Italien droht mit drastischem Schritt - Berichten zufolge droht die italienische Regierung damit, Häfen für Flüchtlingshelfer zu sperren. // Dazu - Auf ein Wort mit unserer Bloggerin Lemiye - In den vergangenen Tagen sind so viele Menschen wie selten zuvor vor dem Ertrinken gerettet worden ....


Italien droht mit drastischem Schritt

Berichten zufolge droht die italienische Regierung damit, Häfen für Flüchtlingshelfer zu sperren. Sie will so offenbar den Druck auf die EU erhöhen.


Migranten blicken bei der Einfahrt in den Hafen von Corigliano Calabro in Richtung Festland. Foto: dpa

Nachdem in den vergangenen Tagen so viele Menschen wie selten zuvor im Mittelmeer gerettet worden sind, will Italien offenbar den Druck auf Europa erhöhen, um mehr Unterstützung in der Flüchtlingskrise zu erhalten. 

Ausländischen Schiffen, die Migranten an Bord haben, könnte die Einfahrt in italienische Häfen verwehrt werden, so das Drohszenario der Regierung in Rom, über das italienische Medien berichten.

Sie zitieren anonyme EU-Diplomaten und Regierungskreise. Den Berichten zufolge soll der italienische EU-Botschafter in Brüssel am Mittwoch dem Migrations-Kommissar Dimitris Avramopoulos die Mitteilung überbracht haben, dass Italiens Aufnahmekapazitäten am Limit seien. Es drohe eine Notlage.

Frontex-Schiffe ausgenommen

Betroffen wären nur die etwa zehn privaten Seenotretter und Hilfsorganisationen, darunter mehrere deutsche. Ausgenommen wären dagegen die Schiffe der EU-Grenzschutzagentur Frontex und die der EU-Mission Sophia, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist. Allerdings bringen Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, SOS Méditerranée, Jugend rettet oder Sea Watch auf ihren Schiffen inzwischen fast die Hälfte aller Flüchtlinge in italienische Häfen. Sie müssten dann in andere Mittelmeer-Anrainerstaaten ausweichen.

Unklar ist, ob eine italienische Weigerung, sie anlegen zu lassen, mit internationalem Recht vereinbar wäre. Nach der 1979 in Hamburg beschlossenen internationalen Konvention zur Seenotrettung muss immer der nächstgelegene „sichere Hafen“ angelaufen werden.

In den vergangenen Tagen waren im Meer zwischen Italien und Libyen innerhalb von 48 Stunden 12 000 Bootsflüchtlinge gerettet worden, zuvor bereits mehr als 10 000 – laut EU-Grenzschutzagentur Frontex ein Rekord für dieses Jahr: die höchste Zahl in einer so kurzen Zeitspanne. Alle Geretteten werden auf 22 beteiligten Schiffen nach Italien gebracht.

Hier der Link zum gesamten Artikel der Frankfurter Rundschau vom 29.06.2017 >>>
Italien droht mit drastischem Schritt / Frankfurter Rundschau vom 29.06.2017 / von Regina Kerner 

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Italien will die überfüllten Schiffe der privaten Seenotretter nicht mehr anlegen lassen.

Und dann?

Von unserer Bloggerin Lemiye 


Liebe Freundinnen und Freunde!

Heute hat der Bundestag die "Ehe für alle" beschlossen. Das war längst überfällig für diejenigen, die es betrifft, und für diese Mitmenschen freue ich mich ehrlich. Aber das drängendste Problem unserer Tage ist die "Ehe für alle" nicht - zumal etliche Menschen sie nicht für die optimale Form des Zusammenlebens halten. Ich verbürge mich dafür: Es geht auch ohne "Ehe für alle"; früher nannte man das nicht grundlos "wilde Ehe"...

Eine andere Nachricht des Tages lässt mich nachhaltiger aufhorchen:
Italien will die überfüllten Schiffe der privaten Seenotretter nicht mehr anlegen lassen.
Und dann? 


In den vergangenen Tagen sind so viele Menschen wie selten zuvor vor dem Ertrinken gerettet worden. Die etwa zehn privaten Retter und Hilfsorganisationen, z. B. Ärzte ohne Grenzen, Jugend rettet oder Sea Watch bringen etwa die Hälfte aller Bootsflüchtlinge in italienische Häfen. Etwa 73.000 Migranten hat Italien allein in diesem Jahr aufgenommen, 2016 waren es etwa 180.000.

Italien fühlt sich von den europäischen "Partnern"(!) zu Recht im Stich gelassen, denn die Umverteilung der Flüchtlinge in andere europäische Länder funktioniert überhaupt nicht.
Nochmal die Frage: Was dann? 

Die Europäer schauen Tausenden Männern, Frauen und Kindern beim Ertrinken zu?

Die Europäer liefern ein erbärmliches Armutszeugnis ab! Sie leiden offenbar kollektiv an einer alten Krankheit: Nationalismus, Ausgrenzung von Minderheiten, Abschottung, geistiger Brandstiftung sowie sozialer Ungerechtigkeit und zeigen sich unfähig, sich der Flüchtlingsproblematik auch nur zu stellen - geschweige sie zu meistern! 

Mit existentieller Entschlossenheit mobilisieren sie alle Abwehrkräfte - und werden am Ende verlieren, wenn sie sich nicht bald zu einem zukunftsfähigen Europa der Menschenrechte, der sozialen Gerechtigkeit, der Solidarität und des Friedens entschließen. Man verhindert kein Erdbeben, indem man dem Seismographen die Kassandramütze überzieht.
Lemiye Juli ´17 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz.

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