Bei Angriffen der radikalislamischen Taliban auf Armee und Zivilisten sind in Afghanistan mindestens 14 Menschen getötet worden. In der nordafghanischen Provinz Kunduz starb ein Kind, als Taliban heute in der Früh (25.05.2017) fünf Mörsergranaten in Richtung Gouverneurspalast abschossen / Auf ein Wort - von Lemiye / Du erzählst ... ein kleiner Text von Una Rieß-Stadnik

Kunduz City
Mindestens 14 Tote bei Taliban-Angriffen in Afghanistan

Bei Angriffen der radikalislamischen Taliban auf Armee und Zivilisten sind in Afghanistan mindestens 14 Menschen getötet worden. In der nordafghanischen Provinz Kunduz starb ein Kind, als Taliban heute in der Früh fünf Mörsergranaten in Richtung Gouverneurspalast abschossen.

Gefechte in Kandahar

In der südafghanischen Provinz Kandahar starben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht auf heute mindestens 13 Soldaten in Gefechten mit Taliban im Bezirk Maiwand. Acht Soldaten seien verletzt worden. Aber auch viele Taliban-Kämpfer seien getötet worden, sagte Ministeriumssprecher Daulat Wasiri.

Hier der Link zum Artikel von ORF.at vom 25.05.2017 >>> 

Mindestens 14 Tote bei Taliban-Angriffen in Afghanistan / Artikel vom 25.05.2017 / ORF.at

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AUF EIN WORT
von Lemiye 


Eine Kolumne vom Journalisten André Mielke, mit ergänzenden Worten unserer Bloggerin Lemiye. Die Textpassagen von Lemiye sind kursiv gestellt.  

Liebe Freundinnen und Freunde!

Kanzlerin Merkel lächelt nett und fordert „Rückführung, Rückführung und nochmals Rückführung“. Und weil alles gerade über Trump und Orbán wettert: Die Mauer an der türkisch-syrischen Grenze ist schon halb fertig.

Vor einem Jahr – die Zeit vergeht im Sauseschritt – zogen ein paar Kulturprominente vors Kanzleramt, um die Regentin zu lobpreisen, für Herzensgüte, das freundliche Flüchtlingsgesicht und „Wir schaffen das“. (…)


Dieses Merkeldankfest wirkte etwas, sagen wir, eigenartig. Kunst und Macht sind sich zwar seit jeher traulich zugetan, aber das hier war ja nun – ich hoffe doch – keine klassische Auftragsarbeit. Eine bizarre Note bekam die Szene dadurch, dass die Kanzlerin nicht daheim war: Sie verhandelte gerade in Brüssel mit ihrem türkischen Menschenrechtspartner...

Seitdem habe ich im Fernsehen wiederholt Prominente erleben dürfen, die der Flüchtlingskanzlerin für die offene Grenze und die durch sie initiierte Willkommenskultur huldigten.

Ich wollte das vergessen. Jetzt kommt alles wieder hoch. Kürzlich hat der für gewöhnlich gut informierte „Welt“-Journalist Robin Alexander ein Flüchtlingskrisenprotokoll veröffentlicht: „Die Getriebenen“.

Demnach einigten sich die Spitzen von Union und SPD, inklusive Kanzlerin, am 12. September 2015 darauf, die Grenze dicht zu machen. Es gab sogar schon den Einsatzbefehl an die Bundespolizei, Migranten ohne Papiere „auch im Falle eines Asylgesuches“ zurückzuweisen.

Dann fiel jemandem ein, dass „Zurückweisungen“ durchaus auch hässliche Bilder produzieren könnten. Ja? Kann das sein? Geht das nicht in hübsch? Nein? Wie dumm. Hm. Dann war da wohl nichts zu machen.

Die Grenze blieb notgedrungen erstmal offen. Die Kanzlerin setzte dazu ihr freundliches Flüchtlingsgesicht auf und setzte sich für Flüchtlingsselfies ansprechend in Szene.


Vielleicht funktioniert Politik ohne Heuchelei nicht. Wie immer man das Nichtsmachen nennen will, ob „getrieben“ oder „treiben lassend“, ob „Chaos aus Verantwortung“ oder „Staatsversagen“: Damals fuhr weder der mildtätige Geist Jesu in die Bundesregierung, noch war sie von allen guten Geistern verlassen. Es sollte einfach nur nett aussehen. Seitdem schuften die Ergebniskosmetiker. Peter Altmaier und Armin Laschet bauten ein pyramidales Verklärwerk.

"Wir schaffen das"-Merkel fordert „Rückführung, Rückführung und nochmals Rückführung“. Deutsche Politiker tingeln durch Nordafrika und lernen Machthaber schätzen, gegen die der türkische Präsident Erdogan ein Gewaltenteilungsfetischist ist.


Dieses Geschacher um Rücknahmeverträge gegen Geld wäre erträglicher, würde es nicht als „Kampf gegen Fluchtursachen“ verkauft. Oder bestand vor 1961 die Fluchtursache in der DDR etwa darin, dass es zwischen Ost- und Westberlin keine Mauer gab?

Soll ich offen sein? Es gibt Ursachen, die nicht mal Deutschland mit Geld zuschütten kann. Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 verdoppeln. Das sagen die UN, nicht die AfD. Wer dieses Problem in Europa lösen will, löst Europa auf. Klar, Afrika muss geholfen werden. Es ist zu tun, was getan werden kann. Aber es sieht nicht so aus, dass deshalb selbst von einem Ort wie Gelsenkirchen-Buer alsbald kein „Pull-Effekt“ mehr ausgeht: 

immer noch besser als die afrikanische Hölle!

Und weil alles gerade über die Borderliner Donald Trump und Viktor Orbán wettert: Die Mauer an der türkisch-syrischen Grenze ist schon halb fertig. Geplant sind 511 Kilometer. Drei Meter hoch. Stacheldraht. Wachttürme. Dort stehen keine Kameras. Der Sultan erfüllt zufriedenstellend seinen Teil des Flüchtlingsdeals. 

Ihm liegt die Drecksarbeit, während. Deutschland dafür eben besser delegieren, nett aussehen und beliebt sein kann.

Vielleicht funktioniert Politik ohne Heuchelei ja gar nicht. Viele, die reinen Herzens waren, haben die wunderschöne Geschichte von der großzügigen Flüchtlingskanzlerin geglaubt. Das macht es nicht besser. 

Unter ihrer Federführung und der Premiummitwirkung ihres Pudels Misere schnürte der Bundestag jedenfalls ein skandalöses Asylverhinderungspaket, dass Flüchtlingen elementare Grundrechte abspricht und die Säge an die Säulen unseres Rechtsstaates setzt.

Und ungeachtet der katastrophalen Sicherheitslage im Kriegsgebiet Afghanistan, die täglich ihre Todesopfer fordert, startet der nächste Deportationsflieger nach Kabul voraussichtlich am 31. Mai 2017. Wieder werden unbescholtene afghanische Männer, deren die ausführenden Staatsorgane habhaft werden konnten, im Auftrag der Bundesregierung und der Regentin Merkel in Kabul ausgesetzt und zu Opfern gemacht.

Draußen scheint die Sonne: ideales Wetter für Väter zum Sich besaufen. Anders als voll besoffen hält man die Welt kaum noch aus. Ich wollte, ich wäre mein Hund!

Schönen Tach vor allem den daheim gebliebenen Müttern, die Vatter endlich mal von der Couch haben...

(Fast vergessen: Mein Text entstammt in Teilen einer Kolumne von André Mielke.)


Hier der Link zum Artikel der Frankfurter Rundschau >>> 

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DU ERZÄHLST 

Von Una Rieß-Stadnik

Una Rieß-Stadnik ist seit 2015 Flüchtlingshelferin in Coswig bei Dresden. "Da sein, helfen nach meinen Möglichkeiten"! 


Du erzählst. Nur durch Zufall bist Du hier und nicht Dein Nachbar. Denn nur durch Zufall haben sie seinen Kopf abgeschnitten und nicht Deinen. 

Du telefonierst mit Deiner Familie und hörst Schüsse und Explosionen. Die Taliban sind im Ort. Keine zwei Kilometer vom Zufluchtsort Deiner Familie entfernt. 

Ich stelle mir vor, von hier bis zum Bahnhof. Die Taliban kommen, verbreiten Angst und verschwinden. Bis zum nächsten mal. Du erzählst, Du bist jeden Tag zur Arbeit gegangen. In ein Büro. 

Deine Hände sind fein, haben nicht schwer arbeiten müssen und nicht kämpfen. Jeden Tag 8 Uhr bist Du aus dem Haus gegangen, Du wusstest nicht, ob Du am Abend wieder da sein wirst. Sie haben Dich angerufen, Du sollst zu ihnen gehen. Töten. Das wolltest Du nicht. 

Es wurde für Dich gefährlich. Du musstest Dich entscheiden, tot sein oder gehen. Du bist gegangen. Wie würde ich entscheiden? 

Gestern haben sie in Deinem Ort eine Mädchenschule niedergebrannt. Ich frage Dich, ob Du Leichen gesehen hast. Du erzählst von 15 zerfetzten Menschen vor Deinem Büro. Vom Körper eines Nachbarn, dessen Kopf ein paar Meter entfernt auf der Straße lag. Deine braunen Augen schauen traurig. Ich bin hilflos und ohnmächtig. 

Dein Asylantrag wurde abgelehnt. Weil Deine Anhörung eine Farce war. Der Dolmetscher sprach nicht Deine Muttersprache. Sie haben Dir Worte in den Mund gelegt, die Du nie gesagt hast. Wie bei so vielen. Ich weiß nicht wie ich Dir helfen kann. Ich bin zu unbedeutend. Aber ich werde kämpfen. Um jeden von Euch

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. Deutsches Grundgesetz. 

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