Auf ein Wort (von Lemyie) - Habt ihr auch so’ne Angst? Der Deutsche hat immer so viel Angst! // Sorge um die innere Sicherheit


Habt ihr auch so’ne Angst?
Der Deutsche hat immer so viel Angst! 

von Lemyie 


Liebe Freundinnen und Freunde!

Habt ihr auch so’ne Angst? Der Deutsche hat immer so viel Angst! „German Angst“ hat weltweite Berühmtheit erlangt, wenn auch mit zweifelhafter Anmutung. Denn bei der German Angst handelt es sich um eine generelle Angststörung, um ein diffuses Grundrauschen des Unbehagens irgendwo in der Bauchgegend. Das Grundrauschen ist umso unbehaglicher, als es nicht benannt werden kann.

Gib dem Teufel einen Namen, und er ist gebannt. Das ist mit der Angst nicht ganz so einfach wie mit dem Teufel, trotzdem sind die Deutschen um Namensgebung bemüht. In einer angeblich repräsentativen Umfrage der R + V-Versicherung haben 2.400 Deutsche ab 14 Jahren verraten, welchen Namen sie ihrer Angst gegeben haben.

Haltet euch fest, liebe Freundinnen und Freunde! Die größten Ängste der 2.400 Deutschen heißen im laufenden Jahr 2017:
 Terrorismus (71 %)
 Politischer Extremismus (62 %)
 Spannungen durch Zuzug von Ausländern (61 %)
 Kosten für den Steuerzahler (also für die Befragten) durch die EU-Schuldenkrise (58 %)
 Überforderung von Deutschen und Behörden durch Flüchtlinge (57 %)

Die Namen „Schadstoffe in Nahrungsmitteln“, „Naturkatastrophen“, „Überforderung der Politiker“, „Pflegefall im Alter“, und „steigende Lebenshaltungskosten“ belegen die nächsten Plätze im 10er-Ranking. Abgeschlagen dagegen die Namen „Arbeitsplatzverlust“ und „Verschlechterung der Wirtschaftslage“, sie landeten auf den hinteren Plätzen von insgesamt 20. Die Namen „Angst vor Invalidität oder Tod durch Verkehrsunfall“, „Tod durch Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabusus“, „Gewalterlebnis durch eine bekannte, vertraute Person“, „Unfall in der eigenen Immobile“ und „Taschengeldausfall“ kamen signifikant nicht vor. Vielleicht standen sie aber auch lediglich nicht auf der Nennliste.

Unsere fürsorglichen Politiker bewiesen Multi-Tasking-Fähigkeiten. Es gelang ihnen, die Angststörung emsig zu befeuern, indem sie gegen Premium-Angstnamen (hier im Folgenden nur noch populistisch „Angst“ genannt) immer neue „Sicherheits“maßnahmen beschlossen. 

Der weitgehend anspruchslose, dankbare Deutsche freute sich über die „Pakete“ frei Haus und forderte Nachschlag. Gern bestätigten die Politiker die Berechtigung der Ängste durch kurztaktige Nachschlags-Lieferungen.

Was haben die Koalitionspolitiker nicht alles für die innere Sicherheit getan! Gegen den islamistischen Terror erfanden sie die Inhaftierung so genannter „Gefährder“ ohne gerichtlichen Schuldspruch, die Fußfessel, die Vorratsspeicherung unser aller Daten, die Erkennung und Speicherung unseres Gesichtes und vieles mehr. (Das generelle Verbot von Lastkraftwagen, Messern und Darknet zogen sie bisher nicht in Erwägung.)

Sichtbarer politischer Extremismus zeigt sich in Deutschland nahezu ausschließlich am äußersten rechten Rand. Hierzu hatten die Koalitionspolitiker eine besonders zündende Idee: Um klarzustellen, dass von dort keine Gefahren für Otto Mustermann und seine Gattin ausgehen, adaptierten sie einfach einen großen Teil der rechtsextremen Positionen und diffamieren nun alles, was sich „links von der Mitte“ aufhält, als in Wahrheit „linksextrem“ und „gewaltbereit“.

Gegen Spannungen durch Zuzug von Ausländern gibt es einen ganzen Haufen Abwehrpakete. So wurde das grundgesetzlich verankerte Recht auf Asyl nahezu geschleift, Ausländer, die den Arbeitsmarkt aktiv bereichern, Steuern und Sozialabgaben zahlen und in der Gesellschaft längst eine konstruktive Rolle spielen, werden ohne Rücksicht auf den Schaden für Wirtschaft, Volk und Vaterland außer Landes geschafft. 

Um den Zuzug von Ausländern zukünftig möglichst ganz zu verhindern, klöppeln unsere Koalitionspolitiker abschreckende Verarmungsprogramme für im Land lebende Flüchtlinge, kriminalisieren unbescholtene Menschen und unbelehrbare Helfer, bezahlen Gewaltherrscher und Mafia-Verbrecher in den Herkunftsländern, fordern und fördern eine Demarkationslinie quer durch Afrika und akzeptieren ganz nebenbei grausamste Gewalt unvorstellbaren Ausmaßes. 

Angesichts solcher Mühen, dem Zuzug von Ausländern mit allen denkbaren Mitteln final das Wasser abzugraben, warte ich förmlich darauf, dass irgendeinem Politiker einfällt, einen Kilometer südlich vor der afrikanischen Demarkationslinie flächendeckend Landminen auszubringen… Wüsste ich nicht, dass Politiker grundsätzlich Petitionen ignorieren – Unterschriften für solcherart noch mehr innere Sicherheit gäbe es vermutlich genügend.

Die Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen gegen den Zuzug von Ausländern greifen zum großen Teil auch bei der Überforderung von Deutschen und Behörden durch Flüchtlinge. Das muss nicht gesondert kommentiert werden. Außer vielleicht, dass die „Behörden“ Hilfe durch ungelernte Mitarbeiter erhielten, die ihrerseits über Leben und Tod hilfesuchender, verzweifelter, wehrloser Menschen entscheiden dürfen mit der Maßgabe, den ungewollten Zuzug von Ausländern mit allen Mitteln zu minimieren – auch unter Aussetzung geltenden Rechts, der Menschenwürde und des einstigen Wertekanons unserer abendländischen Gesellschaft.

Um die Kosten der deutschen Steuerzahler durch die EU-Krise als weitgehend moderat zu verkaufen, inszenierten unsere Koalitionspolitiker ungeachtet der Warnungen von Wirtschaftsfachleuten und Europäischer Zentralbank den wirtschaftlichen Niedergang Griechenlands. Dabei gingen sie gewohnt trickreich vor: Sie befeuerten den Mythos vom zahlenden deutschen Steuerdeppen und verschwiegen, dass Deutschland der große Gewinner des Anti-Griechenland-Forderungspakets ist. Die skandalöse Verarmung der Griechen, die erschreckend hohe Zahl der Suizide, die Perspektivlosigkeit der Jugend nehmen sie achselzuckend hin: Kollateralschäden.

Die Koalitionspolitiker werden nicht müde zu betonen, dass sie die Ängste der Deutschen ernstnehmen. Da sind sie sich sowas von einig. Doch statt aufklärend zu argumentieren und das Wahlvolk von der Absurdität seiner Premium-Ängste zu überzeugen, verwenden sie sie als moralisches Alibi, geltendes Recht munter schwadronierend hinter sich zu lassen. Das gemütlich-freundschaftliche „Duell“ zwischen den Hauptprotagonisten war ein Vorgeschmack auf das, was kommt. 

Die Weichen sind gestellt: Nachdem der rassistische Popanz weitgehend adaptiert ist, gilt es, sich als einzige Alternative zur Alternative für Doofe anzubieten. Sogar das liberale Deutschland wird sich nun größtenteils hinter Frau Merkel versammeln, in Erwartung einer weiteren Groko unter Ausschluss von „Extremisten“. Denn soziale, weltoffene, zukunftsorientierte Alternativen sind derzeit kaum noch nennenswert im Angebot wahrzunehmen. 

Das ist keine gute Nachricht. Nicht für die Flüchtlinge und nicht für uns. Auch nicht für die Angstinhaber. Eine psychopathologische Angststörung wird man nicht los, indem man sie umbenennt. Ist der Störenfried beseitigt, wird ein neuer erfunden. Früher waren es die Juden, die angeblich die innere Sicherheit bedrohten, heute sind es die Flüchtlinge und anderen Ausländer, morgen sind es vielleicht die Obdachlosen, die Homosexuellen oder Menschen mit Behinderung. Warten wir mal ab, wie Populisten und Politiker German Angst zukünftig zu nutzen wissen!

Liebe Freundinnen und Freunde! Ich gebe zu, ich bin undankbar.

Die Sicherheitsmaßnahmen der Koalitionspolitiker zur Sicherstellung der inneren Sicherheit haben mein Unsicherheitsgefühl nicht beseitigt. Im Gegenteil. Es sind allesamt Maßnahmen gegen unbescholtene Menschen - teils offen rechtswidrig, teils undemokratisch zustande gekommen -, die sich irgendwann gegen uns alle richten können. Das macht mir Angst. Das macht mir Angst angesichts der zunehmenden Brutalisierung unserer Gesellschaft, des Hasses, der Fremdenfeindlichkeit, der Menschenverachtung, der Profitgier und der konsequenten Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Herausforderungen unserer Zeit!

Schönen Tach noch!
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(Kleiner Treppenwitz am Rande: Das habe ich vor einem Jahr gepostet:)
"GutenTag!

In Deutschland grassiert eine Epidemie: GERMAN ANGST!
Die Leute fürchten sich vor allem möglichen, unter anderem auch davor, durch eine Gewalttat das Leben zu verlieren. Aktuelle Lieblingstäter sind die Fremdlinge.

In Nordrhein-Westfalen nehmen sich jährlich rund 1.800 Menschen das Leben. Das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Aids und Tötungsdelikte zusammen.

Wer also fürchtet, durch eine Gewalttat zu Tode zu kommen, sollte die allergrößte Angst vor sich selbst haben!
Lemyie Sept.´17

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Sorge um die innere Sicherheit

Die Deutschen fürchten sich vor allem vor Terror. Vor Arbeitslosigkeit haben sie weniger Angst. Aber die Deutschen sind weiterhin überdurchschnittlich besorgt. Das sagt die Studie „Die Ängste der Deutschen“.

Anschläge wie der vom Berliner Breitscheidplatz machten
den Deutschen die meiste Angst, so die Versicherung R + V. Foto: dpa

Den Job verlieren, im Alter verarmen, schwer erkranken? Alles Szenarien, vor denen es den Deutschen graut. Deutlich größere Angst aber haben sie zurzeit vor Terrorismus, politischem Extremismus und Spannungen durch den Zuzug von Flüchtlingen. Dies geht aus der 26. Auflage der jährlichen Studie der R+V Versicherung „Die Ängste der Deutschen“ hervor.

Die Studie zeigt: Nach den Anschlägen in Berlin und anderen europäischen Metropolen treibt die Deutschen vor allem die Sorge um Sicherheit um. Unverändert fürchten sie sich vor terroristischen Angriffen am stärksten: 71 Prozent der Befragten äußerten ihr Unbehagen in dieser Frage. Nur im vergangenen Jahr fiel die Angst vor Terror noch größer aus.


Angst ist ein menschlicher Urinstinkt


Für die diesjährige Auflage der repräsentativen Studie befragten die Versicherer rund 2400 Menschen ab 14 Jahren nach 20 Ängsten. Besonders auffällig ist, dass ein vermeintliches Paradoxon die Stimmung der Deutschen prägt. Wirtschaftlich geht es ihnen gut, ihre Jobs scheinen sicher. Nie plagte sie die Angst um Arbeitslosigkeit weniger. Nie sorgten sie sich weniger, dass sich die wirtschaftliche Lage im Land verschlechtert. Und trotzdem sind die Deutschen weiterhin überdurchschnittlich besorgt.

Die Ängste der Deutschen haben einen sehr realen Kern.
Manfred G. Schmidt, Politologe der Universität Heidelberg

Generell gilt: Angst ist ein Gefühl, keine rationale Regung. Angst zu verspüren, ist ein menschlicher Urinstinkt. Bei den Deutschen gilt er als besonders ausgeprägt. „German Angst“ haben ausländische Kommentatoren das einst genannt: eine generelle Angststörung, ein diffuses Grundrauschen des Unbehagens, das Land und Leute präge. Die aktuelle Studie des Versicherers will diese Beobachtung widerlegen. Ihre Botschaft: Die Deutschen haben Angst. Und sie fürchten sich überdurchschnittlich viel – auch im Jahr 2017. Aber es graut ihnen nicht grundsätzlich, aus Prinzip oder aus ihrem kulturellen Gedächtnis heraus. Ihre Ängste wandeln sich.

Sorgen um die innere Sicherheit statt um den eigenen Job und die Wirtschaftslage: Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Angst der Deutschen als Spiegel der Zeit gelesen werden kann. Als Reaktion auf die politische Großwetterlage. Und die „German Angst“? Ein Mythos. „Anders als behauptet, sind die Deutschen kein Volk der Angsthasen – das ist eine Fehldiagnose“, betont Manfred G. Schmidt. Ja, sagt der Politologe der Universität Heidelberg, die Deutschen bewege die Suche nach Sicherheit besonders stark. Und trotzdem glaubt er: „Die Ängste der Deutschen haben einen sehr realen Kern.“ Der Professor spricht von etwas, das man auch als Realismus der Angst bezeichnen könnte. Die Deutschen sorgten sich, wenn es reale Gründe dafür gibt. Und die, sagt Schmidt, gebe es momentan zur Genüge.


Der komplette Artikel der Frankfurter Rundschau vom 07.09.2017  ist hier zu lesen >>>

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.


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Kommentare

  1. aber im Endeffekt genau die selbe engstirnige Betrachtungsweise hier wie sie überall gewollt ist...

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