Eine berührende Geschichte! - Ehepaar berichtet: So ist unser Leben mit einem 16-jährigem Pflegekind aus Afghanistan / Dazu zwei Kommentare, die unter dem Artikel zu lesen sind


Integration in Frankfurt

Ehepaar berichtet: So ist unser Leben mit einem 16-jährigem Pflegekind aus Afghanistan

Gespräche über Achmed: Das Ehepaar Möller (alle Namen von der Redaktion geändert) berichtet am Esszimmertisch über seine Erfahrungen mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus Afghanistan als Pflegekind.

Als das Jugend- und Sozialamt am 9. September 2015 Pflegeeltern für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge suchte, war der Andrang gewaltig: Der Veranstaltungssaal ist prall gefüllt. 

Unter den Interessenten ist auch das Frankfurter Ehepaar Möller. Die 58-jährige Julia ist Apothekerin, der 66-jährige Udo Pädagoge. Die Mitarbeiter des Sozialamtes warnen an diesem Abend vor Illusionen und schildern einigermaßen drastisch, was auf die Pflegeeltern zukommt. „Das war deutlich und das war gut so“, erinnert sich Julia. Und Udo ergänzt: „Es werden keine Kuscheltiere vergeben.“ Abgeschreckt hat es die beiden nicht.

Später trafen sie sich mit dem damals 15-jährigen Achmed aus der ostafghanischen Provinz Laghman, der ohne Dokumente über Ungarn nach Deutschland gelangt ist. Als Geburtsdatum des Jungen wurde von Amts wegen der 11. Dezember 2000 festgelegt. „Wir stellten fest, dass er uns sympathisch war“, sagt das Ehepaar.





Die Karte und die Kurzinfo zur Provinz Laghman wurde durch die Redaktion des Blogs hinzugefügt. Wir wollen auch immer etwas über das Land mitteilen, auch wenn es natürlich in Erster Linie um die Menschen geht, die fern ab ihrer Heimat hier ein friedliches Leben führen sollen, dies mit Hilfe solcher tollen Pflegeeltern wie hier im Bericht geschildert.   

Kurzinfo
Laghman ist eine von insgesamt 34 Provinzen in Afghanistan. Auf einer Fläche von fast 3843 km² leben rund 445.600 Einwohner. Die Provinzhauptstadt ist Mihtarlam. Wikipedia
Bevölkerung:445.588 (2015)
Fläche:3.843 km²
Hauptstadt:Mihtarlam


Afghanistan - Band-e-Amir 

Afghanistan - Bamiyan-Tal

Vater wurde erschossen

Gleichwohl entspricht Achmeds Geschichte ziemlich genau den Schilderungen der Fachleute des Jugendamtes auf der Infoveranstaltung 2015. Er wuchs in einem Dorf ohne Strom auf. 

Sein Vater wurde von den Taliban erschossen, die Mutter lebt inzwischen mit zwei jüngeren Geschwistern Achmeds in einem pakistanischen Flüchtlingslager. Mit 14 Jahren wurde er von seinen Verwandten auf die weite und gefährliche Reise geschickt; nur auf sich allein gestellt.

Er ist Analphabet, hat nur ein Jahr lang die Dorfschule besucht. Das Essen mit Messer und Gabel musste er erst lernen. Aus Angst vor den Taliban, die die Dorfschule beschossen und auch Kinder entführt haben, verließ die Familie nur selten ihre Hütte. Achmed wurde in einem Zug am Frankfurter Flughafen aufgegriffen.

Achmed erzählte seinen Pflegeeltern nur wenig über die Flucht. Sein muslimischer Glaube habe ihm wohl auf der Flucht Halt gegeben, vermuten seine Pflegeeltern. Er hat einen Gebetsteppich und befolgt die Gebetsvorschriften. 

Freitags besucht Achmed eine Moschee in der Münchner Straße. „Wir haben geguckt, ob die Moschee sauber ist“, sagt Udo. In den Moscheevereinen wird nicht immer im Einklang mit dem Grundgesetz gepredigt. So gingen beispielsweise in der Griesheimer Bilal-Moschee Hassprediger ein und aus (wir berichteten).

Die Bekannten des Ehepaares aus dem linksliberalen Bürgertum reagierten gemischt auf die Aufnahme des Flüchtlings. Die Reaktion gingen von „toll“ bis: „Ihr holt euch einen kleinen Terroristen ins Haus.“ Selbst aufgeklärte Freunde der Familie hätten skeptisch reagiert. Als ihre Freunde und Bekannte aber Achmed kennenlernten, „waren die meisten wohlwollend“, sagt Julia. Sein Pflegevater beschreibt den Jungen als „äußerst charmant“. Während des Gesprächs im Esszimmer der Wohnung in einem Gründerzeithaus in Bornheim schaut Achmed kurz vorbei, im orangefarbenen T-Shirt mit Sportschuhen, eine leere Colaflasche in der Hand. Danach verschwindet er Richtung Sportplatz. 

Er spielt bei der SG Grün-Weiß Bornheim. Am Gespräch will er nicht teilnehmen, da er negative Reaktionen in der Öffentlichkeit fürchtet. Auch seine Pflegeeltern wollen lieber anonym bleiben.

Seit seiner Ankunft in Deutschland hat der einstige Analphabet aus Ostafghanistan eine rasante Entwicklung durchlaufen. An der Sophienschule ist er gerade in die achte Regelklasse versetzt worden. Seine Lieblingsfächer sind Werken, Sport und Mathematik, in Deutsch reichte es nur zu einer Vier. Deshalb lernt Pflegevater Udo auch in den Ferien mit ihm. Achmed hat bereits ein Praktikum als Erzieher, ein weiteres in einer Bäckerei und bei Alnatura absolviert. Pflegevater Udo ist überzeugt: „Wenn er so weiter macht wie bisher, kriegt er eine Lehrstelle.“ Udo kann sich für den Zögling auch einen Beruf in der Gastronomie vorstellen, denn: „Achmed ist sehr kommunikativ.“

Schwierig war es am Anfang mit dem Essen, weil der Junge misstrauisch war. „Achmed hat nicht geglaubt, dass kein Schweinfleisch drin ist“, erzählt Udo, der gerne und oft kocht, inzwischen auch mit Achmeds Hilfe. Seit nach muslimischen Regeln erzeugtes Halal-Fleisch bei einem Türken gekauft wird, hat sich das Thema erledigt.

Für den gläubigen Muslim ist Alkohol verpönt. Dass seine Pflegeeltern Alkohol trinken, findet Achmed nicht gut und das sagt er ihnen auch. Umgekehrt muss er sich von Udo fragen lassen, warum er kein Schweinefleisch isst.


Kulturelle Unterschiede herrschen auch über die Rolle der Frau. Dass seine Pflegemutter oft außer Haus ist, will dem 16-Jährigen nicht einleuchten. „Und, wo ist sie?“, fragt er dann seinen Pflegevater und fügt hinzu: „Udo, das geht nicht!“ Das ist mittlerweile zu einem Spiel geworden, findet Udo. „Achmed ironisiert es.“ Dieser verstehe auch nicht, warum seine Eltern keinen Mercedes führen, wo doch beide arbeiteten. Udos Antwort: „Deutschland ist ein reiches Land, aber nicht alle Leute sind reich.“ Der 16-Jährige genießt Kaffee und Cola. Für Letzteres gibt er einen Teil seine Taschengeldes von 15 Euro wöchentlich aus. Und für Chips. Taschengeld erhält er nur, wenn er sein Zimmer aufräumt. Diesen Brauch hat Pflegemutter Julia aus dem Heim übernommen, in dem Achmed untergebracht war.

Ungeklärter Bleibestatus

Sein Zimmer hat Achmed spartanisch eingerichtet. Außer dem Bett gibt es keine Möbel, dafür einen Teppich. Auch Bilder hat er keine. Ein Poster des Fußballstars Ronaldo hat er wieder abgehängt.

Das Ehepaar hat selbst drei erwachsene Kinder und Enkel. Was bewog sie, noch einmal das Wagnis einzugehen, einen pubertierenden Sprössling aufzunehmen?


Julia sind noch „Bilder und Geschichten meiner Eltern und Großeltern im Kopf: Die komplette Familie ist im 2. Weltkrieg auf der Flucht gewesen, aus Schlesien und aus dem brennenden Frankfurt, um dann zufällig in Oberhessen Hilfe und Unterkunft zu finden“. Auch ihr Mann stammt aus einer Flüchtlingsfamilie, auch wenn das Jahrhunderte zurückliegt. Er ist Nachkomme hugenottischen Glaubensflüchtlinge die nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes Frankreich verlassen mussten.

In die Großfamilie der Möllers ist Achmed bereits als zusätzliches Mitglied aufgenommen worden. Das war kein Kunststück, denn: „Wir haben schon einen Türken als Schwiegersohn integriert“, sagt Udo. Die Kontakte Achmeds zu seiner Ursprungsfamilie sind dagegen spärlich. Udo vermutet dahinter Problemvermeidung, denn Achmed habe einmal zu ihm gesagt: „Ich kann meiner Mutter nicht helfen.“ Nur gelegentlich telefoniert er mit ihr.

Die Pflegeeltern haben ihm versichert, dass er solange bei ihnen wohnen kann, wie er möchte; auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Doch sein Bleibestatus ist noch nicht geklärt. Es kann sein, dass ihm die Abschiebung droht. Auch dann werden sich seine Pflegeeltern für ihn einsetzen: „Wir bereiten alles vor, dass er hier bleiben kann“, sagt Udo energisch.

Hier der Link zum Artikel der Frankfurter neue Presse vom 19.07.2017 >>>

Und dies wollen wir Euch nicht vorenthalten!

Solche und ähnliche Kommentare findet man sehr oft unter solchen Artikeln. Einen Kommentar dazu will ich mir ersparen. Natürlich gibt es auch sehr menschenfreundliche Kommentare. Der hier vorliegende Kommentar erhielt übrigens auch eine Antwort. 

Respekt
von Uhu, vor 18 Stunden


Also Achmed hat ein Ziel. Deutschland.
Weltweit bekannt als Ort des Reichtums
und des Wohlstands,und allemal besser als
ein pakistanisches Flüchtlingslager oder eines der vielen auf seiner Reise durchquerten Länder.Deshalb ist er aber kein schutzbedürftiger Flüchtling sondern ein Wirtschaftsmigrant.Als Analphabet fällt er auch nicht in die Kategorie der sehnsüchtig erwarteten Fachärzte und Altenpfleger
Und hat nach dem Gesetz deshalb hier nichts verloren.


Antwort dazu >>> 

Uhu, pfui, einfach nur ekelhaft ihr kommentar
von igeligel, vor 5 Stunden

was haben sie denn dafür getan, dass sie hier leben dürfen? Null nada nix, einfach reiner Zufall, gelle???


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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz.

WIR müssen diese Sätze nur mit Leben erfüllen.
Also - WIR als Zivilgesellschaft.

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Kommentare

  1. Wir leben seit fast 2 Jahren mit einen Brüderpaar, die Aufnahme der Jugendlichen war ein kleines Problem. Das Leben mit ihnen eine große Herausforderung. Wir sind heute eine Familie, kämpfen zusammen gegen Asylablehnung, um Bildung und Ausbildungsgenehmigungen. Der Ältere hat Extern den Quali 2017 bestanden obwohl er nicht einen Tag eine Regelschule besuchen durfte. Wir haben durch sie gelernt wie klein unsere Probleme sind und sind sehr dankbar Menschen, nicht nur den Pflegekindern helfen zu können.

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    1. Vielen Dank für den Kommentar. Respekt und nochmals Respekt für so ein Engagement. Wir sind stolz auf solche Menschen, Ihr lebt etwas vor, was der deutschen Gesellschaft sehr gut tut. Wenn Ihr wollt, könntet Ihr eure Geschichte gern in Worte fassen und uns mitteilen. Wir wollen gern mehr darüber berichten, wie sich Menschen in Deutschland auf dieser sehr schwierigen Ebene verantwortungsvoll und mit Einfühlungsvermögen engagieren. Ich bin über FB unter Horst Berndt angemeldet. Dort können wir gerne, wenn ihr wollt, über pn eine Kontaktadresse austauschen. Viel Grüße -- Horst Berndt

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