"Ich kann nicht zurück nach Afghanistan"- Attaullah Baloz // Bundesinnenminister und Landkreistagsvizepräsident im Abschiebewahn // Nachgefragt! //


Asylverfahren
"Ich kann nicht zurück nach Afghanistan"
Die Chancen von afghanischen Flüchtlingen, in Deutschland bleiben zu können, sinken. Nur jeder zweite Asylantrag wird derzeit anerkannt. Claudia van Laak hat einen jungen Afghanen in seinem Asylverfahren begleitet.

Von Claudia van Laak
Attaullah Baloz aus Afghanistan
"Dann erstmal guten Morgen, mein Name ist Maier, ich höre Sie heute zu Ihren Asylgründen an."

Dienstag, 21. März, morgens um acht Uhr in der Berliner Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Ein nüchterner Büroraum, Neonlicht.

"Falls Sie Wasser trinken möchten, bitte bedienen Sie sich, das gilt für Sie alle." Für Sigrun Maier, Entscheiderin beim BAMF, ein Routinetermin: Seit 1992 arbeitet die Juristin in der Bundesbehörde. Für den Afghanen Attaullah Baloz dagegen geht es in den kommenden zwei Stunden um Alles oder Nichts.

"Ich erkläre Ihnen zunächst einmal den Ablauf der Anhörung, damit Sie wissen, was auf Sie zukommt. Das ist Ihr Dolmetscher, der dafür da ist, das, was wir besprechen, zu übersetzen." Der große schmale junge Mann mit den streng nach hinten gegelten schwarzen Haaren macht sich klein auf dem Bürostuhl. Attaulah Baloz wirkt, als wolle er verschwinden.


Von Narben übersähter Unterarm

"Ziehen Sie ruhig Ihre Jacke aus, kein Problem." Sein linker Unterarm ist innen von Narben übersäht. Ein regelmäßiges Gitter. Der junge Mann aus einem Dorf nahe Kunduz ist aggressiv gegen sich selber, er ritzt sich. Im Bundesamt scheint dies niemandem aufzufallen oder zu interessieren.

Sigrun Maier fragt nach seiner Fluchtgeschichte - wann ist Attaulah in Deutschland eingetroffen? "Das kann ich leider nicht sagen, da ich mich mit dem Kalender nicht richtig auskenne. Ich wusste auch gar nicht, wie alt ich bin, das ist mir unbekannt."

Attaulah Baloz ist als Analphabet nach Deutschland gekommen. Die Taliban haben die Dorfschule zerstört, erzählt er. Eines Abends stürmten sie in das Haus seiner Familie, wollten ihn zwangsweise rekrutieren. Seine Mutter warf sich dazwischen, die Taliban drohten wiederzukommen, ihm glückte am nächsten Morgen die Flucht.

Flucht vor den Taliban

"Mein Cousin hat mir erklärt, dass mein Vater von den Taliban entführt worden ist. Eigentlich wollten die Taliban mich mitnehmen, aber an meiner Stelle haben sie meinen Vater mitgenommen."

Sigrun Maier fragt nach. "Ich möchte das genau wissen", sagt sie freundlich, aber bestimmt. Wie sah das Haus aus, in dem Sie wohnten? Wie viele Personen haben in einem Zimmer geschlafen? Was passierte genau in der Nacht, als die Taliban kamen? Wie kann es sein, dass Ihre Familie so schnell die Ausreise organisieren konnte? Hätten Sie nicht in Afghanistan bleiben können?

"Außerhalb der Region, wo ihr Heimatort ist, zum Beispiel in Kabul oder einer anderen Region, wo die Taliban Sie nicht kennen würden?" "Nein, das wäre nicht möglich gewesen, die Taliban haben überall ihre Leute. Sie bezahlen auch Leute, um nach ihnen zu suchen, das wäre keine Lösung."

Hier der Link zur kompletten Geschichte, die Begründung zur Ablehnung ist dabei zu beachten (DLF vom 29.05.2017) >> 




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Bundesinnenminister und Landkreistagsvizepräsident im Abschiebewahn

Ulla Jelpke, MdB
Innenpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE.
im Deutschen Bundestag

Ulla Jelpke, MdB DIE LINKE
 „Im selbst geschaffenen Abschiebewahn kommt die Wahrheit immer mehr unter die Räder. Nach Agenturberichten phantasiert der Präsident des Landkreistages von knapp 500.000 Ausreisepflichtigen, und Bundesinnenminister de Maizière spricht von einer nur zweimonatigen Asylverfahrensdauer. 

Beides ist komplett falsch, wie aus offiziellen Angaben der Bundesregierung selbst hervorgeht“, erklärt innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, zu Berichten über eine Konferenz des Landkreistages. Jelpke weiter:


„Tatsächlich sind es derzeit weniger als 220.000 Ausreisepflichtige, wie die Bundesregierung mir erst vor wenigen Tagen auf Anfrage bestätigt hat. Ständig überhöhte Zahlen von Ausreisepflichtigen zu verbreiten, ist ein perfides Mittel, um umfangreiche Abschiebungen zu rechtfertigen. Stattdessen muss man endlich akzeptieren, dass viele Ausreisepflichtige ernsthafte – und rechtsstaatlich anerkannte – humanitäre Bleibegründe haben oder Abschiebehindernisse vorliegen. 

Wenn der Innenminister dann noch mehr Verständnis für diejenigen fordert, die Abschiebungen entscheiden und vollziehen, bleibt mir angesichts dieses unfassbaren Mangels an Empathie die Spucke weg. Der Minister ist für die Gesetze maßgeblich verantwortlich, die unangekündigte Überraschungsabschiebungen auch nach mehrjährigem Aufenthalt zur rechtsstaatswidrigen Norm haben werden lassen.

Wenn de Maizière von durchschnittlich zweimonatigen Asylverfahren spricht, ist das falsch und irreführend denn er betrachtet nur Verfahren bei denen es schnell geht. 

In Wirklichkeit dauern die Asylverfahren derzeit durchschnittlich 10,4 Monate und dabei ist noch nicht einmal die durchschnittliche Wartezeit von vier Monaten eingerechnet. .

Wir brauchen keine Abschiebe-Propaganda, sondern die Umsetzung humanitärer Bleiberechtsregelungen, einen verhältnismäßigen und menschenwürdigen Umgang mit Schutzsuchenden und eine funktionierende Integration.“

Ulla Jelpke, MdB
Innenpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE.
im Deutschen Bundestag

Hier der Link zum Artikel von Ulla Jelpke auf der Internet-Seite DIE LINKE  >>

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NACHGEFRAGT!


Es gab einige Nachfragen zur  vorgenommenen Abschiebung vom 13.06.2017 ab Hamburg 

Flughafen Hamburg

Der Abschiebeflug von Hamburg ging am 13.06.2017, die uns vorliegenden Informationen zum Vorgang haben wir am 15/16.06.2017 an MONITOR, die SZ und an den NDR weitergegeben. Der aktuelle Stand (19.06.2017) hält keine neuen Erkenntnisse bereit. 

Es gibt ja zu bestimmten Artikeln von uns, seitens der Leser immer wieder Nachfragen. Das ist natürlich auch für uns ein Anliegen, Euch auf dem Laufenden zu halten, soweit es unsere Zeit zulässt. 

Daher haben wir nunmehr die Kategorie >NACHGEFRAGT< erstellt. Immer wenn diese Kategorie im Titel erscheint, berichten wir über eine Angelegenheit, über die wir schon berichteten oder die von unseren Lesern vermehrt angesprochen wird. 
Horst Berndt Juni ´17 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz. 

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