtlingsfeindliche AfD bei der kürzlichen Bundestagswahl die zweitstärkste Kraft geworden war. (Der Flughafen liegt bei der sächsischen Stadt Schkeuditz.)

Bemerkenswert ist auch, dass die noch amtierende Große Koalition diese dann siebte Abschiebung seit Wiederaufnahme dieser Praxis Ende 2016 noch während der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen veranstaltet. Man darf besonders darauf gespannt sein, wie die Grünen auf diese Aktion reagieren werden – bisher hatten sie Abschiebungen nach Afghanistan weitgehend abgelehnt.

(Hier mein Bericht zur vorhergehenden Abschiebung und hier Gesamtzahlen zu Abschiebungen aus Deutschland und Europa bis Mitte Juli.)

Zunächst aber die bereits zitierte dpa-Meldung (hier im Original):


Nächster Abschiebeflug nach Afghanistan am 24. Oktober

18.10.2017, 15:39 Uhr | dpa

Der nächste Abschiebeflug mit abgelehnten afghanischen Asylbewerbern aus Deutschland nach Kabul soll am 24. Oktober in Leipzig-Halle starten. Das Datum nannten am Mittwoch unter anderem der Bayerische Flüchtlingsrat, afghanische Aktivisten sowie die Anwältin eines Abschiebekandidaten. Das Bundesinnenministerium äußert sich vor Abschiebungen grundsätzlich nicht zu Details. In Leipzig laufen bereits Vorbereitungen für Protestaktionen, wie die sächsische Linke-Abgeordnete Juliane Nagel der dpa sagte.

Die Anwältin [eines] Abschiebekandidaten, Myrsini Laaser, sagte am Mittwoch, ihr Mandant sei am Morgen in seiner Unterkunft in Bayern festgenommen worden. Zwei weitere Afghanen sollen nach Auskunft von Flüchtlingsaktivisten schon länger in Bayern in Abschiebehaft sitzen. Wie viele Passagiere insgesamt mit dem Flug das Land verlassen sollen, blieb zunächst unklar.

Zuletzt waren nach monatelanger Pause Mitte September acht abgelehnte Asylbewerber aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg nach Kabul abgeschoben worden. Grund für die Pause der seit Dezember 2016 ansonsten monatlichen Abschiebungen war ein massiver Anschlag mit rund 150 Toten nahe der deutschen Botschaft in Kabul im Mai. Danach hatten Bund und Länder Abschiebungen nach Afghanistan auf drei Gruppen beschränkt: Straftäter, Gefährder – also Menschen, denen die Polizei einen Terrorakt zutraut -, und jene, die „hartnäckig ihre Mitarbeit an der Identitätsfeststellung“ verweigern.

[Zur Frage der Straftäter hier und hier; zum dehnbaren Begriff der “Mitwirkungsverweigerer” hier bei Pro Asyl. Ein afghanischer “Gefährder” war nach den vorliegenden Informationen bisher nicht unter den Abgeschobenen, siehe hier.)

Wegen der drastisch verschlechterten Sicherheitslage Afghanistan sind Abschiebungen aber umstritten. Insgesamt wurden seit Dezember 2016 in sechs Abschiebeflügen nach offiziellen Angaben 114 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Auch Berlin scheint sich diesmal an der Sammelabschiebung zu beteiligen. Pro Asyl berichtete:

Über Facebook hat [am 18.10.17] die Berliner Rechtsanwältin Laaser gepostet: »Heute wurde ein Mandant festgenommen und in Abschiebehaft verbracht. Er soll nächste Woche nach Afghanistan abgeschoben werden. Straftaten liegen nicht vor, Gefährder ist er auch nicht. In Afghanistan war er auch noch nie.«

Der in Bayern ansässige Kinderarzt Thomas Nowotny, der seit Anfang des Jahres eine Petition für einen vollständigen Abschiebestopp nach Afghanistan lanciert hatte (siehe hier), berichtet von Protesten gegen die offenbar vorgesehene Abschiebung eines jungen Afghanen aus dem Raum Memmingen:

Reza ist im Iran geboren und wohnt seit 2015 in Bad Grönenbach. Sein Asylantrag wurde als einziger aus seiner Familie abgelehnt. Seine Schwestern und seine Mutter haben einen Aufenthaltstitel erhalten, nur er nicht. Reza ist nie straffällig geworden oder hat sich irgendetwas zu Schulden kommen lassen. Sein einziges „Verbrechen“ war es gemeinsam mit seiner Familie nach einem besseren Leben zu suchen und nach seinem negativen Asylbescheid nicht freiwillig in ein Land zu gehen dass er noch nie gesehen hat.
Reza war noch nie in Afghanistan und spricht auch die Landesprache nicht. Er kennt dort niemanden.

Reza ist gelernter Steinmetz und hätte in Deutschland sehr schnell eine gute Arbeit finden können, wenn ihm nicht von Anfang an Steine in den Weg gelegt worden wären. Keine Zulassung zum Integrationskurs, Arbeitsverbot etc. (…)


In letzter Zeit wurde von der Politik immer behauptet das es sich bei den Personen die nach Afghanistan „zurück geführt“ werden um Gefährder und Straftäter handelt. Das ist jedoch nur eine schlechte Ausrede um die umstrittenen Abschiebung nach Afghanistan vor der Bevölkerung zu rechtfertigen. (…) Reza wurde am Mittwoch in der früh festgenommen (…).
In Leipzig organisiert die Kampagne Zendegi (hier und hier, mit Aufruf) Proteste. Die ersten Aktionen sind bereits im Gang. Wie der MDR und andere lokale Medien berichteten, protestieren seit Sonnabend “auf dem Augustusplatz in Leipzig mehrere Menschen gegen eine geplante Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan.”

Um die Angst vor Geflüchteten zu nehmen, haben die Aktivisten auf dem Augustusplatz unter anderem Workshops zu Asyl und Abschiebung organisiert sowie offene Gesprächsrunden mit deutschen Staatsbürgern. Man wisse sehr wohl, dass eine Demonstration oder ein Protest die Abschiebung nicht stoppen werde, heißt es in einer Erklärung der Kampagnenmacher. MIt dieser Aktion und auch den folgenden solle aber auch ein Weg gefunden werden mit und in der deutschen Gesellschaft einen Dialog über das Thema „Abschiebung“ zu beginnen.

 Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan vor
dem Gewandhaus in Leipzig. Quelle: Zendegi

 Im übrigen führten am 13.10. auch Österreich und Schweden einen weiteren gemeinsamen Abschiebeflug mit insgesamt 20 Insassen (Quelle: Tolonews) nach Afghanistan durch. 

Er war in Göteborg gestartet und über Wien nach Kabul geflogen. Unter den Deportierten war – wie die afghanische Hilfsorganisation AMASO (hier ihre Webseite und hier die Facebook-Seite) berichtet – ein frischoperierter nierenkranker Patient, der direkt aus der Klinik abgeschoben wurde. Österreichische Medien berichteten zusammenfassend:

Österreich brachte nach Angaben aus dem Innenministerium vom vorigen Donnerstag in den ersten acht Monaten des Jahres 2017 insgesamt 536 Afghanen außer Landes – davon 363 unter Zwang (83 nach Afghanistan und 280 gemäß den Dublin-Regeln in den zuständigen EU-Staat). 173 Personen kehrten laut Ministerium „freiwillig“ in ihre Heimat zurück.

AMASO hat einige dieser Abgeschobenen in Kabul getroffen (Berichte hier und hier) und berichtet (hier) zudem über die Abschiebung einer Familie indischer Sikhs aus den Niederlanden.
 Zurück nach Deutschland: Hier fordert Pro Asyl in einer Stellungnahme vom 19.10.17 ein Moratorium von Abschiebungen nach Afghanistan:

»Es gibt gegenwärtig überhaupt keinen sachlichen Grund, demonstrativ den nächsten Sammelcharter starten zu lassen. Ein Moratorium ist das Gebot der Stunde. Das Auswärtige Amt (AA) muss noch im Oktober endlich den berechtigten Erwartungen von Gerichten und Behörden nachkommen und einen neuen »Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage« vorlegen,« forderte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von PRO ASYL.

Der letzte Bericht stammt vom Oktober 2016 und ist veraltet. PRO ASYL äußert die Erwartung, dass endlich klar gesagt wird, wo die angeblich sicheren inländischen Fluchtalternativen liegen und die asylrechtlich relevanten Fakten zur »Zumutbarkeit und Erreichbarkeit« der angeblich sicheren Gebiete veröffentlicht werden. Letztere sind wohl kaum gegeben. Selbst das Auswärtige Amt muss zugeben, dass Überlandstraßen von Taliban häufig blockiert werden und dass Aufständische in mehr Provinzen aktiv sind, als noch im letzten Jahr.

Auf dieser Faktenbasis kann man aber auch nicht einfach pauschal behaupten, »Straftäter, Gefährder und hartnäckige Identitätsverweigerer« könnten weiterhin abgeschoben werden. PRO ASYL weist daraufhin, dass diese Begriffe unbestimmt dehnbar sind und man zudem regelmäßig Asylsuchenden unterstellt, ihre Identität getäuscht zu haben. In jedem Einzelfall müssen die Anforderungen der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) erfüllt sein, Behauptungen genügen nicht. Artikel 3 der EMRK gilt absolut, in jedem Einzelfall.

Über Facebook hat die Berliner Rechtsanwältin Laaser gepostet: »Heute wurde ein Mandant festgenommen und in Abschiebehaft verbracht. Er soll nächste Woche nach Afghanistan abgeschoben werden. Straftaten liegen nicht vor, Gefährder ist er auch nicht. In Afghanistan war er auch noch nie.«

Die Lage in Afghanistan wird immer gefährlicher und die Zahl der zivilen Opfer durch Luftangriffe steigt wie die UNO berichtet. Die Taliban haben in verschiedenen Landesteilen ihre Offensiven verstärkt, die innerhalb einer Woche mindestens 85 Todesopfer forderten, darunter viele Zivilisten. 
Als Reaktion auf die verschlechterte Sicherheitslage hatte das Internationale Rote Kreuz seine Büros im Norden Afghanistans geschlossen bzw. verkleinert – darunter auch in der Region Balkh, die noch vergangenes Jahr von deutschen Behörden als sicher deklariert wurde. Über 20.000 Menschen sind allein in der Woche vom 9.-15.Oktober 2017 innerhalb Afghanistans aus ihrer Heimat geflohen, berichtet UNOCHA, seit Januar sind es mehr als 280.000. Insgesamt sind damit rund zwei Millionen Personen – teilweise seit vielen Jahren – im eigenen Land auf der Flucht. Ende 2016 waren es 1,8 Millionen. Die Zahl der Binnenvertriebenen steigt seit Jahren: von rund 350.000 im Jahr 2010 auf 805.000 im Jahr 2014, und zuletzt auf 2.080.000 Personen im Oktober 2017.

Über ein Drittel der in diesem Jahr Binnenvertriebenen stammen aus dem Norden, in dem auch die Bundeswehr stationiert war. Mittlerweile machen sich dort offenbar als Taliban-Konkurrenz auch immer mehr lokale IS-Ableger breit. Eine weitere Eskalation ist zu erwarten. Dazu trägt auch die neue Strategie von US-Präsident Trump bei, die dafür sorgt, dass der September ein »Rekordmonat für abgefeuerte Munition in Afghanistan seit 2012« war.

In diese Situation hinein werden unbeirrt weiter Menschen abgeschoben. Amnesty International hat nun einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, in dem auch auf die persönliche Situation einiger Rückkehrer aus verschiedenen europäischen Staaten eingegangen wird. Die Erzählungen sind erschütternd. Unter anderem wird der Fall einer afghanischen Mutter dokumentiert, deren Ehemann nur wenige Monate nach der Abschiebung der Familie aus Norwegen entführt und ermordet wurde.

Hinweis: PRO ASYL hat in einer umfangreichen Stellungnahme zu den Lageberichten des AA deren mangelnde fachliche Qualität belegt.

Nowotny postete zudem folgende aktuellen Warnhinweise und Informationen:

Flüchtlinge aus Afghanistan sind von Abschiebung bedroht – jedoch nicht alle, die Mehrheit von ihnen ist vor der Abschiebung sicher. Hier finden Sie Informationen und Materialien, wer überhaupt von der Abschiebung bedroht ist und welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, doch noch eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.
Hier der Link zum Artikel von Thomas Ruttig vom 23.10.2017 >>> 
Nächster Abschiebeflug nach Afghanistan am 24. Oktober /Posted by Thomas Ruttig in Flüchtlinge/Asyl

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.


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Kommentare

  1. Hier könnt Ihr unterschreiben > Beispiel : Berlin 10369 Horst Berndt

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    1. 38102 Braunschweig, Elke Lübeck

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    2. Bremen 28201 Martina Langer

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  2. Ich will mich an dieser Stelle einmal bei Dietrich Krauss bedanken, der in den letzten Tagen immer wieder für mich ansprechbar, damit der Brief auch inhaltlich mit den Angaben von Frau Laaser (RA) von Reza abgestimmt werden konnte. Frau Laaser setzt sich hervorragend ein und wir wünschen uns alle, dass Reza diesen Deportationsflug nicht mitmachen muß.

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  3. Bin natürlich auch dabei: Oskar Schmiede

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  4. Brigitte Maus 86150 Augsburg

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  5. Ilse Bender, geht absolut nicht. Ist ein Verbrechen, mit Menschen so umzugehen

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  6. Brigitte Spatz, 86150 Augsburg

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  7. Helga Fingerhut
    Afghanistan ist nirgendwo sicher.
    Lasst Reza sofort frei!!

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  8. Es ist einfach unfassbar. Mir fehlen die Worte. **Svenja Knees, Bremen** Danke, Horst!

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  9. Susanne Meixner
    Stuttgart

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  10. Sonja Benner, - MENSCHEN ihrer MENSCHENRECHTE berauben- d a s geschieht gerade in dieser ach ´so sauberen Demokratie... Die Gefährder sitzen in Berlin und in Brüssel! REZA hat nichts und gar nichts falsch gemacht, siehe seine Anwältin M. LAASER- und diese Verbrecher in Berlin dürfen immer wieder ! via aller Kanäle verbreiten, dass STRAFTÄTER abgeschoben werden ??? Volk- lass´ dich nicht belügen- und tu was!! Wir wissen!, aus der Praxis, da wir die Reza´s und Asif´s kennen, wie es sich tatsächlich verhält- es ist ein verdammtes UNRECHT. In der Tat brauchen wir Sammelklagen gegen den eigenen Staat. Diese verfluchten Rechten quer durch die Parteienlandschaft! dürfen unser aller! garantierten Menschenrechte täglich mehr zerstören und abschaffen. #remember: Zuerst waren es Juden, dann Behinderte, dann Roma. --- ALLE, alle Menschen wird es treffen. #nichtschweigen #aufstehengegenUnrecht #verratenesErbe #verrateneuniverselleMenschenrechte

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  11. Ute Brach, 21339 Lüneburg

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  12. Lucie Bohne, Mannheim24. Oktober 2017 um 12:55

    Ich kann unsere Regierung nicht verstehen. Man kann sich nur schämen.
    Holocaust vergessen ?
    Unsere Be-jaher der Ausweisung können ja mal nach Afghanistan. Mit Ausweisen der Flüchtlinge. Als Flüchtlings-Rückkehrer, nicht als Politiker.
    Gute Reise.

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  13. Ulrike Ahrens, 53501 Grafschaft

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  14. ...wo ist der Unterschied...zwischen Auschwitz und Afghanistan..? ...es gibt leider zuviel Übereinstimmung...in der Einstellung von Mitläufern in der Ausführung von vermeintlich sinnvollen Vorschriften....und "wir haben alle niemals geahnt..."...viele A****löch**...wieder unterwegs ...
    also Hartbleiben gegen die Abschiebung...sonst nix

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  15. Ich kann mich leider nur für unser Land schämen. Dabei möchte ich stolz sein auf unsere Menschlichkeit, unsere Toleranz und unserer Achtung der Würde des Anderen. Das geht uns alle an! 42553 Velbert, Cornelia Holz

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  16. Abschiebungen nach Afghanistan sind ein Verbrechen an der Menschlichkeit.

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  17. Julia Maus 86153 Augsburg

    Ich unterschreibe, weil ich diese Abschiebungen in den Tod verurteile. Ich bin genauso empört wie meine Mutter. Ich hoffe, dass die Welt wieder menschlicher und empathischer wird.

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  18. >> Das Bundesinnenministerium hält einige Gebiete in Afghanistan für sicher genug - jedenfalls für Afghanen. Leider werden diese Gebiete nicht genannt. Überlandfahrten in "sichere Gebiete" sind aus Sicherheitsgründen nahezu unmöglich.
    >> Das Bundesverkehrsministerium warnt europäische Airlines wegen eindringlicher Sicherheitsbedenken seit Tagen davor, Kabul anzufliegen. Es sei jederzeit mit gezielten Flugabwehr-Attacken und Angriffen auf den zivilen Flughafen zu rechnen.
    >> Was jetzt? Werden die deportierten Afghanen über den "sicheren Gebieten" abgeworfen?

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  19. 58644 Iserlohn

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