NOCH NIE SIND IM MITTELMEER SO VIELE KINDER, FRAUEN UND MÄNNER JÄMMERLICH ERTRUNKEN, WIE IN DIESEM JAHR!

Massengrab Mittelmmeer - Europas Verantwortung!
Auf ein weiteres Wort zum selben Thema:
Es ist unerträglich, unter Niveau belogen zu werden!


Aus der Kategorie >Auf ein Wort< von unserer Bloggerin Lemiye

Im legalen und moralischen Unterbau des Umgangs mit verzweifelten, Schutz suchenden Menschen hat eine krasse Erosion stattgefunden. Das zeigt sich unter anderem auch an der beispiellosen Diffamierung jener, die sich mutig und kraftvoll dieser Entwicklung entgegenstellen.

Noch nie sind im Mittelmeer so viele unschuldige Kinder, Frauen und Männer jämmerlich ertrunken wie in diesem Jahr!
Wäre es nicht zum Heulen traurig, könnte man es als Running Gag bezeichnen, dass dafür ausgerechnet private Hilforganisationen verantwortlich gemacht werden! Vor ein paar Tagen hatte ich bereits ein paar Gedanken dazu notiert. Nun fühle ich mich veranlasst, noch einmal auf das Thema zurückzukommen.

Nach zahlreichen Hatern ohne einen Funken Anstand im Leib und dem Frontex-Chef Fabrice Leggeri haut jetzt ein italienischer Staatsanwalt lärmend in dieselbe verdorbene Kerbe und behauptet, NGOs arbeiteten produktiv und profitabel mit Schleppern zusammen!

Ja – und? Herr Staatsanwalt Carmelo Zuccaro, das mal vorab: Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens dahingehend, dass Geld – und nur Geld! – die Welt regiert. Was also wäre dagegen einzuwenden, wenn Sie Recht hätten und NGOs tatsächlich in einer Art „Zusammenarbeit“ mit Schleppern verzweifelte Flüchtlinge aus Todesgefahr retteten? Immerhin müssen die Einsätze finanziert werden, das geben Sie ja selbst zu, und wenn auch die bis zur totalen physischen und psychischen Erschöpfung arbeitenden Helfer bezahlt würden, wäre das vollkommen im Rahmen des erwähnten Konsens: keine Leistung ohne Bezahlung!

Der abstruse Vorwurf wird nur noch getoppt von der angeblichen Motivation: Durch die durch Schlepper und Hilfsorgas ausufernde Flüchtlings“welle“ (man beachte die maritime Sprache) solle die italienische Wirtschaft destabilisiert werden, „um Vorteile daraus zu ziehen“ (sic!).

Die italienische Wirtschaft steht ohnehin nicht zum besten, auch ganz ohne Flüchtlings“welle“. Dass die meisten Flüchtlinge nach Italien gebracht werden, ist nicht ihnen anzulasten. Bekanntlich hat sich die EU die geografische Lage zunutze gemacht; wovon gerade das Binnenland Deutschland besonders profitiert. Zwecks Entschädigung für die Aufnahme so vieler Flüchtlinge (180.000 allein in 2016) möge sich Italien vertrauensvoll an die EU wenden, die dem Land das schließlich eingebrockt und den Friedensnobelpreis erhalten hat.


Seinen beeindruckenden Erkenntnisgewinn scheint der Herr Staatsanwalt aus unbekannten magischen Quellen bezogen zu haben, denn Beweise kann er natürlich nicht vorlegen. Er verfügt lediglich über „Belege“, die aber „nicht gerichtstauglich“ sind. Aha! Die Belege belegen angeblich „direkte Kontakte“: Mit Telefonaten und Lichtsignalen würden Retter den Schlepperbooten den Weg weisen. Ja – und? Auf zufälliges rechtzeitiges Zusammentreffen zu hoffen, dürfte bei akuter Seenot wenig zielführend sein!

Wenn Apologeten der Pseudoanständigkeit wie Carmelo Zuccaro behaupten, Hilfsorganisationen würden durch ihren Einsatz in libyscher Küstennähe das Geschäftsmodell der Schlepperbanden durch erhöhte Erfolgschancen stärken, klingt das sehr verräterisch nach Wettbewerbskonkurrenz. Allerdings darf Frontex in internationalen Gewässern gar nicht“ operieren“ und fällt daher per se als Rettungsorganisation aus. Die Schmutz- und Hetzkampagne verfolgt offenbar ein anderes Ziel, nämlich, die Helfer zu kriminalisieren und potentielle Spender abzuschrecken.
Folgerichtig springen Populisten, Rassisten und Verschwörungspsychopathen frischfröhlich auf den Zug (besser: das Schiff) auf und imaginieren zum einen eine zunehmende organisierte Kriminalität. Zum anderen solle das italienische Volk durch die organisierte Massenaufnahme billiger Arbeitskräfte ersetzt werden: „Es geht nicht um Kriege und Menschenrechte, sondern um eine wirtschaftliche und geschäftliche Operation“, analysiert Lega-Chef Matteo Salvini eher dumpf- als scharfsinnig die Lage. Na bitte, sage ich doch!

Italiens Bischöfe nannten die perfiden Erregungsausscheidungen der Paten der Verachtung schändlich und scheinheilig. Nicht die Hilfsorganisationen, sondern die EU-Länder, die das Fluchtproblem nicht in den Griff bekommen (wollen), gehören auf die Anklagebank!

Denn den kriminellen Schlepperbanden, die jeden Tag zahlreiche überfüllte, seeuntaugliche Boote auf’s offene Meer schicken, ist es völlig gleichgültig, ob irgendwo draußen ein Rettungsschiff unterwegs ist. Ihnen sind auch die Kinder, Frauen und Männer gleichgültig, denen sie oft alles Geld abgenommen haben und die sie mitleidlos größter Lebensgefahr aussetzen. Ihnen kann nur das schändliche Handwerk gelegt werden, indem endlich legale Fluchtwege ermöglicht werden!

Als vor einigen Jahren das offizielle europäische Rettungsprogramm „Mare Nostrum“ beendet und durch das Abschottungsprogramm Frontex ersetzt worden war, zeigte sich, dass dadurch die Flüchtlingszahlen nicht zurückgingen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Menschen versuchen nach einem anderen Prinzip der heimatlichen Hölle zu entkommen: nach dem Prinzip Hoffnung. Ich bin den selbstlosen Rettern unendlich dankbar dafür, das sie niemanden ertrinken und sich dafür sogar anfeinden lassen! Sie verhindern, dass die Unmenschlichkeit, die heute so vielen Menschen angetan wird, die Menschlichkeit in mir zerstört!


„Wenn Anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt,
verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt.“
(Saadi, persischer Dichter, 1210 - 1292, kein Anhänger der deutschen Leitkultur à la de Maizière)
Lemiye am 06.05.2017 
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Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Deutsches Grundgesetz)

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