Detailanalyse zur Sicherheit in Afghanistan - Telepolis 07/2017 // Auf ein Wort (von Lemiye): Nürnberg-Hamburg - Versuch einer sachkundigen Analyse


"Höchste Konzentration von extremistischen und terroristischen Gruppen in der Welt"

Diese Analyse macht eines deutlich. Der Terror im ganzen Land wird auch von Nachbarn genährt. Es wird keine Ruhe einkehren in Afghanistan.


Der Islamische Staat macht sich in Afghanistan breit.


Ein Pentagon-Report macht den Hauptschuldigen für das Scheitern in Afghanistan aus: Pakistan

Bald 16 Jahre ist es jetzt her, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten das Taliban-Regime in Afghanistan gestürzt haben. Auch Deutschland beteiligte sich mit Soldaten an dem Einsatz, der das Land von der Herrschaft der Gotteskrieger befreien sollte. 


Man muss kein Afghanistan-Experte sein, sondern nur mal ab und zu die Nachrichten anschalten, um zu wissen: Das hat bis heute nicht funktioniert. Ohne alliierte Unterstützung könnte sich die Regierung in Kabul wohl nicht lange halten, das Land würde wahrscheinlich schnell zurück an islamistische Milizen fallen.

Aber warum ist das so? Die Frage stellen sich natürlich auch Militärs. Das Pentagon kommt in einem neuen Bericht an den Kongress zu einem eindeutigen Befund: Zwar gebe es natürlich viele Ursachen für das bisherige Scheitern. Der größte Einzelfaktor ist jedoch Pakistan, weil Aufständische dort einen Rückzugsraum hätten. "Afghanistan sieht sich immer noch einem extern ermöglichten und unverwüstlichen Aufstand gegenüber", heißt es dort.

"Höchste Konzentration an Terroristen"

Der Report zählt "nicht weniger als 20 aufständische und terroristische Netzwerke". Darunter seien neben den Taliban das Haqqani-Netzwerk und Al-Qaida. Und als wäre das alles noch nicht genug, hat jetzt auch noch der Islamische Staat eine Zelle in Afghanistan etabliert.

Der Report spricht von der "höchsten Konzentration von extremistischen und terroristischen Gruppen in der Welt".

Und die Streitkräfte, die Afghan National Defense and Security Forces (ANDSF), seien zwar in der Lage, auf Taliban-Angriffe zu antworten. Aber: "Während die ANDSF in städtischen Gegenden Erfolg hatten, haben die Taliban erfolgreich einige ländliche Gebiete kontrolliert. Sie besetzten befreite Gebiete, nachdem die ANDSF es nicht geschafft hatte, ihre Erfolge zu konsolidieren und eine dauerhafte Präsenz zu etablieren."

Der Report entspricht dem, was General Joseph Votel vom U.S. Central Command im März vor dem Senate Armed Services Committee (SASC) aussagte: Die Möglichkeit für Aufständische, sich nach Pakistan zurückzuziehen, bedrohe die gesamte Operation. Und auch General John Nicholson, der US-Befehlshaber in Afghanistan, sagte im Februar aus, der "Hauptfaktor, von dem unser Erfolg abhängt", sei es, "externe Schutzräume und Unterstützung für die Aufständischen zu eliminieren".
Die Lösung: mehr Ausbilder?

Die Nato schickt nun mehrere tausend zusätzliche Soldaten nach Afghanistan. Nach einem Treffen der Verteidigungsminister sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, das bedeute aber nicht, dass die Nato die Kampfhandlungen wieder aufnehme. Diese waren vor zwei Jahren für beendet erklärt worden. 

Aus Großbritannien kommen beispielsweise neue 85 Soldaten zur Verstärkung der 500 Soldaten, die bereits dort sind. Sie hätten aber keinen Kampfauftrag, so der britische Verteidigungsminister Michael Fallon. Ihr Auftrag sei, afghanische Offiziere auszubilden, beim Aufbau der Luftwaffe zu helfen und die Behörden zu beraten.

Doch was bringen zusätzliche Ausbilder, wenn die Taliban Rückzugsräume in Pakistan haben? Mehr Soldaten brächten lediglich taktische und operationelle Vorteile, warnt Robert Cassidy, ein Ex-Offizier und Afghanistan-Veteran. Nötig sei vielmehr regionale Kooperation mit Pakistan, fordert er.
Druck auf Pakistan

Doch dazu müsse das dortige Sicherheitsestablishment dazu gebracht werden, seine "tiefverwurzelten strategisch-kulturellen Pathologien" aufzubrechen: "Pakistans doppelzüngiges Ausbrüten und Exportieren von Nachbar-Terroristen und Aufständischen ist das größte Hindernis für Frieden in Afghanistan und Südasien." Der pakistanische Inter-Services Intelligence Directorate (ISI) unterhalte Verbindungen zu Al-Qaida, den Taliban und anderen Extremisten, die in Pakistan Unterschlupf finden.

Mehr als 33 Milliarden Dollar habe Amerika seit 9/11 an Pakistan gezahlt und dafür nichts als Verrat bekommen, schimpft Cassidy. Diese traurige Wahrheit sei US-Regierung wie Nato natürlich seit Jahren bekannt. "Ohne eine Politik-Strategie, die Pakistan zwingt, Unterschlupf und Unterstützung zu beenden, wird dieser Krieg ewig weitergehen, mit oder ohne mehr Truppen." Robert Cassidy schließt sich den Schlussfolgerungen von Nicholson an, diejenigen Truppenteile der afghanischen Streitkräfte zu stärken, die schon bewiesen haben, dass sie die Taliban bekämpfen können. Das sind laut Nicholson die Afghan Special Security Forces und afghanische Luftwaffe.

Nur so lasse sich der "Stillstand" überwinden, den US-Militärs längst konstatieren. Man müsse Pakistan mehr mit dem Stock und weniger mit der Karotte kommen, schreibt Robert Cassidy, und schlägt als konkrete Maßnahmen unter anderem vor, Pakistan den Status als großer Nicht-Nato-Alliierter entziehen und das Land zum Terrorismusunterstützer zu erklären.

Dass mehr Soldaten keine Lösung sind, meint auch Emily Knowles vom britischen Remote Control Project in einer neuen Studie: "Nicht zu wenig Truppen sind das größte Problem für den Erfolg in Afghanistan. Sondern der fehlende politische Wille, maximalen Druck auf alle Konfliktparteien auszuüben, um sie an den Verhandlungstisch zu bringen." Druck ausüben müsse auch heißen, die Lieferung von Waffen von Pakistan nach Afghanistan zu unterbinden.
Ratloser Trump

Doch warum hat Afghanistan immer noch keine eigene Armee, die für Sicherheit im Land sorgen kann? Diese Frage lässt sich wohl kaum mit Rückzugsgebieten in Pakistan erklären. Zwar hat die Nato im November 2014 offiziell den Kampfeinsatz beendet und auf 15.000 Mann verkleinert, die nur noch zur Ausbildung - Train, Advise, Assist (TAA) - da sind. Doch viel gebracht hat das bisher alles nicht. Daran konnte bislang auch Donald Trump nichts ändern.

Seinen "Einstand" in Afghanistan gab der neue Präsident, indem gegen einen Tunnelkomplex des Islamischen Staates im Achin Distrikt in der Provinz Nangarhar die "Mutter aller Bomben" abwerfen ließ. Die stärkste nicht-nukleare Bombe des US-Militärs mag zwar dessen Schlagfähigkeit demonstriert haben. Doch zeigte der Einsatz auch, wie weit entfernt der Sieg ist.

Wie viele Menschen getötet wurden, ist unklar. Aber im großen und ganzen hat sich laut ersten Einschätzungen durch den Einsatz der Superbombe nichts verändert. "Mehr als ein Knalleffekt kam dabei nicht heraus", kommentierte Theo Sommer auf Zeit Online. Inzwischen habe sich Trump "in die Büsche geschlagen": "Die Entscheidung, wie es weitergehen soll, hat er den Militärs überlassen."

Hier komplette Artikel von Heise v. 11.07.2017 >>> 

Anmerkung


Wenn wir den Artikel von Heise als Grundlage für eine Neubewertung der Gesamtlage in Afghanistan sehen, dann wird so einiges klar. Militärisch wird es ein fast unmögliches Unterfangen sein, die Oberhand zu gewinnen. 

Wenn Terrormilizen Rückzugsräume haben, wenn es nötig wird, dann werden alle Militäroperationen der Allianz komplett ins Leere laufen. 

Bzgl. der Flüchtlingssituation und der Neubewertung der Sicherheitslage durch die Bundesregierung kann es dann nur logischerweise die Aussage geben, dass das Land derzeit komplett destabilisiert ist und weitere Abschiebungen nicht stattfinden dürfen. 

Wir werden sehen, was die Bundesregierung dazu entscheidet. Im Juli soll es ja diesbzgl. eine Aussage dazu geben. 
Horst Berndt Juli ´17 


Afghanistan hat eine sehr lange Grenze zu Pakistan 

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Auf ein Wort mit unserer Bloggerin Lemiye 

Liebe Freundinnen und Freunde!

Bitte nehmt euch die Zeit, bis zum Schluss zu lesen! Im Anschluss an meine Plauderei folgt nämlich eine sachkundige Analyse der "Hamburger Ereignisse".


Die Anzahl der Politiker, Medien, Gruppen und Einzelpersonen, die die Deutungshoheit über die "Hamburger Ereignisse" für sich beanspruchen, wird langsam unübersichtlich. 

Eine der Deutungen kristallisiert sich unter Einsatz einer Unmenge von Krokodilstränen als besonders laut, plakativ und darum erfolgreich heraus: ES WAREN DIE LINKEN!
Voraussichtlich wird das allen Dementis der Linken zum Trotz Wählerstimmen kosten; das ist der Sinn der Übung!

Dass Gewaltexsesse wie in Hamburg hochpolitisch sind, zeigt sich an ihrer Instrumentalisierung. Darum sind sie, abgesehen von den nicht hinnehmbaren persönlichen, körperlichen und materiellen Schäden, hochgradig kontraproduktiv und grundsätzlich abzulehnen.

Die kriminellen Gewalttäter dürfen sich gern als "linksautonom" bezeichnen. Niemand muss jedoch ihr groteskes Selbstverständnis übernehmen! Fortgeschrittene Alkoholiker halten sich auch für gesund, ohne dass ihnen jemand beipflichtet! Solange sie keinen Schaden anrichten, lässt man sie einfach schwadronieren...

Zu der Entstehung von Gewalt habe ich eine m. E. hervorragende Analyse gefunden, die ich hiermit ungekürzt zitiere:

Ein Leserbrief aus der Fankfurter Rundschau vom 11.07.2017 

"Die letzte Stufe der Eskalation"

"Die Entstehungsumstände von Gewalt werden in den hierfür relevanten Wissenschaftsdisziplinen auf sehr unterschiedliche Weise und über verschiedene Perspektiven erforscht und diskutiert, so dass sich auch die Hamburger Ereignisse, ähnlich wie die Kölner Silvesterexzesse oder die Ereignisse im Umfeld der EZB nicht eindimensional erklären lassen. Beide Ereignisteile, das weltpolitische G20-Treffen wie die erwartbaren Gegenbewegungen, sind in sich heterogene Interessenkonglomerate und stehen sich zunächst symbolisch an einem symbolgeladenen Ort - globale Hansestadt Hamburg mit traditionell großer anarchistischer Szene - gegenüber. 

Das lässt von vornherein schon auf eine Inszenierungsabsicht schließen, deren Folgeabschätzungen entweder im politischen Interesse lagen oder an Dilettantismus grenzen.

Dass sich die Ereignisse dann allein durch die sehr unterschiedlichen Motive der Gegendemonstrationsgruppen ihre Bahn brechen sollten, ist eigentlich jedem klar, der sich mit dem Gewaltphänomen beschäftigt.


Gewalt entsteht entweder durch Eskalationsspiralen aus einer Mischung von Hintergründen, Anlässen, Beschleunigern und Initialzündungen, die im günstigsten Falle durch oftmals "irritierende" Interventionen auf einer der Eskalationsstufen oder aber durch Erschöpfung ausgebremst werden kann.

Oder Gewalt ist von vornherein intrinsischer Art. Hierbei hat sich ein Potential gesammelt und wartet auf eine Gelegenheit zur Entladung und Abfuhr.

Durch die Motivvielfalt in den diversen Gruppen verzahnen sich die Motive wiederum in einer eigenen Eskalationsspirale und sind dann kaum noch beherrschbar. Die letzte Stufe der Eskalationsspirale ist immer der Exzess, der nach der psychoanalytischen Gewaltforschung selbst wieder intrinsisch, also lustbesetzt und omnipotenzforcierend wirken kann.

Ich gehe davon aus, dass dies alles den mitplanenden Akteuren und Institutionen bekannt gewesen sein müsste, so dass sich die Frage stellt, weshalb man trotz alledem an einem solchen Ereignis-Ort festhält."
(Nachzulesen in der Frankfurter Rundschau vom 11.7.2017)

Alles klar?
Macht's euch nett!

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Nachtrag 

Nachdem unser Artikel vom 10.07.2017 extrem viele Leser erreicht hat, (über 5000) wollen wir es zum Abschluss der Berichterstattung über dieses Thema nicht versäumen, euch für Euer Interesse daran zu danken. 

Sehr viele nachdenkliche Kommentare und auch einige kritische Kommentare konnten wir verzeichnen. Wie ist das eigentlich alles zu bewerten. 

Dazu wollen wir Euch einen Leserbrief in der Kategorie >AUF EIN WORT< präsentieren und nachfolgend einen hochinteressanten Artikel von ZEIT-ONLINE empfehlen. 

Der Zusammenhang zwischen Hamburg und Nürnberg ist eher noch bestätigt worden, wenn man die Dynamik der Psychologie betrachtet. Der Unterschied zwischen beiden Vorfällen liegt wohl klar darin, das die Jugendlichen der Berufsschule ihren Protest ohne Vermummung und Waffengewalt präsentierten, ganz im Gegensatz zur angerückten Polizeieinheit. 
Horst Berndt Juli ´17 

Junge Menschen einer Nürnberger Berufsschule setzen sich für einen Mitschüler ein, der nach Afghanistan abgeschoben werden soll

"Gewalt ist ansteckend"

Aktivist, Demonstrant, Chaot, Linksradikaler, Nazi: Am G20-Wochenende wurden aus diversen Menschen Gewalttäter. Forscher erklären die Dynamik der Massengewalt.
Interview: Jakob Simmank

Brennende Autos, Rauchwolken, Wasserwerfer, fliegende Pflastersteine: Die Bilder und Berichte der G20-Proteste, die sich vielerorts in gewalttätige Ausschreitungen verwandelten, sind erschreckend. Mit dabei: Menschen, die sich anscheinend von der Gewalt anstecken ließen. Eine Sozialpsychologin und ein Hamburger Konfliktforscher im Gespräch über Massengewalt, Rädelsführer und Dialogbereitschaft.

Hier der Link zum vollständigen Artikel von ZEIT-ONLINE v. 11.07.2017 >>> 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz. 

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