DEUTSCHE BEHÖRDEN -- WERDEN WIR BELOGEN? SHAMS - EIN SCHICKSAL

Shams nach der Abschiebung 
Wir werden die deutsche Botschaft in Afghanistan anschreiben und um Hilfe bitten. 
Erhard Thiel hat die aktuelle Situation von Shams zusammengefaßt und die aktuellen Informationen von Klaus Peter Metzger einfließen lassen. 


Shams braucht Ihre Hilfe! 

Shams, ist ein 24jähriger Afghane, der Anfang Februar nach Kabul abgeschoben wurde. 18 junge Afghanen saßen damals im Flieger. Eigentlich hätte Shams nicht dabei sein dürfen. Laut Gesetz. Es schützt Kranke vor Abschiebungen.. Eigentlich. Warum dies bei Shams nicht geschah? Offene Frage! 

Jedenfalls verzichteten die Entscheider über Wohl und Wehe auf eine bündige Erklärung. Es bleibt der Fakt: In dem schwer traumatisierten Zustand sahen sie kein Hindernis, Shams die volle Härte eines Gesetzes der gnadenlosen Art spüren zu lassen. Eines Gesetzes, dessen innere Logik sich nicht zwingend aufdrängt, und die Prinzipien von Gerechtigkeit und Gleichbehandlung außer Kraft setzt, was man von einem Gesetz erwarten dürfte. 

Nun lebt Shams in einem Land, in dem Krieg und Perspektivlosigkeit herrschen, in dem der Terror tagtägliche Gewohnheit ist. Die deutschen Behörden haben Shams damit entweder den Taliban oder der ISIS vor die Füße geworfen. Jenen Terrororganisationen, vor denen Shams aus Afghanistan geflohen war. Dies alles zeigt, dass die Beteuerungen der deutschen Behörden nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Vieles ist schlichtweg falsch, so hieß es zum Beispiel, Shams kehre nach Kabul zu seiner Familie zurück. Das war falsch. Bereits vor Jahren wurde der Vater von den Taliban ermordet, die Mutter und die Brüder sind vor dem Terror nach Pakistan und in den Iran geflohen.

Ehrenamtliche Helfer stellten für Shams zumindest einen Kontakt zu der Hilfsorganisation AMASO und zu ihrem ehrenamtlichen Leiter Abdul Ghafari her. Somit steht Shams nicht völlig allein in einem fremdgewordenen Land. 

Es hieß auch, der schwer traumatisierte Shams, der unter ständig wiederkehrenden, bohrenden Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit leidet, der mit Erinnerungslücken kämpft, sei vor dem Flug mit Medikamenten ausgestattet worden und er besitze auch Adressen, um seine medizinische Versorgung in jeder Situation sicher zu stellen. Auch das ist falsch. Erst zwei Wochen nach seiner Ankunft in Kabul fand Shams eine Apotheke, die ihm jene Medikamente liefern konnte, die er dringend benötigte. Nur durch die Spenden Passauer Bürger ließen sich die immensen Kosten ausgleichen. 

Pfarrer Metzger weiß aus Gesprächen mit Shams über Handy, dass es Shams gesundheitlich wesentlich schlechter geht, als vor seiner Abschiebung. Die rasenden Kopschmerzen sind zurückgekehrt, auch die Ängste, hinzu kam im langen Winter von Kabul noch ein hartnäckiger Infekt, der ihm nach Monaten immer noch anhängt. 

Es hieß auch, Shams würde stets in schwieriger Lage geholfen werden, darauf könne er sich verlassen, er habe vor dem Abflug Adressen von Personen und Institutionen erhalten, an die er sich in schwieriger Lage wenden könne,... wiederum falsch. Nichts hatte er bekommen. Er ist immer noch obdachlos. Manchmal bleibt ihm zum Übernachten nichts anderes als eine LKW-Pritsche. Gelegentlich konnte er auch bei einem Freund unterkommen, den er zufällig traf. 

Im Zusammenhang mit der Abschiebung von Shams sprachen Vertreter der zuständigen Behörden gern von "sicheren Gebieten". Auch das ist falsch, wie wir den täglichen Nachrichten entnehmen können. Am Freitag (21.04.2017) griffen Taliban-Kämpfer im Norden Afghanistans den Armee-Stützpunkt Masar-i-Sharif an, dort, wo auch die Bundeswehr einen Stützpunkt unterhält und sich Innenminister de Maizières in martialischer Schutzkleidung fotografieren ließ. Das Grauen ließ sich schon Freitagnacht in Zahlen ausdrücken: mindestens 60 Tote - ein wahrhaft sicheres Land. 

Auch der UNHCR-Bericht widerspricht der Schutzbehauptung der Bundesregierung, die damit offensichtlich das Tor für weitere Abschiebung weit öffnen will.
Shams, vor den Ereignissen ein Polizeirekrut mit allen positiven Eigenschaften dieses Standes, ist heute ein gebrochener Mann. Er wagt sich kaum noch auf die Straße - und muß doch auf der Straße leben.

Am 24. April sollen möglicherweise von München aus, erneut junge Männer nach Afghanistan deportiert werden. Es ist unfassbar, dass Parteien in diesem Land das große C wie ein moralisches Gütesiegel in ihrem Parteinamen führen, sehenden Auges Menschen in den Abgrund stoßen.

Dieser Beitrag wurde von Erhard Thiel verfaßt (21.04.2017) 

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Hier nochmals der Arte-Beitrag u.a. zu Shams "Abschiebung in den Terror"

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Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Deutsches Grundgesetz) 


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