POUYA - dauerhaftes - Bleiberecht - jetzt! (22.03.2017)

Shams 

"Ich wünsche mir Frieden für alle Menschen auf der Welt"

Das hat Pouya am Ende des Interviews bei >SWR NEWS FOR REFUGEES< gesagt. Das komplette Interview ist leider noch nicht auf der FB-Seite eingestellt.





Ärger um Flüchtlingsberatung: Ministerium schickt "Drohbrief" an Wohlfahrtsverbände

Ein Artikel vom Focus (17.03.2017) >>

Das Bayerische Sozialministerium setzt die Wohlfahrtsverbände im Freistaat stark unter Druck. Staatsministerin Emilia Müller und ihren Mitarbeitern gefällt offenbar gar nicht, wie die Wohlfahrtsverbände, der Flüchtlingsverband und andere Organisationen Flüchtlinge beraten. 


Dies berichteten wir und konnten es kaum glauben, was sich unser Staat hier "leistet". Wenn man nun dazu den Bericht im Focus liest, wird wohl noch deutlicher, wie hoch der Druck der politischen Kräfte der Regierung sein muss, wenn es zu solchen Maßnahmen seitens des Staates kommt. 

Hier noch einmal ein Absatz aus dem Artikel des bayrischen Flüchtlingsrats >> 

Trotz bundesweiter Proteste hält die Regierung an ihrer menschenverachtenden Abschiebepraxis nach Afghanistan fest und plant voraussichtlich für Ende März die vierte Sammelabschiebung nach Kabul. Bei den vorangegangenen Terminen hat der Bayerische Flüchtlingsrat Unterstützer*innen über das Datum des Abschiebefluges informiert und dazu aufgerufen, potentiell Gefährdete zu warnen. Trotz Drohgebärden von Behördenmitarbeiter*innen und aus dem bayerischen Sozialministerium werden wir auch in Zukunft an dieser Praxis festhalten. Wir hoffen, Sie auch!

Wir müssen uns das vor Augen führen! Staatliche Stellen drohen ganz unverhohlen damit, dass Steuergelder für die entsprechenden Wohlfahrtsverbände möglicherweise nicht weiter zur Auszahlung kommen könnten. Hier soll also ein menschenfreundliches Verhalten mit aggressiven Mitteln seitens des Staates unterbunden werden. Wir werden darüber in der Zukunft weiter berichten. 

Pouya aktuell: 

Die Proben für das Theaterstück >Angst essen Seele auf< werden am 24.03.2017 in der Schauburg in München beginnen. 
Die Hauptrolle des Ali wird Pouya spielen. Wir erinnern > Am 02.08.2017 endet das Künstlervisum von Pouya, dann müsste er nach Lage der Dinge wieder zurück nach Afghanistan. 

Shams aktuell: 

Klaus Peter Metzger bat uns, zum gestrigen Update noch einige inhaltlichen Korrekturen vorzunehmen. Hier also eine aktualisierte, korrigierte Zusammenfassung  (21.03.2017) zum Schicksal von Shams.  >>>

Beauftragter für Asyl und Migration im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Passau
Klaus Peter Metzger, Pfarrer i. R.

Während am 8. März durch den IS in einem Krankenhaus in Kabul ein Blutbad angerichtet wurde, wurden am selben Tag bereits wieder afghanische Flüchtlinge für die nächste geplante Deportation dorthin in Abschiebehaft genommen.

Am 13. März ereignete sich ein weiterer Terroranschlag in Kabul - die Mitarbeiterin der NGO AMAZO Liza Schuster schrieb dazu gestern: "What more will it take for EU governments to stop deportations?"

Neben diesen angesichts der Gefahrenlage in Afghanistan m.E. verantwortungslosen Abschiebevorgängen in Bayern und anderen Bundesländern möchte ich auf einen der besonders krassen Fälle hinweisen, den wir in Passau begleiten und der exemplarisch steht für eine skrupellose, unmoralische und selbstverständlich erst recht unchristliche Vorgehensweise von Politik und Behörden im Land:

In der Presseerklärung des bayerischen IM nach der Abschiebung am 22.2.17 hieß es:

" ... es handelte sich um alleinstehende junge Männer, darunter Straftäter."

Mit solchen Sätzen wird in den letzten Wochen der Eindruck erweckt, dass es sich bei den Abgeschobenen um lauter straffällige, gesunde, junge Leute handelt, die nur zu feige sind, ihr Land wieder aufzubauen, wie Herr Söder erst vor ein paar Tagen mit seinem Vergleich mit Deutschen Soldaten andeutete. Auch die Äußerung des CDU-Politikers Jens Spahn geht in diese Richtung.

U.a. bei der Abschiebung am 23.1.17 in Passau war nun aber, wie auch in anderen Bundesländern aus dem Raum Passau ein Mensch betroffen, bei dem dies ganz und gar nicht zutraf und dessen Abschiebung hier große Empörung hervorgerufen hat:

Im Fall Shams Ahmadi wurde kein Straftäter, sondern ein schwerkranker junger Mann abgeschoben, der keine Familie mehr in Afghanistan hat.

Er ist auf dringender Empfehlung eines Passauer Psychotherapeuten 6 Wochen in der geschlossenen Psychiatrie Passau behandelt worden. Er hatte die schriftliche Diagnose eines retraumatisierten, posttraumatischen Belastungssyndroms, verbunden mit starken Kopfschmerzen, Orientierungslosigkeit, Gedächtnisverlust und Suizidalität. Er wurde mit einem entsprechenden ärztlichen Attest entlassen, in dem seine Erkrankung diagnostiziert wurde.

Aufgrund dieser Diagnose hätte er noch bis zum Mai diesen Jahres eine richterlich angeordnete amtliche Betreuung gehabt. Ein Folgeantrag wurde trotz dieser Diagnose aber abgelehnt, obwohl er weiter dringend auf Medikamente angewiesen ist.

Entgegen der Aussagen der Ausländerbehörde in Deggendorf und des zuständigen Verfassungsrichters, erhielt er keinerlei Medikamente und auch keine Adressen für ärztliche Betreuung in Kabul.

Diese Abschiebung betraf uns als Helfer im „Freundeskreis Firmiangut“ besonders, da wir den jungen Mann ein Jahr lang begleitet haben und mit ihm gerade an einem Punkt waren, wo der er durch das Engagement von Ärzten, Therapeuten und Ehrenamtlichen erste Anzeichen einer gesundheitlichen Besserung und einer positiven Lebensorientierung zeigte.

Unabhängig von der Gefahrenlage würde er nach seiner Abschiebung vielleicht nicht mehr leben, wenn er nicht über ehrenamtliche Hilfe des Passauer Helferkreises „Freundeskreis Firmiangut“ und zahlreicher anderer Privatpersonen und Medien deutschlandweit Medikamente und Ansprechpartner vermittelt bekommen hätte.
In dem Attest aus der Klinik heißt es: „Da der Patient weiterhin suizidal ist, ist aus ärztlicher Sicht eine Abschiebung in sein Heimatland nicht zu verantworten.“
Shams Ahmadi war 5 Wochen obdachlos, übernachtete auf LKW-Pritschen oder konnte mal bei einem Bekannten unterkommen, den er glücklicherweise wiedergetroffen hatte. Durch die Hilfe von Ehrenamtlichen in Deutschland konnte er jetzt ein kleines Zimmer bei diesem Bekannten mieten – er selber ist abgesehen von den 50 USD, die er bei der Einreise vom IOM erhielt, vollkommen mittellos und kann in seinem gesundheitlichen Zustand auch keine Arbeit finden und ausüben.
Shams konnte durch Vermittlung von Ehrenamtlichen Kontakt zu AMASO in Kabul aufnehmen und hat seit dem dort einen Anlaufpunkt, wo er Geld und Medikamente aus Spendenmitteln bekommt, die von Passau nach Kabul transportiert wurden.

Wir fragen: Was geschieht mit denen, die nicht das Glück hatten, den Kontakt zu ehrenamtlichen Helfern in Deutschland zu halten.

Darüber hinaus befürchten wir, dass wir dem kranken Mann auf die Dauer in Kabul nicht werden helfen können, auch deshalb, weil eine PTBS nicht am Ursprungsort des Traumas geheilt werden kann, und dass er - auch nach Aussagen einer erfahrenen Fernseh-Korrespondentin, die ihn Anfang März in Kabul besucht hat - ohne Hilfe in seinem Gesundheitszustand unter die Räder kommt.

Aktuell hat sich sein Zustand trotz Medikamenten, die wir ihm mittlerweile haben zukommen lassen verschlechtert.
Wir fordern deshalb hier nach wie vor eine Rückgängigmachung dieser Abschiebung!

Generell beobachte ich gerade mit großer Sorge:
Geflüchtete Menschen aus Afghanistan werden in diesen Wochen im Blick auf die bevorstehenden Wahlen zu einem Bauernopfer der Politik gemacht, um an den rechten Rändern der Gesellschaft Wähler einzufangen!
Ehrenamtliche geraten immer mehr in die absurde Situation, dass sie den Eindruck haben, als Bürger dieses Landes Geflüchtete vor den Behörden dieses Landes schützen zu müssen.
Sie erleben Abschiebungen nicht als rechtsstaatliche Maßnahmen, sondern als etwas, dass in sehr vielen Fällen den rechtsstaatlichen Aussagen widerspricht und gegen alle Regeln der christlich - humanistischen Wertevorstellungen verstößt.
Ehrenamtliche in Passau begegnen, wie an anderen Orten in Deutschland auch, tagtäglich geflüchteten jungen Leuten u.a. aus Afghanistan und erleben deren Zwangssituation zwischen Nicht- Bleiben-Dürfen und Nicht-Gehen-Können hautnah mit, die Abschiebeangst bis hin zur Suizidalität.
Ehrenamtliche haben durch diese Abschiebepraxis immer mehr den Eindruck, dass ihre Arbeit und Ihr Bemühen, Geflüchteten bei der Orientierung und Integration zu helfen mit Füßen getreten wird.
Im Fall Ahmadi hieß das, dass alle Bemühungen um medizinisch-therapeutische Hilfe für den Kranken inklusive weiterer vereinbarter Termine durch die Abschiebung zunichte gemacht wurden.

Wir fordern aus diesen Erfahrungen heraus umso deutlicher, dass diese Deportationen in ein vom Krieg und Terror geprägtes Land, wie es Afghanistan ist, endlich aufhören! 


Unser Drauf-Blick!
Wenn wir einen Blick in unser Archiv mit den sehr vielen Schicksalen machen, dann möchten wir/ich sehr gern jeden Tag über noch viel mehr menschliche Schicksale berichten, damit die Öffentlichkeit sich damit auseinandersetzen muss. 

(siehe auch unsere Einzelfälle - Eine Detailbetrachtung)

Leider ist die Gruppe derer, die hier im BLOG schreiben noch nicht groß genug, damit wir täglich über mehrere Schicksale berichten können. Wenn sich also jemand von euch da draußen auf der zivilgesellschaftlichen Ebene engagieren will und sich für hilfsbedürftige Menschen einsetzen will, dann meldet euch einfach bei uns. (z.B. per Kontaktformular)
 

Horst Berndt (März 2017)

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