Raketen auf Kabul bei Besuch des US-Verteidigungsministers // Krieg in Afghanistan - US-Verteidigungsminister Mattis besucht Kabul // Geflüchteter in der SPD - Aus Afghanistan in den Bundestag

Raketen auf Kabul bei Besuch des US-Verteidigungsministers
27.9.2017, 09:50 Uhr 
Tower vom Flughafen in Kabul
(dpa) Während des Überraschungsbesuchs des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg und des amerikanischen Verteidigungsministers James Mattis in Kabul sind am Flughafen der afghanischen Hauptstadt mehrere Raketen eingeschlagen. Wie viele Geschosse niedergingen, wurde nicht unmittelbar klar.

Ein Sprecher des Flughafens, Mohammad Adschmal Faisi, sprach von drei. Sie hätten den militärischen Teil des Flughafens getroffen, aber keinen Schaden angerichtet. Flüge seien nicht betroffen.
 Raketenanschlag auf den Flughafen von Kabul

Der afghanische Sender Tolo TV berichtete von 20 bis 30 Raketen. Der Flughafen werde evakuiert. Ein Flughafenmitarbeiter, der nicht mit Namen genannt werden wollte, sprach von Verspätungen.

Innenministeriums-Sprecher Nadschib Danisch widersprach beiden Angaben. Es gebe weder eine Evakuierung noch Flugstreichungen oder Verspätungen. Regierungssprecher sind dafür bekannt, Schadensberichte nach Angriffen von Extremisten oft zu verharmlosen. Raketeneinschläge sind im von Bergen umgebenen Kabul keine Seltenheit. 
Hier der Link der NZZ vom 27.09.2017 >>>

Dazu >>>

Krieg in Afghanistan 

US-Verteidigungsminister Mattis besucht Kabul

Die USA schicken wieder mehr Truppen nach Afghanistan. Nato-Chef Stoltenberg und US-Verteidigungsminister Mattis verschaffen sich vor Ort einen Überblick.

James Mattis und Jens Stoltenberg (Archiv)
 
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister James Mattis sind überraschend zu einem Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingetroffen. Sie seien um kurz nach 8 Uhr Ortszeit gelandet und träfen später am Tag mit Präsident Aschraf Ghani zusammen, sagte der Sprecher der Nato- und US-Streitkräfte in Afghanistan, Bill Salvin.

Auch ein Treffen in der US-Botschaft sowie Gespräche mit Nato- und US-Soldaten sowie eine Pressekonferenz sind demnach geplant. Salvin wollte sich zu der Länge des Besuchs aus Sicherheitsgründen nicht äußern.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Abzug der meisten internationalen Soldaten Ende 2014 deutlich verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban sollen nach Militärangaben mittlerweile wieder rund elf Prozent des Landes kontrollieren. Weitere knapp 30 Prozent sind umkämpft.

Thema von Mattis' und Stoltenbergs Besuch ist vermutlich die Umsetzung der neuen Afghanistanstrategie der USA, die US-Präsident Donald Trump vor etwas mehr als einem Monat verkündet hatte. Die sieht nach Jahren des Abzugs von US-Soldaten eine Aufstockung von rund 3000 Mann vor.

Damit vollzog er eine Abkehr von seinem Wahlkampfversprechen, die US-Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Mehrere Nato-Länder hatten ebenfalls eine Verstärkung ihrer Präsenz angekündigt.
apr/dpa/AFP
Hier der Link zum Artikel von Spiegel-Online vom 27.09.2017 >>>

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Geflüchteter in der SPD
 Aus Afghanistan in den Bundestag 

Ahmad Wali Temori floh vor den Taliban nach Berlin. Als Mitglied der SPD will er sich einbringen in seiner neuen Heimat - und auch andere dazu ermutigen. 
Ahmad Wali Temori 
Einblicke in den Bundestag bekam unser Autor Ahmad Wali Temori bei einem sechsmonatigenPraktikum.Foto: Imago/CommonLens
Vor 23 Jahren kam ich in einem Land zur Welt, in dem ein brutaler Bürgerkrieg herrschte: Afghanistan. Mit der Herrschaft der Taliban zog 1996 eine streng religiöse Gesellschaftsordnung ein, in der persönliche Freiheiten keinen Platz hatten und Menschenrechte mit Füßen getreten wurden. 
Als es dann Ende 2001 zum Sturz dieser Herrschaft kam, konnte auch ich, zum ersten Mal in meinem jungen Leben, die Atmosphäre der Freiheit kosten und Mut und Hoffnung schöpfen. Obwohl ich damals gerademal acht Jahre alt war, interessierte ich mich schon für die politischen Vorgänge und gesellschaftlichen Veränderungen in meinem Land. Doch als ich das Gymnasium abschloss, war Afghanistan erneut Schauplatz von Gewalt geworden. Die Taliban waren wieder da, die Frauen wurden ihrer Menschenrechte beraubt, und Steinigungen standen wieder auf der Tagesordnung. Zudem litt das Land unter einer stetig wachsenden Korruption sowie Ungerechtigkeit.


Ich arbeitete eine Zeit lang als Dolmetscher für die Amerikaner, studierte Politikwissenschaft an der Kabuler Universität und engagierte mich in der Demokratiebewegung. Doch mit dem Abzug der Weltgemeinschaft vom Hindukusch und dem Ende ihres militärischen Engagements nahmen kriegerische Auseinandersetzungen, terroristische Attacken und Drohungen überall im Lande wieder zu. 
Als ich selbst dann Morddrohungen wegen meiner Arbeit für die Amerikaner bekam, entschied ich mich, meine Heimat zu verlassen. 
 Für Ahmad Wali Temori ist es ein tiefes Bedürfnis, 
politisch aktiv zu sein. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nach einer schweren und gefährlichen Flucht landete ich schließlich in der deutschen Hauptstadt. Hier stellte ich einen Asylantrag und begann, einen Sprachkurs zu besuchen. Doch ich musste erneut um meine Zukunft bangen. 
Denn ich bin Afghane, und es gab für mich nicht nachvollziehbare bürokratische Gründe, mich an den Ort zurückzuschicken, an dem ich meine Träume begraben hatte. Zu dieser Zeit wuchs in mir der starke Wunsch, hierzulande zu studieren und diesen Boden auch zu meiner Heimat zu machen. Und schließlich spürte ich in mir das tiefe Bedürfnis, politisch aktiv zu werden und für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen. 

Die Politiker hier sind anders als in meiner Heimat


Mit der Anerkennung meines Asylantrags war es zum Glück so weit, und es öffneten sich viele Türen. Ich hatte mich inzwischen mit der bundesrepublikanischen Politik befasst und viel über das hiesige Gesellschaftssystem und die politischen Parteien gelesen, hatte mich mit ihrer Geschichte und ihren Programmen beschäftigt. 
Und so habe ich mich für die SPD entschieden und wurde Mitglied. Des Weiteren fing ich an, beim Bundestag ein sechsmonatiges Praktikum zu machen, und arbeitete für die Bundeswirtschaftsministerin Frau Brigitte Zypries.  
Sie war außerordentlich freundlich zu mir und machte mich mit dem Aufbau der deutschen Demokratie vertraut. Und so habe ich im Laufe meines Praktikums nicht nur wertvolle Erfahrungen gesammelt, sondern auch viele Politiker aus der Nähe kennengelernt. Dabei wurde mir bewusst, dass diese ganz anders sind als die Politiker in meinem Herkunftsland, die nicht nur ihre Macht missbrauchen, sondern auch einen arroganten, unfreundlichen Umgang an den Tag legen.


Heute mache ich eine journalistische Ausbildung bei Alex Berlin, bin aktives Mitglied der SPD und will mich immer mehr in den gesellschaftlichen und politischen Prozessen in Deutschland einbringen. Ich möchte andere Flüchtlinge ermutigen, sich nicht weiter als Opfer zu sehen, sondern aktiv zu werden und alles zu tun, um von der demokratischen Gesellschaft aufgenommen zu werden.  
Dies ist ihr gutes Recht, nicht zuletzt aber auch ihre Pflicht. Und es ist eine Notwendigkeit, den einsamen Wölfen entgegenzuwirken, die in unserem Namen versuchen, mit Hass und Gewalt diesem Land zu schaden.


Der Autor kam im Sommer 2016 nach Deutschland. Seit Mai 2017 ist er Volontär der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) bei Alex Berlin.

Dieser Text ist in der Beilage „Wir wählen die Freiheit“ mit Texten von Exiljournalisten am 8. September 2017 erschienen. Die Beilage entstand im Rahmen des Projekts #jetztschreibenwir des Tagesspiegels, in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. 
Hier der Artikel vom Tagesspiegel vom 12.09.2017 >>> 
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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.


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