SELBSTLOSEN SEENOTRETTERN GEBÜHRT DER DANK DER DEUTSCHEN UND DER EUROPÄISCHEN ZIVILGESELLSCHAFT!

Seenotrettung im Mittelmeer!


Selbstlosen Seenotrettern gebührt der Dank der deutschen und europäischen Zivilgesellschaft
Aus unserer Rubrik >Auf ein Wort< von unserer Bloggerin Lemiye


Auf ein Wort!

Vor ein paar Tagen kam eine junge Schwimmerin zu besonderen Ehren: Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR ernannte die erst 19-jährige Yusra Mardini zur jüngsten Sonderbotschafterin.
Yusra war 2015 zusammen mit ihrer Schwester vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. In einem Schlauchboot voller Flüchtlinge versuchten sie, die griechische Insel Lesbos zu erreichen. Als das Boot eine Panne hatte, schwammen Yusra und ihre Schwester stundenlang in Richtung Küste und zogen das Boot an einem Seil hinter sich her.

2016 nahm Yusra an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. Sie traf Barack Obama, Ban Ki Moon und den Papst. Heute lebt Yusra in Berlin und besucht dort eine Schule, wo sie auch trainiert.

Nicht allen Rettern wird solche Ehre zuteil. Im Gegenteil. Vor allem, nachdem Boote verschiedener privater Hilfsorganisationen selbst in Seenot geraten sind, wird den Besatzungen vorgeworfen, die eigentliche Ursache für die Flucht so vieler Menschen und mitverantwortlich für deren Tod zu sein: Gäbe es im Mittelmeer keine Seenotrettung, blieben die Leute zu Hause. Frontex-Chef Fabrice Leggeri lärmt es so: Durch ihr Engagement würden die Seenotretter die Schlepper regelrecht animieren, noch mehr Menschen auf seeuntaugliche Boote zu quetschen. Andere besorgte Bürger nennen sie in einem Atemzug mit kriminellen Schlepperbanden.

Vor zwei Wochen veranlasste die ruhige See tausende, vor allem in Libyen wartende Flüchtlinge, die Überfahrt zu wagen. Plötzlich änderte sich das Wetter, und die völlig überfüllten, seeuntauglichen Boote gerieten in Seenot. Allein am Osterwochenende wurden über 8.000 Menschen geborgen – ein bisher einzigartiger, trauriger Rekord! Trotzdem kam für viele jede Hilfe zu spät: In diesem Jahr ertranken bereits an die 1000 Menschen, deren Fall bekannt ist. Die Dunkelziffer der Namenlosen dürfte um ein Vielfaches höher sein!

Die unterstellte Kausalität ist grotesk: Die verzweifelten Menschen begeben sich nicht auf die hochgradig lebensgefährliche Überfahrt, weil sie darauf setzen, auf komfortabel ausgestatteten Schiffen bequem auf das europäische Festland geschippert zu werden. Sie wagen die Überfahrt, weil die Balkanroute geschlossen ist, die Schlepper eine sichere Überfahrt versprochen haben und es ohnehin keine legalen Fluchtwege und Einreisemöglichkeiten gibt! Ausgerechnet die Retter, die ihr Engagement rein humanitär verstehen und bis an die absolute persönliche Belastungsgrenze gehen, zur Fluchtursache zu erklären, ist pervers! Wären sie nicht zur Stelle, würden die Menschen einfach ertrinken, denn die kriminellen Schlepper werden ihnen immer eine sichere Überfahrt versprechen – und abkassieren.

Was also wäre die Lösung? Privaten Rettungseinsatz im Mittelmeer verbieten, obwohl die finanziell und personell unterbelichtete Flüchtlingsabwehrorganisation Frontex hoffnungslos überfordert ist? Die Menschen als fragwürdiges, abschreckendes Beispiel einfach ertrinken lassen? Den auf Schutz, Hilfe und Solidarität angewiesenen Menschen endlich eine Stimme am europäischen Verhandlungstisch geben – nachdem Europa (und Deutschland!) sie jahrelang dazu verurteilt hat, untätig an den Grenzen, in Lagern, im Elend auf Rettung zu hoffen?

Deutschland kann sich glücklich schätzen. Zu seinen Bürgern zählen viele Menschen, deren manchmal nahezu übermenschliches Engagement die Zivilgesellschaft davor bewahrt, Solidarität ausschließlich für sich selbst einzufordern und damit in die totale moralische Verkommenheit abzurutschen. Den unzähligen privaten Helfern und Rettern gehören meine uneingeschränkte Hochachtung und mein größter Dank! Sie sind die wahren Helden unserer Zeit.

Lemiye am 02.05.2017 
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Ganz sicher - nicht sicher!

Wir haben den Text der Übersetzung so gelassen und keine Fehlerkorrektur gemacht. Die Übersetzung stammt von Bert Schulte, Mitglied in unserer Gruppe >> Pouya ist willkommen



Keine Abschiebung in den Tod

Ein sehr guter Freund und Flüchtling aus Afghanistan, schrieb eine sehr berührende Geschichte über die Situation in sein ehemaliges Heimatland und die Behandlung von Afghanen durch die Deutsche Regierung. Diese Geschichte habe ich so gut wie möglich auf Deutsch übersetzt.
Eingangstext von Bert Schulte 

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Ich denke dass Tag ein Tag aus, die Menschlichkeit weniger Bedeutsamkeit zugemessen wird.
Spezial unter die Politiker, spielt es keine Rolle mehr, wer du bist, was du kannst oder woher du kommst. Ob du ein guter Mensch bist oder nicht, ob du hart arbeitest oder arbeiten willst, ob dein Leben bedroht wird usw. Für die Regierung, sind nur Menschen interessant, die Politische Vorteile bringen oder viel Geld haben. Ist man aber nicht jemand aus einer dieser beiden Kategorien, dann ist man uninteressant. Keiner interessiert es, wie oder wo man lebt. Wir werden belogen durch unsere Politiker, die uns vorgaukeln alles ist gut. Jeden Tag hören wir uns dieses an, ohne darauf zu reagieren. Manchmal denke ich, die Welt ist voll von Roboter, die exakt, das machen was die Regierungen wollen oder von uns verlangen. Und das ohne zu hinterfragen oder Gegenwehr.

Ich bin ein 29 Jahre alter Mann, der vor 14 Monate mit seiner Frau nach Deutschland kam. Geflüchtet aus Politische und Religiöse Gründe. Wäre ich in meine Heimat geblieben, dann wäre ich jetzt nicht mehr am Leben. In der Zeit, wie wir in Deutschland ankamen, waren die Grenzen offen, für alle Flüchtlinge. Europa, Deutschland, Frau Merkel, sagten damals dass alle von Krieg und Terrorismus bedrohten Menschen willkommen waren. Das war der Grund warum wir nach Deutschland kamen. In Afghanistan waren mein Leben und das meiner Frau bedroht. Die Taliban, wollte uns umbringen .Wir mussten alle Brücken hinter uns abbauen und unser Heimatland verlassen. Hier gibt es kein Weg zurück mehr.
Nach ca. 4 Monaten bekamen wir unser erstes Interview beim BAMF. 4 Monate später das zweite und jetzt warten wir schon 6 Monate auf einer Entscheidung. In diese Zeit wurde unsere Tochter geboren, die mittlerweile 6 Monate Alt ist. Diese ganze 6 Monaten, warten wir auf ein kleines Stück Papier, das uns sagen wird ob wir in Deutschland bleiben dürfen.

Jeden morgen öffne ich voller Spannung unser Briefkasten um endlich Gewissheit zu bekommen. Glaubt mir. Es ist sehr belastend um 14 Monaten zu warten ob man weiter in Sicherheit leben darf oder nicht. Psychisch ist diese Belastung, fast nicht auszuhalten.
Nicht nur dieses Warten frisst einen auf, nein die ganzen Zeitungsberichte, Interneteinträge und Fernsehprogramme, die erzählen über eine Rückführung aller Afghanen.

Sind Deutschlands Grenzen nur für Syrer und Iraker geöffnet gewesen und sollen alle anderen wieder zurück? Wie ich schon sagte. Alle Brücken haben wir hinter uns abgebrochen und es gibt kein Weg zurück. Glauben sie dass es einfach ist, für Menschen um ihre Heimat und ihre Familien zu verlassen um irgendwo wieder von Null anzufangen. Ich habe studiert, hatte ein sehr guter Job beim Fernsehen und verdiente gut. Hier in Deutschland fange ich sogar bei weniger als Null an. 

Ich muss erst mal die Deutsche Sprache erlernen. Bis vor kurzen waren Deutschkurse oder Praktikantenstellen Afghanen vorenthalten. Glauben sie wirklich ich komme aus Wirtschaftlichen Gründe nach Deutschland? Nein ich bin hierhin gekommen, weil ich überleben möchte. Weil ich meine als Mensch ein Recht zu haben auf ein Leben in Freiheit und ohne Ängste. Ist es nicht so, dass alle Menschen kämpfen, wenn ihr Leben bedroht sein würde? Wenn wir Kontakt aufnehmen mit zuhause, wird ständig unser Herz gebrochen. Glauben sie mir es ist nicht einfach seine Mutter weinend zurück zu lassen.

Ich wurde aber gezwungen mein Heimatland zu verlassen. Ich tat dies auch, von wegen meine Frau und unser ungeborenes Baby. Wenn ich jetzt die Nachrichten höre, wird es mir angst und bange. Alle Afghanen sollen zurück. Das bedeutet, dass eines Tages, für mich und meine kleine Familie eine Ablehnung kommt und wir zurück geschickt werden. Das bedeutet dass mein Leben ab dann, nur noch aus Tage, Woche oder Monate bestehen wird. Ein versteck gibt es nicht. Die Taliban ist überall.

Manchmal habe ich das Gefühl, gar nicht zu dieser Erde zu gehören. Weil Menschenrechte nicht für mich gelten. Warum ? gibt es Grenzen. Warum? werden Menschen unterschiedlich behandelt. Was ? bedeutet eigentlich Liebe und Menschlichkeit. Warum? sagt man der Mensch ist die wichtigste Kreation auf Erden, wenn trotzdem manche Menschen schlechter behandelt werden als Tiere.

Manche von euch werden jetzt sagen…aber unsere Regierung gibt doch sehr viel Geld an die Afghanische Regierung um eure Rückkehr zu ermöglichen ( beschleunigen ). Ja, sogar um die Ex Flüchtlingen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Glaubt ihr wirklich daran? Afghanistan ist ein korruptes Land und die Taliban lässt sich sicher nicht mit Geld stoppen. Es ist schon viel Geld geflossen. (20% von den zugesagten Milliarden) Fragt doch mal nach wo dieses Geld geblieben ist. Es gibt viele Flüchtlinge in Kabul die aus verschiedenen Ländern zurück geführt wurden. Mehr als Hundert von ihnen starben diesen Winter durch Hunger und Kälte. 

Die Deutsche Regierung sagt Afghanistan ist jetzt ein sicheres Land. Die Taliban würde nur Regierungsmitarbeiter umbringen und keine normale Bürger. Die Menschen die trotzdem umgebracht werden, waren ja nicht das Ziel, sondern nur die Folge. Wissen sie eigentlich, wie viel Menschen in den letzten 3 Jahren durch die Taliban ermordet wurden? Die New York Times schrieb, das alleine im Jahr 2016, mehr als 60.000 Menschen durch den Taliban umgebracht wurden. 

Das ist eine komplette kleine Deutsche Stadt wie zb. Dormagen, Weimar oder Rosenheim. Die Gewalt betrifft laut UN alle 24 Provinzen. Der größte Anstieg von Opfern (plus 34 %) gab es in Zentralafghanistan, vor allem wegen der viele Anschläge in Kabul. Und die Taliban wird immer größer und stärker. Ja sogar die IS mordet schon in Afghanistan. Hinzu kommt auch noch, dass die Koalition haufenweiße Uranmunition verschossen hat, an welcher nicht nur die eigenen Soldaten erkrankten, sondern natürlich auch die Bevölkerung, welche nun in diesem Dreck, den man nicht sieht und nur schleichend tötet, leben muss.

Eure Politiker glauben sie können einem Schwachen und Zerschnittenen Land wie Afghanistan helfen, durch Einmischung und viel Geld. Wo denken sie ist dieses viele Geld geblieben? Dieses ist abgewandert in der Taschen unfähigen und korrupten Politiker. Ich würde mich überhaupt nicht wundern, wenn sogar die Terrorbanden, hier mit profitieren.

Einen Neuanfang in Afghanistan würde nur dann gelingen, wenn mit diesen Geld, neue Fabriken, Schulen, eine bessere Infrastruktur usw. gebaut würden. Aber als allererste sollten die Taliban und alle andere Terrorgruppen besiegt und verjagt werden. Nach vielen Jahren Krieg ist das nicht gelungen. Nein, der Terror hat sich sogar verschlimmert.

Warum fragt ihr nicht die Menschen in eure Regierung, warum sie so leichtfertig mit Menschen und Menschenrechten umspringen? Warum vertraut ihr blindlings, die Aussagen von so mancher Politiker? Ist das wirklich Fair? Ist das wirklich, dass was dein Herz akzeptieren will? Nein, das kann ich nicht glauben. Ich denke die Menschlichkeit wird bei die meisten von euch den durchschlag geben. Darum möchte ich euch fragen: lasst uns bitte nicht allein und setzt euch zusammen mit uns ein für eine Humane, friedliche Welt wo jeder von uns sein Platz hat. Ich weiß meine Geschichte war ziemlich lang und ich bedanke mich bei jeden der diese bis zum ende gelesen hat.
Übersetzung von Bert Schulte 

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Deutsches Grundgesetz)


Kommentare

  1. Sehr berührender Text des Afghanen. Die Politiker sind doch nur noch zum kotzen...

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  2. So und nicht anderes ist die Wahrheit.
    Was muss noch passieren, dass unsere Politiker (einschließlich Merkel) ihr verlogenes, verachtendes,
    unmenschliches und überhebliches Verhalten ändern.

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