Erfahrene Anwälte von Flüchtlingen sind entsetzt über die Abschiebe-Entscheidungen des Bundesamts für Migration --„Bomben galten nicht Ihnen persönlich“, so der Entscheider!


Protest gegen die Abschiebung in vermeintlich sichere Herkunftsländer auf dem Frankfurter Flughafen. Foto: dpa


Die Asyl-Lotterie
Erfahrene Anwälte von Flüchtlingen sind entsetzt über die Abschiebe-Entscheidungen des Bundesamts für Migration.

Ergänzender Kommentar von Horst Berndt  >> 
Dieser Artikel lässt mich vollkommen erschüttert zurück. Reinhold Wendl, Spezialist für Ausländerrecht, betreut afghanische Flüchtlinge seit den 80'er Jahren. Und was er hier berichtet, stellt der deutschen Regierung und den entsprechenden Behörden garantiert kein gutes Zeugnis aus. <<

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Ein Absatz aus dem sehr interessanten Artikel der Frankfurter Rundschau vom 29.05.2017 >> 

Doch was den Juristen in diesen Tagen besonders empört, das sind die Geschichten, die ihm Geflüchtete über ihren Asylverfahren erzählen, das sind die „haarsträubenden“ Begründungen negativer Asylbescheide von den Entscheidern, wie er sagt. „Das habe ich in mehr als 30 Jahren so nicht erlebt.“ Trotz seiner Erfahrung wage er kaum noch eine Vorhersage.


Im Artikel sind drei Fälle dokumentiert, diese Schilderungen sind allein schon so unfassbar, aber die Begründungen des Entscheiders sind noch viel unfassbarer. Hier der Fall 2 aus dem Artikel.  



Fall 2

„Bomben galten nicht Ihnen persönlich“

Zwei Mal haben die Taliban versucht, den afghanischen Offizier zu töten. Die erste Magnetbombe am eigenen Dienstfahrzeug entdeckte der Offizier selbst, ließ sie entschärfen; die zweite Bombe explodierte, als er aus dem Auto ausgestiegen war. Der Sprengsatz tötete zwei seiner Kameraden.

Der Mann, Paschtune und Sunnit, hatte nach zwölf Jahren Schule im Jahr 2007 die Militärlaufbahn eingeschlagen. Allerdings erzählte er das in seinem Dorf in der Provinz Wardak niemanden, denn nach seiner Schilderung haben die Taliban überall Spitzel und verfolgen Militärangehörige gang besonders. 

Seinen Asylantrag in Deutschland reichte er im Oktober 2015 ein. Der Mann wurde nicht als Flüchtling anerkannt, bekommt aber einen subsidiären Schutz. Das heißt, sein Status wird öfter als bei anerkannten Flüchtlingen wiederholt geprüft und er darf seine Frau und seine zwei Söhne nicht nachkommen lassen.


In der Begründung des negativen Bescheids des BAMF heißt es wörtlich:

„Die vorgetragene Verfolgung durch die Taliban begründet nicht die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Der Antragsteller hat vielmehr Afghanistan wegen der allgemeinen Sicherheitslage und den versuchten Bombenanschlägen nach eigenen Angaben verlassen. Die Anschläge waren nicht zielgerichtet gegen ihn als Person gerichtet. Die Anschläge zielten vielmehr darauf ab, die Angehörigen der afghanischen Streitkräfte zu dezimieren. Eine gezielte Verfolgung seiner Person ist somit nicht ersichtlich.“

Hier der Link zum gesamten Artikel der Frankfurter Rundschau vom 29.05.2017 >>> 
Sehr empfehlenswert! 

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Aus der FB-Seite Chronik der Gutmenschen 


Morgen findet wieder eine Sammelabschiebung nach Afghanistan statt. Hier eine Übersicht zu geplanten Protesten:

Frankfurt - 18:00 - Hbf; 18:30 - Flughafen
Hamburg - 19:00 - Reesendammbrücke
München - 17:40 - Hbf; 19:00 - Flughafen
Erfurt - 18:00 - Anger
Heilbronn - 15:00 - Kiliansplatz
Karlsruhe - 17:30 - Ludwigsplatz
Wiesloch - 17:00 - Kirchplatz
Stuttgart - 18:00 - Schlossplatz
Gammertingen - 18:30 - Stadtbrunnen
Ravensburg - 18:00 - Marienplatz
Tübingen - 18:30 - Holzmarkt
Schwäbisch Hall - 17:00 - Milchmarkt
(Quelle: Pro Asyl)

Ihr kennt potenziell von der Abschiebeaktion Betroffene? Sie freuen sich sicherlich über ein paar Tage Urlaub, irgendwo außerhalb ihrer Wohnung. Am besten ab heute.

Passend zum Thema:

27.5. - mindestens 28 Tote durch Bombenanschläge in Chost (Südosten) und in der Provinz Herat (Westen)

26.5. - bei Taliban-Angriffen in der Provinz Kandahar (Süden) sterben mindestens 15 afghanische Soldaten (Quelle siehe 27.5.)

20.5. - in Kabul werden eine deutsche Frau und ein Wachmann von Bewaffneten getötet

Bei Taliban-Angriffen im Südosten kommen mindestens 20 Polizisten ums Leben.

Mai - bei einem Taliban-Angriff auf einen Militärstützpunkt in Masar-i-Scharif (Norden) werden mindestens 135 Sicherheitsleute getötet.

Seit Jahresbeginn sind fast 90.000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben worden. Zwangsvertreibungen fanden in 29 von 34 afghanischen Provinzen statt.

Afghanistan ist kein sicheres Land! Wer Menschen dorthin abschiebt, riskiert ihren Tod! (f)

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Petition des Flüchtlingsrats NRW



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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz. 


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