Afghanistan: Mehr als 40 Leichen entdeckt - Massengrab - auch Kinder // Deutsche Botschaft in Kabul bleibt noch viele Monate geschlossen // UNO-Menschenrechtsexpertin EU nimmt mehr Tote im Mittelmeer in Kauf // Der Verhaltenskodex für NGOs


Afghanistan: Mehr als 40 Leichen entdeckt

Kurz nach der Rückeroberung eines Dorfes im Norden Afghanistans haben die Behörden des Landes den Fund von Massengräbern mit mehr als 40 Leichen bekanntgegeben.

Nach mehrtägigen Kämpfen erlangte die Armee am Montag
wieder die Kontrolle über das Dorf Mirsawalang.

Wir haben bisher drei Massengräber entdeckt, in denen die sterblichen Überreste von 42 Menschen lagen, darunter drei Kinder“, sagte am Dienstag der Sprecher des Provinzgouverneurs von Sar-e Pul.

Familien und örtliche Behörden hatten angegeben, dass etwa 50 Dorfbewohner von Kämpfern der radikalislamischen Taliban sowie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erschossen oder enthauptet worden seien.

Armee erlangt wieder Kontrolle über Dorf im Norden Afghanistans

Nach mehrtägigen Kämpfen erlangte die Armee am Montag wieder die Kontrolle über das Dorf Mirsawalang. Bei den Kämpfen wurden nach Armeeangaben mindestens 50 Aufständische getötet. Es ist selten, dass sich die Taliban mit IS-Kämpfern verbünden. Bei den Opfern der Massaker in Mirsawalang handelt es sich um Angehörige der schiitischen Hazara-Minderheit.

Vergangene Woche waren 235 Geiseln aus dem Dorf freigekommen und hatten von zahlreichen Gräueltaten der beiden Islamistengruppen berichtet. Die Taliban hatten ihrerseits die Einnahme des Dorfes bestätigt, dementierten aber, für den Tod von Zivilisten verantwortlich zu sein. Der IS übernahm die Verantwortung für den Tod von 54 Schiiten in der Provinz Sar-e Pul.

apa/afp

Hier der Link zum Artikel von stol.it (Nachrichten aus Südtirol) v. 15.08.2017 >>> 
 
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Deutsche Botschaft in Kabul bleibt noch viele Monate geschlossen


Die deutsche Botschaft in Afghanistans Hauptstadt Kabul wird nach dem schweren Bombenanschlag von Ende Mai einem Medienbericht zufolge noch für viele Monate geschlossen bleiben.


Deutsche Botschaft nach Anschlag im Mai
© © 2017 AFP

Die deutsche Botschaft in Afghanistans Hauptstadt Kabul wird nach dem schweren Bombenanschlag von Ende Mai einem Medienbericht zufolge noch für viele Monate geschlossen bleiben. 

Es seien "umfangreiche Bau- und Schutzmaßnahmen" erforderlich, bevor die Vertretung wieder eröffnet werden könne, berichtete der "Spiegel" am Samstag unter Berufung auf einen internen Lagebericht des Auswärtigen Amtes.

Bei dem Sprengstoffanschlag nahe der Botschaft mit mehr als 150 Toten war das Gebäude der deutschen Vertretung schwer beschädigt worden. Die Behörden seien sich inzwischen sicher, dass der mit einem Lkw verübte Anschlag der deutschen Botschaft gegolten habe und befürchteten nun Angriffe auf die Baumaßnahmen, heißt es in dem Pressebericht weiter.

Derzeit befinde sich nur der deutsche Botschafter Walter Haßmann in Afghanistan, alle anderen Diplomaten seien abgezogen worden. Haßmann arbeite und wohne wegen der prekären Sicherheitslage in Kabul in der dortigen US-Botschaft. Termine außerhalb des militärisch abgeschirmten US-Geländes seien laut Auswärtigem Amt "derzeit nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich".

Hier der Link zum Stern-Artikel vom 12.08.2017 >>>
Deutsche Botschaft in Kabul bleibt noch viele Monate geschlossen / Stern vom 12.08.2017 

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UNO-Menschenrechtsexpertin
EU nimmt mehr Tote im Mittelmeer in Kauf

Genf. Eine UNO-Menschenrechtsexpertin hat den von der EU befürworteten Verhaltenskodex für private Seenotretter im Mittelmeer kritisiert. Die Vereinbarung, die Italien mit mehreren Hilfsorganisationen geschlossen hat, könne zu mehr Todesfällen führen, sagte die UNO-Berichterstatterin für außergerichtliche und willkürliche Hinrichtungen, Agnes Callamard, am Dienstag.


Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschaffen setze diese weiterer Gewalt aus, kritisiert UNO-Berichterstatterin Agnes Callamard. © APA, ap, Bram Janssen

UNO-Berichterstatter sind unabhängige Experten, die für die Vereinten Nationen Menschenrechtssituationen untersuchen.

Italien verstoße gegen seine Menschenrechtsverpflichtungen, wenn mit dem Kodex Rettungsaktionen verhindert und dadurch vorhersehbare und vermeidbare Todesfälle in Kauf genommen würden. "Der Kodex und der Aktionsplan legen nahe, dass Italien, die Kommission und die EU-Mitglieder das Risiko und die Realität von Todesfällen im Meer als einen Preis betrachten, den zu zahlen es wert ist, um Migranten und Flüchtlinge abzuschrecken", so Callamard.

Libyen kein sicheres Land für Flüchtlinge

Auch die Unterstützung der Kommission für die libysche Küstenwache kritisierte die Französin. Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschaffen setze diese weiterer Gewalt aus. Es gebe Berichte, wonach die Küstenwache selbst auf Migrantenboote geschossen habe.

Der Verhaltenskodex sieht unter anderem vor, dass Hilfsschiffe libysche Territorialgewässer meiden. Am Wochenende hatten Hilfsorganisationen wie Sea Eye, Ärzte ohne Grenzen und Save the Children angekündigt, sich vorläufig von Rettungseinsätzen zurückzuziehen. Als Gründe nannten sie Drohungen sowie Ankündigungen aus Libyen, die eigene Such- und Rettungszone auf internationale Gewässer auszuweiten.
 Hier der Link zum Artikel der Wiener Zeitung vom 15.08.2017 >>>
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Migration
Der Verhaltenskodex für NGOs
Italiens Elf-Punkte-Plan


Italien präsentiert die Forderungen für einen Verhaltenskodex

für Hilfsorganisationen. © APAweb / AFP, Taha Jawashi

Tallinn/Rom. 
Italien legt den EU-Innenministern am Donnerstag, (06.07.2017anm.d.Blog-Redaktion), einen Vorschlag für einen Verhaltenskodex für Hilfsorganisationen vor, die Flüchtlinge vor Libyen aus Seenot retten. Das Papier umfasst elf Punkte. Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die den Kodex nicht unterzeichnen oder gegen ihn verstoßen, kann demnach die Einfahrt in italienische Häfen verweigert werden. Der Forderungskatalog an die privaten Seenotretter im Überblick:

1. "Absolutes Verbot für NGOs, in libysche Gewässer einzufahren" - außer es besteht "Gefahr im Verzug für menschliches Leben auf See".

2. Transponder zur Ortung der Rettungsschiffe dürfen nicht abgeschaltet werden.

3. Nicht erlaubt sind Telefongespräche oder die Aussendung von Lichtsignalen, die eine Abreise von Booten mit Flüchtlingen von der libyschen Küste erleichtern. Kontakte mit Schleppern sollen so unterbunden werden.

4. Außer in Notsituationen dürfen keine geretteten Flüchtlinge an andere Boote übergeben werden. Die Hilfsorganisationen werden verpflichtet, die Geretteten selbst in den nächsten "sicheren Hafen" zu bringen und nicht an Schiffe der italienischen Küstenwache oder von internationalen Einsätzen abzugeben.

5. Such- und Rettungsaktionen der libyschen Küstenwache dürfen nicht behindert werden.

6. Vertreter der Polizei, die Ermittlungen im Zusammenhang mit Schleusernetzwerken führen, müssen an Bord gelassen werden.

7. Die Finanzierung der Seenotrettung muss offengelegt werden.

8. Die Seenotrettungszentren der Staaten, unter deren Flagge die NGO-Schiffe fahren, müssen über Rettungseinsätze informiert werden, damit diese "die Verantwortung für Zwecke der Meeressicherheit übernehmen können".

9. Eine Bescheinigung muss vorliegen, welche "die technische Eignung für Rettungsaktivitäten" belegt - wie sie auch normale italienische und Handelsschiffe benötigen. Zudem auch Zertifikate des Flaggenstaates, die über die Einhaltung der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einführten Regeln zur Gefahrenabwehr auf See und in Häfen hinausgehen.

10. Zusicherung der Zusammenarbeit mit staatlichen Sicherheitsbehörden bei der Anlandung von Migranten. Die NGO-Schiffe müssen den Behörden dabei "mindestens zwei Stunden vor Erreichen des Hafens" nach einer Rettungsaktion übliche Dokumente übermitteln, darunter solche zum Ablauf des Einsatzes und zur gesundheitlichen Situation der Geretteten.

11. Übermittlung aller Informationen, die für Ermittlungen der italienischen Polizei wichtig sein könnten, sowie die Übergabe "jeglichen Objektes, das Nachweis oder Beweis einer illegalen Handlung sein könnte".
Hier der Link zum Artikel der Wiener Zeitung vom 06.07.2017 >>>

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Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Deutsches Grundgesetz.

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